Von Tridni Valka, die Übersetzung ist von uns.
Tridni Valka/Klassenkrieg 17/2026: Indonesien, Nepal, Madagaskar, Philippinen, Ecuador, Peru, Marokko… und so weiter
Lasst uns den kapitalistischen Krieg und Frieden in eine weltweite soziale Revolution verwandeln!
„Das Jahr 2026 hat fulminant begonnen!“, wie wir gleich zu Beginn dieses Jahres geschrieben haben, zur Zeit der US-Militärintervention in Venezuela. Anlässlich dieser x-ten Episode des Kriegstreibertums haben wir daran erinnert, dass wir und andere kommunistische Minderheiten seit Jahren behaupten, dass die Welt entschlossen auf einen allgemeinen Weltkrieg zusteuert, den alle bourgeoise Gangster, die uns ausbeuten, als Lösung für die (ökonomische, soziale, politische…) Krise sehen, die der kapitalistischen Produktions- und Akkumulationsweise inhärent ist. Und der Krieg in der Ukraine wird uns nicht das Gegenteil beweisen. Auch nicht die Morde im Gazastreifen. Nicht einmal die jüngsten Ereignisse in Venezuela… Und heute, kaum zwei Monate später, können wir den Iran zu dieser düsteren Liste hinzufügen!!!
Insgesamt sehen wir eine weltweite Militarisierung der Gesellschaft, sowohl physisch als auch mental, eine weitreichende Aufrüstung, eine Zunahme kriegstreiberischer Propaganda und die Ausweisung eines „Feindes“ (immer das bourgeoise Lager auf der anderen Seite) und damit auch ein hartes Vorgehen gegen das Proletariat und seine Versuche, seine eigenen Interessen als ausgebeutete (und daher revolutionäre!) Klasse zu verteidigen, sowohl seine unmittelbaren als auch seine historischen Interessen.
Und wieder einmal erleben wir dieselben plumpen Kampagnen, um das Proletariat hinter Fahnen zu versammeln, die nicht seine eigenen sind: Wir sollen uns zwischen Pest und Cholera entscheiden, ein bourgeoises Lager dem anderen vorziehen, ein „kleineres Übel“ einem „schlimmeren“ … Entweder das Lager des „Imperialismus“ oder das Lager des „Antiimperialismus“, wohl wissend, dass auch Letzteres nur Imperialismus ist, nämlich der des „gegnerischen“ Lagers! Es gab eine Zeit, in der man uns aufforderte, das vietnamesische, palästinensische oder chilenische „Volk“ gegen den „Yankee-Imperialismus“ zu verteidigen. Und nachdem uns erst gestern, also vor zwei Monaten, alle Fraktionen der internationalen Linken befahlen, (mehr oder weniger) „das Vaterland und den Sozialismus“ im bolivarischen Stil zu verteidigen… sollen wir heute „eine weitere Runde spielen“, indem wir uns der Sache gegen die „amerikanisch-israelische Aggression“ im Iran anschließen, der als regionaler Knotenpunkt der „Achse des Widerstands“ gilt!!!
Angesichts dieser antagonistischen Situation können wir nur noch einmal bekräftigen, dass das Proletariat kein Vaterland hat, nie hatte und nie haben wird, das es verteidigen könnte, dass Sozialismus oder Kommunismus oder Anarchie, kurz gesagt, eine klassenlose, staatenlose, geldlose, besitzlose Gesellschaft ohne Ausbeutung… nicht dadurch aufgebaut wird, dass man eine sogenannte progressive (oder „antiimperialistische“) bourgeoise Fraktion gegen eine andere sogenannte konservative oder reaktionäre (oder imperialistische) bourgeoise Fraktion verteidigt. Weder Trump noch Maduro! Weder Putin noch Selenskyj! Weder Netanjahu noch Khamenei! Weder die USA noch Venezuela! Weder Russland noch die Ukraine! Weder Israel noch Iran noch Palästina! Weder Tsahal noch Artesh! Weder die Linke noch die Rechte!
