Thesen über den Spanischen Bürgerkrieg und die revolutionäre Situation, die am 19. Juli 1936 in Katalonien entstand

Von uns übersetzt.


Thesen über den Spanischen Bürgerkrieg und die revolutionäre Situation, die am 19. Juli 1936 in Katalonien entstand

Agustín Guillamón

These Nr. 1

Vom 17. bis 19. Juli 1936 gab’s einen Militärputsch gegen die Regierung der Republik, angezettelt von der Kirche, dem Großteil der Armee, Faschisten, Bourgeoisie, Großgrundbesitzer und Rechte. Die Vorbereitungen für diesen Staatsstreich wurden von der republikanischen Regierung geduldet, die dank der Koalition der Volksfront die Wahlen im Februar 1936 gewonnen hatte.

Die demokratischen republikanischen oder monarchistischen, linken und rechten Parlamentsparteien verfolgten eine Politik, die den Interessen der spanischen Bourgeoisie entgegenkam, und ihrer Vorbereitung eines blutigen Staatsstreichs.

Der Militärputsch scheiterte in den wichtigsten Städten und löste (im republikanischen Gebiet) eine revolutionäre Bewegung aus, die in ihrem bewaffneten Aufstand gegen die Armee siegreich war. Eine wichtige Rolle bei diesem aufständischen Sieg spielten in Katalonien die Cuadros y Comités de Defensa (Verteidigungskader- und komitees)1 der CNT-FAI, die seit 1931 vorbereitet worden waren. Das Scheitern in Zaragoza war unter anderem auf die mangelnde Vorbereitung und Entschlossenheit einer geheimen Führung zurückzuführen, die aus dem Untergrund heraus agierte und ständig mit den republikanischen Behörden und den „Unentschlossenen” des Militärs verhandelte, anstatt den Arbeiteraufstand von den Cuadros de Defensa aus zu organisieren und voranzutreiben.

Die revolutionäre Bewegung vom 19. Juli 1936 entstand als Reaktion auf einen Militärputsch. Seit Oktober 1934 und während des gesamten Wahlkampfs im Februar 1936 hielten sowohl die CNT-FAI als auch die POUM eine Konfrontation mit den faschistischen Kräften, von deren Vorbereitungen für einen Staatsstreich sie wussten, für unvermeidlich und bereiteten sich gewissenhaft auf einen bewaffneten Kampf vor, lehnten jedoch niemals die Verbindung und Zusammenarbeit mit den republikanischen Parteien oder der Regierung der Generalidad ab.

These Nr. 2

Dieser erfolgreiche bewaffnete Aufstand des Proletariats im republikanischen Gebiet hat dazu geführt, dass die Zwangsapparate des kapitalistischen Staates außer Kraft gesetzt wurden und er somit nicht mehr in der Lage war, Repression auszuüben. Dieser Aufstand brachte auch eine Reihe von „revolutionären Errungenschaften” sozialer und ökonomischer Art mit sich. Der republikanische Staat zerfiel in eine Vielzahl lokaler oder sektoraler Machtzentren, und viele seiner Funktionen wurden von den Arbeiterorganisationen „usurpiert”.

ES ENTSTAND EIN VAKUUM DER STAATLICHEN MACHT.

Nachdem der republikanische Staat seine Zwangsgewalt verloren hatte, entstanden autonome regionale Mächte, die völlig unabhängig vom Zentralstaat waren und die ihrerseits (wie die Regierung der Generalitat in Katalonien) miterleben mussten, wie ihre Autorität zerfiel. Die verschiedenen Revolutionären Komitees – Lokal-, Sektorial-, Stadtteil-, Fabrik-, Verteidigungs-, Versorgungs-, Gewerkschafts/Syndikats- und Parteikomitees, Volksmilizen (Milicias Populares) und Milizen im Hinterland – übernahmen die Aufgaben, die die Regierung aufgrund des Verlusts ihres Repressionsapparats und der Bewaffnung der Arbeiterorganisationen nicht mehr ausüben konnte.

Die Revolutionären Komitees2, die Munis als Komitees-Regierung theoretisierte, übten an vielen Orten die gesamte Macht auf lokaler Ebene aus, aber es gab keine Koordination oder Zentralisierung dieser lokalen Komitees: Es gab EIN VAKUUM AN ZENTRALER ODER STAATLICHER MACHT. WEDER DER REPUBLIKANISCHE STAAT NOCH DIE AUTONOMEN REGIONALREGIERUNGEN (wie die der Generalitat) ÜBTEN ZENTRALE MACHT AUS, aber auch diese lokalen Komitees taten das nicht.

Man könnte von einer ATOMISIERUNG DER MACHT sprechen.

These Nr. 3

Die Revolutionären Komitees: Verteidigungskomitees, Fabrikkomitees, Stadtteilkomitees, Arbeiterkontrollkomitees, Lokale Komitees, Versorgungskomitees usw. waren der Anfang der Machtorgane der Arbeiterklasse. Sie begannen mit der systematischen Enteignung des Eigentums der Bourgeoisie, leiteten die Kollektivierung von Industrie und Landwirtschaft ein, organisierten die Volksmilizen, die in den ersten Tagen die militärischen Fronten bildeten, organisierten Kontrollpatrouillen und Milizen im Hinterland, die die neue revolutionäre Ordnung durch gewaltsame Repression der Kirche, der Arbeitgeber, der Faschisten und der ehemaligen Gewerkschafter/Syndikalisten und Pistoleros del Libre34 durchsetzten. Aber sie waren nicht in der Lage, sich untereinander abzustimmen und eine zentralisierte Arbeitermacht zu schaffen.

Die revolutionären Komitees haben mit ihren Initiativen und Aktionen die Anführer der verschiedenen traditionellen Organisationen der Arbeiterbewegung, einschließlich der CNT und der FAI, übertrumpft.

Es gab eine Revolution auf den Straßen und in den Fabriken und POTENZIELLE Machtorgane des revolutionären Proletariats: DIE KOMITEES, die keine Partei, Organisation oder Avantgarde zu KOORDINIEREN, zu STÄRKEN und in ECHTE ORGANE DER ARBEITERMACHT zu verwandeln wusste oder wollte.

Die Führungsspitze der CNT entschied sich mehrheitlich für die Zusammenarbeit mit dem bourgeoisen Staat, um den Krieg gegen den Faschismus zu gewinnen. Die Parole von García Oliver vom 21. Juli, „alles auf eine Karte setzen” war nichts anderes als ein leninistischer Vorschlag zur Machtübernahme durch die CNT-Bürokratie; García Oliver selbst wusste, dass dieser Vorschlag unausführbar und absurd war, als in der CNT-Vollversammlung eine falsche Alternative zwischen „anarchistischer Diktatur” und antifaschistischer Zusammenarbeit vorgeschlagen wurde. Diese falsche „extremistische” Option von García Oliver, die ängstliche Warnung von Abad de Santillán und Federica Montseny vor der Gefahr der Isolation und einer ausländischen Intervention sowie die Option von Durruti, die Einnahme von Zaragoza abzuwarten, führten dazu, dass sich die Vollversammlung für eine „vorläufige” antifaschistische Zusammenarbeit entschied. Die revolutionäre Alternative, den republikanischen Staat zu zerstören und die Komitees in Organe der Arbeitermacht und die Milizen in die Armee des Proletariats umzuwandeln, wurde nie in Betracht gezogen.

Man kann zu keinem Zeitpunkt von einer Situation der Doppelherrschaft zwischen dem Zentralkomitee der Antifaschistischen Milizen (CCMA – Comité Central de Milicias Antifascistas) und der Regierung der Generalitat sprechen, da es zu keinem Zeitpunkt einen Pol der Zentralisierung der Arbeitermacht gab; man kann aber von einer Möglichkeit sprechen, die schon in den ersten Wochen nach dem 19. Juli scheiterte, nämlich einer Situation der Doppelherrschaft zwischen diesen revolutionären Komitees und dem CCMA. Einige Gewerkschafts/Syndikats-, Orts- und Stadtteilkomitees äußerten von Anfang an ihr Misstrauen und ihre Befürchtungen gegenüber dem CCMA, weil sie ahnten, welche konterrevolutionäre Rolle es spielen könnte.

Es gibt viele Protagonisten, und auch Historiker, die von einer Situation der Doppelherrschaft zwischen dem CCMA und der Regierung der Generalitat sprechen. Es ist jedoch ein großer Irrtum zu glauben, dass das CCMA etwas anderes war als das, was es tatsächlich war: ein Pakt der Arbeiterorganisationen mit den bourgeoisen Organisationen und den Institutionen des Staates, ein Organ der Klassenkollaboration, eine Volksfrontregierung, an der Vertreter der Regierung der Generalitat, der bourgeoisen republikanischen Parteien, der Stalinisten, der POUM und der obersten Komitees der CNT (comité superior de la CNT) beteiligt waren.

Die Anführer der CNT gründeten ihre Stärke auf die „Nähe” zu diesen revolutionären Komitees, schon allein deshalb, weil die meisten ihrer Mitglieder CNT-Mitglieder waren, aber gleichzeitig misstrauten sie den revolutionären Komitees, weil diese nicht in ihre organisatorischen und doktrinären Schemata passten, und sich als Bürokratie von deren Errungenschaften überfordert und bedroht fühlten.

Das CCMA in Katalonien unterschied sich von ähnlichen Organisationen in anderen Regionen Spaniens durch die Vorherrschaft der CNT und dadurch, dass die CNT ihre Stärke diesen revolutionären Komitees verdankte, in denen die meisten Mitglieder der CNT angehörten. In Katalonien hatten sie die größte Reichweite und Dauer. In ähnlichen Organisationen wie dem CCMA, die im restlichen Spanien entstanden, waren die Auswirkungen, die Tiefe, die Reichweite und die Dauer dieser revolutionären Komitees viel geringer und/oder dauerten nur einige Tage oder Wochen.

Die revolutionären Komitees waren die Selbstorganisation der Arbeiterklasse in einer revolutionären Situation und bildeten auch den Embryo der Machtorgane des revolutionären Proletariats. Man muss aber auch ihre Schwächen verstehen, die vor allem in der Unfähigkeit lagen, sich untereinander zu koordinieren, um ihre eigene Macht durchzusetzen und den Staat der Bourgeoisie zu zerstören. Es fehlte eine revolutionäre Organisation oder eine Arbeiter-Avantgarde, die in der Lage gewesen wäre, diese Komitees in Arbeiterräte umzuwandeln, die sich durch die demokratische Wahl ihrer Delegierten in Versammlungen auszeichneten, jederzeit abwählbar waren und sich auf regionaler und nationaler Ebene koordinieren konnten.

Die CNT und die FAI GABEN IHREN MILITANTEN KEINE ANWEISUNGEN bis zum 28. Juli, als sie drohten, die „Unkontrollierten”, die weiterhin die Bourgeoisie enteigneten und Faschisten, Bourgeois, Priester und ehemalige Mitglieder der Libre (die Pistoleros der Arbeitgeber) „spazieren führten”, sofort zu erschießen. Die Arbeiter wussten im Juli 1936, wie sie ohne ihre Anführer handeln mussten, und machten sich daran, die Bourgeoisie zu enteignen und einige Herrschaftsapparate des kapitalistischen Staates (Armee, Kirche, Polizei) abzuschaffen, sodass sie nicht nur die staatlichen Strukturen, sondern auch ihre eigenen politischen und gewerkschaftlichen/syndikalistischen Organisationen hinter sich ließen; aber sie waren nicht in der Lage, gegen ihre Anführer vorzugehen, respektierten den Staatsapparat und seine Beamten und akzeptierten im Mai 1937 widerwillig, aber dennoch, die Kapitulation vor dem Klassenfeind.

Andererseits standen diese revolutionären Komitees, obwohl sie potenziell die Organe der Arbeitermacht waren, stark unter dem Einfluss der Ideologie der antifaschistischen Einheit, und viele von ihnen verwandelten sich schnell in antifaschistische Komitees, die sich aus Arbeitern und Bourgeois zusammensetzten und im Dienste des Programms der Kleinbourgeoisie standen. Der Eintritt anarchistischer Minister in die Regierung von Madrid und von Anarchisten und Poumisten in die Regierung der Generalitat ermöglichte im Oktober 1936 die Auflösung der lokalen Komitees ohne den geringsten bewaffneten Widerstand, um den antifaschistischen Stadtverwaltungen Platz zu machen. Die Verteidigungs- und Fabrikkomitees sowie einige der lokalen Komitees widersetzten sich ihrer endgültigen Auflösung, konnten diese jedoch nur hinauszögern.

These Nr. 4

Die überwältigende Dominanz der anarchistischen Bewegung in Spanien lässt sich nicht durch rassische, psychologische oder charakterliche Gründe erklären. Auch nicht durch bestimmte ökonomische Rückständigkeiten wie das Fortbestehen „feudaler Verhältnisse” auf dem andalusischen Land oder die Dominanz der Kleinindustrie in Katalonien. Und noch weniger durch den mythischen evangelisierenden Einfluss von Fanelli im Jahr 1868 und seine „unauslöschlichen” Spuren.

Der offensichtliche Unterschied zwischen der spanischen und der internationalen Arbeiterbewegung, was die Dominanz der Anarchisten in der spanischen Arbeiterbewegung und der Sozialdemokraten in der europäischen Bewegung angeht, liegt im Wesentlichen daran, dass es im restlichen Westeuropa möglich war, auf parlamentarischem, demokratischem und reformistischem Wege für wesentliche Verbesserungen des Lebensstandards und der politischen Vertretung der Arbeiterklasse zu kämpfen. Von 1917 bis 1923 gründeten und finanzierten die Arbeitgeber eine Gewerkschaft/Syndikat von Pistoleros (Sindicato Libre), die mit Unterstützung der Polizei und der Regierung die Anführer und Militante der Arbeiterbewegung physisch beseitigten. Dieser ungleiche Kampf endete mit der Einführung der Militärdiktatur von Primo de Rivera und dem Verbot der CNT. Der parlamentarische Weg und die damit verbundene Möglichkeit, soziale Reformen zu erreichen, war in Spanien bis zur Ausrufung der Zweiten Republik 1931 nicht möglich. In den 1930er Jahren sorgten die sehr starke anarchistische Tradition, die jüngste und zögerliche parlamentarische Erfahrung Spaniens und vor allem die extreme Langsamkeit und Zurückhaltung bei sozialen und politischen Reformen dafür, dass die anarchistische Bewegung in Spanien weiterhin mehrheitlich und sehr stark blieb.

Die Komitees, die im Juli 1936 überall spontan entstanden, waren unvollkommene und unvollständige Organe der Arbeitermacht. Sie unterschieden sich von den Arbeiterräten dadurch, dass die Delegierten nicht demokratisch in großen Fabrikvollversammlungen gewählt wurden, denen sie für ihre Arbeit Rechenschaft schuldig waren. Die Komitees waren von den Gewerkschafts/Syndikats- oder Politikbürokratien abhängig, die sie ernannt hatten. Diese Abhängigkeit verhinderte die Koordination der Komitees untereinander, die Möglichkeit, übergeordnete Entscheidungsgremien zu schaffen, die sich durch Klasseneinheit auszeichneten, und die Arbeitermacht in der Ökonomie oder den Milizen auszuüben. Auf diese Weise wurden die Komitees zu Organen, die von Gewerkschaften/Syndikate oder Parteien abhängig waren, und die Schaffung einheitlicher und starker Organe der Arbeitermacht wurde unmöglich. Anstelle einer revolutionären Armee der Arbeiterklasse, entstand eine Föderation von Milizen, in der jede Partei oder Gewerkschaft/Syndikat darum wetteiferte, ihre eigene Armee zu schaffen, die an der Front mehr oder weniger mit den anderen Arbeiterorganisationen koordiniert war. Anstelle einer sozialisierten Ökonomie, die von Gewerkschaften/Syndikaten und revolutionären Komitees, die in Arbeiterräte umgewandelt worden waren, geleitet wurde, kam es zu einer Kollektivierung, die sich in den Rahmen eines gewerkschaftlichen/syndikalistischen Kapitalismus einfügte, wenn sie nicht von der bourgeoisen Regierung der Generalitat im Dienste des Programms der Kleinbourgeoisie kontrolliert oder koordiniert wurde.

