(Ecuador) Über den revolutionären Defätismus und den proletarischen Internationalismus im aktuellen Russland-Ukraine/NATO-Krieg

Gefunden auf proletarios revolucionarios, die Übersetzung ist von uns

(Ecuador) Über den revolutionären Defätismus und den proletarischen Internationalismus im aktuellen Russland-Ukraine/NATO-Krieg

6. März 2022

Internationaler proletarischer Klassenkampf gegen internationale imperialistische Völkerzerfleischung heißt das sozialistische Gebot der Stunde.
Der Hauptfeind jedes Volkes steht in seinem eigenen Land! […]
Ein Ende dem Völkermord!
Proletarier aller Länder, folgt dem heroischen Beispiel eurer italienischen Brüder! Vereinigt euch zum internationalen Klassenkampf gegen die Verschwörungen der Geheimdiplomatie, gegen den Imperialismus, gegen den Krieg, für einen
Frieden im sozialistischen Geist.“
−Karl Liebknecht (Mai 1915) Der Hauptfeind steht im eigenen Land!1

Einleitung

Gleich zu Anfang und um das Terrain auf dem die Ereignisse und dieser Artikel einzuordnen zu können, muss zunächst die Frage beantwortet werden, warum Russland in die Ukraine einmarschiert. Um seine geopolitisch strategische Position, seine natürlichen Ressourcen, seine industriell-kommerzielle Infrastruktur und seine kollektiven Arbeitskräfte zu nutzen. Um seinen Markt und seine Macht als dekadente imperialistische Macht auf der Ebene des Weltkapitalismus zu erweitern, mit den USA/NATO als Hauptgegner und China als Hauptverbündetem (ja, Russland ist kapitalistisch und imperialistisch… von der Zeit der UdSSR bis heute), um seine krisengeschüttelte Ökonomie wiederzubeleben oder seine sinkende Profitrate durch die Kriegsindustrie zu kompensieren, indem es die Arbeiter ausbeutet oder ihnen an der Produktionsfront den Mehrwert entzieht und an der Militärfront die überzähligen Proletarier mörderisch entsorgt. Die Aufteilung der Welt während eines imperialistischen Krieges ist im Grunde die Aufteilung des Weltmehrwerts zwischen den nationalen und regionalen Bourgeoisien – in diesem Fall der eurasischen und der westlichen – durch die Ausbeutung und das Massaker an der Weltarbeiterklasse (obwohl andererseits jeder Krieg sehr kostspielig ist und nicht lange aufrechterhalten werden kann). Und vor allem, um neue Revolten und Aufstände der Ausgebeuteten und Unterdrückten in den von ihr beherrschten Gebieten zu verhindern: zusammen mit der repressiven staatlichen Verwaltung der Gesundheitskrise ist dieser Krieg ein Schlüsselelement der laufenden präventiven Konterrevolution, insbesondere nach der Weltrevolution von 2019. Kurz gesagt: Es gibt keinen Kapitalismus ohne Imperialismus, ohne Krise und ohne Krieg; und jeder imperialistische Krieg ist immer ein Krieg gegen das Proletariat.

Dies gesagt, können wir das obige Zitat des historischen Gefährten Liebknecht nun auf die aktuelle Weltsituation übertragen: Es bedeutet, dass der stärkste und effektivste Weg, den imperialistischen Krieg zwischen Russland und der Ukraine/NATO „von unten“ zu bekämpfen und zu besiegen, der Kampf der Proletarier der russischen Region gegen die russische Bourgeoisie selbst und der Kampf der Proletarier der ukrainischen Region gegen die ukrainische Bourgeoisie selbst ist. Wie ein Gefährte aus der mexikanischen Region sagt, „marschieren die Proletarier gegen Kiew und Moskau gleichermaßen“.

Dazu gehören in erster Linie die Proletarier in Uniform bzw. die Soldaten beider kriegführender Länder: Schluss mit dem Erschießen und Töten ihrer Klassenbrüder -geschwister „auf der anderen Seite“ der von der kapitalistischen Klasse auferlegten nationalen Grenze, nicht länger den Befehlen ihrer bourgeoisen Offiziere und Generäle gehorchen und stattdessen ihre Gewehre auf letztere richten, um ihr Leben zu verteidigen. Wenn wir das sagen, dann deshalb, weil es schon einmal zu solchen historischen Zeitpunkten (Weltkriege und Bürgerkriege) geschehen ist.

Mehr noch, es bedeutet, dass die Proletarier in Uniform beider Länder sich verbrüdern und vereinigen, die militärischen Reihen verlassen, die Waffen an die Proletarier ohne Uniform auf der Straße übergeben und gemeinsam an einer Welle von selbstorganisierten Protesten und Generalstreiks durch Arbeitervollversammlungen und Arbeiterräte teilnehmen, die die kapitalistischen Gesellschaftsverhältnisse an allen Fronten (von der Produktionsfront bis zur Militärfront) angreifen, lähmen und untergraben; das heißt, einen Aufstand zu machen, der auf diese Weise aus eigener Kraft zur Vergemeinschaftung des Lebens in diesen Territorien beiträgt.

In Anbetracht der jüngsten Aufstände, Streiks und Proteste in dieser Region des Planeten (z. B. Kasachstan in diesem Jahr, Donbass 2021, Belarus 2020, die Ukraine selbst 2014 usw.) haben die bourgeoisen Machthaber sowohl in Russland als auch in der Ukraine im Grunde genommen Angst davor, und deshalb führen sie Krieg.

Oder, falls dies nicht möglich ist, Massendemonstrationen gegen den Krieg und die Einberufung zum Krieg, wie sie in beiden Ländern bereits stattfinden und unterdrückt werden. Ebenso wie die internationalistischen Klassensolidaritätsdemonstrationen, die ebenfalls gegen diesen Krieg stattfinden.

Wie dem auch sei, all dies ist in der Praxis das, was als revolutionärer Defätismus bekannt ist, der die historische und unveränderliche Position der internationalistischen Kommunisten und Anarchisten angesichts des imperialistischen Krieges ist, als Produkt der harten Erfahrung von Millionen von Proletariern in den beiden Weltkriegen.

