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Elf Thesen zur Diskussion in Bujaraloz: Revolution, Konterrevolution und die Frage der Macht
von Agustín Guillamón 27.07.2026
Im Rahmen der Veranstaltungen in Bujaraloz zum 90. Jahrestag der Ankunft der Durruti-Kolonne wurden die elf Thesen über Revolution und Konterrevolution in Katalonien, die in Agustín Guillamóns Buch Ocho días de julio veröffentlicht wurden und das Ergebnis jahrzehntelanger historischer Forschung sind, intensiv diskutiert. Die Diskussionen über die Machtfrage, die Autonomie der Komitees, die Institutionalisierung der CNT und den konterrevolutionären Prozess ermöglichten es, unterschiedliche Positionen gegenüberzustellen und sowohl die Übereinstimmungen als auch die im Laufe der Debatte aufgetretenen Widersprüche aufzuzeigen; all das führt zu einer entscheidenden Frage: Wie lässt sich der Staat zerstören?
Einleitung
Das Bewusstsein entspringt dem Sein. Ohne eine Theoretisierung der historischen Erfahrungen des Proletariats gäbe es keine revolutionäre Theorie. Das heißt, wir müssen aus den Lehren der Geschichte lernen.
Die Geschichte ist weder eine neutrale Erzählung noch ein Sammelsurium toter Daten: Sie ist ein Schlachtfeld. Und als solches ist sie von Interessen, Verschweigungen und Verdrehungen durchzogen. Wer sich ihr ehrlich nähern will, kann das nicht nur aus der bequemen Distanz des Gelehrten tun, der Dokumente katalogisiert, sondern muss sich der Tatsache bewusst sein, dass jedes Archiv auch ein Schützengraben ist.
In den letzten Jahren hat sich die Schönfärberei der Vergangenheit verstärkt, besonders was die revolutionären Erfahrungen des 20. Jahrhunderts angeht. Sie werden ihres Inhalts entleert, auf malerische Anekdoten reduziert oder, schlimmer noch, in die offizielle Erzählung als bloße, unvermeidbare Episoden eines Fortschritts integriert, der immer im Staat und im Markt mündet. Dieser Prozess ist nicht harmlos: Er entspricht dem Bedürfnis, jede Erinnerung zu entschärfen, die die bestehende Ordnung in Frage stellen könnte.
Nehmen wir als Beispiel die soziale Revolution. Nicht als abstraktes Konzept, sondern als konkrete Praxis, erlebt auf den Straßen, in den Fabriken, in den landwirtschaftlichen oder industriellen Kollektivitäten. Dort, wo die Arbeiter aufhörten zu gehorchen, wo das Privateigentum de facto abgeschafft wurde und wo der Alltag auf neuen Grundlagen neu organisiert wurde, entstand etwas, das über die üblichen Kategorien der institutionellen Politik hinausgeht. Genau das ist es, was für die vorherrschende Geschichtsschreibung unerträglich ist: der Beweis, dass sich die Gesellschaft ohne auferlegte Hierarchien organisieren kann.
Dennoch bleibt diese Erinnerung bestehen, fragmentarisch, aber hartnäckig. Sie taucht in vergessenen Zeitzeugenberichten auf, in klandestinen Zeitungen, in den Protokollen von Gewerkschafts/Syndikats-, Gemeinde- oder Nachbarschaftsvollversammlungen. Es ist eine unbequeme Erinnerung, denn sie bietet weder einfache Lösungen noch makellose Helden. Sie ist voller Widersprüche, Niederlagen und Fehler. Aber gerade deshalb ist sie zutiefst menschlich.
Das Problem ist nicht, dass die Geschichte komplex ist, sondern dass man sie so weit vereinfachen will, bis sie nicht mehr wiederzuerkennen ist. Angesichts dieser Tendenz besteht die Aufgabe des kritischen Historikers nicht darin, zu beschönigen oder zu verurteilen, sondern zu verstehen. Verstehen bedeutet, Konflikte wiederherzustellen, den Besiegten eine Stimme zu geben und der Versuchung zu widerstehen, die Vergangenheit mit endgültigen Interpretationen abzuschließen.
Letztendlich geht es nicht nur um die Interpretation dessen, was passiert ist, sondern um die Möglichkeit selbst, Alternativen zu denken. Wenn wir eine domestizierte Geschichte akzeptieren, akzeptieren wir auch eine lückenlose Gegenwart und eine verschlossene Zukunft. Wenn wir hingegen die konfliktreiche Dimension der Vergangenheit wiedererlangen, öffnen wir die Tür, um uns andere Lebensformen vorzustellen – und sie vielleicht sogar zu gestalten.
