Ein Jahr Spendenaktion und praktische Solidarität

Gefunden auf antimilitarismus, die Übersetzung ist von uns.


Ein Jahr Spendenaktion und praktische Solidarität

Im Februar 2025 startete die Antimilitaristische Initiative (AMI) eine öffentliche Spendenaktion für Deserteure und Kriegsflüchtlinge. Ein Jahr nach Bekanntgabe der Spendenaktion führen wir eine Reflexion ihrer Wirkung und des größeren Kontexts durch.

Zunächst möchten wir anmerken, dass unsere Gruppe hauptsächlich aus Menschen besteht, die der Welt der sozialen Medien nicht besonders zugeneigt sind, was von Anfang an als ein Faktor angesehen wurde, der dazu beitragen würde, dass die Kampagne nicht so bekannt wird und weniger Spenden gesammelt werden. Soziale Medien sind überall um uns herum zum dominierenden Mittel der Kommunikation und Organisation geworden, aber wie es unsere Art ist, schwimmen wir gegen den Strom, auch wenn das mit gewissen Schwierigkeiten verbunden ist. Uns ist klar, dass der Preis für die „Effizienz“ der sozialen Medien zu hoch ist, als dass wir ihn „bezahlen“ wollen. Wir legen weitaus mehr Wert auf Sicherheit, Privatsphäre, direkte Kommunikation und Kontinuität als auf Geschwindigkeit, Quantität und Bequemlichkeit. Obwohl wir nach heutigen Maßstäben ein ineffizientes Fundraising-Modell verwendet haben, ist es uns dennoch gelungen, etwa 83.000 CZK (3.320 Euro) zu sammeln. Menschen aus Städten wie Athen, Brünn, Rom, Wien, Thessaloniki, Graz, Prag, Bologna, Bukarest, Bratislava, Köln, Budapest, Toulouse usw. haben zu der Spendenaktion beigetragen.

Wenn wir den gesammelten Betrag mit den Summen vergleichen, die täglich die Kriegsmaschinerie antreiben, mag das ganze Unterfangen wie ein Misserfolg erscheinen. Aber unsere Maßstäbe sind andere. Die Grundlage für den Erfolg ist nicht die Höhe der Geldsumme in der Kasse, sondern vor allem die Tatsache, dass der Prozess der Werbung und Koordination der Sammlung selbst Teil der Selbstorganisation von Arbeiterinnen und Arbeitern in verschiedenen europäischen Regionen geworden ist. Unser Ziel war es von Anfang an, dass die Kampagne interaktiv ist und nicht ein Modell nachahmt, bei dem eine Gruppe aktiv organisiert, während eine andere passiv Geld spendet – und damit ist es für sie erledigt. Während des gesamten Spendenprozesses legten wir großen Wert darauf, Informationen untereinander auszutauschen und diese sowohl zur praktischen Hilfe für die vom Krieg Betroffenen als auch zur Stärkung der Infrastruktur des Widerstands gegen den Krieg zu nutzen. Und obwohl wir immer noch eine Minderheit sind, haben wir das Gefühl, dass wir die Isolation und Zersplitterung durchbrochen haben, die uns zuvor zurückgehalten hat. Wir befinden uns nicht in einer Zeit, in der unsere Aktivitäten die Form einer Massenbewegung annehmen, aber wir glauben, dass die durch die Spendenkampagne geförderte Vernetzung ein sehr praktisches Werkzeug für die Zukunft des Klassenkampfs der Arbeiterklasse ist.

Der Großteil der Mittel wurde bisher für fünf Bereiche verwendet:

  • 1) Deckung von Reisekosten und Transport von Hilfsgütern
  • 2) Bereitstellung von Unterkünften für Menschen, die aus dem Kriegsgebiet geflohen sind
  • 3) Bereitstellung von Lebensmitteln und Grundbedarfsgütern
  • 4) Medienarbeit und Verbreitung praktischer Informationen über die Situation von Deserteuren und Möglichkeiten, sie zu unterstützen
  • 5) Anschaffung von Ausrüstung für den sicheren Informationsaustausch, die Kommunikation und die Koordination von Solidaritätsaktionen

Natürlich kann nicht offen gesagt werden, wo genau das Geld verwendet wurde oder wird. Im Gegensatz zu denen, die den Krieg finanzieren, sind wir im Nachteil, da unsere Aktivitäten immer kriminalisiert, bestraft und verfolgt werden. Alle Kriegsdienstverweigerer, Deserteure, Saboteure und diejenigen, die ihnen helfen, werden vom Staat als Feinde abgestempelt. Im Krieg darf man legal Maschinen des Massenmords finanzieren, aber die Hilfe zur Rettung derer, die sich weigern, den Krieg fortzusetzen, oder ihn sabotieren, wird als strafbarer Akt des Verrats eingestuft. Um uns selbst und diejenigen, denen wir helfen, zu schützen, müssen wir vorsichtig sein und können keine konkreten Details über unsere Aktivitäten preisgeben. Wir danken all unseren Freunden, die das verstehen, uns vertrauen und keinen Zweifel daran haben, dass wir die Spenden dort effektiv einsetzen werden, wo sie gebraucht werden. Die Spendenaktion für Deserteure und Kriegsflüchtlinge läuft noch. Wir danken allen, die bereits gespendet haben, sowie denen, die dies in Zukunft tun werden.

Anti-Militaristische Initiative (AMI), Februar 2026

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