Revolutionärer Defätismus gegen und jenseits allen Nationalismus und Militarismus. Theorie und Praxis

Warum Defätismus? Weil er für die Niederlage der beiden kriegführenden Nationalstaaten ist. Warum revolutionär? Weil er für die internationale proletarische Revolution ist. Also, weder Russland noch die Ukraine/NATO: revolutionärer Defätismus.

Das ist es, was die Losung „weder Krieg zwischen den Völkern noch Frieden zwischen den Klassen“ jetzt konkret bedeutet. Auch wenn es im gegenwärtigen historischen Kontext komplexer ist als in dem historischen Kontext, in dem es formuliert wurde, bedeutet es auch, „den imperialistischen Krieg in einen Klassenkrieg zu verwandeln“… die sozialen Klassen abzuschaffen: dialektisch gesprochen, kann es nur auf diese Weise, durch die unvermeidliche revolutionäre Gewalt gegen die kapitalistische Gewalt und ihren Komplizen, dem Pazifismus der Staatsbürger, einen wirklichen Frieden zwischen den Menschen geben, sobald die gewalttätige Klassengesellschaft abgeschafft und die wirkliche menschliche Gemeinschaft weltweit errichtet ist. Das ist der Frieden, den wir Sozialisten, Kommunisten oder revolutionäre Anarchisten anstreben.

Widersprüchlich? Ja, denn die Realität des Kapitalismus und des Klassenkampfes ist widersprüchlich. Widersprüche, die angenommen werden müssen, um sie auf revolutionäre Weise zu lösen oder zu überwinden, da die kapitalistische Entwicklung selbst und der Klassenkampf selbst die Elemente und Tendenzen für die Aufhebung der Klassengesellschaft und die Entstehung der wahren menschlichen Gemeinschaft hervorbringen. Elemente und Tendenzen, die die meiste Zeit der Geschichte im Verborgenen bleiben, die aber in außergewöhnlichen, aber entscheidenden revolutionären Situationen sichtbar werden.

Zunächst müssen wir die Schwäche anerkennen, in der sich unsere proletarische Klasse als echte autonome und antagonistische Bewegung gegen den kapitalistischen Staat in der ganzen Welt und somit auch in den russischen und ukrainischen Regionen befindet. Diese Schwäche macht es unvermeidlich, dass sich die Proletarier in Uniform in den oben genannten Regionen gegenseitig umbringen und dass die Proletarier ohne Uniform noch nicht über die wirkliche soziale Kraft verfügen, um den Krieg von innen heraus zu besiegen. Denn unter dem Einfluss der Droge des Nationalismus oder Patriotismus und vor allem aufgrund ihrer gegenwärtigen Schwäche als autonome und antagonistische Klasse unterstützen sie ihre jeweiligen nationalen Bourgeoisien, d.h. ihre Chefs und Klassenhenker.

Aber nicht wegen dieser vorübergehenden Situation gegen uns dürfen wir unsere grundlegenden Positionen gegen den imperialistischen Krieg, wie den revolutionären Defätismus und den proletarischen Internationalismus – Positionen, die wiederum das Produkt der historischen und internationalen Kampferfahrung unserer eigenen Klasse sind – zugunsten falscher Konkretisierungen und „taktischer“ Dringlichkeiten, die in Wirklichkeit nur unserem Klassenfeind, der internationalen Bourgeoisie, zugute kommen, aufgeben, geschweige denn verraten, selbst wenn sie sich als „Verbündete gegen Faschismus und Imperialismus“ tarnt.

Es müssen also mindestens zwei Dinge klar sein. Erstens, dass in dieser Art von widriger Situation solche revolutionären Positionen einen defensiven Charakter für die unmittelbaren Lebensbedingungen der Proletarier annehmen, d.h. für ihr eigenes Leben gegen die Todesmaschine, die der Krieg ist. Und zweitens, dass die Geschichte zeigt, dass die Angriffe und Kriege der kapitalistischen Klasse zu unerwarteten oder überraschenden Gegenangriffen der proletarischen Klasse führen können, die sogar in eine Revolution oder zumindest in einen Aufstand münden können. In beiden Fällen handelt es sich um Hunderttausende von Proletariern, die ihr Leben ohne Vermittler oder Bevollmächtigte jeglicher Art verteidigen und materiell umgestalten.

Mit anderen Worten: wie defensiv sie unter widrigen Umständen auch sein mögen, wenn der proletarische Internationalismus und der revolutionäre Defätismus nicht in autonome Aktionen der Klasse münden, die in der Lage sind, das reale Kräfteverhältnis zu verändern, dann sind sie nichts weiter als abstrakte und sogar wahnhafte Slogans (wie die eines gewissen karibischen Linken, der überall „proletarische Aufstände“ sieht und ständig „revolutionäre militärische Anweisungen“ erteilt).

Dies hängt jedoch nicht vom Willen oder gar der Aktivität revolutionärer Organisationen und Militanten ab, sondern von den gegenwärtigen materiellen Bedingungen der Ausbeutung, Spaltung, Desorganisation, Unterdrückung und kapitalistischen Entfremdung, in denen wir Proletarier uns als Klasse überall auf der Welt befinden. Daher können nur die Entfaltung der laufenden kapitalistischen Katastrophe selbst und der reale Klassenkampf das gegenwärtige Kräfteverhältnis verändern oder die objektiven und subjektiven Bedingungen für eine revolutionäre Situation schaffen … oder auch nicht.

Trotz alledem liegt es an den revolutionären Minderheiten des Proletariats, unsere grundlegenden Positionen gegen den Strom aufrechtzuerhalten und zu agitieren, wo und wie auch immer wir können, als lebendige Erinnerung und Bewusstsein, dass unsere unmittelbaren Bedürfnisse als Ausgebeutete und Unterdrückte im Grunde untrennbar mit unserem Bedürfnis nach sozialer Revolution als menschliche Spezies verbunden sind, nicht nur, um ein Leben zu führen, das diesen Namen verdient – im Gegensatz zum täglichen Krieg und lebendigen Tod, den wir im Kapitalismus haben -, sondern auch, um unsere Haut zu retten oder aufzuhören, so zu sterben, wie wir in dieser Epoche sterben. Ja, denn es geht um das Leben unserer Art und unseres Planeten. Dies gilt sowohl für die gegenwärtigen als auch für die künftigen Konflikte.

