Gefunden auf history is what, die Übersetzung ist von uns.
„Wofür kämpfen wir?“ – Vernon Richards (1939)
„So viel zur Freiheit unter der Demokratie … So viel zu den wahren Zielen der Alliierten.“
Aus „War Commentary“, November 1939, Whiteway Colony, England
„Wofür kämpfen wir?“ Auf diese Frage antworten jene begeisterten „Demokraten“, die sich eine Antwort zu trauen, mit „Freiheit“ oder „um den Nationalsozialismus und seine Ziele der Weltherrschaft zu zerschlagen“ oder, um den Herausgeber der Times (10. Oktober) zu zitieren, „um Polen zu befreien und der unerträglichen Belastung durch das Leben unter der ständigen Bedrohung durch die nationalsozialistische Aggression ein für alle Mal ein Ende zu setzen“.
Antifaschisten und der Krieg
Ziel dieses Artikels ist es, aufzuzeigen, dass die Antwort auf die peinliche Frage „Wofür kämpfen wir?“ nicht „Freiheit“ oder die „Verteidigung der Demokratie“ lautet, sondern die „Verteidigung einer Interessengruppe gegen eine andere“ oder, einfacher gesagt, „ein Krieg zwischen rivalisierenden Imperialismen“.
Dass viele aufrichtige Antifaschisten an die „Gerechtigkeit“ dieses Krieges glauben, ganz unabhängig von der Propaganda, die von der konservativen und der sogenannten radikalen Presse verbreitet wird, ist nicht überraschend. Sie sagen: „Wir, die wir immer lautstark gefordert haben, dass der Faschismus zerschlagen werden muss, sollten jetzt, da sich eine Gelegenheit bietet, im Einklang mit unseren Prinzipien handeln.“ Ihre Aktionen werden daher nicht von der Vernunft geleitet, sondern von ihrem Wunsch, sich selbst und anderen zu beweisen, dass sie in Wort und Tat konsequent sind.
Es gibt andere, die sich Revolutionäre nennen und glauben, dass Krieg eine Revolution hervorbringt. Die tragischen Folgen des letzten Krieges haben ihnen offenbar keine Lehre erteilt. Heute befinden sich die Strategen in guter Gesellschaft mit der britischen Regierung, die ihr Möglichstes tut, um das britische Volk davon zu überzeugen, dass es in Deutschland bald zu einer Revolution kommen wird.
Sie versäumen es jedoch hinzuzufügen, dass sie im Falle einer Revolution in Deutschland diese mit derselben Rücksichtslosigkeit niederschlagen werden, mit der sie den Nationalsozialismus zu vernichten gedenken. Herr Churchill wird mit seiner bisherigen Erfahrung dafür sorgen.
Schließlich gibt es da noch diese riesige Masse von Menschen ohne eigene Meinung, die ausschließlich von den giftigen Federn der kapitalistischen Presse und den edlen Worten ihrer Anführer über diesen äußerst wirksamen Propagandakanal, die BBC, gefüttert werden.
All diese oben genannten Gruppen von Antifaschisten irren sich entweder oder werden in die Irre geführt, denn unter keinen Umständen lässt sich dieser Krieg rechtfertigen; unter keinen Umständen kann er Frieden bringen.
Die „Verteidigung der Freiheit“
Von allen Seiten wird versucht, uns davon zu überzeugen, dass wir kämpfen, um die Freiheit zu verteidigen. Die Regierung hat tatsächlich 44.000 Pfund (nach offiziellen Schätzungen) ausgegeben, um England mit Plakaten zu überziehen, auf denen steht: „Deine Freiheit ist in Gefahr. Verteidige sie mit aller Kraft“.
Aber war unsere Freiheit durch den deutschen Einmarsch in Polen bedroht? Die Antwort der Regierung, so heißt es, war ihre Kriegserklärung an Deutschland. Doch die Regierung hat Russland, das die Hälfte Polens verschlungen hat, keinen Krieg erklärt. Im Gegenteil: Großbritannien hat ein Abkommen unterzeichnet, Russland mit Zinn und Kautschuk im Tausch gegen Holz zu beliefern! Polen war nur ein Vorwand, so wie es auch die Tschechoslowakei hätte sein können, wären England und Frankreich bereit gewesen.
