Quelle: Chuang, die Übersetzung ist von uns
Einleitung der Soligruppe für Gefangene
Wir wurden von Freunden auf dieses Interview aufmerksam gemacht, welches auf der Seite des Chuang Kollektivs, von denen wir bereits Texte übersetzt haben, zu finden ist und haben beschlossen es zu übersetzen. Bei diesem Interview wird ein Filmemacher interviewt, der einen Dokumentarfilm über die sogenannten Smarts, eine proletarische Subkultur unter Wanderarbeitern in der Volksrepublik China, die aus den ärmsten Teilen der Volksrepublik stammen, die aber von sich erzählen, als eine ausgebeutete Klasse, gedreht hat. Diese Subkultur definiert sich hauptsächlich über ästhetische Besonderheiten wie auffällige Frisuren und Kleidung, für uns persönlich steht diese aber nicht im Mittelpunkt, auch wenn sie natürlich nicht ignoriert werden kann. Was uns an der Doku sowie auch am Interview am meisten interessiert, ist das jene, die nie zu Wort kommen von ihrer Realität und ihrem Alltag sprechen. Was in einer klaren und direkten Sprache geschildert wird, ist die krude Realität des Fließbands, der Entfremdung (in seiner dreifachen Form: in der Lohnarbeit, zu sich selbst und gesellschaftlich), der rigiden Disziplinierung und Kontrolle in den Werkhallen. Kein Akademiker auf der Welt wird jemals so genau die Ausbeutung des Proletariats beschreiben wie es dieser selbst machen wird. Niemand arbeitet gerne in einer Fabrik, außer jenen, die sie romantisieren und nie drinnen waren und nie drinnen sein werden, außer als Gewerkschaftsvertreter oder als so ein Dulli von Anti-Diskriminierungs-Workshops. Alle anderen wollen die Fabriken niederreißen, wir wissen das aus eigener Erfahrung. Gezeigt wird in einem Harum Farocki Stil monotone und sich ewig wiederholende Arbeitsabläufe am Fließband, unterlegt mit den Schilderungen der Realität der Protagonisten des Films. Eine Realität geprägt von Armut und Einsamkeit, von dem Korsett der Monotonie der Lohnarbeit nach einem 12- bis 16-Stundentag, sechs bis sieben Tage die Woche, wo die meisten nur geistlos auf den Beginn der nächsten Schicht warten, während die Jugendlichen mit einer gewissen Disziplinierung brechen mit den extrovertierten, nicht-konformen Frisuren und Auftreten. Ein durchaus sehr sozialer Moment, weil sie gemeinsam so banal es auch sein mag über das Hier und Jetzt reden, da sie verstanden haben, dass die Zukunft ihnen nichts garantiert, denn sie sind eine Jugend ohne Zukunft, dass es sich nicht lohnt Träume zu haben, man könnte sagen, es handelt sich hier um einen universellen Ausdruck der Ablehnung gegenüber Lohnarbeit. Weiterlesen →