Und auch wenn es manche Leute „schockiert“, scheuen wir uns nicht, laut und deutlich zu sagen: Weder ISIS noch Rojava! Nicht, dass wir diese beiden Einheiten gleichsetzen, aber beide sind Produkte und Agenten des Kapitals. Die eine durch ihre „theokratische Diktatur“, die sich als „Islamischer Staat“ konstituiert und selbsternannt hat; die andere durch ihre ebenso demokratische Diktatur, die in keiner Weise das Privateigentum oder den Wert angreift und die, jenseits einer vorherrschenden und ostentativ auf Vollversammlungen basierten Art und Weise, dennoch alle Aspekte des Staates entwickelt (der „Proto-Staat“ von Rojava, wie manche behaupten!). Und Letzterer ist offensichtlich bereit, alle möglichen und denkbaren Kompromisse und Bündnisse mit allen möglichen bourgeoise Fraktionen einzugehen, mit der möglichen Ausnahme von ISIS!!!
Weder das Proletariat, das in Venezuela seit Jahrzehnten kämpft (erinnern wir uns an den Caracazo von 1989 und seine 3.000 Toten), noch das kämpfende Proletariat im Iran (das in den letzten acht Jahren mindestens fünf große Aufstände angeführt hat, mit vielleicht 30.000 Opfern beim jüngsten im Januar 2026!) brauchen keine amerikanische Intervention, um ihre eigene Bourgeoisie, ihre eigenen Ausbeuter loszuwerden: die „Bolibourgeoisie“ in Venezuela, das „Mullah-Regime“ im Iran. Und unsere kämpfende Klasse braucht keinerlei pseudo-„internationale Solidarität“, die genau darin besteht, eine lokale Fraktion der Weltbourgeoisie gegen eine andere zu verteidigen. Unsere einzige Antwort ist Klasse gegen Klasse, internationalistische Solidarität mit allen Teilen des Proletariats, die gegen ihre eigene Bourgeoisie kämpfen: internationalistische Solidarität mit den Proletariern, die in Venezuela gegen die bolivarische Bourgeoisie kämpfen, internationalistische Solidarität mit den Proletariern, die im Iran gegen die Bourgeoisie der Mullahs kämpfen, internationalistische Solidarität mit den Proletariern, die in Palästina gegen die Bourgeoisie der PA und der Hamas kämpfen, internationalistische Solidarität mit den Proletariern, die in Rojava gegen die national-sozial-befreiungsorientierte Bourgeoisie kämpfen…
Angesichts des entschlossenen Kurses auf einen allgemeinen Weltkrieg, den unsere Feinde, alle unsere Feinde, für uns vorbereiten, hat das Proletariat nur eine Antwort, die es in feurigen Buchstaben auf die Bühne der menschlichen Vorgeschichte schreiben muss: Revolutionärer Defätismus gegen alle bourgeoisen Lager! Lasst uns den kapitalistischen Krieg und Frieden in eine weltweite soziale Revolution verwandeln!
Ein paar Wochen vor den gewalttätigen Ereignissen im Iran erschütterten wichtige Aufstände unserer Klasse die Welt der Werte und Waren: Es war im vergangenen September in Indonesien, Nepal, Madagaskar, auf den Philippinen, in Ecuador, Peru und Marokko… Und auch wenn diese Aufstände streng genommen nicht als soziale Revolution bezeichnet werden können, möchten wir dennoch auf den folgenden Seiten, wenn auch verspätet, auf dieses Thema zurückkommen und ihre Stärken und Schwächen als Lehren für zukünftige Aufstände hervorheben…
Indonesien, Nepal, Madagaskar, die Philippinen, Ecuador, Peru, Marokko, ad infinitum…
Noch nie wurden wir so sehr mit all den widerlichen Unterkategorien einer verdorbenen Soziologie bombardiert, die der herrschenden Gesellschaftsordnung, der Ordnung von Kapital und Ökonomie, dient, um uns Blasen für Laternen halten zu lassen und uns die Interessengemeinschaft entgehen zu lassen, die uns mit unseren proletarischen Schwestern und Brüdern verbindet, die überall auf der Welt kämpfen.