Der ehemalige Admiralitätsminister, Herr Duff Cooper, erklärte, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken:
„Wir hätten nicht für die Tschechoslowakei gekämpft, wenn wir in den Krieg gezogen wären … Wir haben 1914 nicht für Serbien oder Belgien gekämpft, auch wenn es manchen Leuten gelegen kam, das zu behaupten …“
Wenn es noch weiterer Beweise für die finstere Rolle der Alliierten bedarf, kann man auf die Tatsache verweisen, dass sie, um die „Freiheit zu verteidigen“, alles in ihrer Macht Stehende tun, um Länder wie Spanien und Italien auf ihre Seite zu ziehen – Länder, in denen Freiheit ein Gräuel ist. Mussolini, der Mann, der erst kürzlich erklärte, Freiheit gehöre der Vergangenheit an, und Franco, dessen Spanien ein einziges riesiges Konzentrationslager ist (sogar die Times vom 7. Oktober erklärt, dass die „überfüllten Gefängnisse und Lager von Leid und Elend zeugen. Es ist ein schreckliches Problem“).
Was Polen betrifft, den Vorwand für diesen Krieg, so haben unabhängige Beobachter bei vielen Gelegenheiten festgestellt, dass in diesem Land ein Faschismus äußerst brutaler Art herrschte, und was die antisemitische Verfolgung angeht, hätten Streicher und seine Judenhasser viel von den polnischen Methoden lernen können.
Auch die Innenpolitik der Alliierten ist kein besonders gutes Aushängeschild für ihre bekundeten demokratischen Traditionen. Aus imperialistischer Sicht nutzt Frankreich seine farbigen Völker gut aus, um ihnen bis heute die Hauptlast der Kämpfe aufzubürden. Der News Chronicle beschreibt, wie senegalesische Truppen eingesetzt wurden, um den Wandt-Wald von Landminen und Fallen für die vorrückenden französischen Truppen zu räumen (zum Vergleich sei angemerkt, dass bei einer früheren Gelegenheit Schafe und Rinder für denselben Zweck eingesetzt worden waren. Vermutlich ist das Leben eines senegalesischen Soldaten nicht mehr wert als das eines Schafs).
Ein anderes Mal rettete ein algerischer Soldat einen französischen Flieger, der im Niemandsland abgestürzt war. So sieht man an der „Frontlinie der Demokratie“ farbige Truppen, die dank des französischen Imperialismus nur sehr wenig über Freiheit wussten und denen es noch weniger am Herzen liegt, für etwas zu kämpfen, das sie nie besessen haben. Doch obwohl sie nicht unter dem Nationalsozialismus leben, haben sie keine Wahl!
Indien und Großbritanniens Kriegsziele
Das andere Mitglied der „demokratischen Achse“, Großbritannien, hat die Kolonien bereits in den Krieg hineingezogen, ohne sie auch nur zu fragen. Indien ist ein typisches Beispiel dafür. Abgesehen von den „Loyalitätsbekundungen“ der Fürsten, die vom britischen Imperialismus unterstützt werden, um dessen eigene Ziele voranzutreiben, sind vom indischen Volk keine Loyalitätsbekundungen gekommen.
Das kürzlich veröffentlichte Manifest des Komitees des Indischen Nationalkongresses gibt zwar nicht die Ansichten der revolutionären Minderheit wieder, die sich für die bedingungslose Freiheit der indischen Massen einsetzt (im Gegensatz zur gemäßigten Verhandlungshaltung des Komitees), spiegelt aber dennoch die Sichtweise eines wichtigen Teils der indischen Öffentlichkeit wider.
Im Manifest heißt es:
„Die Regierungen Großbritanniens und Frankreichs erklären, dass sie für Demokratie und Freiheit gegen Aggression kämpfen, doch ihre Vergangenheit ist voller Verrat und proklamierter Ideale.