Der Eintritt von Gewerkschaften/Syndikate und Arbeiterparteien in die Autonome Regierung der Generalitat und in die republikanische Staatsregierung von Valencia führte auch zur Auflösung der Komitees und beendete die Gefahr, dass sie sich in Arbeiterräte verwandeln könnten.

These Nr. 5

Ohne die Zerstörung des kapitalistischen Staates kann man nicht von einer proletarischen Revolution sprechen.

Man kann von einer revolutionären Situation sprechen, von einer revolutionären Bewegung, von einem erfolgreichen Aufstand, vom „teilweisen” und/oder „vorübergehenden” Verlust der Funktionen des bourgeoisen Staates, von politischem Chaos, vom Verlust der tatsächlichen Autorität der republikanischen Verwaltung, von einem LEEREN ZENTRALISIERTEN MACHTGEFÜLLT und einer Zersplitterung der Macht, aber nicht von einer proletarischen Revolution.

Die revolutionäre Situation im Juli 1936 hat nie die Einführung einer antagonistischen Arbeitermacht gegenüber dem republikanischen Staat mit sich gebracht: Es gab also keine proletarische Revolution, wenn wir genau und streng genommen darüber sprechen. Und ohne proletarische Revolution entwickelte sich die revolutionäre Situation schnell zur Festigung des republikanischen Staates, zur Schwächung der revolutionären Kräfte und zum endgültigen Sieg der Konterrevolution nach den Ereignissen vom Mai 1937, mit der Illegalisierung und politischen Verfolgung der POUM im Juni 1937, sowie dem Untertauchen5 der Bolschewistisch-Leninistischen Sektion Spaniens (SBLE – Sección Bolchevique-Leninista de España) und der Los Amigos de Durruti.

Genauso kann man nicht von einer Situation der DOPPELTEN MACHT reden, weil es keinen Arbeitermachtpol gab, der den kapitalistischen Staat zerstören wollte: Im Fall Kataloniens wäre es besser, von einer Doppelmacht zwischen der Generalitat und dem CCMA zu sprechen. Die CCMA war eine Organisation der KOLLABORATION DER KLASSEN, die als Puffer und Vermittler zwischen den unzähligen revolutionären Komitees und dem zusammengebrochenen kapitalistischen Staatsapparat fungierte. Vor allem aber vor allem war die CCMA das einzige Instrument der antifaschistischen Front, das in der LAGE war, die revolutionären Initiativen des Volkes, die von den revolutionären Komitees ausgingen, zu neutralisieren, zu kanalisieren, zu beschneiden und zu unterwerfen, indem sie sie in zweideutige Organismen integrierte (die vom CCMA abhängig waren), die sich durch ihre UNTERWERFUNG unter das antifaschistische Programm und die Regierung der Generalitat auszeichneten. Dies war der Fall bei Organismen wie dem Zentralkomitee für Versorgung, dem Wirtschaftsrat, den Kontrollpatrouillen, der Rechtsabteilung, dem Untersuchungskomitee, den Arbeiter- und Soldatenräten usw., die gegründet wurden, um die revolutionären Initiativen des Volkes und der Arbeiter zu ERSETZEN, ZU ZERSTÖREN ODER DEN KLASSENCHARAKTER ZU VERÄNDERN; nach einer Übergangszeit von zwei oder drei Monaten, in der sie als vom CCMA abhängige Organe funktionierten, wurden sie aber in den Einflussbereich der Regierung der Generalitat integriert und später aufgelöst oder durch Organe des republikanischen Staatsapparats ersetzt. Andererseits wollten die obersten Komitees der CNT-FAI (comités superiores) geschickt und stark genug sein, um den Staat als technisches Instrument in ihren Dienst zu nehmen. Am 11. August wurden die CNT und die POUM Teil des Wirtschaftsrats der Generalitat, dessen Aufgabe die Koordinierung und Planung der katalanischen Ökonomie war.

Die Beteiligung der CNT (und auch der POUM und der FAI) an den bourgeoisen Institutionen mit dem entsprechenden Angebot an öffentlichen Ämtern, verbunden mit einem massiven Prozess der Mitgliedschaft in Gewerkschaften/Syndikate, parallel zum Abgang der besten Militanten, der im sozialen Kampf erfahrensten und derjenigen mit der fortgeschrittensten theoretischen Ausbildung, begünstigte einen raschen Prozess der Bürokratisierung der CNT.

Die revolutionären Militanten waren in den Vollversammlungen isoliert und befanden sich in einer absolut unüberwindbaren Minderheitensituation. Die Grundprinzipien des Anarchosyndikalismus brachen zusammen und wichen einem Opportunismus, der durch die Ideologie der antifaschistischen Einheit („auf die Revolution verzichten, um den Krieg zu gewinnen” ) und dem Pragmatismus der treuen und loyalen Zusammenarbeit mit den Parteien und der Regierung der republikanischen Bourgeoisie, mit dem einzigen Ziel, das eigene Programm dieser Bourgeoisie umzusetzen. DIE GEWERKSCHAFTS- SYNDIKATSBÜROKRATIE DER CNT ZEIGTE IM MAI 1937 IHREN KONTERREVOLUTIONÄREN CHARAKTER. Der Kampf gegen den Faschismus war der Vorwand, um auf die Zerstörung des bourgeoisen republikanischen Staates zu verzichten, der von den konterrevolutionären Kräften der PSUC und der ERC verteidigt wurde. Die Konfrontation des revolutionären Proletariats mit der CNT-Bürokratie, die bereits auf der Seite der Konterrevolutionäre stand, war unvermeidlich. Der Pakt zwischen CNT und UGT vom März 1938 führte de facto zu einem Staatskapitalismus, ähnlich dem in der Sowjetunion.

These Nr. 6

Es gab keine revolutionäre Organisation, die die Zerstörung des kapitalistischen Staates hätte aufwerfen können, und deshalb konnte man nicht von einer Situation der Doppelherrschaft sprechen. Das heißt nicht, dass es keine organisierten revolutionären Kerne gab oder dass man den (subjektiven) „revolutionären Willen” der POUM-Anhänger oder Anarchisten anzweifeln könnte. Es bedeutet, dass der Klassenkampf in Spanien in den 1930er Jahren keine revolutionäre Bewegung hervorgebracht hatte, die in der Lage gewesen wäre, das Programm der proletarischen Revolution (und der Diktatur des Proletariats) und ihrem antagonistischen Verhältnis zur Existenz des kapitalistischen Staates aufzustellen. DENN DIESE ATOMISIERTE MACHT, die nicht in der Lage war, sich zu zentralisieren und zu einer ARBEITERMACHT zu koordinieren, die der republikanischen Staatsmacht gegenüberstand, übernahm Funktionen des kapitalistischen Staates, die den republikanischen Behörden gegen ihren Willen entrissen wurden; aber letztendlich HAT SIE SIE KEINE EIGENE FÄHIGKEIT HATTE, SICH ZU KOORDINIEREN, UND KEINE IMPULSE VON EINER ARBEITERORGANISATION FAND, UM DIES ZU TUN, führte das VAKUUM DER ZENTRALEN MACHT einige Wochen nach dem siegreichen Aufstand dazu, dass sich alle Arbeiterorganisationen in den Dienst dieses republikanischen Staates stellten.

Das revolutionäre Potenzial dieser proletarischen Komitees verwandelte sich in die Unterwerfung der antifaschistischen Komitees, oder sie wurden auf lokaler Ebene ab Oktober 1936 durch die neuen Volksfront-Gemeinderäte ersetzt.

ES GAB KEINE ARBEITERMACHT, DIE DEM KAPITALISTISCHEN STAAT ANTAGONISTISCH ENTGEGENSTAND. ES GAB KEINEN KAMPF UM EINE ARBEITERMACHT, DIE MIT DEM KAPITALISTISCHEN STAAT UNVEREINBAR WAR. Es gab keine Situation der Doppelherrschaft, weil es nie einen Kampf um eine Arbeitermacht gab, nicht einmal einen Anziehungspunkt für die Bildung dieser Arbeitermacht. Auf jeden Fall (in Katalonien, und nur für zwei oder drei Monate) von einer REVOLUTIONÄREN SITUATION zu sprechen, die zwischen zwei antagonistischen Alternativen polarisiert war: den revolutionären Komitees, die NICHT KOORDINIERT ODER ZENTRALISIERT WAREN und sich ihrer eigenen Rolle nicht bewusst waren, und dem CCMA, EINER ORGANISATION DER KLASSENKOOPERATION, die aus Vertretern der Regierung der Generalitat, der republikanischen und antifaschistischen Arbeiterorganisationen und der extremen Linken der Volksfront bestand: CNT-FAI und POUM. Dieser Antagonismus zwischen Komitees und CCMA kann nicht als Situation der Doppelherrschaft definiert werden, da es nie eine Arbeitermacht gab, nicht einmal einen Versuch der Koordinierung und Zentralisierung dieser Komitees, um einen Pol der Vereinigung dieser Arbeitermacht zu bilden.

Die CNT und die POUM haben diese revolutionären Komitees nicht als Organe einer neuen Arbeitermacht gestärkt, sondern fühlten sich von den „Unkontrollierten” überfordert und bedroht, sodass sie nicht nur keine Anweisungen zu ihrer Koordinierung gaben, sondern als erste Maßnahmen genau diese „Unkontrollierten” bedrohten und diskreditierten. Drohungen, die, unabhängig davon, ob es zu Vandalismus gekommen war oder nicht, materialisierten sich in der summarischen Erschießung von José Gardeñas von der Baugewerkschaft und Fernández, dem Vorsitzenden der Lebensmittelgewerkschaft, gemäß den Anweisungen „gegen die Unkontrollierten”, die von den obersten Komitees (comités superiores) der CNT gegeben worden waren. Monate später, als die Konterrevolution schon weit fortgeschritten war, waren es die Stalinisten und Republikaner, die der POUM und der CNT die unverdientes Bezeichnung „Unkontrollierte” gaben, um sie physisch und politisch zu beseitigen. Die aktuelle Geschichtsschreibung berücksichtigt nicht nur nicht diese revolutionäre Situation zwischen zwei antagonistischen Alternativen: revolutionäre Komitees und CCMA, sondern spricht von einer Situation der Doppelherrschaft zwischen CCMA und der Regierung der Generalitat!

These Nr. 7

Der kapitalistische Staat wurde nicht zerstört und behielt (wenn auch in „geschwächter”, „nominaler” oder „teilweiser” Form) seine Funktionen. Außerdem wurden die Repressionsapparate – Guardia Civil, Guardia de Asalto und Carabineros – nicht aufgelöst, sondern in ihren Kasernen untergebracht, wo sie auf bessere Zeiten warteten, die einige Monate später eintreten sollten. Die ökonomische Internationalisierung des Kapitalismus seit dem Ersten Weltkrieg hatte die Ära der bourgeoisen Revolutionen beendet und die Ära der proletarischen Revolutionen eingeleitet. In Abwesenheit einer revolutionären Avantgarde, die in der Lage war, den antagonistischen Charakter der Beziehungen zwischen dem Proletariat und dem kapitalistischen Staat bis zur ZERSTÖRUNG des kapitalistischen Staates und der Errichtung der revolutionären Macht des Proletariats zu artikulieren, war jede revolutionäre Bewegung, unabhängig von ihrem proletarischen Anteil, zum Scheitern verurteilt. Angesichts der Unfähigkeit der Arbeiterorganisationen, die Macht zu übernehmen und auszuüben, angesichts ihrer Unfähigkeit, die lokale Macht der verschiedenen revolutionären Komitees auf regionaler und nationaler Ebene zu koordinieren und zu zentralisieren, um eine Macht der Arbeiter zu bilden, gab es keinen anderen Weg als die Kollaboration mit anderen bourgeoisen politischen Organisationen und mit dem KAPITALISTISCHEN STAAT, der kein anderes Ziel haben konnte als die Wiederherstellung und Stärkung des republikanischen Staates. Die Grundlagen der Konterrevolution waren solide genug, um eine schnelle Erholung des kapitalistischen Staates zu ermöglichen, der bald alle seine Funktionen wiedererlangte und nach der „unvermeidlichen und notwendigen“ blutigen Niederlage des Proletariats im Mai 1937 jede revolutionäre Bedrohung durch die Arbeiterbewegung durch eine doppelte Politik der Repression der „üblichen Unkontrollierten“ (Revolutionäre) und der Sozialdemokratisierung und Integration der Arbeiterorganisationen in die Apparate des kapitalistischen Staates durch die Kooptierung der Gewerkschafts/Syndikats- und Politikbürokratien in die Staatsbürokratie.

These Nr. 8

Die CNT und die POUM waren die extreme Linke der Volksfront. Tatsächlich war keine der beiden Organisationen Teil der Volksfront, aber beide hatten entscheidend zu ihrem Wahlerfolg im Februar 1936 beigetragen. Nach dem 19. Juli 1936 wurden beide Organisationen von den Ereignissen überrollt. Inmitten der revolutionären Euphorie waren sie bis zum 28. Juli nicht in der Lage, irgendwelche Parolen zu verkünden, um „die Unkontrollierten zu bedrohen”! Am 20. Juli wurde die Ausstrahlung einer „progressiven” Arbeitsvereinbarung im Radio ausgesetzt, die der Arbeitsminister Companys mit den katalanischen Arbeitgebern erzielt hatte und die eine 40-Stunden-Woche, eine Lohnerhöhung von 15 Prozent und eine Senkung der Mieten um 50 Prozent vorsah, denn mehrere der bedeutenden Unternehmer, die das Abkommen ausgearbeitet hatten, waren gewarnt worden, nicht nach Hause zurückzukehren, weil bewaffnete Patrouillen nach ihnen suchten. Die Revolution verläuft in Sprüngen, und die Phase der ökonomischen Forderungen war überwunden. Die revolutionären Komitees waren spontan zur Enteignung der Bourgeoisie übergegangen. Die Kollektivierung begann nicht, weil die Unternehmer, Techniker und Direktoren geflohen waren und die Wochenlöhne eingezogen werden mussten (wie einige Protagonisten und Historiker behaupten), sondern weil die revolutionären Komitees eine methodische Enteignung der Bourgeoisie durchführten.

Die Anführer der Arbeiterorganisationen (CNT, POUM) haben den Staat VORÜBERGEHEND in den Aufgaben ersetzt, die er verloren hatte, und gründeten Organe der Klassenkollaboration zusammen mit reformistischen und konterrevolutionären Arbeiterorganisationen (PSOE, PSUC, PCE) und bourgeoisen Organisationen (ERC, Estat Catalá, Izquierda Republicana) mit dem (bewussten oder unbewussten) Ziel, den kapitalistischen Staat in all seinen Funktionen wiederherzustellen und und das nach dem Sieg des Arbeiteraufstands entstandene VAKUUM DER STAATLICHEN MACHT zu füllen.

Das CCMA hätte alle Aufgaben einer provisorischen „revolutionären” Regierung übernehmen können, weil diese lokalen revolutionären Komitees, die versuchten, sich zu koordinieren und zu zentralisieren, sich an es wandten, um Hilfe, Richtlinien, Lösungen, Orientierung usw. zu erhalten; aber das CCMA hat nur als VERBINDUNGSKOMITEE zwischen diesen lokalen Komitees und der Generalitat fungiert. Außerdem haben sich diese lokalen revolutionären Komitees, im Einklang mit der Politik und dem kollaborativen Charakter des CCMA, schnell in antifaschistische Komitees verwandelt und dabei ihren revolutionären und proletarischen Ursprung und ihr Potenzial verloren.

