Über die Nutzbarkeit (oder auch nicht) der internationalistischen Aufrufe gegen den Krieg

Gefunden auf panfletos subversivos, die Übersetzung ist von uns

Über die Nutzbarkeit (oder auch nicht) der internationalistischen Aufrufe gegen den Krieg
Anonym, Mittwoch, 2. März 2022

Aufrufe zur Desertion, zum Defätismus und zur Sabotage des Krieges an beiden Fronten sind im Prinzip sehr berechtigt, aber sie laufen Gefahr, im Grunde genommen wenn nicht „ideologisch“, so doch völlig nutzlos zu sein. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe, die sich auf einen zusammenfassen lassen:

1) Im Gegensatz zu 1914 gibt es heute keine organisierte Arbeiterbewegung, an die man sich wenden könnte. Wir befinden uns vielmehr in einer Situation, die der von 1939 sehr viel ähnlicher ist – si parva licet ( wir steuern nicht nur, zumindest in unmittelbarer Zukunft, nicht auf einen Dritten Weltkrieg zu, sondern die Gründe für dieses Ausbleiben sind heute viel „struktureller“) – als das revolutionäre Proletariat, in den Ländern, in denen es sich manifestierte, längst besiegt war – seine Versuche wurden von demokratischen und sogar sozialdemokratischen Regierungen blutig niedergeschlagen – und die reformistische Arbeiterbewegung wurde vernichtet (Deutschland, Italien) oder endgültig in den kapitalistischen Staat integriert. ( Mit einigen löblichen, aber minderheitlichen Ausnahmen sprangen dann alle, aber wirklich alle historischen revolutionären Strömungen – von den Anarchisten bis zu den Trotzkisten – auf den Zug des anglo-russisch-amerikanischen Imperialismus auf, im Namen des Kampfes gegen den Faschismus).

2) Historisch gesehen hat sich die große Mehrheit der Proletarier bei jedem Krieg mit ihrem nationalen Kapital und dessen imperialistischer Front verbündet (jedes nationale Kapital ist per Definition imperialistisch). Erst als sich der Konflikt über die Erwartungen der Regierungen hinaus verlängerte und seine Auswirkungen auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen deutlich spürbar wurden, lehnten sie ihn ab (und das nicht immer: man denke an die Zeit von 1943 bis 1945 in Italien). Die Regierungen sind sich dessen sehr wohl bewusst, weshalb ihr Ideal des Krieges der „Blitzkrieg“ ist. Das war aber schon immer war, war ein Ideal.

Zumindest, wenn man materialistisch sein will.

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Anmerkung von Panfletos Subversivos:
Es ist offensichtlich, dass ihre Propaganda nicht unmittelbar wirksam ist. Revolutionärer Defätismus, Desertion und Sabotage des Krieges an beiden Fronten können nicht nur als Position, sondern auch als Perspektive für künftige Konflikte von Bedeutung sein. Die Debatte bleibt offen…

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