Prozessbericht vom zweiten Verhandlungstag

Am 17.06. begann um 9:10 Uhr vor dem Landgericht in Berlin-Moabit der zweite Verhandlungstag gegen unseren Freund und Gefährten Cem unter den gleichen Sicherheitsmaßnahmen wie beim letzten Prozesstag. Der Zuhörerbereich war mit ca. 14 Zuhörenden besetzt, eine Vertreterin der Presse war ebenfalls anwesend. Der vorsitzende Richter begann die Verhandlung mit der Verkündung des Beschlusses, dass der Antrag der Verteidigung bezüglich der fehlenden Akten zum Prozess – es handelt sich um zehn Ordner mit einem Umfang von ca. 2000 Seiten – zurückgewiesen wird. Hierzu stellten die Rechtsanwälte einen Antrag, in dem sie forderten, dass die Verhandlung bis zum übernächsten Prozesstermin unterbrochen werden soll, um der Verteidigung genug Zeit zur Durchsicht der nun aufgetauchten Akten zu geben, die sie erst am letzten Dienstag erhalten haben. Nach einer zehnminütigen Pause wies das Gericht diesen Antrag zurück mit der Begründung, dass das Verfahren ja noch lang genug dauere, so dass sich die Anwälte in die nun zugänglichen Akten einarbeiten und Zeugen erneut befragt werden könnten und die Akten ohnehin von geringer Relevanz seien. Des Weiteren handele es sich bei der Übergabe von digitalisierten Akten an die Rechtsanwälte um einen Service von Seiten des Gerichts, die Überprüfung auf Vollständigkeit müsse von den Anwälten ausgehen. In Bezug auf die fehlenden Akten merkten die Rechtsanwälte an, dass die Entscheidung von Relevanz oder Irrelevanz der Akten nicht dem Richter obliege, sondern von den Anwälten zu prüfen sei. Im Anschluss verkündete der vorsitzende Richter die Zurückweisung des Einstellungsantrages aufgrund nicht vollständiger Akteneinsicht, da sich daraus keine andere Verfahrenslage ergeben habe und die Frage, ob ein Verfahrensverstoß vorliege, werde in der Schlussberatung geklärt. Weiterlesen

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(Spanischer Staat) AD NAUSEAM

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Einleitung von der Soligruppe für Gefangene

Hier ein Text aus den späten 90ern, der damals im spanischen Staat viele Wellen geschlagen hat. Vieles erinnert, auf eine morbide Art, an die jetzige Lage. Man müsste nur ein paar Namen, Orte und Ereignisse ändern und dann wäre vieles verblüffend ähnlich, wie peinlich, nichts dazu gelernt. Die Übersetzung ist ein weiteres Mal von uns.

Eine weitere Bemerkung ist vonnöten. Es handelt sich um den Begriff buen rollo (immer kursiv), welchen wir auf Spanisch gelassen haben und eine Erklärung erfordert. Im Allgemeinen bedeutet im Spanischen buen rollo sowas wie gute Laune, lockere Stimmung, cool sein usw. Als pejoratives Wort, was in anarchistischen Kreisen sehr oft so verwendet wird, siehe dieses Verhalten als Ideologie buenrollismo, bedeutet und beinhaltet es eine künstliche und aufgesetzte Harmonie, degenerierte Hyperfreundlichkeit; hypersozialisierte Falschheit, damit unter keinen Umstand Konflikte stattfinden. Ein konfliktscheues Verhalten zugunsten einer Harmonie, die die eigene Haltung unterdrückt. Ganz nach dem Motto, da wir alle Zecken sind, müssen (im imperativen Sinne) wir uns alle verstehen, weil wir dieselben Ziele verfolgen, was absolut falsch ist und unter keinem Zustand stimmt. Weiterlesen

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Prozessbericht vom ersten Verhandlungstag

Der Auftakt im RAZ-RL-radikal-Prozess gegen unseren Gefährten begann unter strengen Sicherheitsmaßnahmen am 08.06.2021 um 13 Uhr vor dem Landgericht in Berlin Moabit mit dem 1. von bisher insgesamt 21 angesetzten Gerichtsterminen. Vor dem Eingang zum Gerichtsgebäude in der Wilsnacker Str. fand ab 12 Uhr eine Kundgebung in Solidarität mit dem Angeklagten statt, an der sich ca. 40 Menschen beteiligten.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer wurden beim Betreten des Gerichtsgebäudes von den Justizbullen durchsucht, nichts durfte mit rein, auch Bleistift und Papier mussten abgegeben werden mit dem Hinweis, im Saal würden Stifte und Papier zur Verfügung gestellt werden. Als der dritte Mensch sich der Durchsuchung unterzog, kam ein Anruf an die Bullen, worauf es hieß, es gäbe nicht genug Stifte und Papier und die mitgebrachten Schreibutensilien wurden wieder ausgehändigt. Um ca.13:15 Uhr wurden die Zuhörerinnen und Zuhörer vom Wartebereich, in dem es im Übrigen keine funktionierenden Toiletten gab, in den Sitzungssaal gelassen. Weiterlesen