These Nr. 9

Die CCMA war das Ergebnis des aufständischen Sieges vom 19. und 20. Juli und der politischen Niederlage vom 21. Juli. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde ein militärisch siegreicher Arbeiteraufstand am nächsten Tag aufgrund seiner politischen Unfähigkeit und seiner Weigerung, die Macht zu übernehmen, politisch besiegt. Die CCMA war nie eine Organisation der Arbeitermacht oder der Doppelmacht, sondern der Klassenkollaboration. Das sagten bereits Munis, Nin, Molins, Tarradellas, Companys, Azaña, Peiró, García Oliver, Montseny, Abad de Santillán usw.; und es war das Ergebnis seines Wesens als Organ der antifaschistischen Einheit, der Zusammenarbeit aller Parteien, einschließlich der bourgeoisen, und der Beteiligung verschiedener Arbeiter-, reformistischer, stalinistischer und republikanischer Organisationen an den Regierungsaufgaben. Und es gab keine revolutionäre Organisation, die in der Lage war, sich dem CCMA zu widersetzen, die in der Lage war, eine Organisation zur Koordinierung und Zentralisierung dieser lokalen Komitees zu schaffen, d. h. ein Organ der ARBEITERMACHT, das sich gegen die Regierung der Generalitat, gegen diese Volksfrontregierung, die der CCMA war, und gegen die Zentralregierung der Republik stellte.

Paradoxerweise wurde die Auflösung des CCMA a posteriori von vielen, die den Charakter des CCMA als Organ der Klassenkollaboration aufgedeckt hatten, als das Ende einer Phase der „Doppelherrschaft” bezeichnet. Das Voranschreiten der Konterrevolution und der Verlust des revolutionären Elans der Massen schienen sich in der Schwäche der theoretischen Analyse der Revolutionäre widerzuspiegeln.

In der Realität wurde die tatsächliche Macht der CCMA stark überschätzt. Nach dem ersten Monat ihres Bestehens wurde die CCMA mit dem Entstehen anderer Organe wie dem Wirtschaftsrat, den Kontrollpatrouillen, dem Komitee für Versorgung usw. zu einem weiteren Organ der technischen Zusammenarbeit der CNT mit den Regierungsinstitutionen, ein Organ der antifaschistischen Kollaboration bei der Verwaltung der Milizen, und verlor (falls es sie jemals gehabt hatte) seine Fähigkeit, „Regierungsfunktionen” auszuüben. Andererseits war die Militärexpedition nach Mallorca, die Mitte August 1936 von der Generalidad in Zusammenarbeit mit der Seeverkehrsgewerkschaft der CNT durchgeführt wurde, außerhalb des CCMA und ohne dessen Wissen durchgeführt wurde, der unwiderlegbare Beweis dafür, dass das CCMA nicht einmal die vollständige Kontrolle über die Führung der Milizen hatte.

Nachdem die CNT akzeptiert hatte, dass die antifaschistische Kollaboration endgültig und unvermeidlich war, führten der Druck der Regierungsbehörden (auf zentraler und autonomer Ebene) unter dem besonders die Weigerung hervorstach, den konföderalen Kolonnen Waffen (oder Geld für deren Kauf) zur Verfügung zu stellen, dazu, dass die anarchosyndikalistischen Anführer die Notwendigkeit akzeptierten, die CCMA, die revolutionären Komitees und die Milizen und mit ihnen jegliches revolutionäre Potenzial aufzulösen, um sich wie jede andere „antifaschistische” Organisation in den Regierungsapparat (auf Ebene der Autonomie und der Zentralität) zu integrieren.

Anfang September 1936 schlug die CNT die Auflösung des CCMA vor, was von den anderen antifaschistischen Kräften akzeptiert wurde, die in den folgenden Sitzungen die Bildung einer neuen Regierung der Generalitat mit Vertretern aller antifaschistischen Organisationen, aus denen sich der CCMA zusammensetzte, beschlossen. Es gab keine weitere Diskussion außer über den Namen und das Programm dieser Regierung. Es wurde ein „verbaler” Zugeständnis an die Prinzipien der CNT gemacht, indem man akzeptierte, dass die neue Regierung den Namen „Consejo de la Generalidad” (Rat der Generalitat) tragen sollte, und was das Programm betraf, so wurde akzeptiert, dass dieses bereits vom bestehenden „Consejo de Economía” (Wirtschaftsrat) festgelegt worden war.

These Nr. 10

Ein Krieg zur Verteidigung eines demokratischen Staates, für den Sieg dieser Front gegen einen faschistischen Staat, konnte kein revolutionärer Bürgerkrieg sein, sondern war ein Krieg zwischen zwei Fraktionen der Bourgeoisie: der faschistischen und der republikanisch-demokratischen, in dem das Proletariat BEREITS besiegt worden war. Es ging nicht darum, dass der Aufstand vom Juli im republikanischen Gebiet militärisch niedergeschlagen worden war (wie es im faschistischen Gebiet der Fall gewesen war), sondern dass die Art des Krieges IM DIENSTE EINES DEMOKRATISCHEN BOURGEOISEN STAATES die Klassennatur des revolutionären Aufstands vom Juli verändert hatte. Die Methoden, Ziele und das Klassenprogramm des Proletariats waren durch die Methoden, Ziele und das Programm der Bourgeoisie ersetzt worden. Das heißt, wenn das Proletariat mit den Methoden und für das Programm der Bourgeoisie kämpft, auch wenn es für die demokratische Fraktion und gegen die faschistische Fraktion ist, IST ES BEREITS BESIEGT. Das Proletariat ist entweder revolutionär oder es ist nichts. Das Proletariat kämpft mit seinen eigenen Klassenmethoden (Streik, Aufstand, internationale Solidarität, revolutionäre Milizen, Zerschlagung des Staates usw.) und für sein eigenes Programm (Abschaffung der Lohnarbeit, Auflösung von Armeen und Polizei, Abschaffung der Grenzen, Diktatur des in Arbeiterräten organisierten Proletariats usw.), oder es arbeitet mit der Bourgeoisie zusammen, gibt seine Klassenmethoden und sein Programm auf und ist dann BEREITS besiegt.

These Nr. 11

Die Kollektivierungen konnten keine Zukunft haben, wenn der kapitalistische Staat nicht zerstört wurde. Tatsächlich dienten die Kollektivierungen letztendlich den dringenden Bedürfnissen einer Kriegswirtschaft. Die Situation entwickelte sich sehr unterschiedlich, schnell und instabil, von der revolutionären Enteignung der Fabriken der Bourgeoisie im Juli 1936 bis zur Militarisierung der Industrie und der Arbeit, die 1938 vorherrschte. Es war und ist unmöglich, die politische Revolution von der sozialen und ökonomischen Revolution zu trennen. Revolutionen sind, wie Los Amigos de Durruti feststellten, immer TOTALITÄR, im doppelten Sinne des Wortes: total und autoritär. NICHTS IST AUTORITÄRER ALS EINE REVOLUTION: Die Enteignung einer Fabrik von ihren Eigentümern oder eines Latifundiums von seinem Besitzer wird immer eine autoritäre Maßnahme sein. Und sie kann nur durchgeführt werden, wenn die repressiven Organe der Bourgeoisie, Armee und Polizei, von einer revolutionären Armee besiegt worden sind, die AUF AUTORITÄRE WEISE die neue revolutionäre Legalität durchsetzt. Der Anarchosyndikalismus und die POUM haben, die ersten aufgrund ihrer theoretischen Unfähigkeit und die zweiten aufgrund ihrer zahlenmäßigen Schwäche, ihrer Wortgewalt und ihres Mangels an Mut, stellten nie die Frage der Macht, die sie in den Händen der professionellen Politiker der republikanischen Bourgeoisie und der Sozialisten ließen: Azaña, Giral, Prieto, Largo Caballero, Companys, Tarradellas, Negrín … oder teilten sie mit ihnen, wenn ihre Beteiligung nötig war, um einer revolutionären Alternative den Weg zu versperren.

Im ökonomischen Bereich durchlief der historiografische Mythos, der unter dem Oberbegriff „KOLLEKTIVIERUNG” zusammengefasst wird, (in Katalonien) vier Phasen:

1.- Die Beschlagnahmung durch die Arbeiter (Juli bis September 1936).

2.- Die Anpassung der Beschlagnahmungen an das Dekret zur Kollektivierung (Oktober bis Dezember 1936).

3.- Der Kampf der Generalitat um die Kontrolle der Ökonomie und der Kollektivierungen, konfrontiert mit dem Versuch der Sozialisierung (Vergesellschaftung) der Ökonomie, vorangetrieben vom radikalen Flügel der CNT-Militanten (Januar bis Mai 1937).

4 – Der zunehmende Interventionismus und die staatliche Zentralisierung (durch die Zentralregierung) führten zu einer Kriegswirtschaft und zur MILITARISIERUNG der Arbeit (Juni 1937 bis Januar 1939).

These Nr. 12

Die antifaschistische Ideologie, also die Heilige Union zwischen allen antifaschistischen Arbeiter- und Bourgeois-Parteien, hat die Aufgabe der Klassengrenzen durch die Praxis der Klassenkollaboration gerechtfertigt. Der Antifaschismus war die Fortsetzung der populistischen Wahlpolitik vom Februar 1936 in einer Situation des Krieges nach einem erfolgreichen Arbeiteraufstand. Die Notwendigkeit der antifaschistischen Einheit, um den Krieg gegen den Faschismus zu gewinnen, bedeutete BEREITS die Niederlage der revolutionären Alternative.

Dies nicht anzuerkennen und sich wie Trotzki darauf einzulassen, Unterschiede zu machen zwischen einem abzulehnenden Volksfrontismus und einem „vorübergehenden“ Antifaschismus, der bis zur Niederlage des Faschismus notwendig war, bedeutete objektiv gesehen, in die Fänge der antifaschistischen Einheit zu geraten, in gleichem Maße und aus denselben Gründen wie die POUM und die CNT. DIE VOLKSFRONT (nach der Säuberung der rechtsgerichteten republikanischen Parteien nach dem 19. Juli) UND DIE ANTIFASCHISTISCHE FRONT WAREN NICHT SO UNTERSCHIEDLICH, UND IM VERLAUF DES KRIEGES VERWISCHTEN SIE ZUNEHMEND DIE GRENZEN ZWISCHEN SICH. Tatsächlich trieben die CNT und die FAI nach Mai 1937 und dem Sturz der Regierung von Largo Caballero die Bildung einer ANTIFASCHISTISCHEN VOLKSFRONT voran, um Druck auszuüben und die Libertären wieder in die republikanische Regierung zu bringen.

Tatsächlich kam es zu einer raschen Sozialdemokratisierung aller Arbeiterorganisationen, die schnell die Mehrheit in allen Organisationen erlangte und zur völligen Marginalisierung der revolutionären Minderheiten führte, die völlig unbedeutend, machtlos und sehr verwirrt waren, was den Aufstieg und die Machtübernahme durch die Stalinisten mit ihrem reaktionären Programm, das jedoch äußerst klar und entschlossen auf die Stärkung des republikanischen Staates abzielte: ein starker Staat, um den Krieg gegen den Faschismus zu gewinnen.

These Nr. 13

Die sogenannten „revolutionären Eroberungen” waren gleichzeitig der Höhepunkt des aufständischen Sieges der Arbeiterorganisationen und der politischen Niederlage der proletarischen Revolution. Die CCMA war das Ergebnis des Sieges des Arbeiteraufstands, aber auch der Unfähigkeit dieser Arbeiterorganisationen, vor allem der CNT als stärkste Kraft, den kapitalistischen Staat zu zerstören. Diese sozialen, ökonomischen, politischen, kulturellen oder alltäglichen „Eroberungen” passten perfekt zur anarchosyndikalistischen Ideologie der „tout court”-Apolitik, die nicht daran interessiert war, „die Macht zu übernehmen”, sondern eine soziale Revolution zu machen, indem sie die Armee zerstörte, die Kirche abschaffte und die Fabriken verwaltete. Für viele anarchosyndikalistische Arbeiter war die Frag, „alles zu erreichen“ absurd; sie hatten bereits alles, was sie wollten: eine Waffe, die Verwaltung der Fabrik, die Kontrolle über die öffentliche Ordnung, den Stadtrat…! Die Macht übernehmen? Warum den republikanischen Staat durch „einen anderen“ Arbeiterstaat ersetzen?

OHNE REVOLUTIONÄRE THEORIE GIBT ES KEINE REVOLUTION.

Sehr bald wurden die Antimilitaristen zu Militaristen und kurz darauf zu überzeugten Verfechtern einer professionellen und effizienten bourgeoisen Armee. Sehr bald wurden die Staatsfeinde zu den größten Befürwortern des Wiederaufbaus des kapitalistischen Staates, und die Regierung der Republik zählte vier anarchistische Minister zu ihren Reihen. Anarchistische Minister! Das war noch nicht mal der größte Widerspruch, mit dem die spanische anarchistische Bewegung zu kämpfen hatte. Angesichts des Mangels an Alternativen und Parolen der CNT wurden die Beschlagnahmungen zu Kollektivierungen, die nichts anderes waren als die Einführung eines stark zentralisierten und von der Regierung der Generalitat koordinierten gewerkschaftlichen/syndikalistischen Kapitalismus. Diese Kollektivierungen wurden wenige Monate später einer allgemeinen Militarisierung der Unternehmen und der Arbeit unterworfen.

These Nr. 14

Die revolutionären Komitees – Verteidigungskomitees, Arbeiterkomitees, Betriebskomitees, lokale Komitees, Versorgungskomitees, Stadtteilkomitees, Milizen im Hinterland usw. – waren die potenziellen Organe der Arbeitermacht, die im Juli 1936 oft die einzige echte Macht auf lokaler oder sektoraler Ebene ausübten. Aber sie wurden schnell zu antifaschistischen Komitees, zu Komitees für die gewerkschaftliche/syndikalistis heVerwaltung der Unternehmen, oder sie wurden in einen langen Winterschlaf versetzt (wie die konföderalen Verteidigungskomitees) oder in staatliche Organe umgewandelt, wie die Kontrollpatrouillen, die nicht nur die fünfte Kolonne unterdrückten, sondern auch die „Unkontrollierten” (Revolutionäre oder Radikale) und die Verteidigungskomitees, Nachbarschaftskomitees und Milizen im Hinterland kontrollierten (obwohl sie gleichzeitig die neue Organisation waren, die die staatliche Kontrolle der öffentlichen Ordnung ersetzte).

Die Zweideutigkeit und Ambivalenz der Kontrollpatrouillen, der Kollektivierungen, der Milizen, der Verteidigungskomitees und letztlich der „Revolution vom 19. Juli” war eine direkte Folge der Zweideutigkeit und Ambivalenz der extrem linken Organisationen der Volksfront (CNT und POUM), die nicht nur unfähig waren, die Macht zu übernehmen und das historische Programm der Emanzipation des Proletariats gegen die konterrevolutionären Kräfte zu verteidigen, sondern sich auch für die Klassenkollaboration mit den bourgeoisen Parteien und dem kapitalistischen Staat entschieden, mit dem einzigen Ziel, den Faschismus zu besiegen. Sie waren zweideutig, weil die CCMA das Ergebnis des PROLETARISCHEN Aufstands vom 19. Juli war, aber auch des politischen Scheiterns vom 21. Juli, ALS DIE KLASSENKOOPERATION AKZEPTIERT WURDE.

These Nr. 15

Am 21. Juli 1936 entschied sich die CNT für die Kollaboration mit den übrigen antifaschistischen Kräften, ohne irgendwelche politischen Parolen zur Machtübernahme, weder zur ökonomischen Organisation der Unternehmen, noch zur Koordination der revolutionären Komitees oder der verschiedenen ökonomischen und industriellen Zweige beitrug. Am 11. August 1936 übernahm der Wirtschaftsrat der Generalitat auf Veranlassung der CNT die Aufgabe, die katalanische Ökonomie zu koordinieren und neu zu organisieren. Die Beschlagnahmung von Unternehmen, die im Zuge des aufständischen Sieges im Juli erfolgte, in einer Situation des Machtvakuums durchgeführt wurden, trugen dazu bei, dass sich die provisorische Situation in den Unternehmen auf das einzige Ziel konzentrierte, den täglichen Betrieb der Unternehmen zu gewährleisten. Nur in einigen ökonomischen Bereichen (Lebensmittel, Gesundheit, Bildung) und in begrenztem Umfang sowie in einigen vereinzelten Unternehmen wurde ein Prozess der Vergesellschaftung versucht, bei dem die Gewerkschaft/Syndikat als Hauptakteur und Organisator fungierte. Das Dekret zur Kollektivierung vom Oktober 1936 legalisierte die vollendeten Tatsachen, also die Beschlagnahmung der Unternehmen durch die Arbeiter, aber mit dem klaren Ziel, die katalanische Ökonomie durch den Wirtschaftsrat der Generalitat zu zentralisieren, die Organe der gewerkschaftlichen/syndikalistischen Macht aus den Unternehmen zu entfernen und die Sozialisierungsbestrebungen einiger Sektoren und Unternehmen im Keim zu ersticken.