Denn wenn man die Geschichte aus den Händen der Macht entreißt, hört sie auf, ein Museum zu sein, und wird zu einem Werkzeug. Und jedes Werkzeug kann in den richtigen Händen zu mehr dienen als nur zum Betrachten: Es kann dazu dienen, etwas zu verändern.
Neunzig Jahre nach dem Beginn der sozialen Revolution von 1936 ist es an der Zeit, diese elf Thesen vorzulegen, die auf den historischen Erfahrungen des Proletariats in Katalonien basieren:
These Nummer 1
Zwischen dem 17. und 19. Juli 1936 kam es zu einem Militärputsch gegen die Regierung der Republik, der in den wichtigsten Städten scheiterte. In Katalonien war die Niederlage des militärischen Aufstands eine direkte Folge des bewaffneten Aufstands des Proletariats, der im Wesentlichen von den Kadern und Verteidigungskomitees der CNT-FAI organisiert und geleitet wurde, die sich seit 1931 darauf vorbereitet hatten. Es war kein spontaner Aufstand, sondern das Ergebnis jahrelanger revolutionärer Vorbereitung. Die Niederlage der Armee führte zu einem Vakuum der Staatsmacht und einer Atomisierung der politischen und militärischen Macht, wodurch eine revolutionäre Situation entstand, in der das Proletariat den Staat zerstören und durch seine eigenen Machtorgane ersetzen konnte.
These Nr. 2
Die revolutionären Komitees – zur Verteidigung, in den Fabriken, in den Stadtvierteln, zur Arbeiterkontrolle, auf lokaler Ebene, für die Versorgung und andere – waren der Keim der Machtorgane der Arbeiterklasse. Sie begannen mit der systematischen Enteignung des Eigentums der Bourgeoisie, trieben die Kollektivierung von Industrie und Landwirtschaft voran, organisierten die Volksmilizen, die in den ersten Kriegstagen die Fronten hielten, und schufen die Kontrollpatrouillen1, deren Aufgabe es war, die neue revolutionäre Ordnung gegenüber der Kirche, der Bourgeoisie, den Faschisten und den konterrevolutionären Kräften durchzusetzen.
Allerdings waren diese Komitees nicht in der Lage, sich zu koordinieren und eine Arbeitermacht zu bilden, die den republikanischen Staat hätte ersetzen können. Auch die Führung der CNT-FAI schlug diese revolutionäre Alternative nicht vor: den Staat zu zerstören und die Komitees in Organe der proletarischen Macht sowie die Volksmilizen in die Armee der Revolution umzuwandeln.
Das Komitee der Antifaschistischen Milizen Kataloniens (CCMA)2 war das Ergebnis eines Paktes zwischen den Arbeiterorganisationen, den bourgeoisen Organisationen und den Institutionen des republikanischen Staates. Die Revolution verzichtete somit darauf, den Staat zu zerstören, und akzeptierte, die Macht mit ihren eigenen Klassenfeinden zu teilen. Das CCMA war also ein Organ der Klassenkollaboration, das den Weg für die Rückeroberung/Rekuperation der Macht durch die Bourgeoisie und für die Konterrevolution ebnete.
These Nummer 3
Ohne Zerstörung des Staates kann von einer proletarischen Revolution nicht die Rede sein.
These Nummer 4
Die CNT und die POUM haben die Frage der Macht nie thematisiert. Der kapitalistische Staat behielt (wenn auch in „geschwächter“, „nominaler“ oder „teilweiser“ Form) seine Funktionen bei. Die Guardia Civil und die Guardia de Asalto3 wurden nicht aufgelöst, sondern MIT IHREN WAFFEN in ihren Kasernen eingesperrt. Da es keine revolutionäre Organisation gab, die in der Lage war, den Antagonismus zwischen dem Proletariat und dem kapitalistischen Staat zu thematisieren, waren die revolutionären „Errungenschaften/Eroberungen“ vom Juli zum Scheitern verurteilt.
These Nr. 5
Die Kollektivierungen konnten keine weitere Entwicklung nehmen, solange der kapitalistische Staat nicht zerstört wurde.
These Nr. 6:
Der Mai 1937 war die politische Niederlage des revolutionären Proletariats welches am fortgeschrittensten war – genau das, was die Konterrevolution brauchte, um in die Gegenoffensive zu gehen.
These Nr. 7
Die Institutionalisierung der CNT hatte bedeutende, unvermeidliche Folgen für den organisatorischen und ideologischen Charakter der CNT selbst.