Daher sind internationalistische und revolutionäre defätistische Appelle gegen den Krieg sinnvoll und nützlich. Aber die direkten Aktionen der Proletarier in den russischen und ukrainischen Regionen gegen den Krieg sind noch sinnvoller und nützlicher.

Deshalb müssen wir auf Aktionen dieser Art und ihre Entwicklung seitens der Proletarier in beiden Ländern achten. Aktionen, die bereits stattfinden (Proteste gegen den Krieg) und wahrscheinlich stattfinden werden (Desertionen aus den Reihen der Militärs, Verbrüderung und gemeinsamer Kampf von Proletariern in und außerhalb der Uniform, usw.), nicht nur wegen der Agitation gegen den imperialistischen Krieg durch die kommunistischen und anarchistischen Minderheiten, die in diesen Regionen aktiv sind, sondern vor allem, um ihr Leben und das ihrer eigenen Leute zu retten, d.h. für ihre unmittelbaren materiellen Bedürfnisse, da der Krieg sie mit jedem Tag, der vergeht, gnadenlos massakriert (die Nachrichten und Bilder darüber sind der blanke Horror).

Als Revolutionäre aus anderen Ländern müssen wir wachsam sein und uns mit solchen Aktionen solidarisieren, wenn sie stattfinden, nicht nur indem wir sie übersetzen, verbreiten und sichtbar machen, sondern auch indem wir gegen die Bourgeoisien „unserer“ Länder kämpfen; das heißt, durch die Internationalisierung des proletarischen Kampfes gegen den imperialistischen Krieg, denn die Isolierung solcher Aktionen wird unweigerlich zu ihrer Niederlage führen, und weil die Bourgeoisien aller Länder immer für den einen oder anderen imperialistischen Block im Krieg Partei ergreifen, nicht nur durch öffentliche Erklärungen, sondern indem sie Soldaten aus ihren Ländern in dieses große Schlachthaus schicken, wie es in diesem Jahrhundert im Irak, in Syrien, in Haiti usw. geschehen ist. In diesem Fall müssten wir auch gegen die Unterstützung „unserer“ Staaten für diesen Krieg kämpfen, ihn anprangern, boykottieren und so weit wie möglich sabotieren. Dies würde in der Praxis proletarischen Internationalismus und revolutionären Defätismus in der gegenwärtigen Weltkonjunktur seitens der Antikapitalisten in anderen Ländern bedeuten.

Und wenn nicht auf dieser Seite, dann auf der Seite der weltweiten Inflation oder des kriegsbedingten Anstiegs der Rohstoffpreise, der sich unmittelbar und direkt auf die Taschen und Mägen der Proletarier überall auswirken wird. Daher gilt: „Wenn sie das Elend globalisieren, globalisieren wir den Widerstand“: Wenn sie den Hunger globalisieren, globalisieren wir den Protest. Nur der Kampf des internationalen Proletariats kann den internationalen imperialistischen Genozid besiegen.

Kurz gesagt: Es handelt sich um einen weltweiten Klassenkampf und nicht um einen Kampf der Nationen; daher besteht aus antikapitalistischer und internationalistischer Sicht der Schlüssel gegen die Barbarei der Kriege des Kapitalismus darin, überall und an allen Fronten Klassensolidarität zu praktizieren oder, mit anderen Worten, proletarische Kampfgemeinschaften in der Hitze des Gefechts gegen alle Staaten, Märkte, Vaterländer und andere falsche Gemeinschaften (nationale, ethnische, kulturelle, identitäre, politische, religiöse usw.) des Weltkapitals selbst zu konstituieren, nicht aus diesem Grund. ) des Weltkapitals, nicht wegen dieser oder jener linken oder ultralinken Ideologie, sondern aus konkreter Lebensnotwendigkeit heraus.

Der proletarische Internationalismus gegen und jenseits der falschen Antagonismen von Antifaschismus und Antiimperialismus. Theorie und Praxis

Demokratie und Faschismus sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich, entweder alternativ oder gemeinsam. […]
es geht darum, das Proletariat vor die Alternative Faschismus oder Antifaschismus zu stellen und damit jeden revolutionären und antikapitalistischen Weg zu abzuleiten. […]
Die Funktion der Sozialdemokratie … besteht darin, die Kämpfe des Proletariats von ihrem revolutionären und antikapitalistischen Ziel abzuleiten, um sie zur Verteidigung der bourgeoisen Demokratie zu führen. Es ist notwendig, den Altar der heiligen antifaschistischen [nationalen] Einheit vorzubereiten, um dann alle notwendigen Opfer zu bringen […].
Der Antifaschismus ist die schwerwiegendste Folge des Faschismus. Er ersetzt die revolutionäre ALTERNATIVE KAPITALISMUS/KOMMUNISMUS, durch die (immer bourgeoise) Option DEMOKRATIE/FASCHISMUS. […]
Sozialdemokraten, Reformisten, Populisten, Nationalisten aller
Vaterländer und Etatisten aller Couleur werden uns anflehen und verteidigen, unseren Kampf aufzugeben, dass wir unsere Kämpfe aufgeben, dass wir unsere Prinzipien aufgeben, dass wir unsere Forderungen vergessen, unsere Niederlage zu akzeptieren, bevor der Kampf beginnt. Und sie werden versuchen, sich an die Spitze jeder aufkommenden Bewegung zu setzen, um sie abzulenken, zu denaturalisieren und zu besiegen. […]
Die Alternative ist weder Faschismus noch Antifaschismus, denn beide verteidigen das kapitalistische System, während sie uns mit einer falschen Konfrontation täuschen.“

-Agustín Guillamón (Dezember 2018). Faschismus und Antifaschismus

Eine weitere Konsequenz des proletarischen Internationalismus in der Praxis besteht darin, sich nicht in den falschen Antagonismus „Demokratie gegen Faschismus“ zu verstricken, der wiederum Teil des falschen Antagonismus „antifaschistisches Russland gegen Yankee-Imperialismus“ ist und der der fortschrittlichen Bourgeoisie und der historischen Sozialdemokratie, d.h. der Linken des Kapitals, eigen ist. Ein falscher Antagonismus, den übrigens der kapitalistisch-imperialistische Bellizist Putin diskursiv manipuliert und mit dem die Stalinisten und sogar einige prorussische „Anarchisten“ gegen den „ukrainischen Nazi-Faschismus“ und den „Yankee-Imperialismus“ wettern, von den „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk (Donbass) bis zu den marxistisch-leninistischen und antifaschistischen Organisationen Chiles und Ecuadors.

