
Auf libcom gefunden, die Übersetzung ist von uns. Hier ein Stück anarchistischer Geschichte am Beispiel einer anarchistischen Zeitung die in Großbritannien während des II. Weltkriegs veröffentlicht wurde. Diese Zeitung wusste, im Gegensatz zur Gegenwart, wie trotz alledem, kohärent und konsequent die Positionen des Anarchismus verteidigt werden sollten. Verglichen mit der jetzigen Zeit scheinen die meisten selbsternannten ‚Anarchistinnen und Anarchisten‘ ein vulgärer Anachronismus und eine ideologische Verfälschung anarchistischer Positionen (kompromissloser Antimilitarismus und Anti-Etatismus). Aus der Geschichte lernen heißt weiterhin für die soziale Revolution zu kämpfen. Gegen jeden Revisionismus und Vulgarismus.
Artikel von Carissa Honeywell, veröffentlicht in „International Review of Social History“, Band 60, Ausgabe 2, S. 257–284 (August 2015). Dieser Artikel argumentiert, dass die britische Regierung in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs beschloss, „War Commentary“ zu verfolgen, weil Beamte befürchteten, dass dessen Polemik politische Unruhen schüren und die politischen Agenden der Nachkriegszeit vereiteln könnte, als das Militärpersonal begann, demobilisiert zu werden und seine zivile Identität wiederzuerlangen.
Anarchismus und der britische Kriegsstaat: Die Strafverfolgung gegen Anarchistinnen und Anarchisten von War Commentary, 1945
Anfang 1945, kurz vor Kriegsende, wurde eine kleine Gruppe von Londoner Anarchisten, die mit der radikalen antimilitaristischen und kriegsfeindlichen Publikation War Commentary1 in Verbindung standen, verhaftet und strafrechtlich verfolgt. Da diese Gruppe bis dahin als zu marginal und einflusslos galt, um offizielle Besorgnis zu erregen, erscheint dies zunächst als eine überraschende und ungewöhnliche Abfolge von Ereignissen. Die Entscheidung der Regierung, eine unbedeutende Publikation in einer so späten Phase des Krieges unter Anwendung umstrittener Notstandsgesetze zu verbieten, wurde von Kommentatoren als „ziemlich merkwürdig“ und „schwer nachvollziehbar“ bezeichnet.2
War Commentary war eine anarchistische Zeitung, die zwischen 1939 und 1945 von der Freedom Press-Gruppe in London herausgegeben wurde. Während der Großteil der britischen sozialistischen Bewegung Mitte des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen durch die Wahl zwischen der Labour Party und der Kommunistischen Partei geprägt war,3 gehörte die Freedom Press-Gruppe zu einem Archipel von Gruppierungen auf der Linken, die sowohl gegen Moskau als auch gegen die britische Labour-Führung polemisierten. Dazu gehörten Überbleibsel der pazifistischen sozialistischen Bewegungen der Zwischenkriegszeit, die Anti-Parliamentary Communist Foundation (APCF) in Verbindung mit dem Glasgower Anarchisten Guy Aldred sowie andere wie Sylvia Pankhursts Communist Workers’ Party (CWP).4 Die Freedom Press-Gruppe und Aldreds Glasgower Anarchisten lehnten den Zweiten Weltkrieg aus antistaatlichen und antikapitalistischen Gründen ab. Sowohl die Alliierten als auch die Achsenmächte galten als Verteidiger militarisierter kapitalistischer Hierarchien, ganz gleich, ob sie sich selbst als faschistisch bezeichneten oder nicht. Anarchisten wie diese verwiesen insbesondere auf die Notlage der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg, um ernsthafte Zweifel an der Aufrichtigkeit der Feindseligkeit des britischen Establishments gegenüber dem Faschismus zu wecken. Verbindungen zwischen den verschiedenen anti-parlamentarischen Gruppen, Linkskommunisten und Anarchisten sowie Kriegsverweigerern wurden bei Treffen wie dem „Workers’ Open Forum“ geknüpft, das von der APCF als „Arbeiterrat zur Beseitigung von Irrtümern“ beworben wurde und bei dem unabhängige Radikale, Anarchisten, Sozialisten, Mitglieder der Peace Pledge Union und andere das Wort ergriffen.5
Britische Beamte verfolgten während des Krieges eine widersprüchliche Politik gegenüber den Aktivitäten von War Commentary. Trotz der vehementen Antikriegshaltung der Zeitung zögerte die Regierung bis April 1945, Anarchisten offen zu zensieren; erst dann griff sie auf die volle Schärfe der geltenden Kriegsverteidigungsvorschriften zurück, um deren Veröffentlichungen einzuschränken. Auf dem Höhepunkt der strategischen Bombardierungskampagne in Deutschland hatten die Behörden das in War Commentary erscheinende Material sorgfältig überwacht. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Regierung jedoch beschlossen, keine Sondermaßnahmen (oder Notstandsbefugnisse) anzuwenden, um eine Gruppe zu verfolgen, die weder für die Kriegsanstrengungen noch für die öffentliche Ordnung an der Heimatfront eine glaubwürdige Bedrohung darzustellen schien. Unter anderem hatte die Regierung Bedenken wegen der möglichen öffentlichen Aufmerksamkeit, die ein hartes Durchgreifen gegen eine ansonsten eher unbekannte Bewegung hervorrufen könnte. Als sich der Krieg jedoch seiner Endphase näherte, änderte sich die Haltung der Regierung gegenüber der Zensur von Anarchisten erheblich. Wie dieser Artikel ausführlich zeigen wird, beschlossen die Behörden Ende 1944, gegen die britischen Anarchisten vorzugehen, weil sie befürchteten, dass die revolutionären Botschaften, die auf den Seiten von War Commentary verbreitet wurden, ein viel breiteres und aufnahmefähigeres Publikum finden könnten, sobald die Kämpfe endeten und die Soldaten nach Hause zurückkehrten.
Die offensichtliche Änderung der Politik gegenüber Anarchisten sollte im Kontext der offiziellen Befürchtungen über mögliche politische Unruhen gesehen werden, die mit dem Ende von Kriegen verbunden sind, in denen die Zivilbevölkerung in das Militär eingezogen wurden. Spannungen und Ängste im Zusammenhang mit dem Demobilisierungsprozess nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der britischen Sozial- und Politikgeschichte selten thematisiert. Dennoch war die Demobilisierung des Militärs gesellschaftlich belastet und politisch umstritten.
Weltweit hatten die beiden Weltkriege tiefgreifende Auswirkungen auf das zeitliche Muster von Protesten der Arbeiter. Anhand einer wichtigen Datenbank zu weltweiten Arbeitsunruhen hat Beverly Silver gezeigt, dass die Jahre nach dem Ende der beiden Weltkriege mit den „ zwei höchsten Spitzenwerte bei den weltweiten Arbeitsunruhen“ seit 1870, nämlich Perioden „explosiver weltweiter Ausbrüche von Arbeitermilitanz“ endeten.6 Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg hatte gezeigt, dass sich das Potenzial für soziale Unruhen rund um die Bewältigung der Massendemobilisierung zu meuterischem Widerstand verdichten konnte. In ganz Europa waren Staatsbürger-Soldaten mit Waffen und revolutionären Ideen nach Hause zurückgekehrt, um Rebellion und Revolution zu schüren. Insubordination und „Anzeichen revolutionärer Unruhen“ brachen nach dem Ersten Weltkrieg in Hunderten von britischen Armeelagern aus. 1919 weigerten sich über 10.000 Soldaten auf Urlaub in Folkestone, an Bord von Truppentransportschiffen zu gehen, die sie nach Frankreich zurückbringen sollten, ein Patrouillenboot in Milford Haven hisste die rote Fahne, und Calais wurde von streikendem Militärpersonal überrannt.7 Angesichts dieses historischen Präzedenzfalls war die Regierung sensibel für potenzielle Probleme im Zusammenhang mit der Demobilisierung.
Diese Ereignisse – sowohl die anarchistischen Aktivitäten als auch die Reaktion der Regierung darauf – zeigen, dass das Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft in dieser Zeit weniger einvernehmlich war, als gemeinhin angenommen wird. Der historiografische Konsens über das britische Volk im Krieg konzentrierte sich traditionell auf die Vorstellung einer Nation, die über Klassengrenzen hinweg in Solidarität und Gemeinschaft vereint war. Richard Titmuss’ Problems of Social Polity, erschienen 1950, beschrieb ein Maß an sozialer Solidarität während des Krieges, das seiner Meinung nach den Grundstein für den Wohlfahrtsstaat der Nachkriegszeit.8 Die erste große Herausforderung für diese orthodoxe Sichtweise war Angus Calders Sozialgeschichte des kriegsführenden Großbritanniens, The People’s War, die das kürzlich wiederentdeckte Kriegsmaterial von Mass Observation nutzte, um ein Bild des Lebens im kriegsführenden Großbritannien zu zeichnen, das Panik, Plünderungen, Klassenkonflikte, Fremdenfeindlichkeit, Streiks und Arbeitsverweigerung umfasste.9 Das gängige Bild der nationalen Einheit gegen den Feind wurde als Mythos kritisiert, da Streiks an der Tagesordnung waren, die Regierung oft unbeliebt war und Churchill häufig verunglimpft wurde.10 Weitere Neubewertungen, zum Beispiel Paul Addisons The Road to 1945, beschrieben detailliert eine Reihe politischer Spannungen im Großbritannien der Kriegszeit.11 Dennoch hat sich die populäre Mainstream-Sicht auf den Krieg gegenüber diesen Herausforderungen und Neubewertungen als durchweg widerstandsfähig erwiesen. David Cesarani hat argumentiert, dass die durch diese Mythen verursachte kulturelle Verengung nach wie vor eine fundierte nationale Debatte über kriegsbezogene Themen behindert, wie etwa das Versäumnis, Nazi-Kollaborateure strafrechtlich zu verfolgen, und die Bewertung der Bombardierungsstrategien der Alliierten.12 Eine Folge dieser eingeschränkten nationalen Debatte ist, dass Mainstream-Geschichtsdarstellungen dieser Zeit dazu neigen, die Spannungen zwischen der Regierung und dem Militärpersonal zu verschleiern, die ein markantes Merkmal der letzten Kriegsmonaten – eine Verschleierung, die es schwer macht, die Sensibilität der Regierung gegenüber den anarchistischen Kommentaren dieser Monate zu verstehen.13
Der Anarchismus bietet eine besondere Interpretation der Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft, die der Kriegsführung zwischen Nationen zugrunde liegt. Scott Turner stellt in einem kürzlich erschienenen Sammelband aus dem Bereich der Anarchismusforschung fest, dass in dieser Tradition die Begriffe „staatlich“ und „ militärisch“ oft synonym verwendet werden. Anarchisten lehnen die Legitimität des Krieges ab, weil sie der Idee der staatlichen Souveränität an sich widersprechen.14 Während der Anarchismus also historisch gesehen eine Vielzahl von Meinungen zum Einsatz von Gewalt als revolutionäre Strategie umfasst, ist seine Haltung zum Krieg zwischen Nation-Staaten im Allgemeinen durchweg ablehnend. Es ist eine Philosophie, die horizontale Modelle des politischen Engagements befürwortet und eine Gesellschaftsordnung anstrebt, die ohne Zwang oder Zwangsmaßnahmen aufrechterhalten und koordiniert wird. Der anarchistische Antimilitarismus, der Krieg und Staat gleichermaßen in Frage stellt, greift den politisch zentralisierten Charakter der Beziehungen in kriegsbereiten Gesellschaften ebenso an, wie er sich dem Krieg selbst widersetzt. Die anarchistischen Herausgeber von War Commentary wandten diese Analyse auf ihre Kritik an der staatlichen Politik während des Zweiten Weltkriegs an und auf den Ausdruck ihrer Zweifel an der sich abzeichnenden Nachkriegsordnung.