Die Außergewöhnlichkeit der historischen Situation sowie die Dringlichkeit der zu treffenden Entscheidungen verhinderten eine horizontale und vollversammlungsbasierte Funktionsweise der katalanischen CNT. Das Komitee der Komitees4 leitete die Organisation vom 23. Juli 1936 bis Juni 1937. Die Politische Beratungskommission (CAP)5 übernahm diese Aufgabe von Juni 1937 bis März 1938. In der Zwischenzeit, im Juli 1937, wurde die FAI in eine weitere antifaschistische Partei umgewandelt, die in der Lage war, die notwendigen Bürokraten bereitzustellen und auszubilden, um verantwortungsvolle und leitende Positionen zu übernehmen. Schließlich, vor dem Hintergrund der Fluchtwelle und des Zusammenbruchs der Fronten, leitete das elitäre und selbsternannte Exekutivkomitee der Libertären Bewegung Kataloniens6 die Organisation von April bis Oktober 1938 diktatorisch und hierarchisch, ohne anderen Horizont als die Militarisierung der Arbeit und der Gesellschaft sowie der Organisation selbst.
Anfang Dezember 1936 sahen die obersten Komitees7 die revolutionären Stadtteilkomitees als ihre schlimmsten Feinde an [weil diese sich weigerten, der Anweisung zu folgen, die Waffen an die Front abzugeben] und beschlossen, deren Befugnisse einzuschränken und ihre Verteidigungsabteilungen gewerkschaftlich/syndikalistisch zu kontrollieren, wodurch sie praktisch stillgelegt wurden, bis im März 1937 die Bildung des Einheitssicherheitskorps8, bestehend aus Guardias de Asalto und der Guardia Civil, sowie die drohende Auflösung der Kontrollpatrouillen ihre Wiederbelebung und Wiederbewaffnung notwendig machten – als Vorbereitung auf eine unvermeidliche Konfrontation, die schließlich in die Ereignisse vom Mai mündete.
Die Ideologie der antifaschistischen Einheit, die von den obersten Komitees übernommen und verinnerlicht wurde, schuf eine Gemeinschaft von Interessen und Zielen dieser Komitees mit den übrigen antifaschistischen Organisationen. Diese obersten Komitees verzichteten auf alle anarchosyndikalistischen und revolutionären Prinzipien, mit dem einzigen Ziel, den Krieg zu gewinnen.
Die Institutionalisierung der CNT und die Übernahme der Ideologie der antifaschistischen Einheit machten die obersten Komitees zum schlimmsten Feind der (in der Minderheit befindlichen) revolutionären Opposition innerhalb der CNT, die kurz davor stand, eine Spaltung herbeizuführen – was letztendlich aber nicht passierte, weil diese Opposition durch staatliche und stalinistische Repressionen physisch beseitigt, inhaftiert oder in die Klandestinität getrieben wurde. Diese Repression hatte einen SELEKTIVEN Charakter, da sie sich gegen die revolutionäre Minderheit richtete, während gleichzeitig versucht wurde, die Institutionalisierung der obersten Komitees zu sichern.
Das war kein Verrat, sondern ein Klassenkampf zwischen Anführern und Geführten, zwischen Herrschenden oder Anwärtern auf die Herrschaft und den Beherrschten, zwischen Bürokraten und Arbeitern.
Der Staatsanarchismus brach zusammen und bewies zudem seine Unfähigkeit, die unmittelbaren Interessen der Arbeiter zu verteidigen.
These Nummer 8
Die Militarisierung der antifaschistischen Milizen (CCMA), zusammen mit dem Dekret zur Kollektivierung und der Auflösung der lokalen Komitees, markierte den Beginn und den Verlauf der bourgeoisen Konterrevolution und ihrer Rückeroberung des Staatsapparats, der nicht zerstört worden war.
Die Militarisierung der Milizen an der Front bedeutete nicht nur den Verlust der Kriegsführung durch die Arbeiter und den Verlust jeglicher revolutionärer Ziele, sondern führte auch zur Militarisierung der Nachhut, also der öffentlichen Ordnung.
Und diese Militarisierung der Nachschubgebiete veränderte alle sozialen und politischen Machtverhältnisse, denn Gewalt und Macht waren ein und dasselbe. Die Militarisierung der öffentlichen Ordnung bedeutete zudem einen Prozess zunehmender sozialer, politischer und revolutionärer Demobilisierung der Arbeiter.
In Opposition zur Militarisierung der Volksmilizen (die im Oktober 1936 beschlossen wurde) stach die vierte Gruppe von Gelsa aus der Columna Durruti hervor, die, nachdem sie einen Ausbruch bewaffneter Auseinandersetzungen mit anderen, die Militarisierung befürwortenden Kräften der Kolonne überwunden hatte, beschloss, die Front zu verlassen (im Februar 1937) und mit ihren Waffen nach Barcelona zurückzukehren. Es waren achthundert Deserteure, Protagonisten einer der schönsten Episoden revolutionären Defätismus in der Geschichte des Proletariats.