Wir wurden bereits mit journalistischen Etiketten vollgestopft, jedes Mal, wenn ein Funke des sozialen Krieges unseren tristen Alltag erhellt: „Schulabbrecher“, „Ausgestoßene“, „Arbeitslose“, „Prekärbeschäftigte“, „Studenten“, „Jugendliche“, „Arbeiterinnen und Arbeiter“, „Bauern“, „Stadtbewohner“, „Vorstädter“, „Benachteiligte“, „Arme“… ad nauseam, gipfelnd in „das Volk“ – das sind die Etiketten, die den kämpfenden Proletariern gewaltsam angeheftet werden, um die Identität der jahrhundertealten Ausbeutung zu verbergen, zu verschleiern, zu verdunkeln, zu tarnen, zu maskieren… die Ausbeutung, unter der unsere Klasse leidet, die Klasse derer, denen die Produktionsmittel, die Existenzgrundlagen und das Leben genommen wurden – das Proletariat. Und das geht über lokale und historische Besonderheiten hinaus, die uns zwar nicht in Bezug auf das relative Elend unterscheiden mögen, uns aber zumindest in Bezug auf das absolute Elend unterscheiden, das wir tagtäglich erleben: nämlich unsere Fähigkeit, in Bezug auf unsere Zahlungsfähigkeit mehr oder weniger an der wunderbaren Welt des Produzierens, Kaufens und Verkaufens verdorbener Waren teilzunehmen – kurz gesagt, an der erweiterten Reproduktion des kapitalistischen Albtraums.
Heute, oder seit kurzem, wird das gesamte Spektrum proletarischer Kämpfe gegen die ständige Verschlechterung unserer miserablen Lebens- (Überlebens-)bedingungen schändlicherweise von dem schicken und schrillen, trügerischen und künstlichen, irreführenden und verräterischen Schleier der sogenannten Generation Z verdeckt – „Gen Z“, wie es von den gesamten gefügigen Medien genannt wird. Als ob nur Jugendliche zwischen 20 und 25 noch auf die Straße gehen und alles auf den Kopf stellen könnten, als ob der seit Jahrhunderten domestizierte homo democraticus kein zeitloser Riese mit Füßen aus Ton wäre, als ob das bestimmende Merkmal einer ausgebeuteten Klasse, über alle Generationen hinweg, nicht gerade darin bestünde, revolutionär zu sein und die gesamte ihr zur Verfügung stehende Energie zu mobilisieren, all ihre Kräfte der Selbstorganisation und Subversion zu entfalten, alle Kühnheiten möglich zu machen… und darüber hinaus heutzutage befeuert von der belebenden Wut großer Teile der proletarischen Jugend, die von Perspektivlosigkeit und einer durch die kapitalistische Katastrophe versperrten Zukunft zerfressen ist…
In nur wenigen Wochen sind weltweit nicht weniger als sieben große Aufstände ausgebrochen: in Indonesien, Nepal, Madagaskar, auf den Philippinen, in Ecuador, Peru und Marokko. Und wenn wir von „groß“ sprechen, beziehen wir uns natürlich nicht auf die Bedeutung der Aufgaben eines umfassenden Umsturzes und der Umkehrung des Status quo, des gegenwärtigen Zustands der Dinge und damit der Praxis, zu deren Bewältigung das Proletariat historisch bestimmt ist. Wenn wir diese Aufstände als „groß“ bezeichnen, dann vor allem wegen der Intensität der Angriffe unserer Klasse sowie wegen des vorübergehenden Bruchs des sozialen Friedens, der leider überall noch viel zu weit verbreitet ist…