Dieser Artikel gibt zunächst einen Überblick über den Prozess gegen die Herausgeber und die Kontroversen, die er ausgelöst hat. Anschließend wird die Haltung der Anarchisten von „Freedom Press“ zum Krieg beleuchtet. Diese Haltung wird in den Kontext des revisionistischen Ansatzes zur britischen Regierung und Gesellschaft in der Mitte des Jahrhunderts eingeordnet, wobei insbesondere auf aktuelle Kommentare zu den militärischen Prioritäten des britischen Staates in jener Zeit zurückgegriffen wird. Danach wird die Politik der Regierung gegenüber der Veröffentlichung von War Commentary untersucht und warum sich diese änderte. Zuletzt wird das Thema der Demobilisierung im internationalen Kontext beleuchtet, wobei sowohl die Bedenken, die sie beim Staat auslöste, als auch die Chancen, die sie den Anarchisten zu bieten schien, im Fokus stehen. Sowohl die staatlichen Behörden als auch die Anarchisten hatten eine Reihe internationaler Beispiele und Referenzen im Hinterkopf, als sie die Gefahren und Chancen abwägten, die der Moment der Demobilisierung mit sich brachte. Hier wird argumentiert, dass die britische Regierung beschloss, die Veröffentlichung von War Commentary zu unterbinden, weil die Beamten befürchteten, dass im Kontext der Demobilisierung eine solche antimilitaristische Polemik unkontrollierbare politische Unruhen schüren könnte.
DER SELTSAME FALL DER DREI ANARCHISTEN, DIE IM OLD BAILEY INHAFTIERT WURDEN15
Die Freedom-Press-Gruppe verurteilte den Krieg von Anfang an und wies beharrlich auf das Fortbestehen von Klassenprivilegien im kriegsführenden Großbritannien hin. Sie war somit laut Ward „ein offensichtlicher Kandidat für die Aufmerksamkeit der Special Branch“.16 Doch erst gegen Ende des Krieges begannen die offenen Eingriffe in die Arbeit der Anarchisten und schließlich deren strafrechtliche Verfolgung. Tatsächlich genossen die Anarchisten von Freedom Press das, was Stammers als „zweifelhafte Ehre“ bezeichnet, in einen der letzten „politischen Strafprozesse“ des Krieges verwickelt zu sein.17
Im Dezember 1944 durchsuchten Beamte der Special Branch, der für politische und andere Angelegenheiten der nationalen Sicherheit zuständigen Polizeieinheit, das Büro der Freedom Press sowie die Privathäuser von vier Redakteuren und Sympathisanten. Die Durchsuchungsbefehle wurden gemäß der Verteidigungsverordnung 39b erlassen, die besagte, dass niemand Angehörige der Streitkräfte von ihrer Pflicht abbringen dürfe, sowie gemäß der Verordnung 88a, die die Beschlagnahmung von Artikeln ermöglichte, wenn diese Beweise für die Begehung einer solchen Straftat darstellten. Ende Dezember durchsuchten Beamte der Special Branch unter der Leitung von Detective Inspector Whitehead die Habseligkeiten von Soldaten in verschiedenen Teilen des Landes, darunter auch Ward in Stromness auf den Orkney-Inseln. Am 22. Februar 1945 wurden Marie Louise Berneri, Vernon Richards und John Hewetson um 7.30 Uhr morgens verhaftet. Zu ihnen gesellte sich vor Gericht Philip Sansom, der aus dem Brixton-Gefängnis gebracht worden war, und die vier wurden gemäß der Verteidigungsverordnung 39a wegen der Verbreitung von drei aufrührerischen Ausgaben von War Commentary angeklagt.
Sie erschienen viermal vor dem Marylebone Magistrates und ihr Prozess dauerte vier Tage am Old Bailey, Englands zentralem Strafgericht. Zu den im Prozess vorgelegten Beweismitteln gehörten Artikel aus dem War Commentary vom 1., 11. und 25. November 1944, in denen es um spontane Räte oder Sowjets im Deutschland und Russland nach dem Ersten Weltkrieg, um Soldatenräte während der Französischen Revolution, um den britischen Eisenbahnstreik von 1919, um Unruhen in der britischen Industrie und um schlechte Bedingungen in militärischen Ausbildungslagern ging. Im Mittelpunkt der Anklage stand ein Rundschreiben der Freedom Press vom 25. Oktober, das an Abonnenten im Militär verschickt wurde und in dem Kontakte gebeten wurden, der Publikation „neue Gefährte“ vorzustellen. Ebenfalls im Prozess vorgelegt wurden Listen von Abonnenten in den Streitkräften, die in den Büros der Freedom Press gefunden wurden, ein von einer Reihe von Soldaten unterzeichnetes Manuskript, in dem die Politik der Regierung gegenüber Griechenland missbilligt wurde, sowie ein Flugblatt mit dem folgenden Gedicht mit dem Titel „Kämpft! Wofür?“:18
Du wirst für die Armee gesucht,
Weißt du, was du tun musst?
Sie werden dir befehlen, deine Brüder zu ermorden,
So wie ihnen befohlen wurde, dich zu töten.
Du wirst für die Armee gesucht,
Weißt du, was du tun musst?
Einfach morden, um dein Land zu retten
Vor Männern, die Arbeiter sind, genau wie du.
Dein Land! Wer sagt, dass du ein Land hast?
Du lebst in der Wohnung eines anderen,
Du hast nicht einmal einen Hinterhof,
Warum solltest du also für DAS töten?
Du hast keine Hütte und kein Haus,
Keine Blumen, keinen Garten, das stimmt,
Die Grundbesitzer haben sich das ganze Land unter den Nagel gerissen,
Lass SIE den Kampf führen – NICHT DU.
Im konkreten Fall ging es der Anklage darum, den oben erwähnten Rundbrief, der an die Mitglieder der Streitkräfte verschickt wurde, die Abonnenten von War Commentary waren, mit Artikeln über die Geschichte der Soldatenräte in Deutschland und Russland in den Jahren 1917 und 1918 sowie über die europäischen Widerstandsbewegungen in Verbindung zu bringen, die, als die alliierten Armeen 1944 vorrückten, dazu gedrängt wurden, ihre Waffen an die Regierungen, die damals unter militärischer Schirmherrschaft gebildet wurden, abzugeben. Eine der Schlagzeilen im War Commentary forderte die Widerstandsbewegungen in Europa auf: „Haltet eure Waffen fest!“ , und dies wurde von der Anklage genutzt, um zu zeigen, dass die Zeitung britischen Soldaten riet, ihre Gewehre für revolutionäre Aktionen zu behalten. Am 26. April wurden Richards, Hewetson und Sansom für schuldig befunden und verurteilt (Berneri wurde aufgrund einer rechtlichen Formalität freigesprochen, die besagt, dass eine Ehefrau nicht der Verschwörung mit ihrem Ehemann schuldig sein kann). Der Richter war Norman Birkett, und die Anklage wurde vom Generalstaatsanwalt, Sir Donald Somerville, geführt. Ein Freedom Press Defence Committee wurde gegründet, um Geld für die Verteidigung zu sammeln, und das fand die Unterstützung vieler Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter George Orwell, Herbert Read, Harold Laski, Kingsley Martin, Benjamin Britten, Augustus John und Bertrand Russell.
Da dies direkt am Ende des Krieges geschah, löste die Anwendung der Notstandsverordnungen öffentliche Kontroversen aus, die durch die koordinierten öffentlichen Proteste dieser prominenten Individuen noch angeheizt wurden. Ein Brief, der die bevorstehende Anklage und die ihr vorausgehenden Polizeirazzien verurteilte, wurde am 3. März 1945 im New Statesman veröffentlicht und trug die Unterschriften von T.S. Eliot, E.M. Forster und Stephen Spender. Am 31. März veröffentlichte der New Statesman, das 1913 von prominenten Mitgliedern der Fabian Society gegründete politische und kulturelle Magazin, einen weiteren Brief, in dem bekannt gegeben wurde, dass ein Freedom Press Defence Committee gegründet worden war, um die Verteidigung der Anarchisten zu organisieren und zu finanzieren. Zu den Vorstandsmitgliedern des Komitees gehörten Herbert Read und Fenner Brockway, und auf der Liste der Förderer standen Aneurin Bevan, Gerald Brenan, Vera Brittain, Alex Comfort, Cyril Connolly, Clifford Curzon, Victor Gollancz, H.J. Laski, J. Middleton Murry, George Orwell, J.B. Priestley, Reginald Reynolds, D.S. Savage und George Woodcock. Das Komitee setzte sich zudem allgemein für den Schutz der Meinungsfreiheit ein und wandte sich nach dem Krieg gegen die Beibehaltung der Wehr- und Arbeitspflicht. Die Anarchisten stellten fest, dass ihr Bekanntheitsgrad von Zeitschriften mit sehr geringer Auflage auf die hoch auflagenstarken Tageszeitungen stieg, in denen der Fall publik gemacht wurde. Eine besondere Rolle in dieser Kampagne spielte Herbert Read, ein Schriftsteller und Kunstkritiker, der die eher spezifisch anarchistischen Kreise mit einem breiteren intellektuellen Publikum verband.19 Read stellte fest, dass sich „hinter […] [den Anarchisten] eine gewisse Meinungsmacht gebildet hat, insbesondere unter den Angehörigen der jüngeren Generation“.20
Für die Verteidigung war es von Bedeutung, dass die Herausgeber 1944 nach besonderen Kriegsbestimmungen angeklagt wurden, als klar war, dass der Krieg sich dem Ende näherte. Dies zeigte den besorgten Intellektuellen das Ausmaß der staatlichen Ambitionen, die gedruckte Meinungsäußerung nach dem Krieg zu regulieren. Im April 1945 druckte Common Wealth einen Artikel über den Stand der politischen Zensur in Großbritannien, der die Strafverfolgung von War Commentary scharf kritisierte, die darin „Prüfstein“ für den Einsatz von Notstandsgesetzen zur „Zerschlagung der politischen Opposition“ und als Beweis dafür, dass „die Regierung jede Opposition mühelos im Keim ersticken könnte“. Außerdem wurde in Common Wealth (einer linken Publikation, die sich an genossenschaftlichen, syndikalistischen und gewerkschaftssozialistischen Traditionen orientierte) angemerkt: „Es gibt deutliche Anzeichen für Angst vor einem politischen Erwachen in den Streitkräften.“ Sollte die Anklage Erfolg haben, so wurde argumentiert, „wäre der Weg frei für die Regierung, ihre Befugnisse zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit und zur Inhaftierung ihrer politischen Gegner noch weiter und umfassender anzuwenden“.21
Read ging auf die öffentlichen Proteste gegen die Anklage ein und verurteilte dabei scharf die Regierung sowie die Klassenunterdrückung, die dem Prozess zugrunde lag. „Unsere Staatsmänner haben ein Chaos angerichtet und nennen es Sieg“, warf er ihnen vor, „Millionen von Menschen sind tot, und ihr Schweigen wird Frieden genannt“.22 Read behauptete, dass die angeklagten Anarchisten zwar eine kleine Gruppe seien, die Auswirkungen der Anklage jedoch von nationaler Bedeutung seien, und erklärte: „Ich spreche zu euch als Engländer, als jemand, der stolz darauf ist, in der Tradition von Milton und Shelley zu stehen“. Der Prozess gegen die Anarchisten habe Auswirkungen auf jeden, argumentierte er, der seine angestammten Rechte auf freie Meinungsäußerung schätze, und auf jeden, der sich dem Wachstum „dieser widerwärtigen und unenglischen Institution, der politischen Polizei“ wehren wolle“.23 Die Berufung auf Kriegsverordnungen in einer so späten Phase des Krieges wurde als Warnung vor der autoritären Ausprägung des Nachkriegsstaates interpretiert, und Read behauptete, dass die Anwendung der Verteidigungsverordnung 39a in Friedenszeiten im heimlichen Bestreben nach verstärkter Zensur fortgesetzt werde.24 Die Strafverfolgung entwickelte sich somit zu jener Art von Causa célèbre, die die Regierung während des gesamten Krieges sorgfältig zu vermeiden versucht hatte, indem sie auf formelle und direkte Zensur verzichtete . Gleichzeitig wurde der Fall der Anarchisten – sogar von den Anarchisten selbst – als ein Fall dargestellt, in dem die traditionellen britischen Freiheiten unter Beschuss standen. Kommentatoren fanden es merkwürdig, dass die Behörden es auf sich nahmen, diese Kontroverse in einer so späten Phase des Krieges zu riskieren, indem sie Notstandsverordnungen gegen eine scheinbar obskure Gruppe von Schriftstellern anwendeten. Dieser Gruppe und den von ihr vorgebrachten Argumenten wird sich diese Diskussion nun zuwenden.