Der letzte Krieg bedeutete Geheimverträge, Versailles und die Ausweitung von Imperien … Wenn der gegenwärtige Krieg der Verteidigung des Status quo, imperialistischer Besitztümer, Kolonien und etablierter Interessen dient, dann kann Indien damit nichts zu tun haben … Wenn Großbritannien für Demokratie kämpft, muss es zwangsläufig den Imperialismus beenden und in Indien volle Demokratie errichten …
Die aktuelle Krise betrifft die Zukunft der Menschheit … Indien ist der Kern des Problems, da es das herausragende Beispiel für den modernen Imperialismus ist … Der wahre Maßstab für Demokratie ist der Versuch, sowohl den Imperialismus als auch den Faschismus zu beenden.“
Unsere demokratischen Machthaber haben auf Indiens moderate Forderungen so reagiert, dass selbst gemäßigte Stimmen in diesem Land schockiert sind.
Was die Nazi-Methoden und die „Nazi-Konzentrationslager“ angeht, so erklärte Hore Belisha, der Kriegsminister, in einer Rundfunkansprache, dass wir dafür kämpften, diese zu zerschlagen. Das Massaker von Amritsar, bei dem laut offizieller Angabe 379 Inder getötet und 1.200 von britischen Truppen unter dem Kommando von General Dyer verwundet wurden, kann sich „gut“ mit den schlimmsten Nazi-Säuberungsaktionen messen.
Die Zerstörung ganzer arabischer Dörfer, die Konzentrationslager in Palästina, die kaltblütige Erschießung jamaikanischer Arbeiter – all diese Verbrechen sind typisch, nicht nur für den „Nazismus“, sondern auch für den britischen und den französischen Imperialismus.
In Frankreich darf nicht einmal ein Franzose öffentlich über Kolonialfragen diskutieren. Versammlungen, die lange vor Kriegsausbruch organisiert wurden und bei denen diese Probleme aufgedeckt werden sollten, wurden von der Polizei verboten; Autoren von Artikeln zu diesem Thema wurden verhaftet und zu bis zu zwei Jahren Haft verurteilt.
So viel zur Freiheit unter der Demokratie … So viel zu den wahren Zielen der Alliierten.
Der Aufstieg des Faschismus
Abgesehen von der moralischen Unterstützung, die die Herrscher dieses Landes dem Faschismus sowohl in Italien als auch in Deutschland in den letzten Jahren gewährt haben, sind sie gemeinsam mit Frankreich und Amerika – ebenfalls „Demokratien“ – für die Wiederaufrüstung Deutschlands verantwortlich, indem sie Deutschland mit den für die Herstellung von Kriegsmaterial benötigten Rohstoffen sowie mit den für deren Kauf erforderlichen Krediten versorgt haben.
Ein kürzlich in L’Oeuvre veröffentlichter Artikel mit dem Titel „Frankreichs Beitrag zur deutschen Wiederaufrüstung“ besagt, dass die Bergwerke in Lothringen im Jahr 1938 monatlich durchschnittlich 500.000 Tonnen Eisenerz für den Export nach Deutschland lieferten. Der Korrespondent vermutete, dass dieses Eisen möglicherweise „in Form von Granaten und Schrapnell zu uns zurückkommen“ könnte. Auch Bauxit (Aluminiumerz) wurde in immer größeren Mengen nach Deutschland geliefert. Die Exporte dieses Minerals stiegen von 78.000 Tonnen im Jahr 1935 auf 87.500 Tonnen im Jahr 1938.
Kanada, das 102.000 der weltweit insgesamt 113.000 Tonnen Nickel produziert, lieferte 1937 20.000 Tonnen des Erzes nach Deutschland. Als die Frage im Unterhaus zur Sprache kam, erklärte Herr Chamberlain, er halte es „vorerst“ nicht für notwendig, diesbezüglich Gespräche mit der kanadischen Regierung zu führen!