Die Kollektivierung der Ökonomie in Katalonien durchlief vier Phasen:

1.- Die Beschlagnahmung der Unternehmen. Die revolutionären Komitees, die von den Konterrevolutionären als „unkontrolliert” bezeichnet wurden, begannen nach der Niederlage der aufständischen Armee mit der Enteignung der Bourgeoisie und der „Entführung” von Priestern, Bourgeois, Caciques und ehemaligen Mitgliedern der Gewerkschaft/Syndikat der Pistoleros der Arbeitgeber. Nicht nur, dass es keine politischen und ökonomischen Vorgaben seitens der obersten Komitees der CNT (comités superiores) und der CCMA gab, diese drohten sogar mit der Erschießung der „Unkontrollierten“. Aber sie standen vor einer Tatsache: der Beschlagnahmung der Fabriken. Angesichts ihrer eigenen Unfähigkeit und ihres mangelnden Willens, die katalanische Ökonomie zu koordinieren und zu verwalten, schlug die CNT der Generalitat die Schaffung eines Wirtschaftsrats vor: Sie übergab der Bourgeoisie der Generalitat die Verwaltung und Koordination der katalanischen Ökonomie!

2.- Die Anpassung an das Dekret zur Kollektivierung. Im Oktober 1936, parallel zur Auflösung des CCMA, dem Eintritt der POUM und der CNT in die Regierung der Generalitat, dem Dekret zur Militarisierung der Volksmilizen, der Auflösung der lokalen Komitees, die durch Volksfront-Gemeinderäte ersetzt wurden, und einer ganzen Reihe weiterer kleinerer konterrevolutionärer Maßnahmen wurde mit der immer noch unverzichtbaren Unterstützung der CNT das Dekret zur Kollektivierung verabschiedet. In der Realität wurde in den Unternehmen ein gewerkschaftlicher/syndikalistischer Kapitalismus eingeführt, mit starkem Interventionismus und staatlicher Zentralisierung durch die Regierung der Generalidad, die den Namen KOLLEKTIVIERUNG erhielt. Der alte Bourgeois, der private Eigentümer, wurde durch eine Verwaltung aus Vertretern der Gewerkschaften/Syndikate jedes Unternehmens ersetzt, die sich zu Arbeiterkontrollkomitees zusammenschlossen (die in der Regel das Ergebnis einer Vereinbarung zwischen Arbeitern, Technikern, Verwaltungsangestellten und sogar ehemaligen Eigentümern waren) und vollständig von den von der Generalidad ernannten Kontrolleuren beeinflusst und beaufsichtigt wurden, die andererseits das Unternehmen als Eigentum der Gewerkschaft/Syndikat betrachteten.

3.- KOLLEKTIVISIERUNG versus SOZIALISIERUNG (Dezember 1936 – Mai 1937). Einerseits startete die Regierung der Generalitat, die von kleinbourgeoisen Kreisen unterstützt wurde: Verwaltungsangestellte, Techniker, ehemalige Unternehmer, Freiberufler und sogar Arbeiter mit rechter Ideologie, die oft der UGT angehörten, eine Offensive, um ihre Kontrolle über die Unternehmen zu verstärken, basierend auf dem Dekret über Kollektivierungen und der Anwendung einer Reihe von Finanzdekreten, die von Tarradellas im Januar 1937 in S’Agaró verabschiedet worden waren. Gleichzeitig versuchte der radikale Flügel der CNT-Militanten, die Produktion zu sozialisieren, was eine Stärkung der Macht der Sindicatos de Industria in den Unternehmen bedeutete. SOZIALISIERUNG bedeutete für diesen radikalen Teil der CNT, dass die katalanische Ökonomie von den Gewerkschaften/Syndikate (der CNT) geleitet werden sollte und dass mit der Dynamik des Gewerkschafts- Syndikatskapitalismus gebrochen werden sollte, indem eine gerechte Verteilung des Reichtums eingeführt wurde, die die skandalösen Unterschiede zwischen den Arbeitern in reichen und armen kollektivierten Industrien und zwischen diesen und den Arbeitslosen beseitigen sollte. Diese Leitung einer SOZIALISIERTEN katalanischen ÖKONOMIE erforderte wiederum die Schaffung geeigneter Organe innerhalb der CNT, d. h. die Ersetzung der Sindicatos Únicos (die für die Durchführung eines Streiks geeignet waren, aber nicht für die Leitung von Unternehmen) durch Sindicatos de Industria (die besser für die Verwaltung der verschiedenen ökonomischen Sektoren geeignet waren), was in den ersten Monaten des Jahres 1937 umgesetzt wurde. Die SOZIALISIERUNG der katalanischen Ökonomie bedeutete die Leitung der Ökonomie (und des Krieges) durch die CNT, was wiederum die Abschaffung der Regierung der Generalitat erforderte.

Die Gegenrevolution der Generalitat, die ihre Kontrolle ausbauen und auf jedes Unternehmen ausweiten wollte, stieß also direkt auf den Versuch der radikalen Fraktion der CNT, den Sektor zu sozialisieren. Im Frühjahr 1937 kam es zu einem Kampf von Unternehmen zu Unternehmen, bei dem die Vollversammlungen, die die Sozialisierung genehmigen sollten, auf ganz unterschiedliche Weise unter Druck gesetzt und manipuliert wurden, von den niederträchtigsten politischen Manövern bis hin zum Einsatz der Polizei. In dieser harten Auseinandersetzung von Unternehmen zu Unternehmen, die die obersten Komitees (comités superiores) der CNT nie zentralisieren wollten, weil dies einen Bruch des antifaschistischen Einheitspakts bedeutet hätte, kam es zu einer immer deutlicher werdenden und „schmerzhaften” Spaltung der gewerkschaftlichen/syndikalistischen Militanz zwischen dem kollaborierenden und dem radikalen Flügel der CNT. In diesem Versuch, die katalanische Ökonomie zu sozialisieren, versuchte die radikale Militanz der CNT, der kollaborierenden Militanz die Unterstützung der Mehrheit der gewerkschaftlichen/syndikalistischen Mitglieder streitig zu machen. Aber diese radikalen Militanten waren in den Fabrikvollversammlungen fast immer in der Minderheit, weil nach dem 19. Juli viele opportunistische Mitglieder dazukamen und die Revolution selbst viele Revolutionäre, die sich den Milizen angeschlossen hatten oder in verantwortungsvolle Positionen gekommen waren, verloren hatte.

In der Opposition gegen die Militarisierung der Volksmilizen (verordnet im Oktober 1936) stach die vierte Gruppe von Gelsa aus der Columna Durruti hervor, die nach einem beinahe bewaffneten Konflikt mit anderen Kräften der Columna, die die Militarisierung befürworteten, beschloss, die Front (im Februar 1937) zu verlassen und mit ihren Waffen nach Barcelona zurückzukehren. Diese Militanten gründeten zusammen mit anderen radikalen Militanten der CNT, die sich für die Sozialisierung der Unternehmen einsetzten, im März 1937 die Vereinigung Los Amigos de Durruti, die vier- bis fünftausend Mitglieder erreichte und sich in Katalonien als revolutionäre Alternative zu den (kollaborierenden) obersten Komitees (comités superiores) der CNT-FAI etablierte.

4.- Von Juni 1937 bis zum Ende des Krieges wurden wir Zeugen der Verfolgung, der Illegalität und der physischen Vernichtung des radikalen Flügels der CNT, der Trotzkisten und der POUM. Gleichzeitig arbeitete die CNT (ohne die revolutionäre Minderheit) weiter eng mit einem stalinistischen Staat zusammen, der die Militarisierung der Arbeit und des Lebens, strengste Rationierungen und eine Kriegswirtschaft durchsetzte. Der STAATLICHE ANARCHISMUS festigte die Zusammenarbeit mit der republikanischen Bourgeoisie, übernahm ihr Programm zum Sieg über den Faschismus, unterdrückte jede revolutionäre Gefahr in seinen Reihen und übernahm die Aufgaben jeder Bürokratie, die sich in den Staatsapparat integrieren will.

These Nr. 16

Der Mai 1937 war die militärische Niederlage des am weitesten fortgeschrittenen revolutionären Proletariats, die die Konterrevolution brauchte, um in die Gegenoffensive zu gehen. Die Ursachen des Mai liegen in der Verteuerung des Lebens, der Knappheit der Lebensgrundlagen, dem Widerstand gegen die Auflösung der Kontrollpatrouillen und die Militarisierung der Milizen sowie dem ständigen Kampf der Arbeiter in den kollektivierten Betrieben um die Beibehaltung der Kontrolle über die Produktion angesichts des zunehmenden Interventionismus der Generalidad, der durch die Anwendung der Dekrete von S’Agaró begünstigt wurde. Nicht umsonst begannen die Mai Ereignisse in einem kollektivierten Unternehmen, der Telefónica, durch den bewaffneten Widerstand der CNT-Arbeiter gegen die Besetzung durch die repressiven Kräfte der Generalitat. Die schnelle Ausbreitung des Kampfes auf die ganze Stadt Barcelona war das Werk der Verteidigungskomitees und der Nachbarschaftskomitees, die telefonisch miteinander verbunden waren und unabhängig von den comités superiores (übergeordneten/obersten Komitees) der CNT agierten und diese überwältigten.

Auf der einen Seite der Barrikade standen die Ordnungskräfte, die Stalinisten der PSUC und die katalanistischen Milicias Pirenaicas (Milizen der Pyrenäen), angeführt von der Regierung der Generalitat. Auf der anderen Seite der Barrikade standen die Arbeiter der CNT und die POUM. Nur die Anarchisten der Agrupación Los Amigos de Durruti und die Trotzkisten der Sección Bolchevique-Leninista de España versuchten, dem Kampf an den Barrikaden revolutionäre Ziele zu geben.

Aber die CNT-Militanten konnten und wussten nicht, wie sie gegen die KOLLABORATIONISTISCHEN Parolen der CNT-Anführer und -Komitees vorgehen sollten. Es kam sogar dazu, dass sie auf die Radiosendern, die die versöhnlichen Reden von García Oliver und Federica Montseny übertrugen, schossen, aber am Ende folgten sie doch deren Parolen. Los Amigos de Durruti bezeichneten die Aktivitäten dieser Anführer und comités superiores als „enormen Verrat”.

Nach Mai 1937 sind die Versuche, Los Amigos de Durruti aus der CNT rauszuwerfen, gescheitert, weil das von keinem COMITÉS SUPERIORES DER BÜROKRATISIERTEN CNT ratifiziert wurde. Trotzdem kam es zu keiner Spaltung, die die gegensätzlichen und unversöhnlichen Positionen innerhalb der CNT hätte klären können.

Die spätere Geschichtsschreibung hat die Bedeutung der Gruppierung heruntergespielt oder ignoriert, und die CNT-Bürokratie hat es sogar geschafft, sich „ein gewisses revolutionäres Prestige” einer Gruppe anzueignen, die sie verfolgt und aus ihren Reihen ausschließen wollte. Die Zweideutigkeit kommt immer der Konterrevolution zugute. Und HEUTE KANN MAN OHNE DASS SICH JEMAND DARÜBER ERSCHÜTTERT, BEOBACHTEN, WIE DIE CNT UND DIE FAI DAS REVOLUTIONÄRE ANSEHEN DER AGRUPACIÓN DE LOS AMIGOS DE DURRUTI „ERBEN”. Die Bürokratien und der Kapitalismus sind in der Lage, alles zu rekuperieren, sogar das, was einst als revolutionäre Alternative, antagonistisch zur Bürokratie und zum Kapitalismus, verleumdet und verfolgt wurde.

These Nr. 17

Die Merkmale der stalinistischen Konterrevolution waren:

a) Unaufhörlicher, allgegenwärtiger und allmächtiger Polizeiterror.

b) Unverzichtbare Verfälschung der eigenen Natur und der Natur der Feinde, insbesondere der Revolutionäre.

c) Ausbeutung der Arbeiter durch einen Staatskapitalismus, der von der Partei-Staat geführt wurde und sich in einem Programm der Kommunalisierung und Verstaatlichung niederschlug, das zu einer fortschreitenden Militarisierung der Arbeit und des Alltagslebens führte.

Die Regierung Negrín-Stalin verwandelte die anfängliche Klassenkolaboration im CCMA und die Ideologie der antifaschistischen Einheit in NATIONALE EINHEIT und eine Regierung der Ordnung; sie verwandelte die reformistische Ohnmacht gegenüber der Revolution der Sozialisten, Katalanisten und der anarchosyndikalistischen Bürokratie in ein fertiges konterrevolutionäres Programm, das jeden noch so kleinen Rest von Arbeiterdemokratie beseitigte und die bourgeoise Demokratie in eine Polizeidiktatur der GPU und des SIM verwandelte.

Die Stalinisten waren nie ein reformistischer Teil der Arbeiterbewegung. Mit dem Stalinismus war und ist keine Zusammenarbeit möglich, sondern nur ein gnadenloser Kampf. Der Stalinismus steht immer und überall an der Spitze der konterrevolutionären Kräfte und findet seine Stärke in der Idee der nationalen Einheit, in der Praxis einer Politik der Ordnung, in seinem Kampf um die Errichtung einer starken Regierung, in der Durchdringung des Staatsapparats durch die Militanten der stalinistischen Partei und vor allem darin, dass er seine reaktionäre Natur innerhalb der Arbeiterbewegung verschleiert.

These Nr. 18

Es ist wichtig, eine Periodisierung vorzunehmen, denn ein Verteidigungskomitee im Jahr 1931 ist nicht dasselbe wie im Juli 1936 oder eine Woche später, wenn es sich vielleicht in ein antifaschistisches Komitee verwandelt hat, oder im Januar 1937, wenn es inaktiv ist, oder im Mai 1937, wenn es mit der „spontanen” Organisation des Aufstands wieder auftaucht, oder im Dezember 1937, als sie schon als verschwunden gelten können. Genauso kann ein selbstverwaltetes Unternehmen im Juli 1936 1937 finanziell von der Regierung der Generalidad kontrolliert werden, und dasselbe Unternehmen kann 1938 militarisiert sein. Die Volksmilizen, freiwillig, populär und revolutionär, wurden nach einer Phase von einigen Monaten (von Oktober 1936 bis Mai 1937) der Diskussionen über die Akzeptanz der Militarisierung zu Regimentern oder Divisionen einer regulären Armee, und die Milizionäre wurden zu Soldaten.

Diese Einteilung (für Katalonien) kann in vier Phasen akzeptiert werden:

1. Revolutionäre Phase (19.7.1936 bis 26.9.1936).

2. Voranschreiten der Konterrevolution (26.9.1936 bis 16.6.1937).

3. Repression der revolutionären Bewegung (16.6.1937 bis April 1938).

4. Verschwinden der revolutionären Bewegung (April 1938 bis Kriegsende).

These Nr. 19

Vom 19. Juli 1936 bis zum 26. September 1936:

Revolutionäre Phase „revolutionäre” Phase oder Phase des Sieges des Aufstands und der revolutionären Bewegung. MACHTVAKUUM DES (ZENTRALISIERTEN) STAATES. ATOMISIERUNG DER MACHT und Verwirrung der Gewalten. Lokale revolutionäre und Verteidigungskomitees, Nachbarschaftskomitees, Versorgungskomitees, Arbeiterkontrollkomitees, Volksmilizen, Arbeiter- und Soldatenräte, Milizen im Hinterland. Der „teilweise beschädigte” bourgeoise Staat behielt seine rechtliche Autorität und hörte nicht auf, die tatsächlichen revolutionären Errungenschaften zu legalisieren und zu verordnen. Vor allem aber verhinderte und behinderte er die Koordinierungs- und Zentralisierungsfähigkeit dieser revolutionären Komitees, die auf lokaler Ebene die gesamte Macht innehatten. Der CCMA fungierte als Organ der Klassenkollaboration, als Vermittler zwischen den tatsächlichen lokalen Mächten der Komitees und der legalen Macht der Generalitat. Das Rechtsbüro setzte eine Volksjustiz außerhalb der geltenden Gesetzgebung durch (und unterstützte die spontane Volksjustiz). Ein unter Protagonisten und Historikern weit verbreiteter theoretischer und historisch-analytischer Fehler besteht darin, eine Dualität der Macht zwischen dem CCMA und der Regierung der Generalitat herzustellen, die mit der Auflösung des CCMA verschwunden sein soll. Wir betonen, dass das CCMA keine Dualität der Macht gegenüber der Regierung der Generalidad geschaffen hat, sondern dass es sich vielmehr um eine Verdopplung der Macht der Regierung der Generalidad handelte, die notwendig war, um ihre Autorität wiederherzustellen.