Abbildung 1 Marie Louise Berneri (links) arbeitete nach ihrem Freispruch weiter an der Herausgabe von War Commentary und sammelte Spenden für das Freedom Press Defence Committee. Sammlung IISH
ANARCHISTISCHER ANTIMILITARISMUS: KRIEG, UNORDNUNG UND DER STAAT
Das spürbare Wiederaufleben des Interesses am Anarchismus in Großbritannien war in den 1930er Jahren durch den Spanischen Bürgerkrieg ausgelöst worden, was in Großbritannien zur Veröffentlichung von Spain and the World geführt hatte, einer zweiwöchentlich erscheinenden Zeitschrift des anarchistischen Freedom Press-Verlags. Ein Teil des aktiven Kerns der Redaktionsgruppe stammte aus der italienischen anarchistischen Bewegung, die „in London schon immer florierte“ und sich seit den 1920er Jahren mit einer starken antifaschistischen Tradition entwickelt hatte.25 Die Publikation erschien 1936 unter der Leitung von Vero Recchioni (später Vernon Richards), dem Sohn eines italienischen Anarchisten, und Marie Louise Berneri, der Tochter des italienischen antifaschistischen Aktivisten Camillo Berneri (der in den 1930er Jahren in Spanien ermordet wurde). Spain and the World änderte seinen Namen in Revolt! in der Zeit zwischen dem Spanischen Bürgerkrieg und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, und Revolt! wurde zu Beginn des Krieges zu War Commentary, um dann im August 1945 wieder zum traditionellen Titel Freedom zurückzukehren.
War Commentary stand außerhalb des kriegsbefürwortenden Konsenses der Mainstream-Parteien und politischen Gruppierungen in Großbritannien und widersetzte sich während des gesamten Krieges mit seiner vehementen antimilitaristischen Linie konsequent den Grundannahmen der Regierungspolitik. Wie jedoch der anarchistische Historiker dieser Zeit, Albert Meltzer, feststellt, war die Zeitung bald „bei verschiedenen Friedensgruppen sehr gefragt und kam dort zum ersten Mal mit anarchistischen Ideen in Kontakt“.26 Historisch gesehen bezieht sich Pazifismus zwar auf den Widerstand gegen Krieg und auf positive Bemühungen, Frieden zwischen Nationen zu schaffen, doch Antimilitarismus setzt innerstaatliche Kriegsführung mit den politischen und ökonomischen Interessen der Eliten gleich. Für Anarchisten bedeutet Antimilitarismus nicht nur eine Ablehnung des Krieges an sich, sondern auch der zugrunde liegenden politischen Logik von „Befehlsketten“ von oben nach unten , die zentralisierten, kriegsbereiten Nation-Staaten innewohnen. Gemeinsame Bedenken hinsichtlich der Wehrpflicht brachten Anarchisten sowie Pazifisten im Zweiten Weltkrieg zusammen, und von diesem Zeitpunkt an begannen sich die Agenden von Anarchisten sowie Pazifisten zu verschmelzen (wobei diese Annäherung einen bedeutenden Einfluss auf die späteren Anti-Atomkraft-Bewegungen des 20. Jahrhunderts hatte).
Der Arzt John Heweston kam über diese pazifistische Verbindung zur Redaktion von War Commentary und wechselte von der Forward Group der Peace Pledge Union dorthin. Während des Krieges arbeiteten er und Berneri zeitweise vollzeitlich (unbezahlt) an der Redaktion von War Commentary. Der Künstler Philip Sansom schloss sich 1943 nach der Veröffentlichung von Herbert Reads Education through Art der Redaktion von Freedom Press an. Er redigierte und verfasste einen Großteil der politischen Analysen und Kommentare, die in den Nachkriegsjahren in Freedom zu finden waren. Sansom war an den Anfängen der Kampagne gegen die Todesstrafe beteiligt und führte im Juli 1963 die Besetzung der kubanischen Botschaft an, um gegen Castros Behandlung von kubanischen Anarchisten zu protestieren (A.d.Ü., gemeint ist die Repression gegen diese). Er spielte auch eine aktive Rolle in den meisten Protestbewegungen der Nachkriegszeit, darunter bei der CND und bei Anti-Apartheid-Aktivitäten.
In der breiteren Literatur im Bereich der Anarchismusforschung wird diese antimilitaristische Strömung innerhalb des Anarchismus als eine der wichtigsten Verbindungen zwischen dem Anarchismus der 1930er Jahre und dem wiederauflebenden Interesse am Anarchismus in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren angesehen, insbesondere im Zusammenhang mit Kriegstechnologien wie Luftangriffen und Atomwaffen.27 Die Herausgeber von War Commentary erhoben von Anfang an Einwände gegen die Politik der Kriegsführung, ganz im Sinne der Sichtweise von anarchistischen Antimilitaristen auf die sozialen Verhältnisse, die der Neigung des Staates zur Kriegsführung zugrunde liegen. Dieser antimilitaristischen Analyse zufolge neigt Militarismus dazu, über rein militärische Zwecke hinauszugehen und soziale und politische Beziehungen zu definieren, und dem zivilen Leben selbst in Friedenszeiten militärische Werte aufzuzwingen. Militarismus wird somit als eine tief verwurzelte hierarchische politische Logik der Uniformität und der aus dem Militär stammenden „Befehlsketten“ verstanden, im Gegensatz zu einer heterogenen partizipativen Logik gemeinsamer Entscheidungsfindung. Er steht für die Wertschätzung zentralisierter politischer Macht sowie für den Glauben an die Bedeutung des Krieges und die Verherrlichung von Gewalt. Nach Ansicht von Anarchisten nähren diese vertikalen Befehlsketten die Logik des blinden Befehlsgehorsams, während horizontale und egalitäre soziale Strukturen Empathie, Menschlichkeit und Verantwortung für Aktionen und Folgen fördern. Dieser Antimilitarismus verwischt somit die Unterscheidung zwischen der Politik der Kriegsführung und der Dynamik sozialer Beziehungen: Hierarchische Macht sowohl in Kriegs- als auch in Friedenszeiten wird als zerstörerisch für den sozialen Zusammenhalt angesehen und untergräbt die menschliche Fähigkeit, Konflikte zu lösen.
„Krieg ist die Gesundheit des Staates“, argumentierte der amerikanische Soziologe Randolph Bourne, und seiner Analyse folgend verstanden Anarchisten den Krieg als etwas für den Staat wünschenswertes, das die volle Entfaltung der kollektiven Identifikation und der „Wertehierarchie“, von der er abhing, stärkte.28 Was die Anarchisten betraf, verstärkte die politische Mobilisierung von Individuen und Gemeinschaften als kollektive nationale Einheit die ihrer Ansicht nach schädlichen Kernmerkmale des Nation-Staates. Diese Merkmale waren seine souveräne Territorialität mit der Aufrechterhaltung territorialer Grenzen, die ausschließliche Gerichtsbarkeit über Menschen und Eigentum innerhalb dieses Territoriums, das Monopol über die Mittel der Gewalt, das Rechtssystem, das alle anderen Rechtsordnungen und Bräuche außer Kraft setzt und außerhalb dessen keine Rechte oder Pflichten zu bestehen scheinen, sowie die Idee der Nation als der wichtigsten politischen Gemeinschaft.29 Die umfassende Militarisierung dieser politischen Gemeinschaft sei impliziert, argumentierten sie, sobald der Staat als auf der Nation beruhend angesehen wurde und Untertanen zu Staatsbürgern wurden. Wie Geoffrey Ostergaard in diesem Zusammenhang bemerkt und dabei den historischen Zusammenhang zwischen Nation-Staat und Militarismus hervorhebt: „Bajonette wurden den Staatsbürgern oft in die Hände gedrückt, noch bevor sie das Wahlrecht erhielten.“30 Weltweit bildeten Nationalismus und Patriotismus eine Grundlage für die Mobilisierung von Soldaten und Staatsbürgern, da die Unterstützung der Arbeiter für die erfolgreiche Durchführung industrialisierter Kriege immer entscheidender wurde.31
Die Anarchisten rund um War Commentary wiederholten ihre antimilitaristischen Argumente im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg und behaupteten, dass „Regierungen brauchen Kriege, um zu überleben, und ohne sie würden sie zusammenbrechen“.32 Auf den Seiten von War Commentary war der Krieg ein Symptom des Staates in seinen jüngsten und gefährlichsten Ausprägungen.33 Colin Ward, ein Zeuge während des Prozesses und später ein produktiver anarchistischer Autor, brachte diese Einstellung klar zum Ausdruck: „Krieg ist der Ausdruck des Staates in seiner vollkommensten Form: Er ist seine Sternstunde.“33 Der Widerstand gegen die kriegsführenden Mächte des Staates war ein dominantes Thema in den anarchistischen Kommentaren und intellektuellen Veröffentlichungen der späten 1930er und 1940er Jahre. Laut einer Ausgabe von War Commentary aus dem Jahr 1941 müssen Anarchisten „ihre ganze Energie“ gegen den Krieg „im Kampf gegen den Staat“ bündeln.34 Die Autoren der Freedom Press riefen schon vor Kriegsbeginn zum Ungehorsam auf: „Weigere dich, ‚deinem‘ Land zu dienen!“ und „Weigere dich, den Staat bei seinen Mordmanövern zu unterstützen!“35 Um dem Krieg zu widerstehen, so behaupteten sie, sei es notwendig, sich der militaristischen Politik des Wehrdienstes und der Wehrpflicht zu widersetzen, ungeachtet des „Falls von Frankreich“, von „Dünkirchen“ oder des „stalinistischen Umschwungs“.36
In den Jahren 1938 und 1939, als Anzeichen für einen Krieg bereits offensichtlich schienen, wandte sich die Freedom Press gegen offizielle Behauptungen, man führe Krieg im Namen der Demokratie oder der internationalen Gerechtigkeit, und verwies dabei wiederholt auf die Erfahrungen in Spanien. Mit Blick auf die britische Politik gegenüber der spanischen Republik in den 1930er Jahren argumentierten sie: „Wir stellen fest, dass die Politik der gegenwärtigen Regierung in jeder Hinsicht eine Politik der aktiven Unterstützung des Faschismus war“, und weiter „nicht ein einziges Mal wurde vorgeschlagen, dass wir die spanische Demokratie verteidigen sollten“.37 Anarchisten setzten Faschismus mit zentralistischer, militarisierter, autoritärer Staatsführung gleich und argumentierten, er sei „hier genauso grassierend wie im Ausland“.38 Neben War Commentary argumentierte die anarchistische Autorin Alex Comfort, Faschismus sei ein Merkmal sowohl des militarisierten deutschen als auch des britischen Staates, die „die Presse unterdrücken, ‚weil dies ein totaler Krieg ist‘“, und „unsere Soldaten dazu bringen, auf Blutbeutel einzustechen, während Lautsprecher Propaganda auf sie brüllen“.39