Auch Großbritannien hat seinen Teil zu Deutschlands Wiederaufrüstung beigetragen. Erst am 22. August berichtete der Daily Telegraph, dass „deutsche Agenten im ganzen Land aktiv sind und riesige Mengen an Altgummi, Batterieblei und Altmetall aller Art für den Export nach Deutschland aufkaufen“. Herr Borovitch, Geschäftsführer von Scrap Metal and Rubber Ltd., sagte dem D.T.-Vertreter, man könne mit Sicherheit sagen, dass der größte Teil unserer Schrottexporte nach Deutschland gehe, insbesondere der Altgummi“.
Dieselbe Zeitung berichtete, dass deutsche Agenten auf dem französischen Markt große Mengen an Gummi aufgekauft hätten.(*)
Es ist bezeichnend, dass dieses Land seit Kriegsausbruch Russland mit großen Mengen an Zinn und Gummi beliefert (anglo-russisches Handelsabkommen). Man kann also mit Sicherheit davon ausgehen, dass Deutschland seinen Gummi nach wie vor über Russland aus diesem Land bezieht! Gleichzeitig veröffentlicht unser Ministerium für Wirtschaftskriegsführung stolz Zahlen über Mineralien und andere Rohstoffe, die seit Kriegsausbruch aus Deutschland erbeutet wurden. Hätte dieses Land eine Politik des Friedens verfolgt, wären niemals Rohstoffe für die Kriegsproduktion nach Deutschland gelangt. Aber nun ja, der Kapitalismus ist international!
Das sind die Fakten. Die Schlussfolgerungen sollten für unabhängige Geister offensichtlich sein, so sehr die Apologeten des Krieges auch protestieren mögen. Auf die Frage „Wofür kämpfen wir?“ kann es nur eine Antwort geben: Imperialismus. Und durch ihre Teilnahme an diesem Kampf verteidigen die Arbeiter Großbritanniens, der Dominions und Frankreichs Interessen, die nicht ihre eigenen sind; Interessen, die die revolutionären Arbeiter der Welt zu vernichten versucht haben.
V. R.
(*) Dieselbe Zeitung berichtet, dass Deutschland in den ersten drei Augustwochen in London 17.000 Tonnen Kautschuk, 8.000 Tonnen Kupfer und 2.000 Tonnen Nickel gekauft hat.
„Wofür kämpfen wir?“ – Vernon Richards (1939)
Gefunden auf history is what, die Übersetzung ist von uns.
„Wofür kämpfen wir?“ – Vernon Richards (1939)
„So viel zur Freiheit unter der Demokratie … So viel zu den wahren Zielen der Alliierten.“
Aus „War Commentary“, November 1939, Whiteway Colony, England
„Wofür kämpfen wir?“ Auf diese Frage antworten jene begeisterten „Demokraten“, die sich eine Antwort zu trauen, mit „Freiheit“ oder „um den Nationalsozialismus und seine Ziele der Weltherrschaft zu zerschlagen“ oder, um den Herausgeber der Times (10. Oktober) zu zitieren, „um Polen zu befreien und der unerträglichen Belastung durch das Leben unter der ständigen Bedrohung durch die nationalsozialistische Aggression ein für alle Mal ein Ende zu setzen“.
Antifaschisten und der Krieg
Ziel dieses Artikels ist es, aufzuzeigen, dass die Antwort auf die peinliche Frage „Wofür kämpfen wir?“ nicht „Freiheit“ oder die „Verteidigung der Demokratie“ lautet, sondern die „Verteidigung einer Interessengruppe gegen eine andere“ oder, einfacher gesagt, „ein Krieg zwischen rivalisierenden Imperialismen“.
Dass viele aufrichtige Antifaschisten an die „Gerechtigkeit“ dieses Krieges glauben, ganz unabhängig von der Propaganda, die von der konservativen und der sogenannten radikalen Presse verbreitet wird, ist nicht überraschend. Sie sagen: „Wir, die wir immer lautstark gefordert haben, dass der Faschismus zerschlagen werden muss, sollten jetzt, da sich eine Gelegenheit bietet, im Einklang mit unseren Prinzipien handeln.“ Ihre Aktionen werden daher nicht von der Vernunft geleitet, sondern von ihrem Wunsch, sich selbst und anderen zu beweisen, dass sie in Wort und Tat konsequent sind.