Aber sie ist nicht der einzige internationale Machtblock, der dies tut. Wie in diesem Meme der verschiedenen Spiderman, die sich gegenseitig beschuldigen, beschuldigen die bourgeoise US-Presse und ihre internationalen Kumpane im Einklang mit den Separatisten-Populisten aus dem Donbass und einigen ukrainischen „Anarchisten“, wie die guten Demokraten, die sie sind, auch Putins Regime als „faschistisch“, bringen es mit Hitler in Verbindung und nennen ihn sogar „Putler“.

Kurz gesagt, sowohl der eine als auch der andere kapitalistisch-imperialistische Block, der sich derzeit im Krieg befindet, maßt sich an, „der Retter der Demokratie“ zu sein und beschuldigt den Gegner, ein „faschistisches Monster“ zu sein. Damit rechtfertigt er seine Kriegstreiberei und schwärmt von der Wiederholung der „glorreichen“ Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Genug, um zu erkennen, dass „Demokratie gegen Faschismus“ ein falscher Antagonismus oder vielmehr ein innerbourgeoiser und innerimperialistischer Krieg ist, in dem die Proletarier nichts als Kanonenfutter sind.

Warum ist es ein falscher Antagonismus – und war es schon immer? Denn Faschismus und Demokratie sind zwei Seiten der gleichen Medaille: des Kapitalismus. Einerseits ist die Demokratie als sozio-politisches System, das auf der Warenfreiheit und der Gleichheit zwischen Eigentümern und Staatsbürgern beruht, nur kapitalistisch und kann nur kapitalistisch sein (es als „Arbeiterdemokratie“, „sozialistische Demokratie“, „direkte Demokratie“ usw. zu bezeichnen, ist so, als würde man „jungfräuliche Oma“ oder „koffeinfreien Kaffee“ sagen), die kapitalistische Gesellschaft ist die verallgemeinerte Warengesellschaft und daher demokratisch. Außerdem verfolgt, unterdrückt, inhaftiert, foltert und ermordet der bourgeoise Staat in der Demokratie rebellierende Proletarier. Andererseits ist der Faschismus auch und kann nur kapitalistisch sein, weil er die autoritärste, brutalste und rücksichtsloseste historisch-politische Form der Verteidigung des Kapital-Staates ist oder wenn die Klassendiktatur der Bourgeoisie einfach ihre Maske abnimmt und sich als das zeigt, was sie wirklich ist.

Historisch gesehen hat die Bourgeoisie, als sie feststellte, dass die Demokratie nicht mehr funktionierte, um den Vormarsch des Proletariats zu bekämpfen, zum Faschismus gegriffen… und umgekehrt. Auch wenn sie sich in Form und Intensität der Gewalt, die der Staat der Reichen und Mächtigen gegen die Ausgebeuteten und Unterdrückten ausübt, unterscheiden, sind sie logischerweise im Kern dasselbe, oder, um es bildlich auszudrücken, Demokratie und Faschismus sind zwei Tentakel desselben Kraken: die soziale Diktatur des Kapitals über die proletarisierte Menschheit in der ganzen Welt. Deshalb sind Demokratie und Faschismus keine Gegensätze, sondern ergänzen sich, so wie links und rechts.

Es ist auch erwähnenswert, dass der Faschismus als spezifisches politisches Regime, das vom Industrie- und Bankenkapital finanziert wurde, nur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa existierte, während der Begriff heute, obwohl er als rechtsextreme Strömung des Kapitals international überlebt, von Linken überall, insbesondere von Antifaschisten, leichtfertig und sogar als politischer Fetisch verwendet wird. Die Linke des Kapitals wendet sich gegen den Faschismus und nicht gegen die Demokratie, weil sie letztere verteidigt, sie ist Demokratin; oder besser gesagt, weil sie sozialdemokratisch oder reformistisch ist, auch wenn sie sich „marxistisch“ (verschiedene/unterschiedliche Leninisten) oder „anarchistisch“ (liberale Anarchisten) nennt.

Im Gegenteil, wir Kommunisten und revolutionäre Anarchisten haben immer die Diktatur der Bourgeoisie, die sich Demokratie nennt, angeprangert und bekämpft (antikapitalistisch zu sein, bedeutet also, antidemokratisch zu sein), ebenso wie ihr anderes Gesicht, den Faschismus. Es ist immer klar, dass der Feind der Kapitalismus in all seinen Formen und Varianten ist, nicht der Faschismus. Wir bekämpfen kompromisslos sowohl Faschisten als auch Demokraten, denn beide sind Kapitalisten. Das ist der Grund, warum nur Sozialdemokraten jeglicher Couleur uns als „dem Faschismus in die Hände spielend“ beschimpfen oder uns Kommunisten und radikale Anarchisten offen als „Faschisten“ verleumden. Und gerade deshalb sind sie falsche Kritiker des Kapitalismus, die auch als solche angeprangert und bekämpft werden müssen.

Dasselbe gilt für den Antiimperialismus, der sich im Allgemeinen nur gegen den US-Imperialismus richtet – ihren politischen Fetisch – aber nicht gegen den Imperialismus anderer Mächte wie Russland oder China, dem sie sich schließlich unter dem Vorwand unterordnet, sie seien „sozialistisch“, was völlig falsch ist, weil sie kapitalistisch waren und sind. Ein weiterer falscher Antagonismus. Der Punkt ist, dass der Antiimperialismus als solcher nur gegen den US-Imperialismus, für die „nationale Befreiung“ und die „Selbstbestimmung der unterdrückten Völker“ der „Dritten Welt“ kämpft; das heißt, er kämpft für einen neuen kapitalistischen Nationalstaat mit einer „sozialistischen“ Maske, um das Proletariat im eigenen Land „unter besseren Bedingungen“ auszubeuten und zu beherrschen und um mit anderen ebenfalls kapitalistischen Nationalstaaten „unter besseren Bedingungen“ zu konkurrieren. Aus diesem Grund sind Antiimperialismus und nationaler Befreiungismus2 nicht nur reformistisch, sondern konterrevolutionär.