These Nr. 20

Vom 26. September 1936 bis zum 16. Juni 1937:

Voranschreiten der Konterrevolution. Rückzug der revolutionären Bewegung und Voranschreiten der Generalitat bei der Rückeroberung all ihrer Funktionen (sogar mit der Übernahme von Befugnissen der Regierung von Valencia). Auflösung des CCMA, Eintritt der POUM und der CNT in die Regierung der Generalitat. DEKRET ZUR AUFLÖSUNG DER REVOLUTIONÄREN KOMITEES UND ZUR BILDUNG VON FRONT-POPULISTISCHEN GEMEINDERÄTEN. Nin, Justizminister, schaffte das Rechtsbüro ab. CNT und POUM ermöglichten die Auflösung der revolutionären Komitees und deren Ersatz durch Volksfront-Gemeinderäte. Nin und Tarradellas reisten nach Lérida, um das lokale Komitee von Lérida, das das von der POUM kontrolliert wurde, zu unterwerfen. Dekret zur Militarisierung der Volksmilizen. Ab Mitte Dezember schmeißen die Stalinisten Nin aus der Regierung raus und gründen ein Bündnis zwischen ERC und PSUC, um die Macht der CNT zu schwächen und die „revolutionären Eroberungen” vom Juli rückgängig zu machen, die nichts anderes als vorübergehende Abtretungen und Zugeständnisse staatlicher Funktionen waren. Der Mai 1937 brachte die endgültige Niederlage der revolutionären Bewegung. PSUC und ERC hatten die Konterrevolution angeführt, aber die POUM und die CNT waren OBJEKTIV unverzichtbare Kollaborateure gewesen, als die revolutionäre Bewegung noch stark genug war, um eine Arbeitermacht zu bilden.

These Nr. 21

Vom 16. Juni 1937 bis April 1938:

Auflösung der Kontrollpatrouillen. Verbot und Repression der POUM und der revolutionären Bewegung. Die CNT spaltete sich in einen kritischen Flügel, der verfolgt (oder aus seinen Ämtern und Funktionen entlassen) wurde, und einen regierungsnahen Flügel, der sich in die staatlichen Apparate integrierte. Stalinistische Repression der revolutionären Bewegung. Ab Juli 1937 lehnte die FAI die Organisation in Affinitätsgruppen zugunsten einer territorialen Organisation ab. Die ideologischen Affinitätsgruppen hatten die Entstehung der Los Amigos de Durruti ermöglicht (vier- bis fünftausend Mitglieder) als revolutionäre Opposition gegen die Kollaboration der FAI ermöglicht. Die territoriale Organisation der FAI, die pyramidenförmig und hierarchisch aufgebaut war, gab den obersten Komitees (comités superiores) die absolute Kontrolle über die Organisation und machte die FAI außerdem zu einer effizienten politischen Partei, die in der Lage war, Ämter auf allen Verwaltungsebenen des Staatsapparats zu besetzen. Im August 1937 wurde der Rat von Aragón abgeschafft. Die aragonesischen Kollektive wurden durch die Division des Stalinisten Líster aufgelöst. Im September wurde Los Escolapios, Sitz des konföderalen Verteidigungskomitees, gestürmt, ohne dass die Führungsspitze der CNT darauf mit mehr als der Aufforderung zur Kapitulation reagierte.

These Nr. 22

Von April 1938 bis Januar 1939:

Verschwinden der revolutionären Bewegung. Die Militanten, die nicht ermordet oder inhaftiert worden waren, hielten sich streng im Untergrund, meldeten sich zur Armee oder versteckten sich. Alle revolutionären Publikationen verschwanden oder wurden zu reinen Zeitzeugenberichten. Einheitspakt zwischen CNT und UGT. Die FAI und die CNT trieben die Bildung einer ANTIFASCHISTISCHEN VOLKSFRONT voran, um Druck auszuüben, damit die Libertären wieder in die republikanische Regierung aufgenommen wurden. Kriegswirtschaft, Stakhanovismus in der Arbeit und Militarisierung der Arbeit und des Alltags. Die Regierung Negrín versuchte, ein stalinistisches diktatorisches Regime einzuführen.

These Nr. 23

Die Institutionalisierung der CNT hatte wichtige, unvermeidliche Folgen für die organisatorische und ideologische Natur der CNT selbst.

Der Eintritt der prominentesten Militanten in die verschiedenen Ebenen der staatlichen Verwaltung, von den Rathäusern bis zu den Ministerien der Regierung der Republik, über die Ministerien der Generalitat oder neue, mehr oder weniger autonome „revolutionäre” Institutionen wie die CCMA, die Versorgungskomitees und den Wirtschaftsrat, schuf neue Funktionen und Bedürfnisse, die von einer begrenzten Anzahl von Militanten besetzt werden mussten, die für solche verantwortungsvollen Positionen qualifiziert waren.

Die Ernennung dieser Militanten in Ämter sowie ihre Beratung und Kontrolle erfolgte durch die Obersten Komitees, die ihrerseits weitere interne Verantwortungspositionen innerhalb der Organisation schufen.

So entstanden die obersten Komitees, bestehend aus dem nationalen Komitee der CNT, dem regionalen Komitee der CRTC (Confederació Regional del Treball de Catalunya), der lokalen Föderation der Sindicatos Únicos, dem Halbinselkomitee, dem regionalen Komitee der FAI, der lokalen Föderation der Anarchistischen Gruppen von Barcelona, der FIJL, den Juventudes Libertarias in Katalonien, den Stadträten, den Ratsmitgliedern der Generalitat, den Ministern, wenn sie konnten, den Delegierten der konföderalen Kolonnen und bestimmten angesehenen Persönlichkeiten gebildet wurden.

Die Führungs- und Machtfunktionen dieser obersten Komitees (comités superiores), die von einer kleinen Gruppe von Leuten ausgeübt wurden, die dazu in der Lage waren, führten zu einer Reihe von Interessen, Methoden und Zielen, die sich von denen der militanten Basis der Konföderation (CNT) unterschieden. Dies führte einerseits zu einer allgemeinen Demobilisierung und Enttäuschung unter den Mitgliedern und der Basis, die Hunger und Repression ausgesetzt waren und von den obersten Komitees (comités superiores) völlig im Stich gelassen wurden. Daraus entstand eine revolutionäre Opposition, die vor allem in Los Amigos de Durruti, den Juventudes Libertarias de Cataluña, einigen anarchistischen Gruppen der Federación Local de GGAA (lokale Föderation der Anarchistichen Gruppen) aus Barcelona und vor allem in den Nachbarschaftskomitees und Verteidigungskomitees der Stadtviertel Barcelonas verkörpert wurde.

Ein sehr verschleiertes und besorgniserregendes Phänomen muss untersucht werden, nämlich das sehr frühe Entstehen eines Komitees der Komitees (Comité de comités), einer Art kleiner Exekutive aus hochrangigen Verantwortlichen, die angesichts der Bedeutung und Dringlichkeit der zu lösenden Probleme, die man nicht durch langsame horizontale Prozesse und Vollversammlungen mit langen Diskussionen angehen konnte, ersetzten die Organisation bei der Entscheidungsfindung.

Dieses Komitee der Komitees, das von den obersten Komitees geheim gehalten wurde, wurde im Juni 1937 öffentlich unter dem Namen Comisión Asesora Política (CAP) und später im Verbindungskomitee der libertären Bewegung gegründet.

Anfang Dezember 1936 sahen die obersten Komitees die revolutionären Nachbarschaftskomitees als ihre schlimmsten Feinde an und beschlossen, ihre Funktionen zu reduzieren und ihre Verteidigungssektionen gewerkschaftlich/syndikalistisch zu kontrollieren, wodurch sie praktisch eingefroren wurden, bis im März 1937 die Bildung des Einheitlichen Sicherheitskorps, bestehend aus Guardias de Asalto und Guardias Civiles, und die drohende Auflösung der Kontrollpatrouillen ihre Wiederbelebung und Wiederbewaffnung als Vorbereitung auf eine unvermeidliche Konfrontation notwendig machten, die in den Ereignissen vom Mai gipfelte.

Die Ideologie der antifaschistischen Einheit, die von den obersten Komitees übernommen und verinnerlicht wurde, schuf eine Gemeinschaft von Interessen und Zielen dieser Komitees mit den übrigen antifaschistischen Organisationen. Diese obersten Komitees gaben alle anarchosyndikalistischen und revolutionären Prinzipien auf, mit dem einzigen Ziel, den Krieg zu gewinnen.

Die Institutionalisierung der CNT und die Übernahme der Ideologie der antifaschistischen Einheit machten die obersten Komitees zum schlimmsten Feind der (minderheitlichen) revolutionären Opposition der CNT, die kurz davor stand, eine Spaltung herbeizuführen, die jedoch letztendlich nicht zustande kam, da diese Opposition durch staatliche und stalinistische Repressionen physisch eliminiert, inhaftiert oder in den Untergrund gedrängt wurde. Diese Repression war SELEKTIV, da sie sich gegen die revolutionäre Minderheit richtete, während gleichzeitig versucht wurde, die Institutionalisierung der obersten Komitees sicherzustellen.

Man sollte nicht von einem VERRAT DER OBERSTEN KOMITEES sprechen, was nichts erklärt, sondern von einem KLASSENKONFLIKT zwischen den obersten Komitees, die den STAAT repräsentierten, und den unterdrückten und verfolgten revolutionären Minderheiten. Es war kein Verrat, sondern ein Klassenkampf zwischen Anführern und Geführten, zwischen Regierenden oder solchen, die es werden wollten, und Regierten, zwischen Bürokraten und Arbeitern.

These Nr. 24

Mit dem Eintritt der CNT in die Regierung der Generalitat kam es auch zu einem Prozess der Institutionalisierung der Gewalt, die aus diesem Grund nicht mehr revolutionär war, sondern zur neuen „revolutionären öffentlichen Ordnung” wurde.

In Zeiten der Revolution kann Gewalt, solange sie so destruktiv (für die alte Ordnung) wie konstruktiv (für die neue Ordnung) ist, nicht beherrscht werden und findet immer ihre Vollstrecker, ob anonym oder nicht. Als diese Gewalt jedoch von den neuen antifaschistischen Behörden (aufgrund ihrer neuen Natur als legitime und/oder legale Gewalt der „neuen öffentlichen Ordnung”) reguliert wurde, hörte sie auf, revolutionäre, kollektive, volksnahe, gerechte und klassenbezogene, festliche und spontane Gewalt zu sein, und verwandelte sich (in den Augen dieser Behörden) zu einem grausamen Phänomen, das der neuen konterrevolutionären, bourgeiosen und republikanischen Ordnung, die sich gerade auf der Kontrolle und Ausmerzung der früheren revolutionären Situation gründete, fremd und unverständlich war.

Die libertären obersten Komitees versuchten in Absprache mit den übrigen antifaschistischen Kräften und der Regierung der Generalitat, das Monopol der politischen Gewalt wiederherzustellen, indem sie es an die Sicherheitsjunta abtraten. Es war ein langsamer und sehr widersprüchlicher Prozess, voller Hindernisse und Konfrontationen. Die Dualität der Befehlsgewalt in der Junta de Seguridad zwischen der CNT und den übrigen antifaschistischen Kräften sowie der Regierung wurde erst durch die entscheidenden Auseinandersetzungen im Mai 1937 gelöst.

Andererseits führte die fortschreitende Schwächung der Kontrollpatrouillen zugunsten eines einheitlichen Sicherheitskorps, das auf der Wiederbelebung und Vereinigung der Guardia de Asalto und der ehemaligen Guardia Civil beruhte, als defensive Reaktion der Gewerkschaften/Syndikate zur Wiederbelebung und Stärkung der eingefrorenen Verteidigungskomitees der CNT.

These Nr. 25

Die Militarisierung der antifaschistischen Milizen zusammen mit dem Dekret zur Kollektivierung und der Auflösung der lokalen Komitees markierten den Beginn und den Verlauf der bourgeoisen Konterrevolution und ihrer Rückeroberung des nicht zerstörten Staatsapparats.

Die Militarisierung der Milizen an der Front bedeutete nicht nur den Verlust der Kriegsführung durch die Arbeiter und den Verlust jeglicher revolutionärer Ziele, sondern führte auch zur Militarisierung des Hinterlandes, d. h. der öffentlichen Ordnung.

Und diese Militarisierung des Hinterlandes veränderte alle sozialen und politischen Machtverhältnisse, weil Gewalt und Macht dasselbe waren. Die Militarisierung der öffentlichen Ordnung führte außerdem zu einer zunehmenden sozialen, politischen und revolutionären Demobilisierung der Arbeiter.

In der Opposition gegen die Militarisierung der Volksmilizen (verordnet im Oktober 1936) stach die vierte Gruppe von Gelsa aus der Columna Durruti hervor, die nach der Überwindung eines bewaffneten Konflikts mit anderen Kräften der Columna, die die Militarisierung befürworteten, beschloss, die Front zu verlassen (im Februar 1937) und mit ihren Waffen nach Barcelona zurückzukehren. Diese Milizionäre gründeten zusammen mit anderen radikalen CNT-Militanten, die sich für die Sozialisierung der Unternehmen einsetzten, im März 1937 die Vereinigung Los Amigos de Durruti, die vier- bis fünftausend Mitglieder erreichte und sich in Katalonien als eine revolutionäre Alternative zu den (kollaborierenden) obersten Komitees der CNT-FAI bildeten.

Von der revolutionären Gewalt der Komitees, die von der katalanischen Bourgeoisie und den Stalinisten als Unordnung angesehen wurde, ging man nach einem mehrmonatigen Übergang zur „üblichen” bourgeoisen Ordnung über, in der die Gewalt von den „üblichen” repressiven und arbeiterfeindlichen Organen monopolisiert wurde: der Guardia de Asalto und der Guardia Civil, die am 4. März 1937 zu einem einzigen Sicherheitskorps vereinigt wurden. Aus dieser Sicht waren die Ereignisse vom Mai 1937 eine notwendige und entscheidende Episode, damit der Staatsapparat das absolute Gewaltmonopol erlangen konnte.

Von der revolutionären Gewalt der Komitees gegen die Bourgeoisie, Priester und Faschisten ging man zur Repression der bourgeoisen Kräfte der kapitalistischen Ordnung gegen die revolutionären Minderheiten über. Diese Repression der revolutionären Opposition der CNT (und anderer revolutionärer Minderheiten) verlief parallel und analog zur Integration des obersten Komitees in den Staatsapparat (unabhängig davon, ob sie in der Regierung waren oder nicht). Es ging nicht um einen Verrat der Anführer an der Basis, sondern um die beiden notwendigen Aspekte desselben konterrevolutionären Prozesses: die Verfolgung der Revolutionäre und die Institutionalisierung der obersten Komitees.

Die antifaschistische öffentliche Ordnung basierte auf der antifaschistischen Einheit aller Organisationen mit dem einzigen Ziel, den Krieg zu gewinnen. Dieser militärische Sieg bedeutete und vertiefte die Militarisierung der Milizen, der Ordnungskräfte, der Arbeit, der sozialen Beziehungen und der Politik. Der Krieg verschlang die Revolution.