Es gibt andere, die sich Revolutionäre nennen und glauben, dass Krieg eine Revolution hervorbringt. Die tragischen Folgen des letzten Krieges haben ihnen offenbar keine Lehre erteilt. Heute befinden sich die Strategen in guter Gesellschaft mit der britischen Regierung, die ihr Möglichstes tut, um das britische Volk davon zu überzeugen, dass es in Deutschland bald zu einer Revolution kommen wird.
Sie versäumen es jedoch hinzuzufügen, dass sie im Falle einer Revolution in Deutschland diese mit derselben Rücksichtslosigkeit niederschlagen werden, mit der sie den Nationalsozialismus zu vernichten gedenken. Herr Churchill wird mit seiner bisherigen Erfahrung dafür sorgen.
Schließlich gibt es da noch diese riesige Masse von Menschen ohne eigene Meinung, die ausschließlich von den giftigen Federn der kapitalistischen Presse und den edlen Worten ihrer Anführer über diesen äußerst wirksamen Propagandakanal, die BBC, gefüttert werden.
All diese oben genannten Gruppen von Antifaschisten irren sich entweder oder werden in die Irre geführt, denn unter keinen Umständen lässt sich dieser Krieg rechtfertigen; unter keinen Umständen kann er Frieden bringen.
Die „Verteidigung der Freiheit“
Von allen Seiten wird versucht, uns davon zu überzeugen, dass wir kämpfen, um die Freiheit zu verteidigen. Die Regierung hat tatsächlich 44.000 Pfund (nach offiziellen Schätzungen) ausgegeben, um England mit Plakaten zu überziehen, auf denen steht: „Deine Freiheit ist in Gefahr. Verteidige sie mit aller Kraft“.
Aber war unsere Freiheit durch den deutschen Einmarsch in Polen bedroht? Die Antwort der Regierung, so heißt es, war ihre Kriegserklärung an Deutschland. Doch die Regierung hat Russland, das die Hälfte Polens verschlungen hat, keinen Krieg erklärt. Im Gegenteil: Großbritannien hat ein Abkommen unterzeichnet, Russland mit Zinn und Kautschuk im Tausch gegen Holz zu beliefern! Polen war nur ein Vorwand, so wie es auch die Tschechoslowakei hätte sein können, wären England und Frankreich bereit gewesen.
Der ehemalige Admiralitätsminister, Herr Duff Cooper, erklärte, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken:
„Wir hätten nicht für die Tschechoslowakei gekämpft, wenn wir in den Krieg gezogen wären … Wir haben 1914 nicht für Serbien oder Belgien gekämpft, auch wenn es manchen Leuten gelegen kam, das zu behaupten …“
Wenn es noch weiterer Beweise für die finstere Rolle der Alliierten bedarf, kann man auf die Tatsache verweisen, dass sie, um die „Freiheit zu verteidigen“, alles in ihrer Macht Stehende tun, um Länder wie Spanien und Italien auf ihre Seite zu ziehen – Länder, in denen Freiheit ein Gräuel ist. Mussolini, der Mann, der erst kürzlich erklärte, Freiheit gehöre der Vergangenheit an, und Franco, dessen Spanien ein einziges riesiges Konzentrationslager ist (sogar die Times vom 7. Oktober erklärt, dass die „überfüllten Gefängnisse und Lager von Leid und Elend zeugen. Es ist ein schreckliches Problem“).
Was Polen betrifft, den Vorwand für diesen Krieg, so haben unabhängige Beobachter bei vielen Gelegenheiten festgestellt, dass in diesem Land ein Faschismus äußerst brutaler Art herrschte, und was die antisemitische Verfolgung angeht, hätten Streicher und seine Judenhasser viel von den polnischen Methoden lernen können.
Auch die Innenpolitik der Alliierten ist kein besonders gutes Aushängeschild für ihre bekundeten demokratischen Traditionen. Aus imperialistischer Sicht nutzt Frankreich seine farbigen Völker gut aus, um ihnen bis heute die Hauptlast der Kämpfe aufzubürden. Der News Chronicle beschreibt, wie senegalesische Truppen eingesetzt wurden, um den Wandt-Wald von Landminen und Fallen für die vorrückenden französischen Truppen zu räumen (zum Vergleich sei angemerkt, dass bei einer früheren Gelegenheit Schafe und Rinder für denselben Zweck eingesetzt worden waren. Vermutlich ist das Leben eines senegalesischen Soldaten nicht mehr wert als das eines Schafs).