Im Gegenteil, revolutionäre Kommunisten und Anarchisten verstehen, dass der Imperialismus nicht die „höchste Stufe des Kapitalismus“ ist, sondern eines seiner inhärenten und permanenten Merkmale als welthistorisches System; dass jeder Nationalstaat imperialistisch ist, aber dass es Hierarchien oder verschiedene Ebenen der imperialistischen Macht unter den Staaten gibt; dass der imperialistische Krieg ein kriegerischer Wettbewerb zwischen kapitalistischen Staaten mit höherer imperialistischer Macht und vor allem ein Krieg der internationalen Bourgeoisie gegen das internationale Proletariat ist; dass der Feind nicht der Imperialismus, sondern der Weltkapitalismus ist; und dass die Position revolutionärer Kommunisten und Anarchisten angesichts aller imperialistischen Kriege nicht Antiimperialismus und „nationale Befreiung“, sondern revolutionärer Defätismus, proletarischer Internationalismus und soziale Weltrevolution ist.

Der Kampf „gegen den Faschismus“ und „für die Demokratie“ der einen oder anderen konkurrierenden imperialistischen Macht bzw. des einen oder anderen imperialistischen Blocks sowie der Kampf für „nationale Befreiung“ und „Selbstbestimmung der unterdrückten Völker“ ist daher nicht nur ein Kampf für „das kleinere Übel“, sondern in Wirklichkeit ein Kampf für die materiellen Interessen einer nationalen oder regionalen Bourgeoisie gegen eine andere (Akkumulation von mehr Territorium, natürlichen Ressourcen und arbeitenden Menschen, die ausgebeutet werden können, um mehr Kapital und Weltmacht anzuhäufen); und vor allem kämpft sie gegen das Proletariat, das kein Vaterland hat, ja, weil wir Proletarier kein Vaterland haben: Welcher Nationalstaat auch immer in diesem Krieg gewinnt, ob mit militärischen oder diplomatischen Mitteln, die Proletarier beider Länder werden weiterhin unterdrückt und ausgebeutet werden, wenn sie nicht die internationale soziale Revolution machen.

Kurz gesagt: der Krieg „Demokratie gegen Faschismus“ ist – und war schon immer – ein Schlüsselelement des imperialistischen Krieges und somit ein innerbourgeoiser Krieg, der militante Proletarier als Kanonenfutter benutzt, um die kapitalistischen Gesellschaftsverhältnisse in der ganzen Welt zu erhalten und weiterzuentwickeln, auch unter nicht-kapitalistischen oder „sozialistischen“ Vorzeichen. So war es im „Spanischen Bürgerkrieg“ und so ist es derzeit im russisch-ukrainischen Krieg: einmal mehr in der Geschichte zeigt der Antifaschismus seinen sozialdemokratischen, nationalistischen, militaristischen und konterrevolutionären Charakter/Natur.

Ganz im Gegenteil, während der proletarische Internationalismus langfristig und letztendlich bedeutet, für die kommunistische Weltrevolution zu kämpfen, bedeutet der proletarische Internationalismus in ungünstigen Situationen wie der gegenwärtigen, autonom oder direkt zu kämpfen, d.h. ohne Vermittler oder Vertreter, die materiellen Interessen unserer Klasse (Leben retten, Nahrung, Wohnung oder zumindest Obdach, Gesundheit – körperlich und geistig -, Bildung, wirklicher Frieden, wirkliche Freiheit) gegen und über jedes nationalstaatliche Interesse zu verteidigen, wie demokratisch und antifaschistisch es auch sein mag, wie es in diesem speziellen Fall die „Volksrepubliken“ Lugansk und Donezk sind.

Diese „Volksrepubliken“ werden in Wirklichkeit vom russischen Kapitalismus-Imperialismus durch bewaffnete separatistische Banden gesponsert und annektiert, an denen als Mitstreiter von ultrarechten oder nazistischen, eurasischen und nationalbolschewistischen Gruppen bis hin zu leider proletarischen Kombattanten mit antifaschistischer Ideologie teilnehmen. Wir sagen mitleidig, weil diese Klassenbrüder- geschwister, so sehr sie auch das Gegenteil glauben und sagen, in Wirklichkeit als Kanonenfutter für diesen innerbourgeoisen und innerimperialistischen Krieg enden. (Der gleiche Film mit anderen Akteuren spielt sich in Kurdistan ab, denn auch dieses Land ist Teil der imperialistischen Spinnennetze des heutigen weltgeschichtlichen Kapitalismus, unter der Mystifizierung des demokratischen und antiimperialistischen Antifaschismus).

Ein Krieg, der im Übrigen heute ein „hybrider Krieg“ ist, d.h. ein Krieg, in dem reguläre staatliche Armeen und irreguläre nichtstaatliche Armeen – wie diese polyklassistischen und populistischen Milizen, an denen sich die Antifaschisten beteiligen – sowie ökonomischer Druck (Sanktionen, Finanzspekulation usw.) und Informatik-, Medien- und psychologische Angriffe nicht nur gegen den anderen Staat, sondern auch gegen die unbewaffnete Zivilbevölkerung eingesetzt werden.

Der Gipfel dieser militaristischen Krankheit ist die Behauptung, die Tötung unbewaffneter Zivilisten sei ein „Kollateralschaden“ oder ein „notwendiges Opfer“ im „Volkskrieg gegen Faschismus und Imperialismus“. Dies wird nicht nur von den Militärs beider Armeen, sondern auch von einigen antifaschistischen Milizionären gepredigt, und zwar nicht nur jetzt, sondern schon seit der Zeit der UdSSR und des Zweiten Weltkriegs. Eine unheilige Konstante des kapitalistischen Nationalismus und Militarismus, unabhängig davon, ob er von rechts oder links kommt.