Eine solche anarchistische Polemik bedeutete, dass die Autoren von War Commentary äußerst sensibel auf die „mechanisierten, hochorganisierten, technischen“ Merkmale der britischen Staatspolitik reagierten, unter der einfache Soldaten eingezogen wurden.40 „Da wir eigensinnige Menschen sind“, argumentierten sie 1942 im War Commentary, „weigern wir uns zu glauben, dass es auch nur den geringsten Anflug von menschlicher Emanzipation darin gibt, mit maximaler Leistung zu arbeiten, so wenig wie möglich zu konsumieren und das tägliche Leben von Millionen Menschen in die Hände einer Staatsmacht zu legen, über die sie keinerlei Kontrolle haben“.41 Der anarchistische Antimilitarismus der 1940er Jahre stand der Wehrpflichtpolitik besonders feindselig gegenüber, da sie eine „gewaltige Waffe in den Händen der Reaktion“ und unter dem Kapitalismus „einfach eine Rückkehr zur Leibeigenschaft“ sei.42
Der Antimilitarismus der Anarchisten von Freedom Press war ein klar erkennbares Merkmal ihrer Publikationen, Kampagnen und öffentlichen Versammlungen in den 1930er und 1940er Jahren. Die Special Branch der Polizei hob „Widerstand gegen den Militarismus“ und „Widerstand gegen den Krieg“ als die wichtigsten politischen Ausrichtungen der Gruppe hervor. Ein Bericht der Special Branch vom November 1941 betonte, dass bei dieser Veranstaltung die Stimmung herrschte, „Churchill sei genauso ein Bandit wie Hitler“.43 In einem detaillierten Bericht über eine Londoner Versammlung am 7. Juli 1942 vermerkte die Sonderabteilung, dass 400 Personen anwesend waren, darunter Soldaten und 3 amerikanische Soldaten. Der Polizeibericht vermerkte „lautstarken Applaus“, als ein Redner sagte, er sei der Ansicht, dass es keine Begeisterung für den Krieg gebe, insbesondere bei den Streitkräften, und ein anderer Redner lenkte die Aufmerksamktiet auf die „Tausenden von Deserteuren“.44 Im Januar 1944 berichtete die Special Branch, dass „der Inhalt von War Commentary extrem kriegsfeindlich ist und die britischen Bombenangriffe verurteilt“.45
Neben der Verurteilung der Wehrpflicht und der Bombenstrategien der Alliierten widmeten die Anarchisten den Kriegserfahrungen des aktiven Militärpersonals, den „Arbeitern in Waffen“, besondere Aufmerksamkeit. Im Frühjahr 1944 betraf dieser Fokus insbesondere die Aussicht auf Demobilisierung. Im Mai 1944 erschien in War Commentary ein Artikel mit dem Titel „Meuterei in der britischen Armee“, in dem argumentiert wurde, dass „die gegenwärtige Diskussion über die Demobilisierung nach dem Krieg natürlich an die Diskussion über dieses Thema im Jahr 1918 erinnern sollte“,46 als „sich die Soldatenbewegung als einer der erfolgreichsten Streiks erwies, die je versucht wurden“. Eine spätere Ausgabe von War Commentary befasste sich mit den „britischen Meutereien in Frankreich“ und behauptete, dass „solche Organisationen überall siegreich waren. Kurz gesagt, die Früchte des Sieges waren: 1. Schnelle Demobilisierung von Millionen Soldaten 2. Die Bezahlung wurde verdoppelt 3. Verpflegung, Unterkunft und andere Bedingungen wurden verbessert 4. Dumme Paraden und Disziplin wurden gelockert.“47 Der Artikel vom Juli 1944, „How Wars End“, argumentierte, dass revolutionäre und meuterische Stimmungen das Ende von Kriegen begleiten, und dies umso mehr bei solchen, an denen eine zivile Armee beteiligt war.48
Im August 1944 veröffentlichte die Zeitung eine Anzeige mit Sonderabonnementpreisen für Soldaten. Diese Beiträge begleiteten Artikel, die vorgeschlagene Sozialversicherungssysteme attackierten und Zweifel an den Nachkriegsbedingungen äußerten, insbesondere in Bezug auf Beschäftigung, Wohnraum, Gesundheit und stsatsbürgerliche Freiheiten.49 Im November 1944 wechselte die Zeitung zu einem großformatigen Zeitungslayout, einer zugänglicheren und unmittelbareren Form, die nach Ansicht der Anarchisten notwendig war, um effektiv über das rasante Tempo der Ereignisse in den Monaten kurz vor Kriegsende zu berichten. Die Autoren der Freedom Press, die sich bestens mit anarchistischer, antimilitaristischer gesellschaftspolitischer Analyse auskannten, hatten klare Vorstellungen von den Chancen, die das bevorstehende Kriegsende bot, und hegten starke Zweifel an der sich abzeichnenden Nachkriegsordnung.
DER BRITISCHE KRIEGSSTAAT
Für viele Historiker erschienen die Anklage und der Prozess gegen die Freedom-Press-Gruppe unpassend. Diese Ereignisse erscheinen jedoch in einem anderen Licht, wenn die vorherrschende Geschichtsschreibung dieser Zeit hinterfragt wird. Ausgehend von einem revisionistischen Ansatz gegenüber traditionellen Geschichtsschreibungen des Krieges argumentiert David Edgerton, dass etablierte Geschichtsdarstellungen Großbritanniens zwischen 1920 und 1970 die Dominanz militärischer Logik in der Politikgestaltung dieser Zeit außer Acht lassen und die Bedeutung der aktiven „Bereitschaft zum internationalen Krieg“ in den sozialen und ökonomischen Aktivitäten des britischen Staates übersehen, selbst während des Krieges.50 Dieses Versäumnis verschleiert widersprüchliche gesellschaftliche Erfahrungen mit der Militärpolitik im Großbritannien der 1940er Jahre, insbesondere bei der Wehrpflicht und der Demobilisierung.
Laut Edgerton ist das Versäumnis oder die Weigerung, den britischen Kriegsstaat anzuerkennen, in der politischen Berichterstattung und Geschichtsschreibung „seit langem, systematisch und tief verwurzelt“, und er argumentiert, dass „im Gegensatz dazu der Wohlfahrtsstaat eine große Rolle spielte“.51 Edgerton konzentriert sich auf die Entwicklung, Beschleunigung und Verfestigung von Rüstungsindustrie, Technologien und Infrastruktur in der Mitte und im späteren Verlauf des 20. Jahrhunderts. Edgerton stellt sein Bild eines „britischen militärisch-industriellen Komplexes“ dem vorherrschenden Bild des „Wohlfahrtsstaates“ gegenüber, das in den meisten Wirtschafts-, Sozial-, Arbeits- und Kulturgeschichten zu finden ist: „ [D]er Wohlfahrtsstaat hat den britischen Staat als Ganzes geprägt, selbst für die ideologisch scharfsinnigsten Historiker.“ Wie er feststellt: „[I]n diesen Darstellungen scheint der Kriegsstaat nicht zu existieren, selbst in Kriegszeiten“.52
Edgerton argumentiert, dass das ausschließlich „wohlfahrtsstaatliche“ Bild des britischen Staates im 20. Jahrhundert den „beunruhigenden Effekt erklärt, den zeitgenössische abweichende Ansichten noch heute haben“.53 Seine Neubewertungen des ausschließlich „wohlfahrtsstaatlichen“ Bildes des britischen Staates im 20. Jahrhundert stehen im Zusammenhang mit den Herausforderungen, die Angus Calder, Paul Addison, Rex Pope und Alan Allport an die politischen Mythen im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg gestellt haben. In ihren Versuchen, diese historiografischen Dogmen zu revidieren, weisen Edgerton und andere Historiker auf die Lücke in der britischen Sozialgeschichte hin, was die Erfahrungen militarisierter Zivilisten betrifft. „Über das zivile Leben in Kriegszeiten ist viel geschrieben worden“, bemerkt Addison, „aber die Sozialgeschichte der Streitkräfte muss noch eingehend geschrieben werden.“54 Wie Allport anmerkt, bedeutet dies auch, dass „die Demobilisierungserfahrung von 1945 und all die starken Hoffnungen und Ängste, die sie hervorrief, seltsamerweise aus unserem kollektiven Gedächtnis verschwunden sind“.55
Eine wichtige Lücke in der seltsam entmilitarisierten Darstellung des Großbritanniens der Mitte des Jahrhunderts ist die echte Angst vor Massenunruhen, die die Demobilisierung der Wehrpflichtigen begleitete. Allport schreibt, dass es echte Befürchtungen gab, dass „die Wut der Soldaten für die parlamentarische Demokratie zu explosiv sein könnte und dass ehemalige Soldaten den Aufruf zum organisierten Widerstand in Form von politischem Extremismus wörtlich nehmen würden“.56 Der Schriftsteller und Journalist J.L. Hodson machte in seinem Kriegstagebuch The Sea and the Land von 1945 eine ähnliche Beobachtung: „Sie haben es satt, herumkommandiert zu werden, und werden das nicht mehr hinnehmen, wenn die Kämpfe vorbei sind.“57 Diese eingezogenen Zivilisten waren laut dem Daily Mirror-Korrespondenten bei der britischen Armee in Deutschland zu einer „Liga wütender Männer“ geworden. Nach seiner Rückkehr aus Deutschland schrieb er: „Ich kam mit dem Gefühl nach Hause, dass der Soldat seine eigene Widerstandsbewegung braucht, wenn er Gerechtigkeit erfahren soll.“58
Die historiografische Orthodoxie hat die Schilderung solcher kritischer Berichte über den Militarismus und die Ängste, die sie innerhalb der Regierung auslösten, verschleiert, und das bedeutet, dass sowohl das anarchistische Engagement bei den militarisierten Zivilisten als auch die Reaktion der Regierung darauf seltsam und unpassend erschienen sind. Die Arbeit revisionistischer Historiker, insbesondere Edgertons Beitrag zu dieser Debatte, bieten eine wichtige Korrektur dieser Versäumnisse und Auslassungen und ermöglichen eine umfassendere und befriedigendere Darstellung der Strafverfolgung der Freedom-Press-Anarchisten.