These Nr. 26

Der Widerstand der Nachbarschaftskomitees gegen die Entwaffnung im Dezember 1936 führte dazu, dass sie von der Federación Local de Sindicatos (Lokale Föderation er Gewerkschaften/Syndikate) in den Winterschlaf geschickt wurden. Als jedoch am 4. März 1937 ein Dekret die Guardias de Asalto und die Guardias Civiles unter dem Kommando der Regierung der Generalitat vereinte, reagierten die Gewerkschaften/Syndikate auf diese Bedrohung, indem sie die Verteidigungskomitees der Stadtviertel wieder finanzierten, bewaffneten und reaktivierten.

Die Offensive der Stalinisten, Katalanisten und der Generalitat hatte sich gefestigt und schien unaufhaltsam. Die hungernde Bevölkerung hatte ihre Unzufriedenheit in den Demonstrationen der Frauen am 14. April auf verschiedenen Märkten in Barcelona zum Ausdruck gebracht. Vom 12. bis 24. April bereiteten sich die Lokale Föderation anarchistischer Gruppen, die FIJL und die Verteidigungskomitees der Stadtviertel auf einen Aufstand vor, um sich gegen die voranschreitende Repression der Konterrevolution zu wehren. Mitte April verhandelten Herrera und Escorza mit Companys über eine neue Regierung und einen Ausweg aus der Regierungskrise. Die ersten Ermittlungsverfahren wegen „klandestinen Friedhöfe” wurden eingeleitet, in denen die Mitglieder der Komitees der revolutionären Tage im Juli beschuldigt und inhaftiert wurden. Am 27. April 1937 organisierten die Behörden von Bellver, unterstützt von der Regierung der Generalitat und ermutigt durch die zunehmende Invasion der Carabineros in der Cerdanya, einen Hinterhalt, um Antonio Martín zu ermorden, und lösten damit eine repressive Offensive gegen die Anarchisten in dieser Region aus. Die obersten Komitees dachten, es würde reichen, der PSUC, der ERC und der Generalitat „die Zähne zu zeigen”, um ihre Offensive zu stoppen. Die Verteidigungskomitees der Stadtviertel von Barcelona überwältigten die obersten Komitees und lösten am 3. Mai einen revolutionären Aufstand aus, der außer Kontrolle geriet.

Ab Juni 1937, nachdem die Kontrollpatrouillen aufgelöst worden waren, kam es zu einer Rückeroberung der verschiedenen Ortschaften und Regionen durch die Sturmtruppen und die Guardia Civil, die eine brutale Repression gegen die CNT-Mitglieder und insbesondere gegen die ehemaligen Patrouillenmitglieder und die prominentesten Militanten durchführten. An vielen Orten verschwand die CNT-Organisation.

Diese Repression des Anarchosyndikalismus ging einher mit einer passiven Haltung der obersten Komitees, die sich für eine individuelle und juristische Verteidigung der Gefangenen entschieden, anstatt für eine kollektive und politische Verteidigung. Die Tausenden von anarchosyndikalistischen Gefangenen forderten von den obersten Komitees mehr Entschlossenheit und Solidarität, was nur dazu führte, dass das Regionalkomitee der CNT und das der FAI sich bereit erklärten, eine klandestine Zeitung herauszugeben, die eine Kampagne zugunsten der Gefangenen durchführte.

Am 9. Juni 1937 gerieten Campos und Xena in eine byzantinische Diskussion darüber, ob das sogenannte Komitee der Komitees noch existierte oder nicht. Wenige Tage später, am 14. Juni, wurde die Politische Beratungskommission (Comisión Asesora Política – CAP) offiziell gegründet, die nichts anderes als eine Wiederauferstehung und Aktualisierung des im Juli 1936 entstandenen Komitees der Komitees war.

Die Beweggründe waren identisch: die Notwendigkeit eines Exekutivorgans, das schnell die wichtigsten und dringendsten Entscheidungen treffen konnte. Nun kam jedoch ein weiterer Grund hinzu: Die Verteidigungskomitees sollten die obersten Komitees nicht erneut überwältigen, wie es im Mai geschehen war. Um eine mögliche erneute Überwältigung zu verhindern, wurde das sogenannte Verbindungskomitee (comité de enlace) gegründet, das der CAP unterstellt war.

These Nr. 27

Häftlinge und revolutionäre Minderheiten distanzierten sich von der kollaborativen Politik der obersten Komitees, sodass eine Spaltung unvermeidlich schien. Diese Spaltung wurde dank der SELEKTIVEN Politik der Stalinisten verhindert, die darin bestand, die revolutionäre Opposition zu unterdrücken und zu schwächen und die obersten Komitees in den Staatsapparat zu integrieren.

Die PSUC setzte ab dem 16. Juni 1937 eine aggressive Anti-CNT-Politik um, die von Comorera verkörpert wurde und im August ihren Höhepunkt erreichte. Am 8. September schlug Vidiella eine pro-CNT-Politik vor, um die Isolation der PSUC angesichts einer möglichen Allianz zwischen CNT und ERC zu verhindern und als Reaktion auf die juristische Offensive der ERC gegen die revolutionären Ereignisse vom Juli 1936, die nicht nur die Anarchosyndikalisten, sondern auch die Militanten der PSUC kriminalisierte.

Im Gebäude der Escolapios hatten das Komitee zur Verteidigung des Zentrums, die Gewerkschaft/Syndikate der Lebensmittelindustrie und andere Gruppen und Komitees ihren Sitz. Der Angriff auf die Escolapios am 20. September 1937 durch die Ordnungskräfte und die PSUC mit Panzern, Kanonen, Maschinengewehren und Bomben war nicht wegen der Waffengewalt erfolgreich, sondern weil das regionale Komitee der CNT den Befehl gab, sich kampflos zu ergeben.

Die obersten Komitees der CNT kapitulierten am 20. September vor der Regierung der Generalitat und den anderen antifaschistischen Organisationen (PSUC und ERC) und zeigten damit ihre Bereitschaft und Fähigkeit, die interne revolutionäre Opposition der CNT zu besiegen und zu unterwerfen. Der Angriff auf die Escolapios wiederholte die Kapitulation vom Mai.

These Nr. 28

DIE FEHLER DER POUM:

1) Die POUM hat die Frage der Macht der Arbeiterklasse nie thematisiert, weder im Juli 1936 noch zu irgendeinem Zeitpunkt während der revolutionären Phase im Juli, August und September 1936. 2) Sie hat die Liquidierung der Komitees akzeptiert, die potenziell die Organe der Arbeitermacht waren. Das heißt, die Führung der POUM sprach sich für die Abschaffung der revolutionären Komitees aus, anstatt sich für deren Ausweitung, Demokratisierung und Koordinierung einzusetzen. Sie hat nie den Kampf für die Zerschlagung der kapitalistischen Machtorgane oder die Zerschlagung des kapitalistischen Staates thematisiert. Die Komitees waren, obwohl unvollständig und mangelhaft, die potenziellen Organe der Arbeitermacht. Josep Rebull meinte, dass die Aufgabe einer revolutionären Partei (die POUM war das nie) darin bestanden hätte, diese Komitees zu stärken, zu demokratisieren und zu koordinieren, damit sie zu Arbeiterräten werden, die in großen Vollversammlungen gewählt und jederzeit abgewählt werden können und die in der Lage sind, eine Regierung der Arbeiterräte zu bilden. 3) Die POUM hat es nicht verstanden, die grundlegenden Unterschiede zwischen der Partei und der Volksfront herauszuarbeiten, und sich auf diese Weise in Richtung einer Zusammenarbeit mit der Regierung bewegt. 4) Die Führung der POUM war immer im Schlepptau der CNT-FAI und hat deren Anführer als Revolutionäre angesehen, anstatt eine kraftvolle, konsequente und objektive Polemik gegen deren wiederholte falsche Positionen zu führen. 5) Die Führung der POUM hat nie wirklich die Beziehung zwischen Krieg und Revolution verstanden, insofern sie beide Begriffe voneinander unterschied. Die Parole „Krieg oder Revolution“ war an sich falsch. 6) Die POUM opferte, kaum langsamer als die anderen, die Revolution den scheinbaren Interessen des „Krieges” (Regierungskoalition, unentschlossene Politik in der Frage der Armee usw.), anstatt klar zu zeigen, dass der Krieg das Opfer der Arbeiterklasse nicht verdient, sondern nur insoweit, als er integraler Bestandteil des revolutionären Prozesses ist, d. h. insofern er dem entscheidenden Problem der Macht untergeordnet ist. Sie hat nichts unternommen, um die Grundlagen für die Organe einer neuen Macht (Revolutionäre Arbeiterfront) zu schaffen, nicht einmal dort, wo der Einfluss der Partei vorherrschend war. Die Führung ließ zu, dass Mitglieder der Partei, die Chefs der Lenin-Division, in ihren Reihen jede politische Aktion gegenüber den Milizionären sabotierten und so den Plänen der Konterrevolution halfen, anstatt die Agitation für die Arbeiterdemokratie in den Massenorganisationen zu fördern. 7) Die Führung der POUM teilte bereits 1936 die überholten Vorstellungen der katalanischen Kleinbourgeoisie über Nationalismus und Unabhängigkeit. 8) Die POUM kritisierte die Kollektivierung der Industrie als neue Form des „Gewerkschafts-, Syndikatskapitalismus“ nicht. 9) Nin löste die FOUS unter der falschen gewerkschaftlichen/syndikalistische Parole „CNT-UGT“ auf, anstatt die Parole „Weder CNT noch UGT, sondern eine einzige gewerkschaftliche/syndikalistische Zentralorganisation“ zu vertreten. 10) Die Kapitulation im Mai: a) Die Führung hatte keine unabhängige, klare Linie, b) sie hatte keine eigene Initiative, c) sie schützte das, was die POUM selbst als „Verrat“ der anarchistischen Anführer ansah, d) sie zog keine Lehren daraus: Sie behauptete sogar, der Mai sei ein Sieg der Arbeiter gewesen.

Viele dieser Fehler des Zentralkomitees der POUM waren persönlich Nin zuzuschreiben, unabhängig davon, ob er vom Rest des Zentralkomitees der POUM unterstützt wurde oder nicht, der sich manchmal gegen Nins persönliche Entscheidungen aussprach oder nicht gefragt wurde. Außerdem darf man nicht vergessen, dass die Politik des Zentralkomitees der POUM, die stark von Nin geprägt war, von einem großen Teil der Kritiker in der Partei als katastrophal für die Revolution angesehen wurde und außerdem die Grundprinzipien der POUM aufgab.

NINS FEHLER:

1) Als Nin als Vertreter der POUM in den Wirtschaftsrat kam, gab das der Regierung der Generalitat die Macht und die Möglichkeit, die katalanische Ökonomie zu planen. 2) Der Beitritt der FOUS zur UGT anstelle der CNT. 3) Nins Annahme des Amtes des Justizministers (was auch Andrade als Fehler bezeichnete) in der Regierung der Generalitat (die er vom 26. September bis zum 17. Dezember 1936 ausübte, als er aufgrund stalinistischen Drucks entfernt wurde) als Fehler, weil er die Regierung der Generalitat stärkte, die Auflösung der lokalen Komitees vorbereitete und die Parolen der Arbeiterregierung in der Praxis negierte. 4) Nins erste Aufgabe als Justizminister war es, Tarradellas, den Ministerpräsidenten der Regierung der Generalitat („conseller en cap”), nach Lérida zu begleiten, das von einem Komitee regiert wurde, das von der CNT und der POUM dominiert wurde, um DIE AUTORITÄT DER KATALANISCHEN REGIERUNG WIEDERHERZUSTELLEN. 5) Nin behauptete, dass in Katalonien die Diktatur des Proletariats herrschte und auch (im Widerspruch zum Vorherigen), dass die Arbeiterklasse die Macht friedlich übernehmen könnte. 6) Am 9. Oktober 1936 konnte die Regierung der Generalitat – WIR DÜRFEN NICHT VERGESSEN, dass dank der Beteiligung der POUM und der CNT, OHNE DEREN MITWIRKUNG UND HILFE DIE REGIERUNG DER GENERALITÄT MACHTLOS GEWESEN WÄRE – ein Dekret zur Auflösung der lokalen Komitees mit REVOLUTIONÄREM CHARAKTER ODER POTENZIAL erlassen, die durch Volksfront-Gemeinderäte ersetzt werden sollten; am 13. Oktober machte ein von Nin selbst ausgearbeitetes und unterzeichnetes Dekret das revolutionäre Werk von Barriobero (und den Mitglieder der CNT) in den Gerichten zunichte; am 24. Oktober wurden die Dekrete zur Militarisierung der Volksmilizen und zur Kontrolle der öffentlichen Ordnung durch eine Junta de Seguridad Interior (Innenausschuss für Sicherheit) verabschiedet. NIN WAR JUSTIZMINISTER DER REGIERUNG, DIE ALLE DIESE KONTERREVOLUTIONÄREN MASSNAHMEN ERGRIFF. 7) Im Januar 1937 schrieb Nin an den Exekutivkomitee der PSOE und schlug die Teilnahme der POUM an den Vereinigungskonferenzen der PSOE und des PCE vor. Nur wenige Tage später begann die stalinistische Repression gegen die POUM-Anhänger in Madrid. 8) Im Mai 1937 ordnete er telefonisch an, die in Gracia von POUM-Militanten und CNT-Militanten gebildete Kolonne aufzulösen, deren Ziel es war, das von den Konterrevolutionären beherrschte Stadtzentrum einzunehmen. 9) Im Mai 1937 lehnte er den von Josep Rebull ausgearbeiteten Plan zur Machtübernahme ab, weil es sich dabei nicht um eine militärische, sondern um eine politische Frage handelte. 10) Nin betrachtete den Mai 1937 als einen Sieg der Arbeiter!

These Nr. 29

KRITIK DER POSITIONEN VON BILAN:

Bilan war das französischsprachige Organ der italienischen Fraktion der Kommunistischen Linken (Bordigisten), in den 1930er Jahren besser bekannt als Gruppe Prometeo (das italienischsprachige Organ der Fraktion). Bilan wurde von verschiedenen linken Organisationen als das Nonplusultra der revolutionären Positionen in den 1930er Jahren verehrt. Die Fraktion hat mit einer brillanten und makellosen Analyse negiert, dass 1936 in Spanien eine proletarische Revolution gesiegt hätte. Aber sie hat hinzugefügt, dass es ohne die (bordigistische) Klassenpartei nicht mal die Möglichkeit einer REVOLUTIONÄREN SITUATION geben könnte (und das scheint uns ein schwerer Fehler mit wichtigen Konsequenzen zu sein). Nach Ansicht der Fraktion sah sich das Proletariat in einen antifaschistischen Krieg hineingezogen, d. h. es war in einen imperialistischen Krieg zwischen einer demokratischen Bourgeoisie und einer faschistischen Bourgeoisie verwickelt. Es gab keinen anderen Weg als Desertion, Boykott oder das Warten auf bessere Zeiten, in denen die (Bordigisten) aus ihrem Versteck auf die Bühne der Geschichte treten würde.