Zum Schluss. Einige revolutionäre Klarstellungen gegen und jenseits des linken Durcheinanders im Angesicht des Krieges

An dieser Stelle sollte man sich daran erinnern, warum Russland in die Ukraine einmarschiert? Ihre geopolitisch strategische Position, ihre natürlichen Ressourcen, ihre industriell-kommerzielle Infrastruktur und ihre kollektive Arbeitskraft zu nutzen. Um seinen Markt und seine Macht als dekadente imperialistische Macht auf der Ebene des Weltkapitalismus zu erweitern, mit den USA/NATO als Hauptgegner und China als Hauptverbündeten (ja, Russland ist kapitalistisch und imperialistisch… von der Zeit der UdSSR bis heute), um seine krisengeschüttelte Ökonomie wiederzubeleben oder seine sinkende Profitrate durch die Kriegsindustrie zu kompensieren, indem es die Arbeiter ausbeutet oder ihnen an der Produktionsfront den Mehrwert entzieht und an der Militärfront die überzähligen Proletarier mörderisch entsorgt. Die Aufteilung der Welt in einem imperialistischen Krieg ist im Grunde genommen die Aufteilung des Weltmehrwerts zwischen nationalen und regionalen Bourgeoisien – in diesem Fall zwischen der eurasischen und der westlichen – durch die Ausbeutung und das Massaker an der Weltarbeiterklasse (obwohl andererseits jeder Krieg sehr kostspielig ist und nicht lange aufrechterhalten werden kann). Und vor allem, um neue Revolten und Aufstände der Ausgebeuteten und Unterdrückten in den von ihr beherrschten Gebieten zu verhindern: zusammen mit der repressiven staatlichen Verwaltung der Gesundheitskrise ist dieser Krieg ein Schlüsselelement der laufenden präventiven Konterrevolution, insbesondere nach der Weltrevolution von 2019. Kurz gesagt: es gibt keinen Kapitalismus ohne Imperialismus, ohne Krise und ohne Krieg; und jeder imperialistische Krieg ist immer ein Krieg gegen das Proletariat.

Der ukrainische Staat seinerseits ist nicht „besser“, „weniger schlecht“, weder mehr noch weniger „faschistisch“ oder demokratisch als der russische Staat, da er sich nicht qualitativ, sondern nur quantitativ von letzterem unterscheidet, da er kleiner ist und über weniger imperialistische Macht verfügt, aber genauso bourgeois und antiproletarisch ist; und da die „nazifaschistischen“ Söldner, die sowohl von Putins Regime als auch von der NATO finanziert und bewaffnet werden, auf beiden Seiten der russisch-ukrainischen Grenze stehen. Das Gleiche gilt für die „Volksrepubliken“ oder die entstehenden bourgeoisen Ministaaten Donezk und Lugansk.

Sowohl der russische als auch der ukrainische bourgeoise Staat beuten die Proletarier der beiden von ihnen beherrschten Gebiete brutal aus und massakrieren sie, als wären sie Vieh, das sie nun zur Schlachtbank des Krieges treiben, um den „Frieden der Friedhöfe“ zu erzwingen. Die Verteidigung des einen oder anderen Staates in der Kriegskonkurrenz, selbst unter den Bannern des Antiimperialismus und Antifaschismus, bedeutet daher die Verteidigung ihrer Klassenhenker. Im Krieg haben die Proletarier nichts zu gewinnen: im Gegenteil, sie werden zu Tausenden sterben und ihr Blut wird nur das Weltkapital ernähren. „Der Hauptfeind ist im eigenen Land“ ist ein Klassenfeind, und diese Realität ist allen Nationen auf dem Planeten gemeinsam, denn der Kapitalismus ist ein Weltsystem und ein unpersönliches soziales Verhältnis, das die Proletarier überall Tag für Tag entfremdet, ausbeutet, unterdrückt und ermordet.

Also noch einmal: weder Russland noch Ukraine/NATO: proletarischer Internationalismus und revolutionärer Defätismus gegen den imperialistischen Krieg. Weder Faschismus noch Demokratie: proletarische Autonomie gegen jede Art von kapitalistischem Staat. Um den Krieg zu beenden, ist es notwendig, den Kapitalismus und die Klassengesellschaft zu beenden, indem man die kommunistische Weltrevolution macht, nicht den „antifaschistischen und antiimperialistischen Krieg“. Gegen alle falschen Gemeinschaften des Weltkapitals, Gemeinschaften des Kampfes, der gegenseitigen Hilfe und der Klassensolidarität überall. Auch wenn sie abstrakt und weit entfernt erscheinen mögen, handelt es sich aus all den oben genannten Gründen um konkrete und unmittelbare revolutionäre Klarstellungen in der gegenwärtigen Weltkonjunktur, da Kriege die realen sozialen Antagonismen vereinfachen und verdeutlichen. „Der Klassenkampf des internationalen Proletariats gegen den internationalen imperialistischen Genozid ist der sozialistische Auftrag der Stunde“.

Die Verwirrung, die derzeit in der Linken angesichts des Krieges in der Ukraine herrscht, ist unter anderem eine Folge des Mangels an solchen Klarheiten, nicht nur aufgrund einer mangelnden Ausbildung in revolutionärer Theorie oder als Folge einer linken ideologischen Deformation (leninistisch, antifaschistisch, anarchistisch-liberal und/oder postmodern), sondern vor allem aufgrund eines Mangels an Kampferfahrung in Situationen des Krieges und der Revolution oder, in Ermangelung dessen, des Aufstands. Und das liegt wiederum daran, dass die materiellen Bedingungen der kapitalistischen Entwicklung und des Klassenkampfes diese Situationen für solche linken Organisationen und Einzelpersonen noch nicht faktisch und lehrreich gemacht haben. Kurz gesagt, die linke Verwirrung angesichts dieses Krieges ist eine Folge und ein Symptom der gegenwärtigen konterrevolutionären historischen Periode.