WAR COMMENTARY UND DAS INNENMINISTERIUM
„kann man vielleicht getrost ignorieren“
Ewing und Gearty betonen, „inwieweit der Ausnahmezustand und nicht das normale Recht der normale Zustand der Dinge“ zwischen 1914 und 1945 war.59 Wie sie und andere Autoren argumentieren, wurden Notstandsbefugnisse als Mittel zur rechtlichen Einschränkung von Freiheiten in dieser Zeit genutzt, um die politische Demokratisierung zu dämpfen. Dazu gehört der Versuch, die Auswirkungen des allgemeinen Wahlrechts auf die etablierten erblichen Hierarchien in Verbindung mit der alten Ordnung abzuschwächen, die mit dem „ „dreifachen Schock“ des Ersten Weltkriegs, der irischen Abspaltung und der Russischen Revolution als Beweis dafür, was sie von der demokratischen Transformation der Gesellschaft zu erwarten hatte, assoziiert wurde. Doch obwohl „die Regierung während des gesamten Krieges mehr oder weniger ununterbrochen an einem Prozess beteiligt war, der darauf abzielte, Formen politischer Opposition zu unterdrücken“, achteten sowohl die Chamberlain- als auch die Churchill-Regierung darauf, eher informelle Taktiken als öffentliche politische Maßnahmen einzusetzen, um dissidente politische Organisationen zu kontrollieren und zu zensieren, gerade um „ein demokratisches Image zu wahren“ und zu vermeiden, unerwünschte Ansichten und Organisationen öffentlich zu machen.60
In einem Kabinettsvermerk zur Antikriegspropaganda wurde argumentiert, dass Antikriegsgruppen, wenn Strafverfahren gegen sie eingeleitet würden, möglicherweise mehr Sympathie auf sich ziehen könnten, als dies sonst der Fall gewesen wäre.61 Sir John Anderson, der Innenminister, erklärte ausdrücklich bezüglich der Anwendung des Gesetzes in diesem Zusammenhang, dass „es unseren Traditionen widerspreche, diese Methode gegen eine rein politische Organisation anzuwenden“.62 Stattdessen wurde empfohlen, eine Politik der verdeckten Aktionen und der Anwendung des normalen Rechts zu verfolgen, um Anti-Kriegs- und regierungsfeindliche Propaganda zu kontrollieren, wie etwa die Anwendung von Abschnitt 5 des Public Order Act in Bezug auf Verhaltensweisen, die geeignet sind, den Frieden zu stören.63 Der Public Order Act wurde tatsächlich als politische Waffe eingesetzt, um beispielsweise das Flugblatt der Kommunistischen Partei „The People Must Act“ und die kommunistische Zeitung Daily Worker zu verbieten, gemäß den Anweisungen des Kriegskabinetts an die Polizeichefs.64
War Commentary erschien fast während des gesamten Krieges, ohne offen zensiert zu werden. Und das, obwohl es in den Ministerien starke Stimmen gab, die eine Zensur forderten, wie zum Beispiel George Thomson vom Informationsministerium in einem Brief an George Griffith vom Ministerium für innere Sicherheit im Zusammenhang mit den anarchistischen Angriffen auf die Bombardements der Alliierten: „ [M]ir erscheint es außergewöhnlich, dass diese Art von widerwärtigem Material in diesem Land veröffentlicht werden darf.“65 Diese vorsichtige Herangehensweise an ihre Veröffentlichung wurde von Anarchisten anerkannt. In einem Brief, der 1942 der Postsendung von Freedom-Press-Publikationen beilag (und von den Behörden abgefangen wurde), schrieb Hewetson: „Der Innenminister hält unsere und eine Reihe anderer Zeitschriften nicht für einflussreich genug, um drastische Aktionen seinerseits zu rechtfertigen, zumal er ohnehin so unbeliebt ist und vermutlich nicht noch unbeliebter werden möchte.“66
Die Zurückhaltung, Anarchisten bis 1944 strafrechtlich zu verfolgen, ist in der Tat ein markantes Merkmal der Akten des Innenministeriums zu diesem Thema und seiner Reaktionen auf den Druck anderer Ministerien, Institutionen und Individuen, eine Strafverfolgung einzuleiten. Obwohl die Special Branch feststellte, dass War Commentary offen „eine obstruktive Haltung gegenüber den aktuellen Kriegsanstrengungen“ einnahm,67 vertraten leitende Mitarbeiter des Innenministeriums die Ansicht, dass „so giftig sie auch sein mag, sie kann vielleicht getrost ignoriert werden“.68 Notizen in den Akten des Innenministeriums aus dieser Zeit bezeichnen die Publikation als „eher akademisch“ und „hauptsächlich auf Pazifisten beschränkt“.69 Die vorherrschende Meinung scheint gewesen zu sein, dass „diese Gruppe zwar ein gewalttätiges revolutionäres Programm hat“, „aber zu weit vom wirklichen Leben entfernt ist, um großen Ärger zu machen“.70 Ebenso antwortete der Innenminister auf Bedenken von Arbeitgeberverbänden bezüglich der Befürwortung von Eisenbahnstreiks durch War Commentary im Jahr 1943: „Diese Publikation ist dem Ministerium zwar bekannt, doch schien bisher keine Aktion gegen sie gemäß den Verteidigungsvorschriften erforderlich.“71
Am 3. Mai 1943 wurde das Personal des Innenministeriums vom Informationsministerium auf einen Artikel in War Commentary mit dem Titel „Democracy in the Army“ aufmerksam gemacht, der sich auf Klassenungleichheiten im Militär und „den Machtmissbrauch durch Offiziere“ konzentrierte.72 Der Zensurbeauftragte wurde vom Innenministerium beruhigt, dass man die Zeitung „von Zeit zu Zeit“ lese.73 Selbst Berichte der Special Branch über eine Versammlung in Huddersfield, bei der der Anarchist Tom Brown dem Publikum offenbar sagte, dass „sie alle zu Sabotage fähig seien“74, konnten die offizielle Meinung nicht ändern, dass „ [e]s oft unerwünscht ist, einen Propagandisten wegen Meinungsäußerungen strafrechtlich zu verfolgen, die technisch gesehen gegen das Gesetz verstoßen, da dies ihm nur die gewünschte Werbung verschafft“.75 Im April 1944 entsprach die Haltung des Innenministeriums gegenüber War Commentary immer noch seiner früheren Ansicht:
[…] es erscheint aus folgenden Gründen unerwünscht, irgendwelche Schritte dagegen zu unternehmen: 1) Es würde einer obskuren Publikation, die aufgrund ihrer geringen Auflage wahrscheinlich kaum Einfluss hat, Werbung verschaffen. 2) Jeder Versuch, sie zu unterdrücken, könnte als Angriff auf a) demokratische Freiheiten b) die Arbeiterklasse dargestellt werden.76
Als Reaktion auf einen Artikel in War Commentary, der im Mai 1944 im Ministerium für Arbeit und Wehrdienst besondere Besorgnis auslöste und den Titel „Bevin erklärt den Bergleuten den Krieg“ trug, sprach sich das Innenministerium erneut gegen ein Verfahren aus, mit der Begründung, dass dies „Anarchisten die Gelegenheit bieten würde, ihre Aussagen vor Gericht zu rechtfertigen und ihre Falschdarstellungen zu wiederholen, wobei die Chance bestünde, ein weitaus breiteres Publikum zu erreichen, als sie es sonst tun würden“.77 Angesichts dieses Arguments betrachteten die Mitarbeiter des Innenministeriums Aktionen gegen War Commentary gemäß den Verteidigungsvorschriften, fast während des gesamten Krieges, als „völlig ausgeschlossen“.78
„diese Aktivitäten im Keim ersticken“
Während weitere Aktionen gegen War Commentary bis Ende 1944 keine einvernehmliche Option unter den staatlichen Institutionen der Kriegszeit waren, zogen die Aktivitäten der Gruppe ab Ende 1943 zunehmend die Aufmerksamkeit verschiedener Ministerien auf sich. Es war der Kontakt zu den im Einsatz befindlichen Truppen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, der das ernsthaftere Interesse des Innenministeriums an den Aktivitäten der Freedom Press weckte .
Am 29. Oktober 1943 fing der Post- und Telegrafenzensor, der dem Informationsministerium unterstellt war, ein vervielfältigtes Rundschreiben an die „Friends of the Freedom Press“ ab. In den Begleitnotizen zur Bewertung des abgefangenen Materials, die der Akte des Innenministeriums beigefügt waren, hielten die Behörden fest: „Es scheint, als würden besondere Anstrengungen unternommen, um den Kontakt zu Mitgliedern der ‚Friends of the Freedom Press‘ aufrechtzuerhalten, die in den Streitkräften dienen.“79 Der fragliche Brief richtete sich ausdrücklich an Mitglieder der Streitkräfte, die mit der Freedom Press sympathisierten, und wies auf „eine wachsamere kritische Stimmung“ und sogar auf „berechtigten aggressiven Zynismus“ unter den „Arbeitern in Uniform“ hin. Weiter hieß es, dass „sich der Freiheitsgeist der Männer und Frauen in Uniform entwickelt“. Die Anarchisten der Freedom Press behaupteten, dass „die Unzufriedenheit mit zunehmenden Entbehrungen wächst und mit den kommenden intensiven Leiden der nächsten Kriegsphase weiter zunehmen wird“.80
Vermerke des Innenministeriums belegen das wachsende Bewusstsein der Regierung für die Aktivitäten der Freedom Press: „Angesichts der Tatsache, dass die Friends of the Freedom Press glauben, in den Streitkräften zunehmend Unterstützung zu gewinnen, könnte es sich lohnen, zu beobachten, welche Linie War Commentary einschlägt.“81 Von Februar 1944 bis Januar 1945 prüfte das Innenministerium regelmäßig War Commentary. Besondere Aufmerksamkeit galt Kritik an der Militärpolitik, Streiks in der Industrie sowie Material, das sich auf Unzufriedenheit und Radikalismus unter den aktiven Truppen bezog. Im Februar 1944 heißt es beispielsweise in den Notizen des Innenministeriums: „Diese Ausgabe enthält einen provokanten Leitartikel über die Torheit von Bombenangriffen.“82 Im Mai 1944 stellten Mitarbeiter des Innenministeriums fest, dass War Commentary „Meutereien in der britischen Armee im Jahr 1919 beschreibt“, die aus Sicht Anarchisten „die aktuellen Diskussionen über die Demobilisierung erinnern“.83 Diese Artikel wurden im Innenministerium, ebenso wie das Rundschreiben, als „Anzeichen für das Interesse der Anarchisten an den Streitkräften“ angesehen.84 In diesem Zusammenhang wurden im Juli 1944 „Auszüge aus Soldatenbriefen, die sich zu angeblichen Unruhen in den Streitkräften äußern“, sowie „ein Artikel über Meutereien, der darauf hinweist, dass Meutereien nicht organisiert werden können, sondern aus kleineren Unzufriedenheiten entstehen, die sich über einen längeren Zeitraum hinziehen, sowie aus Frustration und Desillusionierung“ festgestellt. „Man kann daraus schließen“, kommentierten Mitarbeiter des Innenministeriums, „dass die Meutereien, die am Ende dieses Krieges stattfinden werden, bessere Erfolgsaussichten haben werden als ihre Vorgänger“.85
Im August 1944 heißt es in den Aufzeichnungen des Innenministeriums: „Ein Artikel, der mit ‚aus den Reihen‘ unterzeichnet ist, gibt vor zu zeigen, dass die britische Armee reif für eine Revolution ist, und behauptet, die Offiziere seien die Konterrevolutionäre.“ Im September äußerten sich Mitarbeiter des Innenministeriums besorgt über eine Rezension im War Commentary zu einem Buch über die Revolten in der deutschen Marine im Jahr 1918 und zitierten aus der Rezension selbst: „Solches Wissen müssen wir alle für die kommenden stürmischen Tage haben, die vor uns liegen. Denn alle, die sich mit dem Wetter auskennen, können sehen, dass sich die Sturmwolken zusammenbrauen.“ Es wurde jedoch auch angemerkt, dass „War Commentary es nicht wagt, Anleitungen zur Meuterei zu drucken, und sie daher in die Vergangenheit projiziert, vgl. Artikel über Meutereien in Frankreich nach dem Waffenstillstand 1918 in früheren Ausgaben.“86 Im Zusammenhang mit weiteren Versuchen der Freedom Press, mit den Streitkräften zu kommunizieren, löste das kriegsfeindliche Material bei MI5, dem Inlandsgeheimdienst, Besorgnis aus.