Ein anderes Mal rettete ein algerischer Soldat einen französischen Flieger, der im Niemandsland abgestürzt war. So sieht man an der „Frontlinie der Demokratie“ farbige Truppen, die dank des französischen Imperialismus nur sehr wenig über Freiheit wussten und denen es noch weniger am Herzen liegt, für etwas zu kämpfen, das sie nie besessen haben. Doch obwohl sie nicht unter dem Nationalsozialismus leben, haben sie keine Wahl!
Indien und Großbritanniens Kriegsziele
Das andere Mitglied der „demokratischen Achse“, Großbritannien, hat die Kolonien bereits in den Krieg hineingezogen, ohne sie auch nur zu fragen. Indien ist ein typisches Beispiel dafür. Abgesehen von den „Loyalitätsbekundungen“ der Fürsten, die vom britischen Imperialismus unterstützt werden, um dessen eigene Ziele voranzutreiben, sind vom indischen Volk keine Loyalitätsbekundungen gekommen.
Das kürzlich veröffentlichte Manifest des Komitees des Indischen Nationalkongresses gibt zwar nicht die Ansichten der revolutionären Minderheit wieder, die sich für die bedingungslose Freiheit der indischen Massen einsetzt (im Gegensatz zur gemäßigten Verhandlungshaltung des Komitees), spiegelt aber dennoch die Sichtweise eines wichtigen Teils der indischen Öffentlichkeit wider.
Im Manifest heißt es:
„Die Regierungen Großbritanniens und Frankreichs erklären, dass sie für Demokratie und Freiheit gegen Aggression kämpfen, doch ihre Vergangenheit ist voller Verrat und proklamierter Ideale.
Der letzte Krieg bedeutete Geheimverträge, Versailles und die Ausweitung von Imperien … Wenn der gegenwärtige Krieg der Verteidigung des Status quo, imperialistischer Besitztümer, Kolonien und etablierter Interessen dient, dann kann Indien damit nichts zu tun haben … Wenn Großbritannien für Demokratie kämpft, muss es zwangsläufig den Imperialismus beenden und in Indien volle Demokratie errichten …
Die aktuelle Krise betrifft die Zukunft der Menschheit … Indien ist der Kern des Problems, da es das herausragende Beispiel für den modernen Imperialismus ist … Der wahre Maßstab für Demokratie ist der Versuch, sowohl den Imperialismus als auch den Faschismus zu beenden.“
Unsere demokratischen Machthaber haben auf Indiens moderate Forderungen so reagiert, dass selbst gemäßigte Stimmen in diesem Land schockiert sind.
Was die Nazi-Methoden und die „Nazi-Konzentrationslager“ angeht, so erklärte Hore Belisha, der Kriegsminister, in einer Rundfunkansprache, dass wir dafür kämpften, diese zu zerschlagen. Das Massaker von Amritsar, bei dem laut offizieller Angabe 379 Inder getötet und 1.200 von britischen Truppen unter dem Kommando von General Dyer verwundet wurden, kann sich „gut“ mit den schlimmsten Nazi-Säuberungsaktionen messen.
Die Zerstörung ganzer arabischer Dörfer, die Konzentrationslager in Palästina, die kaltblütige Erschießung jamaikanischer Arbeiter – all diese Verbrechen sind typisch, nicht nur für den „Nazismus“, sondern auch für den britischen und den französischen Imperialismus.
In Frankreich darf nicht einmal ein Franzose öffentlich über Kolonialfragen diskutieren. Versammlungen, die lange vor Kriegsausbruch organisiert wurden und bei denen diese Probleme aufgedeckt werden sollten, wurden von der Polizei verboten; Autoren von Artikeln zu diesem Thema wurden verhaftet und zu bis zu zwei Jahren Haft verurteilt.