Der Punkt ist, dass an solchen Punkten oder Ausnahme-Situationen das Abstrakte wieder konkret wird und die Klassenpositionen tatsächlich geklärt werden, die in dieser kapitalistischen und Klassengesellschaft nur zwei sind und sein können: auf der Seite der internationalen Bourgeoisie oder auf der Seite des internationalen Proletariats, auf der Seite des Kapitalismus oder auf der Seite des Kommunismus und der Anarchie, auf der Seite der Konterrevolution oder auf der Seite der Revolution. In dieser Hinsicht gibt und darf es keine Halbheiten oder Relativismus geben. So wie der Pazifismus der Staatsbürger zum Komplizen der kapitalistischen Kriegstreiberei wird, wird die postmoderne Verweigerung des Klassenkampfes zum Komplizen der bourgeoisen Klassenherrschaft und, in diesem Fall, des imperialistischen Krieges. Das Gleiche gilt für den Antiimperialismus (Russland und USA) und den Antifaschismus (Ukraine und Russland).

Das Problem ist, dass innerhalb dieser linken Verwirrung der falsche Antagonismus „Demokratie gegen Faschismus“, der wiederum Teil des falschen Antagonismus „antifaschistisches Russland gegen US-Imperialismus“ ist, für viele Proletarier aller Couleur effektiv als ideologisch-politische und emotionale Erpressung fungiert („wenn du die Ukraine unterstützt, bist du ein Fascho“, „wenn du Russland unterstützt, bist du ein Fascho“, „wenn du gegen beides bist, bist du ein intellektueller Purist… weder Fisch noch Fleisch“, usw.) für viele Proletarier überall, die den imperialistischen Krieg aus gesundem Menschenverstand oder Klasseninstinkt heraus ablehnen, aber ohne klare und feste revolutionäre Positionen wie den proletarischen Internationalismus und den revolutionären Defätismus. So enden diese Klassenbrüder und -geschwister als unkritische Nachplapperer der öffentlichen Meinung oder, im schlimmsten Fall, als Kanonenfutter in den Kriegslagern. Eine weitere Folge und ein Symptom der gegenwärtigen konterrevolutionären historischen Periode.

Schließlich ist der Krieg zwischen Russland und der Ukraine/NATO nicht der Dritte Weltkrieg als solcher, aber er ist wohl ein Vorspiel dazu oder, wie die deutsche bourgeoise Presse es ausdrückt, „der Beginn einer neuen und gefährlichen Epoche in der Weltpolitik“, in der „die Europäer zurückschlagen müssen, wenn sie darin überleben wollen“: vergessen wir nicht, dass Deutschland, Frankreich und Italien unter anderem Treibstoff von Russland kaufen, und dass Treibstoff das Lebenselixier der Ökonomie ist. Die USA und China, die beiden Supermächte der Welt, schauen ihrerseits zu, äußern ihre Meinung und betreiben Lobbyarbeit vom Fenster aus, damit sie, wenn sie an der Reihe sind, die Protagonisten einer neuen und größeren militärischen Konfrontation sein werden. Außerdem ist es nicht die einzige Region der Erde, in der Krieg herrscht: Syrien, Palästina, Jemen, Mosambik, Kamerun. Länder, in denen sich die USA und die NATO bekanntermaßen einmischen, die öffentliche Meinung aber wenig oder gar nichts dazu sagt. Und vor allem dürfen wir nicht vergessen, dass die USA in den letzten Jahren einen heftigen internen Klassenkampf bzw. einen sozialen Krieg im eigenen Land erlebt haben. Das gilt auch für China.

Der Punkt ist, dass es keinen Kapitalismus ohne Krieg gibt, erst recht nicht in Krisenzeiten, die einmal mehr den gewalttätigen und katastrophalen Charakter dieses Systems entlarven. Und dass im Rahmen der gegenwärtigen kapitalistischen Krise ein Dritter Weltkrieg möglich ist. Das wäre übrigens kein klassischer Krieg, sondern eine neue Art von Krieg: „hybrid“, fragmentiert, gestaffelt und, was am schlimmsten ist, nuklear und verheerend. Hinzu kommt die anhaltende globale ökologische Krise. Dadurch wird unsere Art ernsthaft vom Aussterben bedroht.

Aus diesen schwerwiegenden Gründen wären die Parolen, die den imperialistischen Krieg in einen Klassenkrieg und Kommunismus oder in die Auslöschung umwandeln, nicht mehr abstrakt, sondern konkret und dringend, um das Leben der proletarisierten Menschheit, die den Planeten Erde bewohnt, zu verteidigen und zu regenerieren.

Auch und vor allem, um zu sagen, dass die Positionen des proletarischen Internationalismus und des revolutionären Defätismus aufgrund des ungünstigen Kräfteverhältnisses für unsere Klasse in diesem Moment oder aufgrund ihrer Niederlage nach der Weltrevolution von 2019 bis heute nicht offensiv sein können, d.h. in der Lage, sich als wirkliche Alternative darzustellen und die proletarische Weltrevolution durchzuführen, sondern defensiv. Defensiv wovor? Nicht vor abstrakten Prinzipien, sondern vor dem Leben von Hunderttausenden von Proletariern in den Regionen, die sich im Krieg befinden, aus Fleisch und Blut. Das Leben muss von den Proletariern selbst verteidigt werden, ohne Vermittler oder Vertreter jeglicher Art.

Die zeitgenössische Geschichte des Klassenkampfes zeigt jedoch, dass der imperialistische Krieg ein Auslöser für die proletarische Weltrevolution sein kann und dass der imperialistische Krieg die einzige Kraft ist, die die proletarische Revolution besiegen kann. Die Peitschen der Konterrevolution können die Pferde der Revolution zum Steigen und zum Reiten bringen….

Der Kapitalismus produziert seinen eigenen Totengräber, weil die meisten Menschen nicht wie Vieh im Schlachthof des Krieges sterben wollen und weil es früher oder später dort, wo es Ausbeutung gibt, zu Konflikten und dort, wo es Elend gibt, zu Aufständen kommt, dort und überall.

Dabei handelt es sich offensichtlich um einen Prozess und nicht um ein Ereignis. Ein Prozess der ungleichen, widersprüchlichen, konfliktreichen und unsicheren Entwicklung. Nur die Entwicklung des wirklichen Klassenkampfes, dort, „wo es hart auf hart kommt“, und überall auf der Welt, hat das letzte Wort. Es liegt in der Natur des Krieges, dass er nicht lange andauern kann, bevor in den Konfliktländern soziale Unzufriedenheit und Revolte aufkeimen. Und die Globalisierung der Inflation und des Hungers, die der Krieg verursacht, wird auch den sozialen Protest dagegen globalisieren.