Ohne von einer zeitlichen Verschiebung sprechen zu wollen, und schon gar nicht von einer „neuen Periode“ (wie es immer mehr zum Trend wird!), muss man in der uralten Konfrontation zwischen beiden Klassen mit unmittelbaren und historischen Interessen, die nicht nur grundlegend verschieden, sondern zutiefst antagonistisch sind, dennoch feststellen und betonen, dass das Tempo der proletarischen Aufstände in der gesamten Wertwelt eine ernsthafte Beschleunigung erlebt. Das an sich ist nichts Neues: Die bedeutende Welle von Kämpfen, die 2018–19 über die kapitalistische Hölle hinwegfegte, hatte sich bereits wie ein Lauffeuer ausgebreitet… Algerien, Chile, Ecuador, Frankreich, Hongkong, Irak, Iran, Libanon, Sudan… Nach der Unterbrechung durch die Aufstandsbekämpfung im Zusammenhang mit Covid durch alle Nation-Staaten weltweit ließ das Wiederaufflammen der Kämpfe nicht lange auf sich warten, angeheizt durch Frontalangriffe auf unsere Klasse unter dem Vorwand der durch den Krieg in der Ukraine verursachten Energiekrise, die zu explodierenden Preisen, Entlassungswellen usw. führte.
Und nun, da wir (vorerst noch viel zu machtlos) den Anstieg der Militarisierung in der Gesellschaft, die exorbitanten Rüstungsausgaben und ganz allgemein die beschleunigte Entwicklung hin zu einem allgemeinen und globalen Krieg, der von der Kapitalistenklasse und den unpersönlichen Verwaltern der Weltordnung (sowohl der „alten“ als auch der „neuen“!) als „die Lösung“ für alle Probleme der Verwertung/Wertschöpfung und der ihr inhärenten Tendenz zum Fall der Profitrate angesehen wird, scheint der alte Maulwurf wieder auftauchen zu wollen, unsere Klasse nimmt den Kampf erneut auf und erhebt ihr Haupt…
Denn unter der schwarzen Sonne des Kapitals (einer glühenden Sonne und sogar einem bleiernen Himmel, könnte man sagen, aus Blei und Granatsplittern!) ist unsere einzige Perspektive, für uns Proletarier, der Kampf: Kampf nicht für irgendwelche Reformen dieser Gesellschaft des Krieges, des Elends und des Todes (was erneut unser Verderben bedeuten würde!), sondern für ihre vollständige und endgültige Auslöschung…
Und auch dieses Mal, wie es in der turbulenten Geschichte der Klassenkämpfe schon immer der Fall war, begannen die jüngsten Proteste unter verschiedenen konkreten Vorwänden: Wohnzuschüsse, die sich Parlamentarier selbst gewähren (in Indonesien), das Verbot mehrerer sozialer Netzwerke und, allgemeiner, endemische „Korruption“ und „Vetternwirtschaft“(Nepotismus) (in Nepal), Stromausfälle und Wasserknappheit (in Madagaskar), Rentenreform (in Peru), das Versagen des Gesundheitssystems (in Marokko) usw.