Anfang November 1944 wurde der Polizei bekannt, dass ein weiterer Rundbrief vom 25. Oktober 1944 von der Freedom Press an ihre in den Streitkräften dienenden Mitglieder verteilt worden war. Darauf wurde in der Ausgabe vom Oktober 1944 von War Commentary hingewiesen, die auf die „Soldiers’ Page“ aufmerksam machte und Briefe von Soldaten zitierte, die politische Versammlungen besucht hatten. „Aus dem Rundbrief geht hervor “, so der Polizeibericht von Chief Inspector Whitehead, „dass War Commentary unter den Angehörigen der Streitkräfte weit verbreitet ist“. Der Bericht weist auf Schlüsselpassagen im Oktober-Schreiben der Freedom Press hin, in dem die Leser aufgefordert wurden, ihre Exemplare von War Commentary in ihren Einheiten zu verbreiten und Namen und Adressen potenzieller Sympathisanten an die Freedom Press weiterzugeben. Der Bericht zitiert das Schreiben ausführlich zum Thema Diskussionsgruppen im Militär und deren Potenzial, zu keimenden „Soldatenräten“ zu werden. „Angesichts des aus sicherheitstechnischer Sicht gefährlich erscheinenden Materials, das in diesem Rundbrief enthalten ist“, schrieb Whitehead, „wurden die nachfolgenden Ausgaben von ‚War Commentary‘ besonders beobachtet.“87
Bestimmte Ausgaben von War Commentary wurden von Whitehead als besonders beachtenswert hervorgehoben. Dazu gehörte eine Ausgabe von Anfang November 1944, insbesondere der Artikel „All Power to the Soviets“, der sich mit revolutionären Aktionen befasste. Er wies insbesondere auf jene Artikel im War Commentary hin, die historische Überblicke über die aufständischen Aktivitäten der Nachkriegszeit in Deutschland, Frankreich und Russland gaben und die Titel „Spontane Aufstände“, „Soldatenräte während der Französischen Revolution“ und „Räte als Instrumente der Politik“ trugen . Zu Whiteheads umfangreichen Zitaten aus War Commentary in seinem Bericht gehört das folgende, das in der Zeitung unter einer Zwischenüberschrift mit dem Titel „Lehren aus dem Jahr 1917“ erschien:
[…] Der Verfall der Disziplin in der Armee war eine Art natürlicher Prozess, lange bevor die revolutionäre Linke begann, sich einzumischen. Massenhafte Desertionen, völlige Missachtung von Befehlen, Angriffe auf und sogar Morde an unbeliebten Offizieren, Verbrüderung mit den deutschen Truppen, die völlige Weigerung, in den Angriff zu ziehen; das waren spontane Äußerungen revolutionärer Gefühle.88
Whitehead wies auch auf die Ausgabe des War Commentary vom 11. November 1944 hin, die mit dem Artikel „People in Arms“ beginnt und sich auf die Situation in Frankreich bezieht, als bewaffnete Maquis-Gruppen in den Provinzen die Kontrolle übernahmen. In diesem Artikel, unter der Zwischenüberschrift „Ähnliche Zustände anderswo“, die sich mit dem Verhältnis zwischen den alliierten Befreiungsstreitkräften und den Volksbewegungen in Griechenland und Belgien befasst, brachten Anarchisten eine Stimmung zum Ausdruck, die für die Strafverfolgung der Herausgeber von Freedom Press von großer Bedeutung sein sollte. Whitehead wies besonders auf die anarchistische Behauptung hin, in ihren Worten, „die revolutionären Möglichkeiten, die der Endphase des Krieges innewohnen“, und insbesondere auf die Behauptung im War Commentary, dass „es die Pflicht der Anarchisten ist, die Arbeiter überall dazu aufzufordern, so wie Connolly es bei den irischen Arbeitern der Citizen Army tat: ‚haltet eure Waffen fest‘“.89 Wie Whitehead feststellte, wurde diese Haltung in der folgenden Ausgabe von War Commentary vom 25. November 1944 in einem Artikel mit dem Titel „Der Kampf der Arbeiter in Belgien“ bekräftigt: „Wir stehen ganz klar auf der anderen Seite, der der bewaffneten Arbeiter. Und wir wiederholen noch einmal, was wir in unserer letzten Ausgabe gesagt haben – ‚Haltet eure Gewehre fest!‘.“90 Dieselbe Ausgabe enthielt weitere Ausführungen zur Meuterei von Wilhelmshaven 1917 in der deutschen Marine und zur Kieler Matrosenmeuterei von 1918. Whitehead schließt mit der Überzeugung, dass: „das Lesen des Rundschreibens vom 25.10.44 durch Soldaten, in Verbindung mit den Artikeln, die im War Commentary vom 1.11.44 und 25.11.44 erschienen sind, ‚eine Anstiftung zur Meuterei‘“.91
Im Einklang mit Whiteheads Schlussfolgerung äußerte auch der MI5 im November 1944 Bedenken hinsichtlich des Inhalts des War Commentary und leitete das, was er als meuterisches Material ansah, an die Dienststellen weiter. In einem Brief zu diesem Material, den G.R. Mitchell im Namen des MI5 an J.J. Nunn im Innenministerium schrieb, erklärte Mitchell: „Wir [MI5] sehen es als unsere Pflicht an, die Artikel im War Commentary, deren Haupt- oder einziger Zweck offenbar darin besteht, Meuterei in einem günstigen Licht darzustellen, den Dienststellen zur Kenntnis zu bringen.“92 Dieses Material, zusammen mit dem geänderten Layout der Publikation hin zu einem zugänglicheren Zeitungsstil und insbesondere in Verbindung mit den in den Streitkräften verteilten Briefen, überzeugte die Mitarbeiter des Innenministeriums davon, dass die anarchistische Publikation „eine Politik verfolgte, die man als offensiv bezeichnen könnte“.93 „Es gibt einen Anscheinsbeweis“, stellten Mitarbeiter des Innenministeriums fest, […] dass Exemplare der am 25. Oktober von der Freedom Press herausgegebenen Rundschreiben an aktive Soldaten verteilt wurden und dass ein begründeter Verdacht besteht, dass der Zweck dieser Verteilung nicht darin besteht, die Streitkräfte Ihrer Majestät über die Ursachen vergangener Meutereien und Revolutionen aufzuklären, sondern sie zu ermutigen, sich darauf vorzubereiten, ähnliche Aktionen zu ergreifen, wenn der richtige Moment gekommen ist.94
So wurden die Aktivitäten von Freedom Press als „eine direktere Anstiftung zur Meuterei“ angesehen.
Angesichts dieser „Vorwätspolitik“ wurde beschlossen, „die Aktivitäten dieser Leute noch vor Kriegsende mit Deutschland im Keim zu ersticken“. „Andernfalls“, so argumentierten Mitarbeiter des Innenministeriums in der folgenden bedeutenden Bemerkung, „könnten sie nach dem Waffenstillstand einen gefährlichen Einfluss ausüben, wenn die Soldaten des Militärs des Militärlebens überdrüssig sind und vielleicht nicht besonders erpicht darauf sind, in Deutschland zu polizeilich zu wirken oder an weiter entfernten Kriegsschauplätzen zu kämpfen, und mehr Zeit zum Lesen und Diskutieren zur Verfügung haben“.95 Dieser Kommentar fasst die Ängste, die der Entscheidung zugrunde lagen, die Anarchisten so spät im Krieg strafrechtlich zu verfolgen, treffend zusammen. Die Entscheidung wurde angesichts der zu erwartenden Spannungen im Zusammenhang mit der Demobilisierung des eingezogenen Zivilpersonals am Ende des Krieges getroffen und nicht als Reaktion auf Bedenken hinsichtlich des erfolgreichen Fortführens des Krieges selbst. Dies spiegelt tief verwurzelte Ängste vor möglichen Unruhen und Meutereien in der Nachkriegszeit wider. Eine Strafverfolgung wurde wünschenswert aufgrund offizieller Bedenken hinsichtlich der sozialen Spannungen, die durch eine groß angelegte Demobilisierung ausgelöst werden könnten. Aus Sicht der Regierung, der Polizei und des MI5 lautete die Sorge wie folgt – wobei der zweite Teil des Satzes offenbart, in welchem Maße die Behörden Unruhen während der bevorstehenden Demobilisierungsphase befürchteten: „Wenn jetzt keine Aktionen ergriffen werden, wird es später schwieriger sein, Aktionen zu ergreifen, wenn sich die Lage möglicherweise ernsthaft verschlechtert hat.“96
„SPEKTREN DER MEUTEREI“ UND DIE „VORWÄRTSPOLITIK“ VON FREEDOM PRESS
„Welfaristische“ Darstellungen des Zweiten Weltkriegs konzentrieren sich ausschließlich auf die sozialen Erfahrungen der nicht dienenden Zivilbevölkerung. Infolgedessen bleibt der Einfluss des Militärlebens auf eine eingezogene Bevölkerung, die sich dennoch überwiegend als zivil betrachtete, weitgehend ungeschrieben. Eine Fokussierung auf die Sozialgeschichte der eingezogenen Streitkräfte, insbesondere im Zusammenhang mit dem Ende von Kriegen, vor allem der Demobilisierung, bietet einen entscheidenden Kontext, um die wahrgenommene Bedrohung durch die Anarchisten von War Commentary und die veränderte Reaktion darauf zu verstehen, die am Ende des Krieges von Regierungsministerien und Sicherheitsdiensten kam. Tatsächlich machen die Akten des Innenministeriums zu diesem Thema deutlich, dass es die besondere „Vorwärtspolitik” der Freedom Press in Bezug auf den Zugang zu den Streitkräften war, die den entscheidenden Unterschied ausmachte und schließlich die Entschlossenheit der Regierung brach, die Aktivitäten der Anarchisten nicht offen zu behindern. „Es gibt kein vielversprechenderes Material für eine Revolution“, schreibt David Lamb, „als Soldaten, die aus Kriegen zurückkehren, denen Gefahren gleichgültig sind und die an Risiken und kollektiver Aktion gewöhnt sind.“97 Doch wie Rex Pope Mitte der 1990er Jahre feststellte, wurde über die Planung der Demobilisierung und die Wiedereingliederung von Militärangehörigen nach dem Zweiten Weltkrieg „relativ wenig“ geschrieben. Er argumentiert, dass diese Pläne mehr Beachtung verdienen, da die getroffenen Vorkehrungen eine Politik widerspiegeln, die „das Produkt des Augenblicks“ war, und somit die Einstellungen während des Krieges und unmittelbar nach dem Krieg direkter widerspiegeln als längerfristige politische Ziele in Bezug auf Bildung oder Gesundheit.98
In einem breiteren historischen Kontext hat Stephen Graubard angemerkt, dass die Wehrpflicht, „die Methode der Einberufung“, das mit der modernen Kriegsführung verbundene Problem des Arbeitskräftemangels löste, dabei aber gleichzeitig eigene Herausforderungen schuf.99 Die Tendenz, dass Armeen aus Staatsbürgern nach Kriegen in massive soziale Unruhen verwickelt wurden, war bereits im Zeitalter der Revolution ein bekanntes Merkmal der europäischen Kriegsführung. Doch gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Staaten für eine erfolgreiche imperiale Expansion und Kriegsführung zunehmend auf die Mitarbeit ihrer Arbeiter-Staatsbürger angewiesen, und Arbeiter an der Front und hinter den Linien wurden zu „entscheidenden Rädchen“ in der Kriegsmaschinerie. 100 Die Zerstörungskraft der modernen Kriegsführung hatte jedoch eine noch stärkere entzündliche Wirkung auf Arbeiter, selbst angesichts erweiterter demokratischer Rechte. Im besten Fall, wie Graubard anmerkt, akzeptiert ein Wehrpflichtiger die Militärherrschaft für einen begrenzten Zeitraum, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, doch danach „ist sein erster Gedanke die sofortige Entlassung“.101 Im Einklang mit diesem Argument berichtet Allport, dass nach dem Zweiten Weltkrieg „Kriegsdienstleistende im Allgemeinen nachdrücklich betonten, dass sie eher kurzfristige Staatsbürger-Soldaten als Berufssoldaten waren – keine ‚gesichtslosen khakifarbenen Spielfiguren in einem großen Ludo-Spiel‘, wie es der Schriftsteller Anthony Burgess formulierte, sondern ‚Zivilisten in vorübergehender Verkleidung‘, deren Dienstzeit nun abgelaufen war“.102