Die Analysen von Bilan haben den Vorteil, dass sie die Schwächen und Gefahren der revolutionären Situation nach dem Sieg des Arbeiteraufstands im Juli 1936 deutlich aufzeigen, aber sie sind nicht in der Lage, eine revolutionäre Alternative zu formulieren. Auf jeden Fall war der revolutionäre Defätismus, das spanische Proletariat den reformistischen oder konterrevolutionären Organisationen zu überlassen, wie er von der Fraktion IN DER PRAXIS vertreten wurde, auch keine revolutionäre Alternative. Die Inkohärenz von Bilan zeigt sich in der Analyse der Tage im Mai 1937. Es stellt sich heraus, dass diese „Revolution” vom 19. Juli 1936, die eine Woche später schon keine mehr war, weil die Klassenziele durch Kriegsziele ersetzt worden waren, nun wie ein neuer Guadiana der Geschichte wieder als ein Geist auftaucht, von dem niemand wusste, wo er sich versteckt hielt. Und jetzt stellt sich heraus, dass die Arbeiter im Mai 1937 wieder „revolutionär” sind und ihre Revolution mit Barrikaden verteidigen. Hatten wir nicht vereinbart, dass es laut Bilan keine Revolution gab? Die Fraktion bringt alles durcheinander. Am 19. Juli (laut Bilan) gibt es eine Revolution, aber eine Woche später gibt es sie nicht mehr, weil es keine (bordigistische) Partei gibt; im Mai 1937 gibt es eine neue revolutionäre Woche. Aber was war vom 26. Juli 1936 bis zum 3. Mai 1937 los? Das erfahren wir nicht. Die Revolution wird als eine Guadiana betrachtet, die auf der historischen Bühne auftaucht, wenn es Bilan passt, um Ereignisse zu erklären, die weder verstanden noch erklärt werden können. Die Revolution wird als eine Reihe von wöchentlichen Explosionen betrachtet, die durch zehn Monate einer unerklärlichen und ungeklärten Schwebe voneinander getrennt sind. Und diese revolutionären Explosionen, sowohl die vom Juli 1936 als auch die vom Mai 1937, sind für die These der Fraktion über die Nichtexistenz einer revolutionären Situation so unbequem, dass sie uns zu der Feststellung führen, dass sie die Merkmale und die Natur eines proletarischen revolutionären Prozesses überhaupt nicht versteht.

Bilan erkennt einerseits den Klassencharakter der Kämpfe vom Juli 1936 und Mai 1937 an, negiert aber andererseits nicht nur ihren revolutionären Charakter, sondern auch die Existenz einer revolutionären Situation. Diese Sichtweise lässt sich nur durch die Entfernung einer völlig isolierten Pariser Gruppe erklären, die die Abstraktion ihrer Analysen über die Untersuchung der spanischen Realität stellt. In Bilan findet sich kein Wort über die wahre Natur der Komitees, über den Kampf des Proletariats von Barcelona für die Sozialisierung und gegen die Kollektivierung, noch über die Debatten und Auseinandersetzungen innerhalb der Kolonnen wegen der Militarisierung der Milizen, noch eine ernsthafte Kritik an den Positionen der Gruppe Los Amigos de Durruti, aus dem einfachen Grund, dass sie die Existenz und die tatsächliche Bedeutung all dessen praktisch nicht kannten. Es war einfach, diese Unwissenheit zu rechtfertigen, indem man die Existenz einer revolutionären Situation leugnete. Die Analyse der Fraktion scheitert an der Annahme, dass das Fehlen einer revolutionären Partei (bordigistische) zwangsläufig das Fehlen einer revolutionären Situation impliziert.

Am 19. Juli 1936 kam es in ganz Spanien, vor allem aber in Katalonien, zum Sieg eines erfolgreichen Arbeiteraufstands. Dieser hauptsächlich libertäre Aufstand wurde von anderen politischen Gruppen wie der POUM und den Republikanern sowie von einigen Ordnungskräften wie den Guardias de Asalto und der Guardia Civil unterstützt, die der Regierung der Generalitat und der Republik treu blieben. Aber das Ergebnis dieses Aufstands war, dass dank des Sturms auf die Kaserne von San Andrés das Proletariat von Barcelona und damit ganz Katalonien bewaffnet wurde. Die unbestrittene hegemoniale Kraft, die aus diesem revolutionären Aufstand hervorging, war anarchistisch. Die übrigen Arbeiterkräfte, die Generalitat und die überforderten Ordnungskräfte waren in Katalonien absolut in der Minderheit.

Das Ergebnis dieses revolutionären Aufstands war das Zentralkomitee der Antifaschistischen Milizen (CCMA) . Aber das CCMA war das Ergebnis dieses Sieges und auch der Weigerung der Anarchisten, die Macht zu übernehmen. Das CCMA war kein Organ der Arbeitermacht, um sich der Macht der republikanischen Bourgeoisie, also der Generalitat, entgegenzustellen, sondern eine Organisation der Kollaboration der Anarchisten mit den übrigen politischen Kräften, sowohl den Arbeiter- als auch den bourgeoisen: Es war also ein Organ der Klassenkollaboration. In der Praxis übernahm die CCMA die Aufgaben der öffentlichen Ordnung und der Bildung antifaschistischer Milizen, zu denen die Regierung der Generalidad nicht in der Lage war. Die CCMA fungierte als eine Art Innen- und Kriegsministerium DER GENERALIDAD. Mit aller gewünschten Autonomie und Unabhängigkeit, aber als Ministerium der Generalidad.

Weder die CCMA noch die CNT-FAI oder die POUM haben bis zum 28. Juli irgendwelche Anweisungen (außer dem für das Ende des Generalstreiks) oder Orientierungen oder Befehle gegeben, in dem die CNT und die CCMA eine gemeinsame Erklärung und ein Dekret herausgaben, in denen sie mit harter Repression gegen „die Unkontrollierten” drohten, die nicht mit der Akkreditierung der CCMA handelten. Der Aufstand vom 19. Juli dehnte die Enteignung der Bourgeoisie und den Kollektivierungsprozess auf die meisten katalanischen Unternehmen aus, OHNE JEGLICHE ANWEISUNGEN DER ARBEITERORGANISATIONEN, OHNE JEGLICHE BEFEHLE ODER VERFÜGUNGEN DER CCMA. Aber man muss die Merkmale dieser revolutionären Situation genau und klar benennen: Anstatt von einer Doppelherrschaft (die es nicht gab, da sich die CCMA nicht gegen die Generalitat stellte, sondern sich in deren Dienst stellte) sollten wir eher von einem Vakuum der zentralisierten Macht sprechen. Die Macht der autonomen Regierung der Generalitat war in Hunderte von Komitees aufgesplittert, die auf lokaler und betrieblicher Ebene die ganze Macht hatten und die meisten von der Arbeiterklasse kontrolliert wurden. Aber diese Komitees, unvollständig und mangelhaft, waren untereinander nicht koordiniert und wurden nicht als Organe der Arbeitermacht gestärkt. Und die CNT-FAI war weder in der Lage noch willens, diese Komitees zu koordinieren, was für den Sieg der Revolution UNERLÄSSLICH war.

Die eigene Organisation der CNT in Sindicatos únicos, die Schwäche aufgrund der kürzlich erfolgten Illegalität und die Trentista-Spaltung aber vor allem ihre erheblichen theoretischen Unzulänglichkeiten machten es der CNT unmöglich, diese Komitees zu koordinieren, die auf lokaler und betrieblicher Ebene die ganze Macht in ihren Händen hatten. Sogar die Organisation des ökonomischen Lebens in Katalonien und die unverzichtbare Koordination der verschiedenen ökonomischen Sektoren wurden der Regierung der Generalidad überlassen, für die am 11. August 1936 der Wirtschaftsrat gegründet wurde. Man lebte in einer instabilen und vorübergehenden revolutionären Situation, die die faschistische Bourgeoisie besiegt und die republikanische Bourgeoisie überwältigt hatte, aber auch die Arbeiterorganisationen selbst überwältigt hatte, die unfähig waren, die „revolutionären Eroberungen” vom Juli zu organisieren und zu verteidigen, unfähig, das Zünglein an der Waage zum endgültigen Sieg der Revolution zu verschieben, indem sie die Macht ergriffen, die Errichtung einer Diktatur des Proletariats und die Zerstörung des republikanischen Staatsapparats zu erreichen, einfach weil die anarchosyndikalistische Theorie und Organisation der Organisation dieses revolutionären Proletariats fremd und unbekannt war. Und die Spontaneität der Massen hat ihre Grenzen. Die Unfähigkeit der Gewerkschaften/Syndikate der CNT, die Revolution zu festigen und voranzutreiben, wurde von den Protagonisten selbst anerkannt. Die CNT als gewerkschaftliche/syndikalistische Organisation war ungeeignet und unfähig, die Aufgaben zu erfüllen, die einer Avantgarde oder einer revolutionären Partei zugekommen wären, und dasselbe galt auch für die übrigen Organisationen der Arbeiterklasse. Aus diesem Grund entwickelte sich die revolutionäre Situation, anstatt zu einer vollständigen Revolution zu führen, schnell zu einer konterrevolutionären Situation, die eine rasche Konsolidierung der Strukturen des bourgeoisen Staates begünstigte.

Die Macht im Juli 1936 nicht zu übernehmen bedeutete, sie in den Händen der Bourgeoisie zu belassen, und sie mit der Bourgeoisie im Rahmen des CCMA zu teilen bedeutete, der Bourgeoisie zu „helfen”, sich wieder zu erholen und das Machtvakuum zu füllen, das der Aufstand vom Juli 1936 hinterlassen hatte. Andererseits war der Kollektivierungsprozess weder machbar noch sinnvoll, wenn der kapitalistische Staat weiter bestand. Und das umso mehr, wenn man bedenkt, dass die Anarchisten sich an die Regierung der Generalitat wandten, damit diese die katalanische Ökonomie plante, die sie selbst nicht koordinieren konnten. Die Regierung der Generalitat hatte seit August 1936 nichts Geringeres als die ökonomische Planung, die Finanzierung der Unternehmen, die Möglichkeit, jedes einzelne Unternehmen durch einen von der Generalitat ernannten Kontrolleur zu überwachen, und die Befugnis, Gesetze zur Kollektivierung zu erlassen. Das war die Grundlage für die schnelle Zurückgewinnung der politischen Macht durch die Generalitat. Wenn wir dazu noch sagen, dass die Guardia Civil und die Guardia de Asalto nicht aufgelöst, sondern nur in der Nachhut, weit weg von der Front, stationiert worden waren, können wir ganz klar sagen, dass die Konterrevolution in Katalonien auf sehr soliden Grundlagen stand, was die schnelle Wiederherstellung des kapitalistischen Staates in all seinen Funktionen erklärt.

Es gibt aber einen wichtigen Unterschied zwischen der Aussage, dass der Aufstand vom Juli 1936 keine Revolution war und nicht einmal eine revolutionäre Situation darstellte (wie es Bilan tut), und der Aussage, dass die revolutionäre Situation im Juli aufgrund einer Reihe von Unzulänglichkeiten, Unfähigkeiten und Fehlern der bestehenden Arbeiterorganisationen scheiterte. Im Juli 1936 gab es eine revolutionäre Situation, die die Hegemonie der Arbeiterklasse und ihre revolutionäre Bedrohung für die republikanische Bourgeoisie zehn Monate lang aufrechterhielt, obwohl es keine ZENTRALISIERUNG DER MACHT der Arbeiter gab, weil diese Macht auf Hunderte von lokalen Komitees, Betriebskomitees, verschiedene Arbeiterorganisationen und Milizen verschiedener Parteien, Kontrollpatrouillen usw. aufgesplittert war.

Im Juli 1936 wussten die Arbeitermassen, wie sie ohne Anführer und ohne Parolen ihrer Gewerkschaften/Syndikate und politischen Organisationen handeln mussten; aber im Mai 1937 waren diese Massen nicht in der Lage, gegen ihre Anführer und gegen die Parolen ihrer Gewerkschaften/Syndikate und politischen Organisationen zu handeln.

Der Mai 1937 kam nicht aus heiterem Himmel, sondern war das Ergebnis der Verteuerung und Verknappung von Lebensmitteln und Grundnahrungsmitteln, des Widerstands gegen die Auflösung der Kontrollpatrouillen und die Militarisierung der Milizen und vor allem der Offensive/des Widerstands der Arbeiter in den Unternehmen, eines nach dem anderen, völlig isoliert, um den Sozialisierungsprozess der katalanischen Ökonomie zu vertiefen und zu kontrollieren, angesichts der Auflösung der „Eroberungen des Juli”. Denn die „normalisierende” Offensive der Generalitat, die die von Tarradellas im Januar 1937 verabschiedeten Dekrete von S’Agaró umsetzen wollte, bedeutete das Ende der „revolutionären Eroberungen” und die absolute Kontrolle der katalanischen Ökonomie durch die Regierung der Generalitat.

Die Lehren, die daraus zu ziehen sind, sind offensichtlich die Notwendigkeit, den kapitalistischen Staat in seiner Totalität (Gesamtheit) zu zerstören, und die Auflösung seiner Repressionsorgane sowie die Errichtung der sozialen Diktatur des Proletariats, die die in der Vereinigung Los Amigos de Durruti organisierten Anarchisten mit der Bildung einer Revolutionsjunta identifizierten, die sich aus allen Organisationen zusammensetzte, die an den revolutionären Kämpfen vom Juli 1936 beteiligt waren. Der Mai 1937 war die Folge der Fehler, die im Juli 1936 gemacht wurden.

In Spanien gab es keine revolutionäre Partei, aber es gab eine starke und mächtige REVOLUTIONÄRE AKTIVITÄT der Arbeiterklasse, die den faschistischen Putsch zum Scheitern brachte, die alle im Juli 1936 existierenden Arbeiterorganisationen übertraf und die sich im Mai 1937 dem Stalinismus entgegenstellte, obwohl sie letztendlich scheiterte, weil sie es nicht schaffte, sich gegen ihre eigenen gewerkschaftlichen/syndikalistischen und politischen Organisationen (CNT und POUM) zu stellen, als diese ebenfalls den bourgeoisen Staat und das Programm der Konterrevolution verteidigten. Dass die revolutionäre Bewegung, die zwischen Juli 1936 und Mai 1937 in Spanien existierte, scheiterte und von ihren Klassenzielen zu antifaschistischen Zielen abgelenkt wurde, ändert nichts an der Existenz dieser revolutionären Situation. Keine proletarische Revolution hat bisher gesiegt, und das Scheitern der Kommune oder der Stalinismus leugnen nicht den revolutionären Charakter der Kommune oder des Oktober.

Es ist klar, dass der spanische Kollektivierungsprozess ohne die Machtübernahme durch das Proletariat nur scheitern konnte und dass alle Kollektive durch diese fehlende Machtübernahme beeinflusst und verfälscht wurden; aber es ist genauso klar, dass die Enteignung der Bourgeoisie, mit all ihren Einschränkungen, das Ergebnis der proletarischen revolutionären Bewegung vom Juli war. Die grundlegende Lehre aus der „Spanischen Revolution” (oder genauer gesagt aus der spanischen revolutionären Situation) ist die unumgängliche Notwendigkeit einer Avantgarde, die das revolutionäre Programm des Proletariats verteidigt, dessen erste beiden Schritte die vollständige Zerstörung des kapitalistischen Staates und die Errichtung einer Revolutionsjunta sind, wie es Los Amigos de Durruti formulierten (oder eine Diktatur des Proletariats, in der Terminologie von Marx), die in Arbeiterräten organisiert ist und die Macht vereinheitlicht und zentralisiert. Aber von dort aus zu behaupten, dass es ohne Partei keine Revolution und keine revolutionäre Situation gibt (wie Bilan behauptete), bedeutet, nicht zu verstehen, dass die Revolution nicht von der Partei, sondern vom Proletariat gemacht wird, auch wenn eine proletarische Revolution unweigerlich scheitern wird, wenn es keine Organisation gibt, die in der Lage ist, das revolutionäre Programm des Proletariats zu verteidigen (wie es die Los Amigos de Durruti oder die Sección Bolchevique-Leninista de España erfolglos versucht haben).