Diese Milizionäre gründeten zusammen mit anderen radikalen Militanten der CNT, die sich im Kampf um die Vergesellschaftung der Betriebe engagierten, im März 1937 die Agrupación de Los Amigos de Durruti, die schließlich vier- bis fünftausend Anhänger erreichte und sich in Katalonien zu einer revolutionären Alternative zu den (kollaborierenden) Oberkomitees der CNT-FAI bildete.
Von der revolutionären Gewalt der Komitees, die von der katalanischen Bourgeoisie und den Stalinisten als Unruhen angesehen wurde, ging es nach einem Übergang, der einige Monate dauerte, zur „altbekannten“ bourgeoisen Ordnung, in der die Gewalt von den „altbekannten“ repressiven und arbeiterfeindlichen Kräften monopolisiert wurde: der Guardia de Asalto und der Guardia Civil, die am 4. März 1937 zu einem Einheitssicherheitskorps zusammengelegt wurden. Aus dieser Perspektive waren die Ereignisse vom Mai 1937 die notwendige und entscheidende Episode, damit der Staatsapparat das absolute Gewaltmonopol erlangen konnte.
Von der revolutionären Gewalt der Komitees gegen die Bourgeoisie, die Priester und die Faschisten ging es über zur repressiven Gewalt der bourgeoisen Kräfte der kapitalistischen Ordnung gegen die revolutionären Minderheiten. Diese Repression der revolutionären CNT-Opposition (und anderer revolutionärer Minderheiten) verlief parallel und ging Hand in Hand mit der Integration der obersten Komitees in den Staatsapparat (unabhängig davon, ob sie in der Regierung waren oder nicht). Es handelte sich dabei nicht um irgendeinen Verrat der Führung an der Basis, sondern um die beiden notwendigen Aspekte ein und desselben konterrevolutionären Prozesses: die Verfolgung der Revolutionäre und die Institutionalisierung der obersten Komitees.
Die antifaschistische öffentliche Ordnung beruhte auf der antifaschistischen Einheit aller Organisationen mit dem einzigen Ziel, den Krieg zu gewinnen. Dieser militärische Sieg bedeutete und vertiefte die Militarisierung der Milizen, der Ordnungskräfte, der Arbeit, der sozialen Beziehungen und der Politik. Der Krieg verschlang die Revolution.
These Nr. 9
Vom 12. bis zum 24. April bereiteten sich die lokale Föderation anarchistischer Gruppen9, die JJLL10 und die Verteidigungskomitees der Stadtviertel auf einen Aufstand vor, der dem fortschreitenden repressiven Vormarsch der Konterrevolution die Stirn bieten konnte. Mitte April verhandelten Herrera und Escorza [seitens der CNT] mit Companys über eine neue Regierung und einen Ausweg aus der Regierungskrise. Es wurden die ersten Ermittlungsverfahren wegen „geheimer Friedhöfe“ eingeleitet, in denen Mitglieder der Komitees der revolutionären Tage im Juli beschuldigt und inhaftiert wurden. Am 27. April 1937 organisierten die Behörden von Bellver – unterstützt von der Regierung der Generalitat und ermutigt durch das zunehmende Eindringen der Carabineros in die Cerdanya – einen Hinterhalt, um Antonio Martín zu ermorden, und lösten damit eine repressive Offensive gegen die Anarchisten in dieser Region aus. Die obersten Komitees glaubten, es würde reichen, der PSUC, der ERC und der Generalidad „die Zähne zu zeigen“, um ihre Repressionsoffensive zu stoppen. Die Verteidigungskomitees der Stadtviertel von Barcelona überrannten die obersten Komitees und lösten am 3. Mai einen revolutionären Aufstand aus, der sich ihrer Kontrolle entzog.
Seit Juni 1937, nachdem die Kontrollpatrouillen aufgelöst worden waren, kam es zu einer Rückeroberung der verschiedenen Ortschaften und Landkreise durch die Guardias de Asalto und die Guardia Civil, die eine brutale Repression gegen die Mitglieder der CNT und ganz besonders gegen die ehemaligen Patrouillenmitglieder und die prominentesten Militanten durchführten. An vielen Orten verschwand die CNT-Organisation.
Diese Repression des Anarchosyndikalismus wurde von einer passiven Haltung der obersten Komitees begleitet, die sich für eine individuelle und juristische Verteidigung der Gefangenen entschieden, anstatt für eine kollektive und politische Verteidigung. Die Tausenden von anarchosyndikalistischen Gefangenen forderten von den obersten Komitees mehr Engagement und Solidarität, was lediglich dazu führte, dass der RK (Regionalkomitee) der CNT und der RK der FAI sich bereit erklärten, eine klandestine Zeitung herauszugeben, die eine Kampagne zugunsten der Gefangenen startete.
