Gefunden auf der Seite von Grupo Germinal, die Übersetzung ist von uns. Dieser Text der schon einige Jahr alt ist und eine Kritik und – wenn auch kurze – Analyse macht die die damalige (auch heute noch) Situation im Spanischen Staat beschreibt, ist erschreckend identisch zu die Situation in der BRD wenn man anstatt PP, von der CDU, anstatt PSOE, von der SPD, anstatt von Podemos, von der PdL, anstatt Vox, der der AfD, sprechen würde.
Die (radikale) Linke des Kapitals in der BRD stellt den alt bewahrten falschen Antagonismus zwischen Demokratie versus Faschismus auf, sie will den hiesigen kapitalistischen Standort vor der AfD ‚retten‘. Es soll revolutionär klingen, ist aber nicht anderes als eine weitere Leiche im Maul. Kritisiert werden nicht die Sachzwänge die jeder (radikalen) Linken des Kapitals genauso vorliegen, wie dem sogenannten Antagonismus (der keiner ist), den sie vermeintlich bekämpfen. Podemos hat dies in Spanien schnell verstanden als es darum ging die Souveränität und den kapitalistischen Standort (Nation-Staat) zu schützen und befehligte auf Proletarier an der Grenze zu Marokko zu schießen, die diese illegal überqueren wollten. Nirgendwo ist es anders, dass sind die Sachzwänge jedes Staates, als Verwaltungsapparate der kapitalistischen Ordnung.
Kampf dem Kapitalismus bedeutet gegen jeden Staat-Nation (ob links oder rechts) zu kämpfen, egal ob diese sich als sozialistisch, oder sogar als libertär bezeichnen (wie im Falle vom Staat namens Rojava)
Faschismus und Antifaschismus
Agustín Guillamón
8. Juni 2022
(…) für einen Revolutionär, insbesondere wenn er Anarchist ist, nicht darum geht, für die Verteidigung der bourgeoisen Demokratie gegen den Faschismus zu kämpfen, sondern gegen den kapitalistischen Staat, sei er demokratisch oder faschistisch. Dominique Attruia. Vom revolutionären Kampf zur antifaschistischen Union sacrée.1
Die Medien sind die Stimme ihres Herrn und des Großkapitals, das sie finanziert. Die diskreditierten, verlogenen und korrupten Sozialisten und Volksvertreter der Einheitspartei PP-PSOE brauchen das faschistische Schreckgespenst verzweifelt, um auf der politischen Bühne zu bleiben – und das auch noch so, als wären sie unterschiedliche Optionen.
Demokratische Rechte und Freiheiten stehen im Widerspruch zur Verteidigung der Kapitalinteressen durch den Staat. Dieser Widerspruch führt dazu, dass die Bourgeoisie ihre eigene demokratische Ideologie aufgibt, und entlarvt den repressiven Charakter des Staates, der die Klasseninteressen der Bourgeoisie mit ALLEN MITTELN verteidigen muss – auch mit solchen, die die Abschaffung demokratischer Rechte und Freiheiten bedeuten.
Demokratie und Faschismus stehen nicht im Widerspruch zueinander, sondern ergänzen sich – sei es abwechselnd oder im Einklang. Podemos und ihr Vorschlag für ein antifaschistisches Bündnis ergänzen sich mit dem Faschismus von Vox: Es geht darum, das Proletariat vor die Wahl zwischen Faschismus und Antifaschismus zu stellen und so jeden antikapitalistischen Weg zu versperren.
Podemos ruft dazu auf, die kapitalistische Demokratie zu verteidigen, und schürt dabei das faschistische Schreckgespenst von Vox: Achtung, der Wolf kommt! Lasst uns dieses korrupte und ausbeuterische System verteidigen, denn der Faschismus wäre noch schlimmer!
Die politische Spaltung der Bourgeoisie angesichts der ständigen Bedrohung durch das Proletariat – in ihren beiden Ausprägungen als Faschismus (die rechtsextreme Vox, aber auch die PP und Ciudadanos) und der parlamentarischen Demokratie (PSOE, Podemos und Nationalisten) läuft in einer gemeinsamen Strategie der Bourgeoisie zusammen, zur Verteidigung ihrer historischen Klasseninteressen.
Die Aufgabe der Sozialdemokratie (PSOE und Podemos) ist es, die Kämpfe des Proletariats von ihrem revolutionären und antikapitalistischen Ziel abzulenken und sie auf die Verteidigung der bourgeoisen Demokratie auszurichten. Man muss den Altar der heiligen antifaschistischen Einheit vorbereiten, um alle „notwendigen“ ökonomischen Opfer zu bringen – einschließlich der demokratischen Freiheiten und des Lebensstandards der Arbeiter.
