Auf la nemesi gefunden, die Übersetzung ist von uns.
„Anarchistinnen und Anarchisten“ in der ukrainischen Armee: Aprilscherz? Ein paar Worte zu den Protesten in Turin
14.04.2026
Anarchistischer Defätismus hat nichts mit dem leninistischen zu tun, wie diejenigen glauben, die offenbar nur Lenin im Kopf haben: Er zielt nicht darauf ab, den Staat zu erobern, sondern ihn zu zerstören. Das bedeutet, den Krieg und die Apparate, die ihn ermöglichen, hier und jetzt zu sabotieren. Man muss nicht Simone Weil zitieren, um eine offensichtliche Tatsache zu verstehen: Waffen, die von einem Staatsapparat gehandhabt werden, können niemandem Freiheit bringen. Krieg ist in erster Linie ein gesellschaftliches Phänomen, denn er zwingt den Massen, die zu Rädchen im Getriebe reduziert werden, einen Führungsapparat auf und stellt immer einen reaktionären Faktor dar, selbst wenn diejenigen, die ihn führen, sich selbst als Revolutionäre bezeichnen.
Während sich der „Campismus“ derer, die die Kriege der Staaten segnen, lächerlich als Antiautoritarismus tarnt, ist unser Defätismus internationalistisch: gegen Staat und Techno-Kapitalismus, überall. Keine Rhetorik, sondern die einzig mögliche Praxis: die Macht zu treffen, die wir kennen und die dort wirkt, wo wir leben – ihre Waffen, ihre Polizei, ihre Konsensmaschine – in Solidarität mit denen, die sie anderswo lahmlegen.
Am 1. April fand in Turin der erste Termin der Kampagne von „Solidarity Collectives“ in Italien statt: selbsternannte Anarchistinnen und Anarchisten, die in die Strukturen der ukrainischen Armee eingebunden sind – unterstützt von der italienischen Regierung und italienischen Unternehmen –, für die sie Spenden sammeln, rekrutieren und Propaganda betreiben… im Sitz der Partito Comunista dei Lavoratori (Kommunistischen Arbeiterpartei). Nein, das ist kein Aprilscherz.
Draußen eine Protestaktion, organisiert per Mundpropaganda, um den lächerlichen Militaristen keine Aufmerksamkeit zu schenken: ein Transparent in Solidarität mit den russischen und ukrainischen Deserteuren, Sprechchöre und Reden, die sich an die Bewohner des Viertels richteten, um die konkrete Ausbreitung von Desertionen, Sabotage und sogar bewaffneten Angriffen gegen die Rekrutierer der Armee in der Ukraine und in Russland wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Wer die Situation vor Ort mit dem spanischen Bürgerkrieg vergleicht, begeht einen grundlegenden Fehler, denn dieser war ein Schauplatz revolutionärer Experimente, verwurzelt in realen sozialen Brüchen. Die internationalen Freiwilligen, die von Solidarity Collectives in die ukrainische Armee vermittelt wurden, nehmen hingegen Befehle von Offizieren entgegen. Das bedeutet, die Kontroll- und Gewaltkapazitäten der Befehlshaber – zusammen mit dem technologischen Apparat, der sie stützt – gegen die Autonomie der unteren Klassen zu stärken. Es bedeutet, sich gegen diejenigen zu stellen, die sich weigern, für den Staat und die westlichen Mächte zu sterben, gegen diejenigen, die sich der totalen Mobilisierung entziehen, gegen diejenigen, die deren Mechanismen angreifen. In der Ukraine wie in Russland stellt die Ablehnung des techno-kapitalistischen Krieges eine der wichtigsten inneren Spaltlinien innerhalb der Gesellschaften dar. Und genau diese soziale Spaltung, die einzige potenziell revolutionäre, wollen Solidarity Collectives und ihre Mitstreiter ersticken.
Angesichts der Proteste wechselten die Organisatoren schnell von der Aufforderung zum „Diskutieren“ zu Beleidigungen. Am Rande der Initiative, an der ein Dutzend Menschen teilnahmen – ohne jegliches Interesse in der Bevölkerung, wie übrigens auch der Krieg selbst –, fehlten die Digos nicht, die, während sich die Kundgebung auflöste, die Tür zum PCL-Sitz öffneten und ein paar Worte mit den Anwesenden wechselten. Es überrascht nicht, dass die Polizei sich dazu durchringen kann, mit diesen selbsternannten Anarchisten zu sprechen, die dieselben Methoden wie die Ordnungskräfte anwenden. Ein feiger Vertreter der selbsternannten „Anti-authoritarian Alliance“ – der Bruderschaft der unterwürfigen Libertären – hat sich nämlich stillschweigend in ein vertrauliches Gespräch zwischen verschiedenen Protestierenden eingeschlichen und es dann in den sozialen Medien mit opferhaftem Unterton veröffentlicht, um belanglose Polemiken gegen sein ehemaliges politisches Lager zu schüren – eine Praxis der Denunziation, die perfekt zu seiner Rolle passt.
Die Kluft verläuft nicht zwischen Ost und West, sondern zwischen denen, die sich dafür entscheiden, die Kriegsmaschinerie zu behindern, zu deren Rädchen wir reduziert wurden, und denen, die eben dieser Maschinerie helfen, einen Teil der Menschheit blindlings zu zermalmen – in der Ukraine, in Russland, hier.