Am 9. Juni 1937 gerieten Campos und Xena in eine byzantinische Diskussion darüber, ob das sogenannte Komitee der Komitees noch existierte oder nicht. Wenige Tage später, am 14. Juni, wurde die Politische Beratungskommission (CAP) offiziell gegründet, die nichts anderes war als eine Neuauflage des im Juli 1936 entstandenen Komitees der Komitees. Die Beweggründe waren dieselben: die Notwendigkeit eines Exekutivorgans, das schnell die wichtigsten und dringendsten Entscheidungen treffen konnte. Doch nun kam ein neuer Grund hinzu: dass die Verteidigungskomitees die oberen Komitees NICHT erneut überrollen sollten, wie es im Mai geschehen war. Und um die Verteidigungskomitees zu versorgen, zu kontrollieren und ein weiteres mögliches Überrollen zu verhindern, wurde das sogenannte Verbindungskomitee11 gegründet, das der CAP unterstellt war.
These Nr. 10
Im Juli 1936 ging es nicht in erster Linie um die Machtübernahme (durch eine Minderheit anarchistischer Anführer), sondern darum, die Zerstörung des Staates durch diese Komitees zu koordinieren, voranzutreiben und zu vertiefen. Die revolutionären Stadtteilkomitees (und einige der lokalen Komitees) machten die Revolution nicht oder ließen sie sein: sie waren die soziale Revolution.
Während die oberen Komitees die CNT in eine weitere antifaschistische Organisation verwandelten, die sich der Wiederherstellung/Rekuperation und Stärkung des republikanischen Staatsapparats widmete, neigten die revolutionären Komitees dazu, die Aufgabe zu übernehmen, den Staat zu zerstören und ihn in all seinen Funktionen zu ersetzen.
Die Zerstörung des Staates durch die revolutionären Komitees war eine ganz konkrete und reale Aufgabe, bei der diese Komitees alle Aufgaben übernahmen, die der Staat vor Juli 1936 wahrgenommen hatte.
Es fehlte eine Gruppierung, die bereit war, diese proletarische Autonomie zu verteidigen, und die in der Lage war, diese revolutionären Komitees zu koordinieren, auszubauen und zu stärken: Los Amigos de Durruti nannten sie Revolutionäre Junta, aber sie wussten nicht, wie sie das umsetzen sollten, und konnten es auch nicht in die Tat umsetzen, obwohl sie auf dem Plakat, das sie Ende April 1937 in Barcelona verteilten, entschieden vorschlugen, die Generalidad durch diese Revolutionäre Junta zu ersetzen.
These Nr. 11
Angesichts der grundlegenden Alternative zwischen Kapitalismus und antikapitalistischer Revolution hat die bourgeoise Ideologie historisch gesehen falsche Alternativen präsentiert, die darauf abzielten, das Proletariat daran zu hindern, sich als revolutionäre Klasse zu behaupten. Im Spanien der 1930er Jahre waren diese Alternativen nacheinander: 1931 Monarchie oder Republik; 1934 Rechte oder Linke; und 1936 Faschismus oder Antifaschismus.
Die Akzeptanz der antifaschistischen Einheit ordnete den Klassenkampf der Verteidigung des republikanischen Staates und der bourgeoisen Demokratie unter. Indem das Proletariat den vom Antifaschismus auferlegten politischen Rahmen akzeptierte, verzichtete es darauf, seine eigene revolutionäre Autonomie zu behaupten, und ließ zu, dass der Krieg gegen den Faschismus zum politischen Instrument für den Wiederaufbau des kapitalistischen Staates und die Niederlage der sozialen Revolution wurde.
Die Debatte
Die elf Thesen waren der Ausgangspunkt einer intensiven Debatte, die sich hier unmöglich in ihrer ganzen Vielfalt und Tiefe wiedergeben lässt. Doch die Beiträge, Kritiken, Übereinstimmungen und Meinungsverschiedenheiten, die in Bujaraloz zur Sprache kamen, ermöglichten es, die elf Thesen noch einmal zu beleuchten und sie mit den verschiedenen Interpretationen der katalanischen revolutionären Erfahrung von 1936–1937 zu konfrontieren. Und die Debatte drehte sich schließlich um ein zentrales Thema: die Frage nach der Macht.
Die katalanische Revolution von 1936 war weder ein bloßes, nicht eingehaltenes Versprechen noch eine Erfahrung, die von Anfang an durch den Krieg zunichte gemacht wurde. Die Gewerkschaften/Syndikate enteigneten systematisch die Fabriken und leiteten die Umwandlung der katalanischen Industrie in eine Kriegsindustrie ein. Die Arbeiter gründeten Komitees, Kollektive, Milizen und Organisationen, die in der Lage waren, Funktionen zu übernehmen, die bis dahin dem Staat und dem kapitalistischen Eigentum zustanden. Die Revolution existierte also als soziale und materielle Realität. Genau deshalb wirft ihre Niederlage eine Frage auf, der sich die anarchistische Bewegung nicht entziehen kann: Wie kann man eine Revolution verteidigen und ausweiten, die die Eroberung der Staatsmacht ablehnt, aber unweigerlich mit der Frage konfrontiert ist, wer die aus der Revolution hervorgegangene reale Macht organisiert, koordiniert und verteidigt?