Was auch immer geschieht, wir müssen als revolutionäre Proletarier aller Länder wachsam und vorbereitet sein angesichts dieser allgemeinen Katastrophe und des beschleunigten Zerfalls des Kapitalismus, die uns im XXI. Jahrhundert ereilt haben. Auch der Klassenkampf ist und wird für diese revolutionäre Vorbereitung verantwortlich sein, wobei unsere besten Waffen wie immer die gegenseitige Hilfe und die Klassensolidarität sind und sein werden: mit einem Wort, die wirkliche Gemeinschaft. Obwohl, grob realistisch betrachtet, noch weitere Kriege, Katastrophen, Revolten und Aufstände folgen werden.

Immer im Bewusstsein, dass in einer Kriegssituation wie der gegenwärtigen der wirkliche Kampf ein Kampf der Klassen und nicht der Nationen ist, dass es also darum geht, autonom zu kämpfen, um unsere materiellen Klasseninteressen gegen und jenseits aller nationalen Interessen zu verteidigen; dass sowohl für die Offensive als auch für den proletarischen Widerstand der Schlüssel darin liegt, in der Hitze des Kampfes gegen alle Staaten, Märkte, Vaterländer und die anderen falschen Gemeinschaften des Weltkapitals selbst Kampfgemeinschaften zu bilden; dass es zur Beendigung des Krieges letztlich notwendig ist, den Kapitalismus und die Klassengesellschaft durch die soziale Weltrevolution zu beenden, und nicht den „Volkskrieg gegen Faschismus und Imperialismus, für die nationale Befreiung und die Selbstbestimmung der Völker“, da dies nur ein weiterer innerbourgeoiser und innerimperialistischer Krieg ist; und dass die soziale Revolution nicht darin besteht, „die Eisen in die Hand zu nehmen und alle Bourgeois, Bullen und Faschisten zu töten“, sondern in einem Prozess der Vergemeinschaftung des Lebens, der in der Zerstörung und Überwindung der kapitalistischen Gesellschaftsverhältnisse besteht (Privateigentum, Ware, Wert, Lohnarbeit, Arbeitsteilung, soziale Klassen, Staaten, Märkte, Nationen, „Rassen“, Geschlechter… ) vollständig und von Grund auf zu beseitigen und sie durch Beziehungen echter Solidarität und Freiheit zwischen den Menschen überall zu ersetzen. … ja, überall, denn die kommunistische und anarchistische Revolution wird weltweit sein oder sie wird nicht sein.

Internationalistische Proletarier der ecuadorianischen Region – Unos proletarios internacionalistas de la región ecuatoriana

Quito, 6. März 2022

 

*Wir danken Ihnen für das Lesen, die Diskussion, die Verbreitung und die Übersetzung dieses Dokuments.

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Andere antikapitalistische und internationalistische Analysen und Positionen zu diesem laufenden Krieg, die als aufrührerisch für die Ausarbeitung dieses Artikels dienten (abgesehen von den offiziellen und inoffiziellen Nachrichten darüber):

Auf deutsch:

Der Krieg der Zersetzung des russischen Kapitalismus − Pablo Jiménez

Der Krieg der Zersetzung des russischen Kapitalismus − Pablo Jiménez

(Tridni Valka) Proletarier in Russland und in der Ukraine! An der Produktionsfront und an der militärischen Front… Gefährten und Gefährtinnen!

DER HAUPTFEIND STEHT IM EIGENEN LAND! Esclavo Asalariado Internacionalista

(Grupo Barbaria) Der ökonomische Krieg, der Krieg, der schon ist

(Grupo Barbaria) Einige grundlegende Positionen des proletarischen Internationalismus

(Grupo Barbaria) Krieg in der Ukraine: Katz und Maus

(Grupo Barbaria) Ukraine, Russland und die Bedeutsamkeit/Tragweite von Fragen

(Russland) Der Krieg hat begonnen – KRAS-IAA

(Chile) Ukraine und Russland: Nazis gegen Faschismus? – Julio Cortés

Über die Nutzbarkeit (oder auch nicht) der internationalistischen Aufrufe gegen den Krieg

Auf Spanisch:

Ucrania: ¡Ni la OTAN ni Putin! ¡Ninguna guerra salvo la guerra de clases! − Tendencia Comunista Internacionalista 

Guerra en Ucrania: Rivalidad imperialista en una crisis económica mundial − Tendencia Comunista Internacionalista

La guerra capitalista es siempre contra el proletariado − Materiales Críticos 

El imperialismo ruso, en el choque con el imperialismo estadounidense y los imperialismos europeos, mueve sus tropas a la reconquista territorial de las áreas estratégicas de Ucrania: ¿después de Crimea, Donbass y luego Odessa? − Partido Comunista Internacionalista (El Proletario)

Comunicado ante la guerra de Ucrania − La Antorcha / Communia

¿Socialismo o Barbarie? Contra la guerra del capital, organización de la clase trabajadora − Editorial Ande

Guerra en Ucrania. Informe de telereunión del 1 de marzo de 2022 − n +1

Guerra híbrida en Ucrania. Informe de telereunión del 22 de febrero de 2022 − n +1

Declaración contra la guerra − Food Not Bombs Moscú

Contra el Militarismo y la Guerra. Por las Luchas Autogestionadas y la Revolución Social − Declaración Anarco-Comunista Internacional

Antifascismo y extrema derecha, compañeros de armas en el Donbass − Xavier Casals

Anarquistas” ucranianos apoyan la guerra interburguesa-interimperialista bajo la bandera del antifascismo − Proletarios Cabreados


Weiter Pamphlete, Kommuniqués und Gegeninformation über den Krieg in der Ukraine auf Panfletos Subversivos y Valladolor

1Karl Liebknecht, Der Hauptfeind steht im eigenen Land! (Mai 1915)

2A.d.Ü., Befreiung plus -ismus, verstanden als eine Ideologie.

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