Nach beiden Weltkriegen war die Demobilisierung „eine heikle und potenziell explosive Angelegenheit“.103 Im Falle des Ersten Weltkriegs waren bereits 1916 Streiks, Desertionen und Revolten an der Tagesordnung, und zur Zeit der Russischen Revolution 1917 war die Kriegsablehnung in der europäischen Bevölkerung weit verbreitet. Im Gegenzug verspürten die Eliten Europas eine allgegenwärtige Angst vor einer Revolution. Laut Lamb wurde in Großbritannien die Möglichkeit einer inneren Revolution zu einer ausgesprochen drängenden Sorge: „Dieser Winter 1918–1919 war der Moment, in dem Großbritannien einer sozialen Revolution am nächsten kam.“104 Die Angst vor Meutereien, die die Politikgestaltung der Regierung nach dem Ersten Weltkrieg prägte, beeinflusste auch die offiziellen Entscheidungen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs maßgeblich. „Die Schreckgespenster von Meutereien und sozialen Unruhen, an die man sich aus dem Jahr 1919 lebhaft erinnerte“, schreibt Addison, „waren den Behörden stets präsent.“105 Rex Pope hebt zudem die äußerst vorsichtige Handhabung der Demobilisierungspolitik hervor und zeigt, wie die potenzielle Unberechenbarkeit der Demobilisierung die übergeordneten Regierungsziele in der unmittelbaren Nachkriegszeit vereitelte, in diesem Fall die Aufrechterhaltung einer zentral geplanten Arbeitskraft für einen kontrollierten ökonomischen Wiederaufbau.106 Der Aufstieg nationalistischer Bewegungen in Asien und Afrika verschärfte die Spannungen rund um die Demobilisierung weiter, die drohten, sich mit sozialen Revolutionen zu vermischen und die imperialen Mächte in ihrer strukturellen Abhängigkeit von kolonialen Ressourcen zu destabilisieren.107
Die anarchistische Sensibilität gegenüber den militarisierten Zügen des britischen Staates in den 1940er Jahren bedeutete, dass sie darauf vorbereitet und bereit waren, die politischen Eliten angesichts des umstrittenen Prozesses der groß angelegten Demobilisierung an ihren wunden Stellen zu treffen. Einer der verurteilten Redakteure der Freedom Press, Philip Sansom, der nach dem Prozess inhaftiert wurde, hielt seine Eindrücke von der angespannten Atmosphäre rund um die Demobilisierung und den akuten offiziellen Ängsten vor einem Nachlassen der militärischen Disziplin fest: „Als wir erst mal drinnen waren“, erinnerte er sich, „fanden wir die Gefängnisse überfüllt“ mit Soldaten, die von Militärgerichten wegen Desertion und ähnlicher Vergehen zu langen Haftstrafen verurteilt worden waren. „Nichts davon war den Menschen zu Hause bekannt“, schrieb Sansom und fügte mit deutlicher Betonung hinzu: „Aber die Regierung wusste es!“108
Tatsächlich herrschte innerhalb der Regierung nach dem Zweiten Weltkrieg eine allgegenwärtige Angst vor Meuterei. Allport hat deutlich gemacht, dass gegen Ende des Krieges „die reale Befürchtung bestand, dass es zu Massenunruhen kommen würde, wenn die Demobilisierung nicht gut gehandhabt würde“.109 Lord Woolton, der während des Krieges als Minister für Ernährung und Minister für den Wiederaufbau fungierte, bezeugt diese Besorgnis in seinem Tagebucheintrag vom 1. November 1940: „ „Ich glaube, es wird ernsthafte Probleme geben“, sorgte er sich, „und die Gefahr besteht darin, dass, wenn die Regierungsmaschinerie, die im Krieg so rücksichtslos Geld ausgeben kann, beim Wiederaufbau nicht ebenso rücksichtslos vorgeht, sowohl die Tendenz als auch der Vorwand für eine Revolution entstehen werden.“110 Im Mai 1945 warnte Ernest Bevin, Arbeitsminister, seine Kollegen vor möglichem Chaos in den Streitkräften.111 In den Augen hochrangiger Mitarbeiter des Innenministeriums hätten die offensichtlichen Bemühungen der Anarchisten, die Stimmung der demobilisierten Soldaten gegen das Establishment aufzuheizen, durchaus Erfolg haben können. Wie Allport schreibt: „Man befürchtete, dass desillusionierte und verärgerte ehemalige Soldaten leichte Beute für Extremisten mit falschen Versprechungen sein würden“.112
Tatsächlich kam es bei „einem der größten Fälle kollektiver Disziplinlosigkeit in der britischen Militärgeschichte“ zu einer beträchtlichen Anzahl von Protesten, Meutereien und „Demobilisierungsstreiks“, die nach dem Zweiten Weltkrieg die militärische Autorität in Frage stellten, insbesondere in Indien und im Nahen Osten. Tatsächlich, wie Silver anmerkt, waren die Intensität und Dauer der Welle von Arbeitsunruhen nach dem Zweiten Weltkrieg in kolonialen und postkolonialen Gebieten weitaus höher und länger als die Welle nach dem Ersten Weltkrieg – eine wichtige sozialrevolutionäre Botschaft aus der sich entkolonialisierenden nicht-westlichen Welt.113 In der angespannten Atmosphäre, die diesen Ereignissen vorausging, beschlossen britische Beamte, ihre Politik gegenüber der subversiven Publikation der Freedom Group umzukehren, und riskierten damit eine Kontroverse, indem sie eine Strafverfolgung vorantrieben, die deren antimilitaristische Polemik zum Schweigen bringen sollte.

Abbildung 2 Karikatur von John Olday aus War Commentary, 5. Mai 1945, als Protest gegen den Einsatz von Notverordnungen zur Unterdrückung politischer Dissidenz. Sammlung IISH
FAZIT
Dieser Artikel hat versucht, die Positionen der Regierung und der Anarchisten im Verlauf der Ereignisse, die 1945 zur Strafverfolgung und zum Prozess gegen die Herausgeber von War Commentary führten, zu beleuchten, indem er sie in einen breiteren politischen und ökonomischen Kontext einordnet. Er wirft ein ungewohntes Licht auf das Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft in der Endphase des Krieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit und hebt dabei die offizielle Wahrnehmung der anarchistischen antimilitaristischen Polemik als potenziell brandgefährlich in einem Kontext hervor einer zunehmend feindseligen Reaktion der Zivilbevölkerung auf die Militarisierung des Lebens.
Die Aktionen der Freedom Press-Gruppe und der Regierung waren eingebettet in die britische gesellschaftliche Kriegserfahrung und in die internationale Dynamik der Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit, was zeigt, in welchem Maße Radikalismus und Dissens in die Dynamik der Weltpolitik und des Krieges verstrickt waren. Die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs hatten gezeigt, dass ein militarisiertes Establishment Grund hat, sich besonders um das Ende von Kriegen zu sorgen, vor allem wenn diese Wehrpflichtige betrafen. Der Schwerpunkt der staatlichen Besorgnis gegen Ende des Krieges lag auf dem Zusammenbruch militärischer Disziplin und offizieller Autoritätsquellen, als die Soldaten ihre zivile Identität zurückerlangten. Genau in diesem Moment löste die scheinbar unbedeutende Gruppe, die bis dahin als harmlos galt, beim Innenministerium so große Besorgnis aus, dass es beschloss, in Aktion zu treten.
Ähnlich war für Anarchisten die sich abzeichnende Aussicht auf Demobilisierung der entscheidende Moment, um ihre antimilitaristische Polemik zu beschleunigen, wobei sie sich besonders an Soldaten richteten. Ihre Rhetorik stützte sich auf zentrale anarchistische Ideologiepunkte in Bezug auf Militarismus und soziale Ordnung. Ideologisch waren sie gut aufgestellt, um viele der Ängste und Sehnsüchte sowohl der Zivilbevölkerung als auch der Soldaten anzusprechen, indem sie die Militärpolitik der Regierung konsequent mit den Erfahrungen von Gewalt und Entwurzelung während des Krieges in Verbindung brachten. Im Hinblick auf die britische Sozialgeschichte lädt uns der Prozess gegen Anarchisten dazu ein, die Auswirkungen der militärischen Erfahrung auf die Zivilbevölkerung in Großbritannien neu zu untersuchen und das „welfaristische“ „Welfarismus“- und „Konsens“-Paradigma, durch das die Beziehungen zwischen Gesellschaft und Regierung jener Zeit traditionell betrachtet wurden.
1War Commentary verwendete bei der Kennzeichnung seiner Ausgaben keinen einheitlichen Stil. Daher werden für die verschiedenen Ausgaben der Zeitschrift je nach den Angaben in der Primärquelle unterschiedliche Zitierweisen verwendet.
2Neil Stammers, Civil Liberties in Britain During the Second World War (London, 1983), S. 123, 124.
3Ich schließe jene nichtkommunistischen Kräfte ein, die links von der Labour-Partei standen, wie die Independent Labour Party (ILP) und die trotzkistischen Elemente innerhalb und außerhalb der Kommunistischen Partei, obwohl diese zugegebenermaßen ebenfalls eine Alternative sowohl zum offiziellen Kommunismus als auch zur Politik der Labour-Partei bieten wollten.
4Siehe Mark Shipway, Anti-Parliamentary Communism: The Movement for Workers’ Councils in Britain, 1917–1945 (Basingstoke, 1988). Siehe auch die folgende Dokumentation politischer Materialien: Wildcat Group, Class War on the Home Front! Revolutionary Opposition to the Second World War (Manchester, 1986).
5Die Peace Pledge Union (PPU) ist eine britische pazifistische Nichtregierungsorganisation, die 1934 von Dick Sheppard gegründet wurde. Zum Workers’ Open Forum siehe Shipway, Anti-Parliamentary Communism, Kap. 8.
6Beverly L. Silver, Forces of Labour: Workers’ Movements and Globalization Since 1870 (Cambridge, 2003), S. 125, 131.
7Stephen Graubard, „Demobilization in Great Britain following the First World War“, The Journal of Modern History, 19:4 (1947), S. 4.
8Richard Titmuss, Problems of Social Policy (London, 1950).
9Angus Calder, The People’s War: Britain 1939–1945 (London, 1969).
10Zur Erörterung der Einwände der Bevölkerung gegen die Bombardierungsstrategien der Alliierten und zur anarchistischen Stimme in diesen Kontroversen siehe Carissa Honeywell, A British Anarchist Tradition (London, 2013), S. 84–88.
11Paul Addison, The Road to 1945 (London, 1975).
12David Cesarani, „Lacking in Conviction: British War Crimes Policy and National Memory of the Second World War“, in: Martin Evans und Ken Lunn (Hrsg.), War and Memory in the Twentieth Century (Oxford, 1997), S. 27–44, 27–28.
13Für grundlegende revisionistische Beiträge zu den Beziehungen zwischen Regierung und Bevölkerung siehe auch Angus Calder, The Myth of the Blitz (London, 1991); Clive Ponting, 1940: Myth and Reality (Chicago, IL, 1991). Für neuere Analysen siehe Donald Thomas, The Enemy Within: Hucksters, Racketeers, Deserters and Civilians during the Second World War (New York, 2003); David Edgerton, Warfare State: Britain, 1920–1970 (Cambridge, 2006). David Edgerton ist außerdem Autor von England and the Aeroplane: An Essay on a Militant and Technological Nation (Basingstoke, 1991).
14Scott Turner, „Anarchist Theory and Human Rights“, in: Nathan J. Jun und Shane Wahl (Hrsg.), New Perspectives on Anarchism (Lanham, MD, 2010), S. 121–146, 136.
15Herbert Read, „Freedom, Is It a Crime? The Strange Case of the Three Anarchists Jailed at the Old Bailey, April 1945“ (London, 1945).
16Colin Ward, „Witness for the Prosecution“, The Raven Anarchist Quarterly, 29, 8:1 (Frühjahr 1995).
17Stammers, Civil Liberties in Britain, S. 88.
18Anklagepunkte, Central Criminal Court, Sitzungen vom 17. April 1945, TNA, CRIM 1/1670.