Hier zeigt sich der grundlegende Widerspruch. Der Anarchosyndikalismus hatte – aus gewichtigen historischen und theoretischen Gründen – die Eroberung des Staates und die Bildung einer neuen herrschenden Klasse abgelehnt. Doch die Ablehnung der Staatsmacht löste nicht automatisch das Problem der auf der Straße bestehenden Macht: die immense reale Macht einiger Gewerkschaften/Syndikate, die Fabriken enteigneten, eine Armee freiwilliger Arbeiter aufstellten und eine Stadt [wie Barcelona] mit über einer Million Einwohnern sowie im weiteren Sinne ganz Katalonien verwalteten. Die teilweise Zerstörung der staatlichen Strukturen eröffnete einen revolutionären Raum, den die Komitees de facto einnahmen, ohne sich jedoch zu koordinieren und zu einer Struktur zu formieren, die in der Lage gewesen wäre, die Funktionen des Staates endgültig zu ersetzen und die errungene Arbeiterautonomie zu verteidigen. Es ging also nicht darum, den Staat zu erobern, sondern zu verhindern, dass sich der Staat auf den Trümmern der Revolution wieder aufbaute, und diese immense Macht der Gewerkschaften/Syndikate und Komitees auszuüben, die in der Lage war, Fabriken zu enteignen, eine Armee aufzustellen oder eine Region zu verwalten.
Der Widerstand dagegen, diese Frage anzusprechen, hatte verschiedene Ursachen. Zum einen herrschte ein tiefes Misstrauen – gerechtfertigt durch die historische Erfahrung – gegenüber jeder Zentralisierung, die sich in eine separate Autorität, Bürokratie oder neue Macht über die Arbeiter verwandeln könnte. Doch dieser Widerstand konnte zu einem Widerspruch führen: jede Koordination, jede Zentralisierung von Funktionen oder jede gemeinsame politische Organisation mit der Schaffung eines neuen Staates gleichzusetzen und damit die Notwendigkeit außer Acht zu lassen, eine Revolution zu koordinieren und zu verteidigen, die bereits ihre eigenen Organe der sozialen Macht geschaffen hatte: die Komitees.
Auch die antipolitische und antistaatliche Tradition des Anarchismus spielte eine Rolle, ebenso wie das Vertrauen darauf, dass die Ausweitung der Kollektive und der gewerkschaftlichen/syndikalistischen Organisation ausreichen würde, um das revolutionäre Problem von selbst zu lösen. Die Erfahrungen von 1936 zeigten jedoch, dass die Umgestaltung der ökonomischen und sozialen Verhältnisse nicht von der Frage nach der Macht, der Koordination und der politischen Führung des revolutionären Prozesses getrennt werden konnte. Dort, wo der Staat nicht zerstört worden war, behielt er die Möglichkeit, sich wieder aufzubauen. Und dort, wo es der Revolution nicht gelang, ihre eigenen Organe zu koordinieren, nahmen andere Mächte diesen Raum ein.
Die antifaschistische Kollaboration war die konkrete politische Form, die es ermöglichte, diesen Widerspruch zugunsten des Staates aufzulösen. Im Namen der Einheit, des Krieges und der Notwendigkeit, den Faschismus zu besiegen, akzeptierte die Revolution, die Macht mit Kräften zu teilen, die unterschiedliche und letztlich antagonistische Interessen hatten. Die obersten Komitees der CNT-FAI wurden nach und nach in diese Logik integriert, während die revolutionären Organe, die eine größere Autonomie bewahrten, untergeordnet, entwaffnet oder unterdrückt wurden. Die Frage der Macht verschwand nicht: Sie wurde durch den Wiederaufbau der Staatsmacht und durch die Subordination der revolutionären Autonomie gelöst.
Die Lehre aus dem Jahr 1936 besteht also nicht darin, den Anarchismus durch eine Theorie der Machteroberung zu ersetzen oder die revolutionären Organe in einen neuen Staat zu verwandeln. Sie besteht darin zu verstehen, dass eine libertäre Revolution eigene Formen sozialer Macht braucht: Entscheidungs-, Koordinations- und Verteidigungsorgane, die der direkten Kontrolle der Arbeiter unterliegen und mit der revolutionären Umgestaltung der Gesellschaft verbunden sind. Die entscheidende Frage ist nicht, wer den Staat besetzt, sondern welche Organe verhindern können, dass der Staat, das Kapital und die Bürokratien die Kontrolle über die Revolution zurückgewinnen, um sie zunichte zu machen.