Vox hat kein Programm, denn die hundert Punkte ihres angeblichen politischen Projekts lassen sich nur als Freibrief für den ungezügelten Kapitalismus und die Versklavung des Proletariats bezeichnen. Der Franquismus als Lösung. Der Faschismus ist weder ein Produkt der reaktionären Schichten der Bourgeoisie noch das Ergebnis einer feudalen Gesellschaft, sondern im Gegenteil das Produkt eines fortgeschrittenen Kapitalismus, der angesichts der sich abzeichnenden galoppierenden ökonomischen Krise in die Offensive geht.
Es gibt eine wesentliche Kontinuität zwischen Demokratie und Faschismus, genauso wie es im 19. Jahrhundert eine grundlegende Kontinuität zwischen Liberalismus und Demokratie gab. Die Methoden der Sozialdemokraten und der Faschisten wechseln sich nicht ab in der Regierung, sondern neigen dazu, miteinander zu verschmelzen. Podemos und Vox sind zwei verschiedene Stimmen, die dieselben Interessen verteidigen: die des großen Finanzkapitals und der multinationalen Konzerne.
Podemos und andere fordern uns auf, den aktuellen wilden, korrupten und überholten Kapitalismus freudig zu akzeptieren, um uns vor dem Faschismus zu retten.
Faschismus und Demokratie waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts lediglich zwei verschiedene Regierungsformen des Kapitalismus. Doch heute ist der Kapitalismus ein veraltetes System, das uns nur Elend, Zerstörung, Krieg, Schrecken und Tod bieten kann. Zum ersten Mal in der Geschichte besteht die Gefahr, dass die Menschheit und jegliches Leben auf dem Planeten durch die unkontrollierte und exzessive Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch einen wilden und selbstzerstörerischen Kapitalismus ausgelöscht werden.
Die Alternative ist nicht Faschismus oder Antifaschismus, denn beide verteidigen das kapitalistische System, während sie uns mit einer vorgetäuschten Konfrontation täuschen.
Vor achtzig Jahren waren Faschismus und Demokratie zwei unterschiedliche Regierungsformen des kapitalistischen Staates; vor vierzig Jahren waren sie zwei alternative Formen, die die Staaten je nach dem bestehenden Kräfteverhältnis anwandten; heute sind sie verschmolzen und unterscheiden sich kaum noch voneinander – sie sind lediglich verschiedene Ausprägungen derselben Regierungsmethode, der rücksichtslosen Ausbeutung der Natur und des allgemeinen Angriffs auf die Lebensbedingungen des Proletariats.
Die Globalisierung verändert die Spielregeln ein wenig. Es entsteht eine neue Unternehmensklasse (weniger als ein Prozent der Bevölkerung), die die multinationalen Konzerne leitet und sich durch internationalen Charakter, Wirkungsbereich, Lebensweise, Gewohnheiten und Interessen auszeichnet – im Gegensatz zur national geprägten Unternehmerklasse. Diese Konfrontation führt zu neuen Phänomenen wie dem Brexit oder der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung.
Unter den Proletariern nehmen Arbeitslosigkeit und Prekarität bis zum Äußersten zu, und es entstehen neue, schonungslose Phänomene wie der arme Arbeiter mit Hungerlöhnen und in elendem Zustand. Dieser neuen Unternehmensklasse fehlt jegliche geografische Verankerung, und sie steht sozialen, ökologischen oder arbeitsrechtlichen Fragen völlig gleichgültig und fern gegenüber. Demokratische Regierungen werden zu Geiseln dieser neuen Unternehmensklasse, die sie nicht mehr so kontrollieren können, wie es bei nationalen oder regionalen Unternehmen noch möglich ist.
So verbirgt der formale Schein der westlichen Demokratien die tyrannische Steuerung der internationalen Ökonomie durch diese elitäre Minderheit der Unternehmensklasse, die unabhängig von den schwachen Nationalstaaten agiert und alles den Gewinnen und Interessen der großen multinationalen Konzerne unterwirft und unterordnet – Konzerne, die weder Steuern zahlen noch geltendes Recht einhalten, die grenzenlos und maßlos die Umwelt verschmutzen oder damit drohen, sich anderswo niederzulassen.
Wir werden die Theorie verfeinern, bereinigen und schärfen, denn die Kämpfe von morgen sind von gigantischem Ausmaß und es geht um unsere Existenz. Im Kapitalismus gibt es keine Zukunft.
Weder Russland noch die NATO, weder Faschismus noch Antifaschismus, nur der Klassenkrieg.
1A.d.Ü., der Text kann hier vollständig gelesen werden: Vom revolutionären Kampf zur antifaschistischen Union sacrée, Dominique Attruia, Januar und Februar 1938.