19Siehe Honeywell, A British Anarchist Tradition, S. 53–56.
20Herbert Read, „Before the Trial“, War Commentary, 1. April 1945, nachgedruckt in David Goodway (Hrsg.), Herbert Read: A One-Man Manifesto and Other Writings, Freedom Press (London, 1994), S. 96–99, 97.
21Nachgedruckt in War Commentary, 21. April 1945.
22Zitiert aus dem Nachdruck in War Commentary, 21. April 1945.
23Read, „Before the Trial“, S. 99.
24Herbert Read, „After the Trial [Rede nach dem Prozess gegen die Herausgeber von War Commentary]“, in idem, Freedom: Is It a Crime?, nachgedruckt in Goodway, Herbert Read: A One-Man Manifesto, S. 100–104, 103.
25Albert Meltzer, The Anarchists in London 1935–1955 (Sanday, Orkney, 1976), S. 9.
26Ebenda, S. 19.
27Carissa Honeywell, „Bridging the Gaps: Twentieth-Century Anglo-American Anarchist Thought“, in Ruth Kinna (Hrsg.), The Continuum Companion to Anarchism (London, 2012), S. 111–139, 128. Siehe auch Honeywell, A British Anarchist Tradition, S. 20–22.
28Randolph S. Bourne, „The State“ (1919), in idem, War and the Intellectual: Essays, 1915–1919 (New York, 1964), S. 71–72; siehe Colin Ward, der Bourne zitiert, „The State“, in „The Awkward Question“, Freedom, 17. August 1957.
29Geoffrey Ostergaard, „Resisting the Nation-State: The Pacifist and Anarchist Traditions“, in: Leonard Tivey (Hrsg.), The Nation-State: The Formation of Modern Politics (Oxford, 1981), S. 171–196, 172.
30Ebenda, S. 177.
31Silver, Forces of Labour, S. 137.
32Derrick A. Pike, „Conscientious Objectors in World War Two“, in The Raven: Anarchist Quarterly, 29, 8:1 (Frühjahr 1995), S. 48–49.
33Colin Ward, Anarchy in Action (London, 1982), S. 25.
34War Commentary, Juli 1941.
35Revolt!, 23. März 1939.
36War Commentary, 4:13 (Mai 1943).
37Leitartikel, Spain and the World, 16. September 1938.
38Revolt!, 23. März 1939.
39Alex Comfort, in: George Orwell, D.S. Savage, George Woodcock und Alex Comfort, „Pacifism and the War: A Controversy“, Partisan Review, September–Oktober 1942, S. 417.
40Charles Ridel (Louis Mercier Vega), War Commentary, Mitte Januar 1942.
41Ebenda.
42Reynolds, War Commentary, Juni 1941.
43The National Archives [im Folgenden: TNA], HO 45/25553 833412/8, Auszug aus dem Special Branch Fortnightly Summary Nr. 25, 15. November 1941.
44TNA, HO 45/25553 833412/8, Auszug aus dem zweiwöchentlichen Bericht der Special Branch Nr. 41, 15. Juli 1942.
45TNA, HO 45/25553 833412/8, Auszug aus dem zweiwöchentlichen Bericht der Special Branch Nr. 77, 15. Januar 1944.
46„Mutiny in the British Army“, War Commentary, 5:13 (Mai 1944).
47„British Mutinies in France“, War Commentary, 5:14 (Mai 1944).
48„How Wars End“, War Commentary, 5:17 (Juli 1944).
49War Commentary, 5:19 (August 1944).
50Edgerton, Warfare State, S. 1.
51Ebenda, S. 270.
52Ebenda, S. 290, 291. Eine eindringliche Auseinandersetzung mit den Wechselbeziehungen zwischen Krieg, Sozialstaat, Kapitalakkumulation und der Stellung der Arbeiterschaft in der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts findet sich bei Silver, Forces of Labour, S. 132–141.
53Edgerton, Warfare State, S. 292.
54Paul Addison, Now the War is Over: A Social History of Britain 1945–51 (London, 1995), S. 4.
55Alan Allpor, Demobbed: Coming Home after the Second World War (New Haven, CT [etc.], 2009), S. 7–8.
56Ebenda, S. 6.
57J.L. Hodson, The Sea and the Land: Being Some Account of Journeys, Meetings, and What Was Said to Me in Britain, France, Italy, Germany and Holland between March 1943 and May 1945 (London, 1945), S. 280.
58Eric Dornan Smith, „The League of Angry Men“, Daily Mirror, 4. Juni 1945, zitiert in Allport, Demobbed, S. 6.
59Keith D. Ewing und Conor A. Gearty, The Struggle for Civil Liberties: Political Freedom and The Rule of Law in Britain, 1914–1945 (Oxford, 2000), S. 415.
60Stammers, Civil Liberties in Britain, S. 123.
61TNA, Public Record Office [im Folgenden: PRO] CAB 67/1, WP (G) (39) 36.
62TNA, PRO CAB 73/2, CDC (40) 8. Sitzung, 6. März 1940.
63TNA, PRO MEPOL 2/6260, vertrauliches Memo des Kommissars, 14. Mai 1940.
64TNA, HO 158/32, Rundschreiben an die Polizeichefs, Nr. 832463/105.
65TNA, HO 45/25553 833412/3, Brief von George Thomson, Informationsministerium, an George Griffith, Ministerium für innere Sicherheit, 11. September 1943.
66TNA, HO 45/25553 833412/5, Informationsministerium, Postzensur von Freedom Press N.W.6 an Dr. A.L. Goldwater, New York, 3. Januar 1942.
676868TNA, HO 45/25553 833412/3, Bericht der Sonderabteilung der Metropolitan Police über War Commentary, 25. April 1941.
68TNA, HO 45/25553 833412/1, Rundschreiben mit den Initialen M.S.W., 3. Juli 1942.
69TNA, HO 45/25553 833412/3, Rundschreiben des Innenministeriums, abgezeichnet mit M.S.W., 3. Juli 1942.
70TNA, HO 45/25553 833412/8, Rundschreiben des Innenministeriums, abgezeichnet mit T.H.M., 25. Oktober 1941.
71TNA, HO 45/25553 833412/3, Brief von W. Goody, Sekretär des Carlisle Railwaymen’s Joint Committee, an Herbert Morrison, 23. April 1943. Den ursprünglichen Brief, um den es hier geht, findest du unter TNA, HO 45/25553 833412/3, Brief von J.J. Nunn an W. Goody, 1. Mai 1943.
72War Commentary, 4:8 (Mitte Februar 1943).
73TNA, HO 45/25553 833412/3, Notiz auf der Kopie von War Commentary, 4:8 (Mitte Februar 1943), abgezeichnet mit G.G., 3. März 1943.
74TNA, HO 45/25553 833412/9, Auszug aus der regionalen Zusammenfassung (Sicherheitsarbeit der Special Branch) für Region Nr. 2 für die zwei Wochen bis zum 31. Januar 1942.
75TNA, HO 45/25553833412/9, Vermerke des Innenministeriums zur Weiterleitung, unterzeichnet von J.M. Ross, 13. Februar 1942.
76TNA, HO 45/25553 833412/13, Vermerke des Innenministeriums zur Weiterleitung, 28. April 1944.
77TNA, HO 45/25553 833412/20, Brief von J.J. Nunn, Innenministerium, an Herrn Emmerson, Ministerium für Arbeit und Wehrdienst, 19. Mai 1944.
78TNA, HO 45/25553 833412/20, Protokoll zur Aktenverteilung, abgezeichnet von J.A.N., 15. Mai 1944.
79TNA, HO 45/25553 833412/5, Post- und Telegrafenzensur, 12. Oktober 1943.
80TNA, HO 45/25553 833412/5, Brief der Herausgeber von War Commentary, 12. Oktober 1943.
81TNA, HO 45/25553 833412/5, Vermerke des Innenministeriums, abgezeichnet mit S.C.S.R., 2. November 1943.
82TNA, HO 45/25553 833412/15, Vermerke, 11. März 1944.
83TNA, HO 45/25553 833412/15, 7. Juli 1944.
84TNA, HO 45/25553 833412/21, J.M.P., Protokoll, 24. Mai 1944.
85TNA, HO 45/25553 833412/15, 7. Juli 1944.
86TNA, HO 45/25553 833412/15, J.M.P., 6. Oktober 1944.
87TNA, HO 45/25553 833412/27, Polizeibericht vom 1. Januar 1945, einschließlich einer Erörterung des Rundschreibens und der am 14. Dezember 1944 durchgeführten Durchsuchungen, verfasst von Chief Inspector Whitehead.
88„Lessons of 1917“, War Commentary, 6:1 (1. November 1944).
89„People in Arms“, War Commentary, 6:2 (11. November 1944), Hervorhebung im Original.
90War Commentary, 6:3 (25. November 1944), Hervorhebung im Original.
91TNA, HO 45/25553 833412/27, Polizeibericht vom 1. Januar 1945, einschließlich einer Erörterung des Rundschreibens und der am 14. Dezember 1944 durchgeführten Durchsuchungen, verfasst von Chief Inspector Whitehead.
92TNA, HO 45/25553 833412/20, Brief von G.R. Mitchell an J.J. Nunn, Innenministerium, 1. November 1944.
93TNA, HO 45/25553 833412/27, J.M.P., 11. Dezember 1944.
94TNA, HO 45 25553 833412/27, J.A.N., 11. Dezember 1944.
95TNA, HO 45 25553 833412/27, J.M.P., 11. Dezember 1944.
96TNA, HO 45 25553 833412/27, J.A.N., 11. Dezember 1944.
97Dave Lamb, Mutinies: 1917–1920 (Oxford [etc.], 1978), S. 9.
98Rex Pope, „British Demobilization after the Second World War“, Journal of Contemporary History, 30 (1995), S. 65–81, 66.
99Graubard, „Demobilization in Great Britain following the First World War“, S. 297.
100Wie William McNeill betont hat: „Die unbändige Energie der französischen Wehrpflichtigen in den Jahren 1793–95 und der nationalistische Eifer einiger deutscher Staatsbürger-Soldaten in den Jahren 1813–14 konnten die etablierte Autorität ebenso leicht in Frage stellen, wie sie sie bestätigen und stärken konnten“; ebenda, The Pursuit of Power: Technology, Armed Force, and Society since A.D. 1000 (Chicago, IL, 1982), S. 221, zitiert in Silver, Forces of Labour, S. 137.
101Graubard , „Demobilization in Great Britain Following the First World War“, S. 297.
102Allport, Demobbed, S. 4.
103Addison, Now the War is Over, S. 19.
104Lamb, Mutinies: 1917–1920, S. 9.
105Addison, Now the War is Over, S. 19.
106Rex Pope, „Looking Back: The Experience of 1917–20 and the Planning of British Demobilisation, Decontrol and Reconstruction after World War II“, Northwest Journal of Historical Studies, 2:2 (1992), S. 65–81, 65. Siehe auch idem, „British Demobilization after the Second World War“, S. 67.
107Silver, Forces of Labour, S. 148.
108Philip Sansom, „Revived 45: Anarchists against the Army“, The Raven Anarchist Quarterly, 29, 8:1 (Frühjahr 1995), S. 61–71, 62.
109Allport, Demobbed, S. 6.
110Abteilung für westliche Handschriften, Bodleian Library, Oxford, Lord Woolton, Tagebucheintrag vom 1. November 1940, Woolton MS 2, zitiert in Peter Hennessy, Never Again: Britain 1945–51 (London, 2006), S. 163.
111Siehe den folgenden Bericht: J.H.A. Sparrow, Report on Visit to 21st Army Group and Tour of Second Army 30 March–5 May 1945, 14, TNA, War Office Morale Komitee WO/32/15772.
112Allport, Demobbed, S. 6.
113Silver, Forces of Labour, S. 127.