Gefunden auf redes libertarias, Ariane war Protagonistin enorm wichtiger anarchistischer Erfahrung und Kämpfe in unserer jüngsten Vergangenheit. Sie schrieb mit Octavio Alberola das Buch „El anarquismo español y la acción revolucionaria (1961-1974)“ wo sie beide jene Epoche, die des anarchistischen bewaffneten Kampfes, aus der Sicht von jenen die daran teilnahmen, sehr genau beschreiben. Ein weiteres Projekt in unser jetzt schon langen Projektliste, dennoch ist die Textreihe zu dieser Zeit mit dem Schwerpunkt auf die „anarchistischen Maquis, Defensa Interior, Grupos Primero de Mayo“ schon fertig und wird in kürze veröffentlicht werden.
Menschen wie Ariane Gransac sind eine Inspiration!
Lang lebe die Anarchie!
Ariane Gransac ist verstorben – ein intensives, rebellisches und anarchistisches Leben

Veröffentlicht am 8. April 2026
Tomás Ibáñez
Ariane Gransac ist am vergangenen Sonntag, dem 5. April, im Alter von 84 Jahren in Perpignan verstorben; die Trauerfeier findet am 15. April im Krematorium dieser Stadt statt.
Anstatt mich von der Traurigkeit über ihren Tod überwältigen zu lassen, möchte ich lieber die Erinnerung an ihre jugendliche Fröhlichkeit bewahren, als ich sie vor etwa sechzig Jahren, so um das Jahr 1966, kennenlernte – nach ihrer mutigen Beteiligung an der denkwürdigen Entführung von Francos Botschafter beim Vatikan in Rom.
Ariane war die Tochter einer Führungskraft aus der Parfümindustrie und hätte sich darauf beschränken können, die Privilegien zu genießen, die eine komfortable ökonomische Lage mit sich bringt, aber das passte nicht zu ihrem rebellischen Wesen. Bald begann sie, in den anarchistischen Kreisen von Paris verkehrt, schloss sich der Gruppe Emile Henry der Anarchistischen Föderation an und besuchte als Liebhaberin der Malerei die libertär geprägten Kulturkreise.
Wenn sie sich durch etwas auszeichnete, dann zweifellos durch ihre starke Persönlichkeit, die aus einer Mischung aus scharfer Intelligenz und einer Neigung zu geistreicher, beißender Ironie bestand, die jeden aus der Fassung bringen konnte, aber keineswegs im Widerspruch zu ihrer großen Freundlichkeit und ihrer offen zur Schau getragenen Herzlichkeit stand. Ariane war ein echter Charakter, und darin lag ein Teil ihres Charmes.
Über 10 Jahre lang widmete sie sich mit Leib und Seele dem libertären antifranquistischen Kampf und beteiligte sich gemeinsam mit Octavio Alberola an fast allen Aktionen der Federación Ibérica de Juventudes Libertarias (FIJL), viele davon unter dem Namen Grupo 1º de Mayo. Nach der erfolgreichen Entführung von 1966 in Rom reiste sie im Oktober desselben Jahres nach Madrid, um eine Entführung vorzubereiten, die jedoch scheiterte und mit mehreren Verhaftungen endete. Aus Solidarität mit den Verhafteten beteiligte sie sich an mehreren direkten Aktionen der Grupo 1º de Mayo in London gegen franquistische Vertretungen und zog bereits 1968 nach Brüssel, um die Entführung von Francos Botschafter beim Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, Alberto Ullastres, vorzubereiten, wurde jedoch am 8. Februar festgenommen, bevor die Operation durchgeführt werden konnte. 1974, nun schon außerhalb der Aktionen der FIJL, aber aus Solidarität mit Puig Antich, beteiligte sie sich an der Entführung von Baltasar Suárez, dem Direktor der Banco de Bilbao in Paris; sie wurde am 22. Mai zusammen mit Alberola in Avignon festgenommen.
Nach dem Tod des Diktators engagierte sie sich in der französischen libertären Bewegung und widmete sich der Bewahrung des Andenkens an die Volksbewegungen Lateinamerikas, mit besonderem Schwerpunkt auf Peru und Bolivien, wo sie dank Liber Forti Kontakt zur Central Obrera Boliviana knüpfte.
Es versteht sich von selbst, dass diese intensive Aktivität stets von einem starken Engagement für die anarchistischen Vorstellungen im Kampf gegen den Patriarchat begleitet war, ganz im Sinne der Leitlinien von Mujeres Libres.
Nach dem Tod ihrer Mutter, die sie in Paris pflegen musste, zog sie 2007 endgültig nach Perpignan, doch nach einer Phase schwerer Depressionen zwischen 2013 und 2015 verschlechterte sich ihr kognitiver Zustand zunehmend, sodass sie schließlich im Dezember 2022 in ein Pflegeheim aufgenommen wurde. Zweifellos war ihr Tod nach fast vier Jahren in dieser Situation für sie eine Erlösung.
Abgesehen von diesen letzten Jahren hatte Ariane den Mut, das Leben, das sie gewählt hatte, intensiv zu leben und dabei stets jeglicher Herrschaft zuwiderzuhandeln, um der Freiheit willen. So werden wir sie in Erinnerung behalten.