Dieser unglaubliche Text von Paul Mattick, der sogar einen auf unsere Zeit ungewollten vorrausschauenden Blick hat, unterstreicht den absolut sozialdemokratischen und daher reformistischen und konterrevolutionären Charakter der radikalen Linken, die nichts anderes sein kann als die radikale Linke des Kapitals. Seine Kritik galt der SPD von Kautsky und Bernstein und erklärt, wieder einmal, warum die Reformierung des Kapitals, also der Reformen/Reformismus selbst, zwar nicht dem Kapitalisten, aber den Kapitals als solchen dient, wie eben dies zur weiteren Expansion des Kapitals führen musst. Dieser Kampf, der die Zerstörung des Kapitals nicht mehr heimsucht, sucht nur noch weitere Einbindung des Proletariats in die kapitalistische Gesellschaft, welche dann am Ende verteidigt werden muss, wie es der Fall beim Ersten Weltkrieg war, sowie in späteren Kriegen und Konflikten.
Paul Mattick – Karl Kautsky: Von Marx zu Hitler (1939)
Im Herbst 1938 starb Karl Kautsky im Alter von 84 Jahren in Amsterdam. Er galt als der wichtigste Theoretiker der marxistischen Arbeiterbewegung nach dem Tod ihrer Begründer und man kann ihn ohne Zweifel als einen ihrer typischsten Vertreter ansehen. Er verkörperte in aller Klarheit sowohl die revolutionären als auch die reaktionären Aspekte dieser Bewegung. Aber während Friedrich Engels am Grab von Marx sagen konnte, daß sein Freund „vor allem Revolutionär war“, wäre es schwierig, dasselbe am Grab seines bekanntesten Schülers zu sagen. „Die Politik und Theorie Kautskys werden stets der Gegenstand kritischer Untersuchung bleiben“, schrieb Friedrich Adler in Erinnerung an Kautsky. „Aber der Charakter Kautskys kann nie einem Zweifel unterliegen, er hat sein ganzes Leben unveränderlich gewirkt „der höchsten Majestät getreu, dem eigenen Gewissen“.“1 Weiterlesen