All diese Begleitumstände sind lediglich die Funken, die „die Prärie in Brand setzen“, während die eigentliche Grundlage all dieser Aufstände die fortschreitende Verschlechterung – überall! – unserer Arbeits- und Lebensbedingungen ist … es ist die soziale Diktatur von Wert, Profit und kapitalistischen Gesellschaftsverhältnissen. All diese Demonstrationen von Wut, Gewalt und virulenter Verzweiflung unserer Klasse sind keine isolierten nationalen Episoden, sondern lokale Ausdrucksformen und Manifestationen derselben globalen Ablehnung, derselben anhaltenden, sich in Bewegung befindenden Verweigerung des gegenwärtigen Zustands. Und überall – ob es ihnen gefällt oder nicht – können professionelle Aktivisten, die sich selbst zur „Avantgarde“ des Proletariats erklären und die „Zentralität“ Europas und Nordamerikas im Klassenkampf betonen, das nicht ignorieren! –, überall von Indonesien bis Nepal, von Madagaskar bis zu den Philippinen, von Ecuador und Peru bis Marokko… sind es große Teile des Proletariats (in Stadt und Land), die auf die Straße gehen und die hier massiv und gemeinsam Tempel plündern, die dem Gott-Ware geweiht sind, und sich einen Teil des von unserer Klasse produzierten gesellschaftlichen Reichtums wieder aneignen, und dort bourgeoise Parlamente zerstören und niederbrennen, die Hauptquartiere der politischen Parteien und die prächtigen Villen von Politikern und Kapitalisten sowie die Rattenlöcher ihrer bewaffneten Milizen zerstören und niederbrennen…
Wir wollen hier nicht auf den genauen Ablauf all dieser Ereignisse eingehen, auch wenn es das Leben und die Energie unserer Klasse sind, die den schmutzigen Schleier der Unterdrückung zerreißen, da es nicht gelingt, die eigentlichen Quellen der Ausbeutung direkt anzugreifen. Dennoch möchten wir einige der kraftvollsten Momente hervorheben, die sich mit feurigen Buchstaben in unser kollektives Bewusstsein und unser historisches Gedächtnis eingebrannt haben. Und das im Gegensatz zu – und das behaupten wir ganz offen! – der fade Wortschwall, den all die Eurozentristen in ihren Schmierblättern verbreiten, die über den x-ten „Streik“ in einem bestimmten Sektor schwadronieren (zum Beispiel bei den Arbeiterinnen und Arbeitern der Post oder den Lehrern…), solange er „hier“ und nicht „dort“ stattfindet, in den „Zentrumsländern“ und nicht in den „Peripherien“ des Kapitals… Die Menschheit wird nicht glücklich sein, bis der letzte Kapitalist mit den Eingeweiden des letzten Eurozentristen gehängt ist!
Wir wollen daher einfach nur die unglaubliche und lebenswichtige Gewalt hervorheben, die unsere Klasse im Kampf zum Ausdruck bringt: In Nepal zum Beispiel zögerte das Proletariat nicht, das bourgeoise Parlament, die Gebäude des Obersten Gerichtshofs und viele andere Paläste in Brand zu setzen. Die rettende Wut unserer Gefährten und Gefährtinnen ist weit über den reformistischen Rahmen des Protests hinausgegangen, bis zu dem Punkt, an dem die selbsternannten „Organisatoren“ der Bewegung zugeben müssen, dass sie „überwältigt“ wurden!! ! Diese Wut manifestierte sich auch in einem hohen Maß an rotem Terror, als bekannte Klassenfeinde, Politiker und Bourgeoisie Zielscheibe regelrechter Lynchmorde und einer äußerst diskriminierenden „Menschenjagd“ auf den Straßen, auf dem Land … und sogar in den Flüssen wurden!
Erwähnenswert ist unter anderem auch ein Ausdruck proletarischen Assoziationismus, wie er sich in Nepal durch die Stimme des „Safal Workers’ Street Committee“ manifestiert, das erklärt:
„Wir sind eine Gruppe unabhängiger Marxisten, die seit langem alle Parteien ablehnen, da sie nur dem Namen nach kommunistisch sind.
Wir bleiben in erster Linie ein Komitee, das gegründet wurde, um die Verteidigung der Arbeiterinnen und Arbeiter zu organisieren.
Wir sind aus der Not heraus entstanden, da die kommunistischen Parteien die Arbeiterklasse im Stich gelassen haben, als sie Führung am dringendsten brauchte.
Unsere Aufgabe ist es nun, die Arbeiterklasse von den demokratischen Parteien der Mittelklasse zu trennen. Um die Reproduktion der bourgeoisen Demokratie zu verhindern.