Bilan hat den Karren vor das Pferd gespannt. Es ist schon tragikomisch, wie die Leute, die behaupten, „die Partei“ zu sein, die revolutionäre Situation nicht erkennen, die sich direkt vor ihren Augen abspielt. Die Analyse von Bilan ist sehr wertvoll, weil sie die Schwächen und Fehler des spanischen revolutionären Prozesses aufzeigt; aber sie ist auch bedauerlich und peinlich, weil sie zu der absurden Schlussfolgerung führt, den revolutionären und proletarischen Charakter des historischen Prozesses zu leugnen, den die spanische Arbeiterklasse zwischen Juli 1936 und Mai 1937 durchlebte. Die Negation der Existenz einer revolutionären Situation durch Bilan ist das Ergebnis seiner leninistischen und totalitären Auffassung, die die Ersetzung der Klasse durch die Partei als notwendig und unvermeidlich ansieht: Wenn es keine Partei gibt, gibt es keine Möglichkeiten und keine revolutionäre Situation, unabhängig von der revolutionären Aktivität des Proletariats. Die Konsequenzen dieser Negation der Existenz einer revolutionären Situation in Katalonien in den Jahren 1936-1937 führten dazu, dass Bilan (nur auf theoretischer Ebene) reaktionäre politische Positionen verteidigte, wie den Bruch der militärischen Fronten, die Verbrüderung mit den Truppen Francos, den Boykott der Bewaffnung der republikanischen Truppen usw. Nicht umsonst kam es bei Bilan, oder besser gesagt bei der italienischen Fraktion der Kommunistischen Linken, zu einer Spaltung anlässlich der offenen Debatte über das Wesen und die Merkmale der spanischen Revolution.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Es ist wahr, dass ohne Partei oder revolutionäre Avantgarde eine proletarische Revolution scheitern wird; dafür gibt es das spanische Beispiel und die großartige Analyse von Bilan. Aber es stimmt nicht, dass es keine proletarische revolutionäre Situation geben kann, wenn es keine revolutionäre Partei gibt. Und diese Behauptung hat Bilan zu einer falschen Analyse der Situation am 19. Juli 1936 in Katalonien geführt, sowie zu einem Unverständnis der Ereignisse, die das Proletariat im Mai 1937 zu einem zweiten revolutionären Aufstand gebracht haben.

These Nr. 30

Es gibt einige gemeinsame revolutionäre politische Positionen, die es ermöglichen, in Spanien von 1936 bis 1939 die revolutionären Gruppen von den reformistischen, Bourgeoisen oder konterrevolutionären Gruppen zu unterscheiden. Diese Positionen, die auch eine Klassengrenze darstellen, basieren auf der nicht nur theoretischen, sondern vor allem aktiven und politischen Verteidigung der folgenden Punkte:

1. Sie verteidigen die Notwendigkeit der Zerstörung des kapitalistischen Staates.

2. Sie stehen der politischen Kollaboration mit bourgeoisen Parteien und Organisationen ablehnend gegenüber.

3. Sie verteidigen die Errichtung einer sozialen Diktatur des Proletariats, auch wenn sie andere Begriffe dafür verwenden: revolutionäre Junta, aufständisches Komitee, Arbeiterräte. Diese bewaffnete Diktatur der revolutionären Arbeiter über die Bourgeoisie ist unerlässlich, um die konterrevolutionären Bestrebungen zu zerschlagen.

Sie sind sich sehr wohl bewusst, dass es sich nicht um die Diktatur einer Partei über das Proletariat handelt, wie in Russland, oder um das ausdrückliche Ziel der leninistischen und stalinistischen Parteien, die sich auf der anderen Seite der Barrikade befinden.

Es geht nicht so sehr darum, die Macht des bourgeoisen Staates zu übernehmen, sondern vielmehr darum, den Staat zu zerstören und gleichzeitig eine nichtstaatliche Arbeitermacht zu etablieren, die in der Lage ist, sich der Konterrevolution zu widersetzen. Wie Balius sagte: „Eine Revolution ist totalitär oder sie wird besiegt.“

1. Sie sind gegen die Militarisierung der Volksmilizen und die Auflösung der lokalen und Nachbarschaftskomitees.

2. Sie verteidigen die zukünftigen Organe der Arbeitermacht, die sie oft mit den Komitees gleichsetzen.

3. Sie negieren die Gültigkeit oder jegliche Zukunft der Kollektivierungen ohne die politische Eroberung der Macht durch die Arbeiterklasse oder, noch radikaler, sind gegen die Kollektivierung und für die Sozialisierung.

Dieser gemeinsame Nenner, der während des Spanischen Bürgerkriegs die revolutionären Gruppen von den nicht-revolutionären Gruppen unterschied, wird mit mehr oder weniger Nachdruck in einigen Punkten und mit mehr oder weniger theoretischer Klarheit von Balius und der Gruppe Los Amigos de Durruti, von Josep Rebull und der Célula 72 der POUM, von Munis und der Sección Bolchevique-Leninista de España, von Fosco und der Grupo Bolchevique-Leninista “Le Soviet” sowie von den (bordigistischen) Militanten der italienischen Fraktion der Kommunistischen Linken, die sich aufgrund der internen Debatte über das Wesen der Revolution und des Spanischen Bürgerkriegs abgespalten hatte.

Die theoretischen und praktischen Unterschiede zwischen diesen verschiedenen revolutionären Gruppen sind erheblich und resultieren aus den Schwächen der damaligen revolutionären Bewegung. Ihre gründliche Untersuchung, frei von ideologischen Vorurteilen, die sich darauf beschränkt, sie als Anarchisten, Trotzkisten, Bordigisten oder Marxisten zu bezeichnen und/oder zu mumifizieren, sowie die Kritik ihrer Fehler und der Mängel ihrer Positionen ist heute ebenso notwendig wie die Beseitigung ihrer Unkenntnis, denn es gibt keine Bewegung mit Zukunftsperspektive, die ihre Vergangenheit nicht kennt, geschweige denn eine revolutionäre Bewegung.

These Nr. 31

Im Juli 1936 ging es nicht in erster Linie um die Machtübernahme (durch eine kleine Gruppe anarchistischer Anführer), sondern darum, die Zerstörung des Staates durch die Komitees zu koordinieren, voranzutreiben und zu vertiefen. Die revolutionären Komitees der Stadtviertel (und einige der lokalen Komitees) machten oder ließen die Revolution nicht einfach nur geschehen: Sie waren die soziale Revolution.

Die Rolle der CNT als Gewerkschaft/Syndikat hätte vielleicht vorübergehend auf die Verwaltung der Ökonomie reduziert werden sollen, aber sie hätte sich der neuen Organisation, die aus den Nachbarschafts-, Orts-, Fabrik-, Versorgungs- und Verteidigungskomitees usw. hervorgegangen war, unterordnen und in sie auflösen müssen. Die massive Einbindung der Arbeiter, von denen viele bis dahin nicht in der organisierten Welt vertreten waren, schuf eine neue Realität. Und die Realität, die die Revolution geschaffen hatte, war anders als die vor dem 19. Juli. Die alten Organisationen und politischen Parteien waren praktisch aus der neuen sozialen Realität raus. Der revolutionäre Organismus der revolutionären Komitees, der sich auf allen Ebenen verbreitete, hätte das gesamte revolutionäre Proletariat vertreten sollen, ohne die absurden Spaltungen durch Abkürzungen (Akronyme), die vor dem Aufstand im Juli Sinn ergaben, danach aber nicht mehr.

Die CNT-FAI hätte die Triebkraft der neuen revolutionären Organisation sein sollen, die die Komitees koordiniert und im Laufe des revolutionären Gärungsprozesses selbst verschwindet (gleichzeitig mit der Auflösung der übrigen Organisationen und Parteien).

Nach dem erfolgreichen Aufstand der Arbeiter und der Niederlage der Armee sowie der Kasernierung der Ordnungskräfte war die Zerstörung des Staates keine futuristische abstrakte Utopie mehr.

Die Zerstörung des Staates durch die revolutionären Komitees war eine ganz konkrete und reale Aufgabe, bei der diese Komitees alle Aufgaben übernahmen, die der Staat vor Juli 1936 ausgeübt hatte.

These Nr. 32

Welche Lehren lassen sich aus dem Bürgerkrieg ziehen?

a.- Der kapitalistische Staat muss sowohl in seiner faschistischen als auch in seiner demokratischen Form zerstört werden. Das Proletariat kann keinen Pakt mit der republikanischen (oder demokratischen) Bourgeoisie schließen, um die faschistische Bourgeoisie zu besiegen, denn ein solcher Pakt würde bereits die Niederlage der revolutionären Alternative und den Verzicht auf das revolutionäre Programm des Proletariats (und seine eigenen Kampfmethoden) bedeuten, um das Programm der antifaschistischen Einheit mit der demokratischen Bourgeoisie zu übernehmen, mit dem Ziel, den Krieg gegen den Faschismus zu gewinnen.

b.- Das revolutionäre Programm des Proletariats umfasst die Internationalisierung der Revolution, die Vergesellschaftung der Ökonomie, die Schaffung einer soliden Grundlage für die Abschaffung des Werts und der Lohnarbeit auf weltweiter Ebene, die Führung des Krieges und der Arbeitermilizen durch das Proletariat, die Organisation der Gesellschaft in Räten und Vollversammlungen und die Repression der Bourgeoisie und der Kleinbourgeoisie durch das Proletariat, um die sichere bewaffnete Antwort der Konterrevolution zu zerschlagen. Die wichtigste theoretische Eroberung der Amigos de Durruti bekräftigte den totalitären Charakter der proletarischen Revolution. Totalitär, das heißt umfassend, weil sie in allen Bereichen stattfinden muss: sozial, ökonomisch, politisch, kulturell … und in allen Ländern, über alle nationalen Grenzen hinweg, und sie war außerdem repressiv, weil sie dem Klassenfeind militärisch gegenüberstand.

c.- Das Fehlen einer Organisation, Avantgarde oder Plattform, die in der Lage war, das historische Programm des Proletariats zu verteidigen, war entscheidend, weil es allen Arbeiterorganisationen ermöglichte und sie dazu veranlasste, das bourgeoise Programm der antifaschistischen Einheit (Heilige Union der Arbeiterklasse mit der demokratischen und republikanischen Bourgeoisie) zu übernehmen, mit dem einzigen Ziel, den Krieg gegen den Faschismus zu gewinnen. Die revolutionären Avantgarden, die entstanden, taten dies zu spät und schlecht und wurden in ihrem kaum skizzierten Versuch, eine revolutionäre Alternative zu präsentieren, die in der Lage war, mit der bourgeoisen Option zwischen Faschismus und Antifaschismus zu brechen, zerschlagen.

d. – Der Stalinismus war eine konterrevolutionäre Option, die den Staatskapitalismus verteidigte und die Diktatur der stalinistischen Partei über das Proletariat befürwortete. Der Staatsanarchismus der libertären oberen Komitees war eine konterrevolutionäre Option, weil er einen Gewerkschaftskapitalismus verteidigte und die Stärkung des Staatsapparats, die antifaschistische Einheit und das einzige Ziel, den Krieg zu gewinnen, befürwortete, wobei er auf die Revolution verzichtete.

e.- Die revolutionären Komitees der Stadtviertel in Barcelona und verschiedene lokale Komitees im restlichen Katalonien waren die potenziellen Machtorgane der Arbeiterklasse. Sie befürworteten die Vergesellschaftung der Ökonomie und lehnten die Militarisierung der Milizen und die Zusammenarbeit mit der Regierung und den antifaschistischen Parteien ab. Sie waren bewaffnet und bildeten die Armee der Revolution. Ihre größte Einschränkung war, dass sie sich nicht außerhalb des konföderalen Apparats organisieren und koordinieren konnten. Die oberen Komitees haben die revolutionären Komitees politisch und organisatorisch erstickt, die zu ihren schlimmsten Feinden und zum größten Hindernis für ihre lang ersehnte und notwendige Integration in den Apparat des bourgeoisen Staates wurden, was das Endziel ihres Institutionalisierungsprozesses war.

Die revolutionären Komitees machten oder machten nicht die Revolution: Sie waren die soziale Revolution, weil ihre bloße Existenz und die Erfüllung aller Aufgaben und Funktionen, die der Staat vor Juli 1936 wahrgenommen hatte, sie zu wirksamen Protagonisten der Zerstörung des Staates machte.

f.- Während des Bürgerkriegs hat das politische Projekt des Staatsanarchismus, als antifaschistische Partei konstituiert, mit Methoden der Klassenkollaboration und Regierungsbeteiligung, bürokratisch organisiert und mit dem Hauptziel, den Krieg gegen den Faschismus zu gewinnen, in allen Bereichen kläglich versagt; aber die soziale Bewegung des revolutionären Anarchismus, organisiert in revolutionären Komitees auf Nachbarschafts- und lokaler Ebene, in Arbeiterkontroll- und Verteidigungskomitees usw., bildete den Keim einer Arbeitermacht, die ein Maß an ökonomischer Verwaltung, revolutionären Volksinitiativen und proletarischer Autonomie erreichte, das noch heute eine Zukunft erhellt und ankündigt, die sich radikal von der kapitalistischen Barbarei, dem faschistischen Horror oder der stalinistischen Sklaverei unterscheidet.

Und obwohl dieser revolutionäre Anarchismus schließlich der koordinierten und komplizenhaften Repression durch den Staat, die Stalinisten und die oberen Komitees zum Opfer fiel, hinterließ er uns das Beispiel und den Kampf einiger Minderheiten wie Los Amigos de Durruti, die JJLL und bestimmte anarchistische Gruppen der Federación Local de Barcelona, die es uns heute ermöglichen, ihre Erfahrungen zu theoretisieren, aus ihren Fehlern zu lernen und ihren Kampf und ihre Geschichte zu würdigen.

g.- Das Bewusstsein kommt vom (gesellschaftlichen) Sein. Ohne eine Theorie über die historischen Erfahrungen des Proletariats gäbe es keine revolutionäre Theorie und keinen theoretischen Fortschritt, und auf jeden Fall wäre sie viel ärmer, unvollständiger und unwirksamer. Eine kollektive, anonyme, klassenbewusste, solidarische, straßennahe, volksnahe, lebendige, tiefgründige, pluralistische, internationale und internationalistische Theorie, die nur als reifes Ergebnis eines historischen Prozesses der Vorbereitung auf die Teilnahme an den kommenden Schlachten des Klassenkampfs erreicht werden kann.


Veröffentlicht als Anhang zum Buch: Correspondencia entre Abel Paz y García Oliver (Descontrol, 2016)

Zusammengestellt in einer Broschüre von: https://materialesxlaemancipacion.espivblogs.net/


1A.d.Ü., an dieser Stelle muss erwähnt werden dass wir mit einigen Gefährtinnen und Gefährten hierzulande, wie aus dem spanischsprachigen Raum über das spanische Wort cuadro(s) diskutiert haben. Dieser Begriff trägt viele Bedeutungen, von einem Bild (Gemälde, Darstellung), Rahmen, Bilderrahmen, also fast alles was quadratisch ist, aber auch Holz gestellt worden ist, über einen Fahrradrahmen, einer militärischen Formation (auch im Begriff escuadra, escuadrón, … zu finden), aber auch Kader. Die anarchistische Bewegung hat die Figur der Kader immer kritisiert, sowie die Finanzierung vom Leben „engagierter“ Anarchistinnen und Anarchisten. Wenn auch in plattformistschen und especifista Kreisen der Begriff gelockert wird, ist die anarchistische Bewegung gegen Berufsrevolutionäre (und ähnliches) sowie deren Spitze die Kader (sprich die Avantgarde), als getrennte und spezialisierte Figuren.

Wenn die anarchistische Bewegung im spanischen Staat, aber diesen Begriff verwendete, dann nicht im leninistischen Sinne, wie oben schon kritisierte, sondern als um jene Anarchistinnen und Anarchisten zu bezeichnen die außerordentlichen engagiert waren und voller Hingabe sich dem revolutionären Kampf gewidmet haben. Absolut keine Führungspositionen.

2A.d.Ü., in anderen Texten haben wir den Begriff „Revolutionskomitee“ verwendet, ist dasselbe.

3A.d.Ü., die Corporación General de Trabajadores, Unión de Sindicatos Libres, im allgemeinem Sindicatos Libres, war eine Gewerkschaft/Syndikat die von Carlisten (monachistische Strömung) gegründet wurde und den Interessen der, vor allem, katalanischen Bourgeoisie, Unternehmern diente. Sie sprengten nicht nur Streiks gewalltätig auf, sondern ermordeten gezielt auch Anarchisten wie Salvador Segui. Gegen diese bewaffnete sich die anarchistische Bewegung ebenso und führte zu einem regelrechten

4A.d.Ü., als Pistoleros del Libre werden die Auftragsmörder (Pistolero ist Schütze oder Revolverheld) der Sindicatos Libres bezeichnet.

5A.d.Ü., ab dem Moment konnten sie ihre Aktivitäten nur aus der Klandestinität führen.

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