So viel zur Freiheit unter der Demokratie … So viel zu den wahren Zielen der Alliierten.
Der Aufstieg des Faschismus
Abgesehen von der moralischen Unterstützung, die die Herrscher dieses Landes dem Faschismus sowohl in Italien als auch in Deutschland in den letzten Jahren gewährt haben, sind sie gemeinsam mit Frankreich und Amerika – ebenfalls „Demokratien“ – für die Wiederaufrüstung Deutschlands verantwortlich, indem sie Deutschland mit den für die Herstellung von Kriegsmaterial benötigten Rohstoffen sowie mit den für deren Kauf erforderlichen Krediten versorgt haben.
Ein kürzlich in L’Oeuvre veröffentlichter Artikel mit dem Titel „Frankreichs Beitrag zur deutschen Wiederaufrüstung“ besagt, dass die Bergwerke in Lothringen im Jahr 1938 monatlich durchschnittlich 500.000 Tonnen Eisenerz für den Export nach Deutschland lieferten. Der Korrespondent vermutete, dass dieses Eisen möglicherweise „in Form von Granaten und Schrapnell zu uns zurückkommen“ könnte. Auch Bauxit (Aluminiumerz) wurde in immer größeren Mengen nach Deutschland geliefert. Die Exporte dieses Minerals stiegen von 78.000 Tonnen im Jahr 1935 auf 87.500 Tonnen im Jahr 1938.
Kanada, das 102.000 der weltweit insgesamt 113.000 Tonnen Nickel produziert, lieferte 1937 20.000 Tonnen des Erzes nach Deutschland. Als die Frage im Unterhaus zur Sprache kam, erklärte Herr Chamberlain, er halte es „vorerst“ nicht für notwendig, diesbezüglich Gespräche mit der kanadischen Regierung zu führen!
Auch Großbritannien hat seinen Teil zu Deutschlands Wiederaufrüstung beigetragen. Erst am 22. August berichtete der Daily Telegraph, dass „deutsche Agenten im ganzen Land aktiv sind und riesige Mengen an Altgummi, Batterieblei und Altmetall aller Art für den Export nach Deutschland aufkaufen“. Herr Borovitch, Geschäftsführer von Scrap Metal and Rubber Ltd., sagte dem D.T.-Vertreter, man könne mit Sicherheit sagen, dass der größte Teil unserer Schrottexporte nach Deutschland gehe, insbesondere der Altgummi“.
Dieselbe Zeitung berichtete, dass deutsche Agenten auf dem französischen Markt große Mengen an Gummi aufgekauft hätten.(*)
Es ist bezeichnend, dass dieses Land seit Kriegsausbruch Russland mit großen Mengen an Zinn und Gummi beliefert (anglo-russisches Handelsabkommen). Man kann also mit Sicherheit davon ausgehen, dass Deutschland seinen Gummi nach wie vor über Russland aus diesem Land bezieht! Gleichzeitig veröffentlicht unser Ministerium für Wirtschaftskriegsführung stolz Zahlen über Mineralien und andere Rohstoffe, die seit Kriegsausbruch aus Deutschland erbeutet wurden. Hätte dieses Land eine Politik des Friedens verfolgt, wären niemals Rohstoffe für die Kriegsproduktion nach Deutschland gelangt. Aber nun ja, der Kapitalismus ist international!
Das sind die Fakten. Die Schlussfolgerungen sollten für unabhängige Geister offensichtlich sein, so sehr die Apologeten des Krieges auch protestieren mögen. Auf die Frage „Wofür kämpfen wir?“ kann es nur eine Antwort geben: Imperialismus. Und durch ihre Teilnahme an diesem Kampf verteidigen die Arbeiter Großbritanniens, der Dominions und Frankreichs Interessen, die nicht ihre eigenen sind; Interessen, die die revolutionären Arbeiter der Welt zu vernichten versucht haben.
V. R.
(*) Dieselbe Zeitung berichtet, dass Deutschland in den ersten drei Augustwochen in London 17.000 Tonnen Kautschuk, 8.000 Tonnen Kupfer und 2.000 Tonnen Nickel gekauft hat.