Wir organisieren uns weiterhin und rufen alle gleichgesinnten Kommunisten und Verbündeten dazu auf, eigene Komitees zu bilden und sich uns in einer Arbeiterfront anzuschließen.“
Andererseits ist anzumerken (ein Phänomen, das in anderen Ländern als Madagaskar offenbar nicht aufgetreten ist), dass innerhalb der madagassischen Armee offen große Uneinigkeit zutage trat, als Soldaten meuterten (wie sie es bereits während der Kämpfe von 2009 getan hatten), um gegen die Repression bei Demonstrationen zu protestieren: „Weigert euch, dafür bezahlt zu werden, auf unsere Freunde, unsere Brüder und unsere Schwestern zu schießen. […] Befolgt keine Befehle eurer Vorgesetzten mehr. Richtet eure Waffen auf diejenigen, die euch befehlen, auf eure Waffenbrüder zu schießen, denn sie sind nicht diejenigen, die sich um unsere Familien kümmern werden, sollten wir jemals sterben.“
Die Weigerung bestimmter Teile der Polizei, auf ihre Klassenbrüder und -schwestern zu schießen, ist immer ein entscheidender Moment in der Konfrontation zwischen dem Proletariat und dem Staat. Tatsächlich ist die Einbindung von Proletariern in die Repressionskräfte der Grundpfeiler der bourgeoisen Herrschaft. Die Klassenkämpfe in Bolivien im Jahr 2003 waren ein bemerkenswertes Beispiel für diesen Widerspruch, als große Teile der Polizei desertierten und „mit Waffen und Gepäck“ auf die Seite des kämpfenden Proletariats überliefen, Kasernen stürmten, Waffenlager leerräumten und Eliteeinheiten als letzte Bastionen eines zentralen Teils des Staates bekämpften.
Leider haben in Madagaskar, wie so oft in anderen Kämpfen, die Grenzen und Schwächen der Bewegung die subversive Kraft dieser expliziten Weigerung der Soldaten, zu schießen und an der Repression teilzunehmen, neutralisiert und sie in eine implizite Unterstützung für einen „demokratischen Wandel“ verwandelt.
Leider scheint es, als habe die Meuterei es versäumt, die Dynamik dieser ersten Manifestationen revolutionären Defätismus weiterzuentwickeln oder zu verstärken, mit all den Konsequenzen, die dies mit sich bringt. Angesichts dieser Situation, die zeigt, wie sehr die kapitalistische Ordnung ein Machtvakuum fürchtet, setzte sich das Spiel des „demokratischen Wechsels“ durch, da es sich als äußerst wirksam erwies, die Bewegung zu zerschlagen – eine Wirksamkeit, die alles übertraf, was der Staat bis zu diesem Zeitpunkt im Verlauf des Kampfes versucht hatte.
Wir können in den starken Grenzen des proletarischen Assoziationismus nur eine der größten Schwächen sehen, die sich als fatal für die mächtigen Episoden radikaler Revolte gegen das System als Ganzes erweisen werden, sei es in Madagaskar oder Nepal, Indonesien oder Marokko usw. Diese Revolten äußerten sich in Ausschreitungen, Plünderungen und gezielten Angriffen, scheinen aber keine ausreichenden qualitativen Sprünge in Sachen Koordination und Organisation gemacht zu haben, um Unruhe unter den zögerlichsten Teilen des Proletariats zu schüren.