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Anordnung des Gerichtes zum Prozess gegen unseren Gefährten

Für den Prozess am kommenden Dienstag dem 08. Juni 2021 gegen unseren Gefährten und Freund (RAZ-RL-Radikal) gibt es Anordnungen vom Gericht, die wir hier aufzählen werden. Damit es vor Ort nicht zu Überraschungen kommt.

I. Allgemeines

1. Der Zugang erfolgt für Zuhörer über das Portal B 129 für alle übrigen Personen durch die bewachte Schleuse. Das Portal B 129 und die Schleuse werden eine Stunde vor Prozessbeginn geöffnet.

3. Die bei der körperlichen Durchsuchung von den Kontrollbeamten festgestellten Gegenstände die nach den folgenden Vorschriften nicht in den Saal bzw. in den Sicherheitsbereich hinter der Schleuse eingebracht werden dürfen, sind amtlich zu verwahren. Eine Haftung für diese Gegenstände ist ausgeschlossen. Personen die mit der Hinterlegung der Gegenstände nicht einverstanden sind, erhalten zum Sicherheitsbereich und zum Saal keinen Zutritt. Weiterlesen

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Bernd Heidbreder ist verstorben

Nach 26 Jahren auf der Flucht vor den deutschen Behörden erhielten wir gestern die traurige Nachricht, dass Bernd Heidbreder in Mérida, Venezuela verstorben ist.

Bernd wurde beschuldigt Mitglied der militanten Gruppe K.O.M.I.T.E.E gewesen zu sein. Das K.O.M.I.T.E.E war in den Jahren 1994/1995 eine militante Gruppe in Berlin, diese setzte ein Gebäude des Verteidigungskreiskommandos 852 der Bundeswehr 1994 in Brand, in einer Erklärung hielt die Gruppe fest: dass Deutschland „Kriegspartei im Völkermord in Kurdistan (ist) – militärisch, ökonomisch, politisch“, und dass sich ohne Übertreibung feststellen lasse, „dass die BRD heute für die Türkei die gleiche Bedeutung hat, wie die USA ehemals für Vietnam und Mittelamerika“. 1995 versucht das K.O.M.I.T.E.E den Abschiebeknast-Grünau in Berlin zu sprengen, es ging Ihnen darum den Umbau des leerstehenden Knastes so stark zu beschädigen, dass die Fertigstellung des Knastes viel mehr Zeit in Anspruch genommen hätte. Weiterlesen

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Der Gefährte Claudio Lavazza ist nach Frankreich ausgeliefert worden

Quelle Malacoda, dieser Artikel wurde am 14. Mai 2021 veröffentlicht und die Adresse wie einige Angaben im Text wurden korrigiert, die Übersetzung ist von uns, wir haben auch schon mehrere Artikel über Claudio Lavazza veröffentlicht.

Letzte Woche wurde der anarchistische Gefährte Claudio Lavazza, der bereits fast 25 Jahre in den Gefängnissen des spanischen Staates verbracht hat, nach Frankreich ausgeliefert, wo er eine 10-jährige Haftstrafe zu verbüßen hat (gegen Claudio Lavazza wird in Frankreich noch wegen anderen Straftaten ermittelt, daher ist noch nicht klar wie viele Jahre Knast ihm noch bevorstehen).

Was die Verurteilungen gegen ihn in Italien wegen seiner Militanz/Mitgliedschaft in Proletari Armati per il Comunismo (PAC) betrifft, so hat das Berufungsgericht in Mailand heute Morgen (am 12. Mai) erklärt, dass sie verjährt sind. Weiterlesen

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Argentinien: Krise und Coronavirus