Die katalanische Erfahrung ließ diesen Widerspruch offen. Die Komitees waren in der Lage, das gesellschaftliche Leben zu verändern und die Fabriken systematisch zu enteignen, aber es gelang ihnen nicht, sich zu koordinieren, um diese Veränderung zu verteidigen und auszuweiten. Der revolutionäre Anarchismus besaß eine außergewöhnliche soziale Kraft, stieß jedoch auf enorme Schwierigkeiten, seine Ablehnung von Autorität in eine Strategie umzusetzen, die dem Problem der tatsächlichen Macht gewachsen war. Die Revolution wurde nicht besiegt, weil eine libertäre Emanzipation unmöglich war, sondern weil es ihr nicht gelang, das Verhältnis zwischen Autonomie, Koordination, revolutionärer Autorität und sozialer Macht politisch zu lösen.
Neunzig Jahre später ist das Problem immer noch heikel. Eine Revolution, die sich darauf beschränkt, ökonomische oder soziale Räume zu besetzen, aber den Wiederaufbau der Staatsmacht nicht verhindert, muss zusehen, wie ihre Errungenschaften wieder rekuperiert werden. Eine Revolution hingegen, die eine von der Gesellschaft getrennte Macht schafft, läuft Gefahr, genau das zu reproduzieren, was sie eigentlich zerstören wollte. Zwischen diesen beiden Gefahren – der Ohnmacht gegenüber dem Wiederaufbau des Staates und der Verwandlung der Revolution in eine neue Herrschaftsmacht – liegt eines der grundlegenden Probleme jeder libertären Revolution.
Die Geschichte bietet weder fertige Vorbilder noch garantierte Lösungen. Auch die Erfahrung von 1936 erlaubt es nicht, die Niederlage in eine Doktrin zu verwandeln. Aber sie zwingt zum Nachdenken. Die katalanische Revolution hat gezeigt, dass soziale Autonomie existieren und das Gemeinschaftsleben tiefgreifend verändern kann. Ihre Niederlage hat gezeigt, dass diese Autonomie koordiniert, verteidigt und ausgeweitet werden muss, ohne zu einer von denen, die sie tragen, getrennten Macht zu werden.
Das ist vielleicht die Frage, die Bujaraloz’ Debatte offen lässt: Wie kann man die Staatsmacht zerstören, ohne sie zu reproduzieren? Wie kann man eine revolutionäre Kraft aufbauen, ohne sie zu einer separaten Autorität zu machen? Und wie kann man die Arbeiterautonomie koordinieren, ohne sie zu zerstören? Die Revolution von 1936 hat diese Widersprüche nicht gelöst. Genau deshalb bleibt sie eine lebendige Erfahrung für diejenigen unter uns, die aus dem Anarchismus heraus weiterhin nach einer Revolution suchen, die siegreich sein kann, ohne dabei ihre libertäre Natur aufzugeben – mit dem unverzichtbaren und notwendigen Ziel, den Staat zu zerstören und den Kapitalismus zu überwinden.
Die folgenden Schlussfolgerungen sollen diese vielfältige, pluralistische und unerschöpfliche Debatte nicht abschließen, sondern ihre zentrale Frage aufgreifen: das Verhältnis zwischen sozialer Revolution, proletarischer Autonomie und der Frage der Macht.
Schlussfolgerungen der Debatte: Die elf Thesen und die Machtfrage
Diese Schlussfolgerungen sind eine offene Zusammenfassung der verschiedenen Positionen und Widersprüche, die die Debatte selbst zutage gebracht hat.
Die katalanische revolutionäre Situation von 1936–1937 machte eine der wichtigsten, tiefgreifendsten und umfassendsten Erfahrungen der Selbstorganisation und Selbstverwaltung in der Geschichte der Arbeiterbewegung zur Realität. Ihre Niederlage lässt sich nicht allein durch die militärische Überlegenheit ihrer Feinde oder durch die außergewöhnlichen Umstände des Krieges erklären. Der entscheidende Faktor war politischer Natur: Das revolutionäre Proletariat war nicht in der Lage, den anfänglichen Zerfall der Staatsmacht und die außergewöhnliche Stärke seiner Komitees in eine Struktur umzuwandeln, die fähig gewesen wäre, die eigene Macht zu koordinieren, auszudehnen und zu festigen und dabei den kapitalistischen Staat endgültig zu zerstören. Es wurde besiegt, weil das Proletariat den kapitalistischen Staat nicht zerstörte und es ihm auch nicht gelang, seine eigene revolutionäre Macht zu organisieren und zu verteidigen.
Die Revolution eröffnete für kurze Zeit die konkrete Möglichkeit, die Gesellschaft auf antikapitalistischen Grundlagen neu zu ordnen und die traditionellen Institutionen durch Organe zu ersetzen, die direkt aus den Aktionen der Arbeiter hervorgegangen waren. Doch die Politik der Klassenkollaboration, die Akzeptanz der antifaschistischen Einheit, die Institutionalisierung der Arbeiterorganisationen und die Unterordnung der Revolution unter die Erfordernisse des Krieges ermöglichten den schrittweisen Wiederaufbau des Staatsapparats und das Voranschreiten der Konterrevolution.
Ohne Theorie gibt es keine Revolution, und die Macht nicht zu ergreifen bedeutete, sie dem kapitalistischen Staat zu überlassen. Für die Agrupación de los Amigos de Durruti war der CCMA ein Organ der Klassenkollaboration, das lediglich dazu diente, den bourgeoisen Staat zu stützen und zu stärken. Daher die Notwendigkeit, eine Revolutionäre Junta zu bilden – als Organ der Klasse, das in der Lage ist, die Macht der zahlreichen Arbeiterkomitees – ob lokal, Verteidigungskomitees, Betriebskomitees, Milizkomitees usw. – zu koordinieren, zu zentralisieren und zu stärken. Eine atomisierte Macht, die auf unzählige Komitees verteilt war, die lokal die gesamte Macht „usurpierten“, aber da sie sich nicht zusammenschlossen, zentralisierten und gegenseitig stärkten, wurden sie vom CCMA in frontpopulistische Stadträte, Führungen gewerkschaftlich/syndikalistisch organisierter Unternehmen und Bataillone einer republikanischen Armee kanalisiert, geschwächt und umgewandelt. Ohne die vollständige Zerstörung des kapitalistischen Staates konnten die revolutionären Tage im Juli 1936 nicht den Weg für eine neue Struktur der Arbeitermacht ebnen.
Die grundlegende Lehre aus der Revolution vom Juli 1936 besteht nicht nur darin, Fehler, Verantwortlichkeiten oder Niederlagen aufzuzeigen, sondern darin, die untrennbare Verbindung zwischen der sozialen Revolution und der Machtfrage zu verstehen. Eine Revolution, die die bestehenden staatlichen Strukturen nicht zerstört und keine eigenen Machtorgane schafft, ist der Gefahr ausgesetzt, dass ihre Errungenschaften von den konterrevolutionären Kräften zurückerobert werden. Die proletarische Autonomie darf sich nicht auf die Besetzung von Fabriken, Land oder sozialen Räumen beschränken: Sie braucht auch eine organisierte politische Fähigkeit, sich zu verteidigen und voranzukommen.
Deshalb hat die revolutionäre Erfahrung Kataloniens von 1936–1937 nach wie vor ihre volle Gültigkeit. Nicht als fertiges Modell, das man idealisieren oder mechanisch nachahmen sollte, sondern als historische Erfahrung, aus der man Lehren ziehen kann. Ihre Niederlage beweist nicht, dass soziale Emanzipation unmöglich ist; sie beweist, dass eine Revolution, die darauf verzichtet, den Staat zu zerstören, und ihre Autonomie der Klassenkollaboration unterordnet, letztendlich die Wiederherstellung der Macht des Staates, des Kapitals und der Bürokratien zulässt.
Die Geschichte bietet weder Garantien noch Patentrezepte, aber sie lässt erkennen, warum sie letztendlich besiegt wurde. In diesem Sinne ist die Auseinandersetzung mit der Revolution und der Konterrevolution in Katalonien keine Übung in Nostalgie oder Gelehrsamkeit, sondern eine Aufgabe der historischen Kritik und des politischen Lernens. Die Vergangenheit kann der Zukunft nur dann dienen, wenn man sie in ihrer ganzen Komplexität versteht – ohne Mythen und ohne Verschweigen –, damit die Niederlagen des Proletariats nicht nur in Erinnerung bleiben, sondern auch reflektiert werden. Die Revolution von 1936 wurde besiegt. Die nächste Revolution kann es sich nicht leisten, zu ignorieren, warum.
Agustín Guillamón
Bujaraloz, 25. Juli 2026
1A.d.Ü., im Original Patrullas de Control.
2A.d.Ü., im Original Comité Central de Milicias Antifascistas de Cataluña.
3A.d.Ü., hierbei handelt es sich um zwei verschiedene Polizeikörper.
4A.d.Ü., im Original Comité de comités.
5A.d.Ü., im Original Comisión Asesora Política.
6A.d.Ü., im Original Comité Ejecutivo del Movimiento Libertario de Cataluña.
7A.d.Ü., im Original Comités Superiores.
8A.d.Ü., im Original Cuerpo único de Seguridad.
9A.d.Ü., im Original Federación local de Grupos Anarquistas.
10A.d.Ü., Juventudes Libertarias.
11A.d.Ü., im Original Comité de Enlace.