In diesen wenigen Wochen intensiver Kämpfe (und die Glut scheint noch immer stark genug zu glühen, um das Feuer bei der geringsten Gelegenheit wieder zu entfachen, hier oder anderswo) hat sich der Großteil des Proletariats nicht von den demokratischen, legalistischen, reformistischen Illusionen gelöst, die den Ursprung allen Übels der Politik eines amtierenden Präsidenten, „korrupten“ Politikern (und die sind offensichtlich korrupt!), parlamentarischen Institutionen und anderen, die „abgekoppelt“ von der Realität unseres täglichen Überlebenskampfes als Proletarier usw., sind. Obwohl Teile des kämpfenden Proletariats durch ihre Anprangerungen und Aktionen den kapitalistischen Ursprung ihres gegenwärtigen sozialen Leidens aufzeigen, gelang es der Revolte nicht, ihren Bruch mit der demokratischen und staatsbürgerlichen Unterwerfung klar zum Ausdruck zu bringen, noch breitete sie sich rechtzeitig ausreichend aus (trotz des unaufhaltsamen Crescendos der Flammen!) und räumlich (trotz des lauten Echos, das jeder „lokale“ Kampf auf die Kampfkraft der Proletarier in Nachbarländern und sogar in anderen geografischen Gebieten hat), was offensichtlich immer wieder eines der Hauptprobleme der proletarischen Kämpfe auf der ganzen Welt darstellt.
Es lohnt sich auch, auf das Thema Flaggen einzugehen, insbesondere auf jene, die während der als „Gen Z“-Kämpfe kategorisierten Auseinandersetzungen wehte. Betrachten wir zum Beispiel die virale Verbreitung bestimmter kollektiver Gesten, die sich in Indonesien entwickelten und sehr schnell nach Nepal, auf die Philippinen, Madagaskar, Marokko, Ecuador und Peru… und die sich unter anderem durch die Wiederholung derselben Geste manifestierten: das Hissen einer „Piratenflagge“, inspiriert von einem japanischen Manga, der in der „Populärkultur“ sehr beliebt ist und der tatsächlich als (zwar vereinfachende, aber dennoch) kreative Antwort auf den Aufruf des indonesischen Präsidenten diente, vor dem Unabhängigkeitstag des Landes die Nationalflagge zu schwenken.
Natürlich hätten wir alle es vorgezogen, wenn die Proletarier, die auf die Straße gehen und die Symbole ihres täglichen Elends plündern, stattdessen die rote und/oder schwarze Flagge der Anarchie und/oder des Kommunismus hissen würden, die Flagge der Partei der Subversion und des revolutionären Proletariats – obwohl in Indonesien bei vielen Zusammenstößen auch die schwarze Flagge der Anarchie geschwenkt wurde! Doch genauso wenig wie es bei der sozialen Revolution um eine formale Partei geht – eine politische Partei (im strengen Sinne des Wortes), eine Partei, die sich selbst zur „Avantgarde des Proletariats“ erklärt –, geht es bei der Revolution auch nicht um eine formale Flagge. Es sei jedoch angemerkt, dass in dem fraglichen Manga die „Piratenflagge“ mehrmals als Kriegserklärung an die „Weltregierung“ gehisst wird. In diesem Sinne lag die indonesische Regierung nicht falsch, dies als Akt des Ungehorsams und des Verrats am Vaterland zu bezeichnen, denn genau das ist der Fall: Es ist aktive Desertion, ein Symbol, das mehr oder weniger das Versprechen einer Revolution darstellt, einer Revolution, die weder Staaten noch Grenzen kennt…
Auf dem Terrain des Klassenkampfs ist die materielle Realität äußerst komplex: Proletarier – jung, sehr jung oder auch nicht mehr ganz so jung; Männer, Frauen, „Stadtbewohner“ und sogar „Bauern“ – bringen einen gesunden, kraftvollen und unermesslichen Hass zum Ausdruck. Aber leider haben sie noch keine Organisationsstruktur aufgebaut, die den Herausforderungen des Kampfes gewachsen ist – eine Struktur, die in der Lage ist, den gesamten Prozess auf seine Ziele hin zu lenken. Das sind die immer wiederkehrenden Grenzen in der Geschichte all unserer Kämpfe: Die Schwächung der organisierten Kräfte unserer Klasse führt unweigerlich dazu, dass das revolutionäre Potenzial von externen und/oder internen Mächten vereinnahmt wird, die es für kapitalistische und imperialistische Zwecke ausnutzen, um ihre soziale Diktatur zu erneuern.