Ein paar Wörter zu diesem Text, dieser Text ist eine Erweiterung des Artikels BLEIB ZU HAUSE, aber die Lage im Allgemeinen in Argentinien analysiert. Anscheinend erscheint dieses Interview als ein Teil vieler solcher in kürzerer Zeit. Wir finden nach wie vor, dass es sehr wichtig ist solche Texte wie diesen ins Deutsche zu übersetzen, nicht nur damit die Realität und die Zustände in anderen Teilen der Welt bekannt sind, wir von der schneidigen Kritik lernen können sowie auch die Kämpfe anderweitig verbreiten, sondern auch weil die Essenz der Kritik an den Staat und das Kapital an vielen Orten dieser Welt nicht aufgegeben worden sind, was hier nicht mal zu der jetzigen Zeit sich stilisiert, sondern nur mehr auffällt. Nicht-Aufgeben nicht als ein semantischer oder idealisierter Geisteszustand, sondern als eine historische Notwendigkeit für den Kampf einer freien menschlichen Gemeinschaft. Wir werden von unserer Seite aus, weiterhin solche Texte übersetzen und selber schreiben, komme was wolle.

Soligruppe für Gefangene


Argentinien: Krise und Coronavirus

Anfang dieses Jahres führte das Kollektiv Angry Workers of the World eine internationale Umfrage zur aktuellen Situation von Pandemie und Einsperrung durch, die demnächst veröffentlicht werden soll. Hier sind unsere Antworten. Weiterlesen

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Bandilang Itim : Die Philippinen & der Anarchismus

Bandilang Itim : Die Philippinen & der Anarchismus

Interview von Asia Art Tours mit dem Bandilang Itim Kollektiv erschienen in zwei Teilen im März und April 2021, Teil 1 hier und Teil 2 hier. Die Übersetzung ist von uns.

Asia Art Tours: Eine der wichtigsten Lektionen, die ich aus diesem Sommer der globalen Aufstände mitgenommen habe, war die Wichtigkeit von Übersetzungen. Wenn es um Bandilang Itim (tagalisch für ‚Schwarze Fahne‘) geht, könntet ihr uns sagen (und euch so viel Zeit nehmen, wie ihr wollt), was historisch gesehen einige der wichtigsten abolitionistischen/anarchistischen/kommunistischen Begriffe sind, die die linke Politik der Philippinen definieren?

Butingtaon: Mit den jüngsten Gesetzen, die verabschiedet wurden, um angeblich die Auswirkungen der Pandemie zu mildern, denke ich, dass ein Begriff, den wir im Auge behalten sollten, „Solidarität“ ist, den wir bei Bandilang Itim mit „Bayanihan“ übersetzen. Im Gegensatz zum „Patriotismus“ und „Nationalismus“, die ständig von den Machthabern und denjenigen mit schädlichen Motiven (sehr oft die gleichen Leute) beschworen werden, um die Einheit mit denen aufrechtzuerhalten, die die Bewohner dieses Archipels, den wir die Philippinen nennen, weiterhin ausbeuten; wir bieten an seiner Stelle Solidarität an, sich um die Mitmenschen kümmern und sie unterstützen, in der Erkenntnis, dass die Überwindung der gemeinsamen Schwächen unsere gemeinsame Stärke ist. Weiterlesen

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Prozess RAZ, RL, Radikal, eine Änderung

Wie wir erfahren haben, hat sich der Saal wo das Verfahren stattfinden soll, geändert. Der Prozess geht wie geplant am achten Juni um 13:00 im Saal B218 im Landgericht, Turmstrasse 91, 10559 Berlin, los.

Weitere Informationen werden folgen.

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Archiv von abolishing the borders from below

Von 2001 bis 2010 wurde in Berlin eine anarchistische Publikation veröffentlicht, die den Schwerpunkt hatte über anarchistische und andere radikale-revolutionäre Kämpfe und Gruppen aus Ost-Europa zu berichten. Die ABB erschien auf Englisch, damit die Sprachbarriere in Ost-Europa aufgehoben werden konnte, aber auch damit sie überall gelesen werden konnte.

Einige von uns haben damals diese Publikation selbst gelesen und verteilt. Wir empfanden, fernab der theoretischen Differenzen, dass so ein Projekt doch endlich mehr Anarchisten und Anarchistinnen zwischen Ost- und Westeuropa verbinden könnte, als enorm wichtig und als eine unglaubliche Bereicherung. Denn obwohl wir hier in Berlin nur einen Steinwurf vor der Grenze zu Polen stehen, sind die Verbindungen zwischen den anarchistischen Bewegungen in Polen und in Berlin sehr marginal und nicht der Rede wert, was aber auch ein enormes Problem aufweist. Die ABB versuchte diese Lücke zwischen West- und Osteuropa zu füllen, wenn auch nur im Gedanken und im Wissen was überhaupt in Osteuropa passierte, welche Kämpfe geführt worden, wo und wieso Revolutionäre im Knast saßen, usw.

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