Um die Spontaneität, die Grenzen und die Widersprüche der aktuellen Aufstände zu überwinden und sie so in dynamische Kräfte zur Beseitigung kapitalistischer Gesellschaftsverhältnisse zu verwandeln, ist es notwendig, den proletarischen Assoziationismus zu organisieren und zu stärken, die Konstitution des Proletariats als Klasse und als historische Partei der weltweiten kommunistischen Revolution:
„Wenn wir von einer Partei sprechen, meinen wir natürlich nicht die berüchtigten Mafias und Cliquen, die diesen Namen tragen, sondern vielmehr die historische Partei der Revolution, die nicht das Werk einer bestimmten Gruppe oder einer Gruppe von Gruppen sein kann, sondern nur der proletarischen Klasse selbst, die als autonomer sozialer Organismus konstituiert ist. Wir sind weit davon entfernt zu glauben, dass die gegenwärtigen Schwächen der Klasse künstlich durch eine revolutionäre Avantgarde behoben werden können, die von außen Bewusstsein einbringt. Im Gegenteil, wir erkennen uns als Teil der diffusen Partei der Subversion innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft, und unsere Reflexion als einen – zweifellos bescheidenen – Beitrag zur Konstitution der proletarischen Klasse als historische Partei.“
„Die revolutionäre Theorie, die Perspektive der historischen Partei der Revolution, hat heute eine titanische Aufgabe: die revolutionäre Synthese unserer Ära zu schaffen, bevor die Verschlechterung der Lebensbedingungen auf der Erde – in noch größerem Maße als heute – katastrophale Szenarien für die gesamte Menschheit heraufbeschwört. Die Gefahr eines Wettrüstens zwischen den Großmächten des globalen Kapitalismus, die ökologische Krise und Revolten auf verschiedenen Kontinenten sind bislang der Trend für unsere unmittelbare Zukunft.“
[Zitate aus La democracia es el orden del capital / Demokratie ist die Ordnung des Kapitals / 2020]
In dieser neuen Ausgabe unseres unregelmäßig erscheinenden Bulletins leisten wir mit den folgenden Artikeln unseren Beitrag zur Entwicklung und Stärkung unserer internationalen und internationalistischen proletarischen Kampfgemeinschaft. Wir haben hier vier Artikel zusammengestellt, die die aktuellen Kämpfe unserer Klasse analysieren und/oder deren Bedeutung hervorheben. Diese Artikel stammen von militanten Strukturen, die auf drei Kontinenten aktiv sind!
Diese materielle Realität überwindet auch die bourgeoise Trennung zwischen den „Zentrumsländern“ des Kapitalismus und den „Peripherieländern“… Um Marx zu paraphrasieren, der am Ende seines Lebens die vorherrschende, eurozentrische Vorstellung von Revolution in Frage stellte, könnten wir „die Möglichkeit anführen, dass die Revolution zuerst in den Peripherieländern beginnt, die weniger industrialisiert sind, wo die kapitalistischen Produktivkräfte noch begrenzt sind und ‚archaische‘ Gesellschaftsformen fortbestehen, bevor sie das Zentrum erreicht.“ Und die zahlreichen Ausbrüche proletarischer Wut auf der ganzen Welt in den letzten Jahren und Jahrzehnten widersprechen uns nicht. Im Gegenteil, sie bestärken uns darin, die Tatsache zu begreifen, dass sich unsere Klasse selbst organisiert und selbst an den „weniger entwickelten“ Orten – nach den widerwärtigen Kriterien der bourgeoisen politischen Ökonomie! – Trägerin der Entschlossenheit der Menschheit ist!
Gleiche Ausbeutung, gleiche Aktionen!
Die schlechten Tage werden enden!
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Von uns übersetzt: