DEMOKRATIE: Die Fantasie einer Rückkehr zu den Wurzeln

Von uns übersetzt.


DEMOKRATIE: Die Fantasie einer Rückkehr zu den Wurzeln

Verfassungsgebende Staatsbürger”, „Gentils Virus”1, „Insoumis”: die Verfechter der „wahren” Demokratie

Sie sind, wenn man so sagen kann, eine ganze Schar, die uns diese Antiquität namens griechische Demokratie aufschwatzen wollen. Diese Marotte geht auf Étienne Chouard zurück, einen Gymnasiallehrer aus Marseille, der 2005 durch seine Kritik am Entwurf der Europäischen Verfassung bei der radikalen Linken und den Globalisierungsgegnern bekannt wurde. In der Folge entwickelte er die Idee, dass eine radikale Veränderung der Gesellschaft durch eine verfassungsgebende Versammlung erfolgen müsse, die ein Regime einführt, das sich teilweise an den klassischen athenischen Institutionen orientiert. Nach und nach verbreiteten sich seine Thesen im Internet und er überzeugte sowohl die souveränistische Linke als auch einen Teil der extremen Rechten und der Verschwörungsszene. So war er lange Zeit Gast in den Medien beider Lager – was uns vermuten lässt, dass sich diese Lager derzeit stark annähern. Sein Interesse an den „Überlegungen” von Alain Soral hat jedoch einen Teil seiner linken Anhänger abgeschreckt.

Das hindert seine Ideen jedoch nicht daran, weiterhin Anklang zu finden, und es gibt zahlreiche Kollektive (Citoyens constituants, Gentils Virus), die sich dafür einsetzen, seine Thesen über Diskussionskreise, Theaterstücke (insbesondere im Off-Festival in Avignon), das Internet (lemessage.org) oder Filme (J’ai pas voté von Moïse Courilleau und Morgan Zahnd) zu verbreiten. Es gibt auch eine große Durchlässigkeit zwischen den Anhängern von Chouard und den Insoumis von Jean-Luc Mélenchon, was sicherlich erklärt, warum Letzterer während seines Wahlkampfs eine teilweise durch Los bestimmte verfassungsgebende Versammlung gefordert hat.

Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern.“ Giuseppe Tomasi di Lampedusa Der Leopard

Seit mehreren Jahren begegnet man in sozialen Kämpfen Menschen, die uns davon überzeugen wollen, dass die athenische Demokratie des 5. Jahrhunderts v. Chr.2 eine unverzichtbare Inspirationsquelle sei. Sie heben den angeblichen Egalitarismus dieses Systems hervor und neigen dazu, uns vergessen zu lassen, wie die athenische Gesellschaft dieser Zeit wirklich war. Angesichts des Erfolgs dieser Thesen ist eine kleine historische Erinnerung angebracht3.

Von welcher Gleichheit sprechen wir?

In der griechischen Welt bezeichnete der Begriff demos, das „Volk”, nicht alle Einwohner einer Stadt, sondern nur diejenigen, die den Status eines Staatsbürgers hatten. Die zunehmende rechtliche Gleichheit ging jedoch mit einer immer strengeren Definition dieses Status einher. Im 5. Jahrhundert musste man, um athenischer Staatsbürger zu sein, ein Mann im Alter von 18 Jahren sein, dessen Vater athenischer Staatsbürger war. Ab 451 musste man nach einer Reform von Perikles zusätzlich der Sohn einer Tochter eines Staatsbürgers sein4. Aber das reichte noch nicht aus, der angehende Staatsbürger musste auch nachweisen, dass er Anspruch auf diesen Status hatte. Wenn ihm dies bestritten wurde, konnte er sich entweder mit dem Status eines Metöken (Staatsbürger einer anderen griechischen Stadt, der in Athen lebte und individuelle Freiheit, aber keine Bürgerrechte genoss) zufrieden geben oder seinen Fall vor Gericht bringen. Wenn er die Richter nicht überzeugen konnte, wurde er als Sklave verkauft, weil er versucht hatte, den Status eines Staatsbürgers zu usurpieren.

Die Bürgergemeinschaft war also sehr klein, auch wenn sich ihre Grenzen im Laufe der Zeit verschoben. Historiker schätzen, dass es in der klassischen Zeit in ganz Attika (dem von Athen verwalteten Gebiet) zwischen 30.000 und 40.000 athenische Staatsbürger gab, bei einer Gesamtbevölkerung von mehr als 300.000 Menschen. Frauen, Kinder, Metöken und Sklaven hatten einen anderen, spezifischen Rechtsstatus, aber keine politischen Rechte. Was die Sklaven betrifft, die als „lebende Werkzeuge” betrachtet wurden, so schwanken die Schätzungen ihrer Zahl für das 5. Jahrhundert zwischen 200.000 und 250.0005, was die Bedeutung der Sklavenarbeit in der griechischen Gesellschaft verdeutlicht. Sie waren meist billig, und fast alle Staatsbürger, selbst die Armen, hatten mindestens einen in ihren Diensten.

Selbst innerhalb der Staatsbürgerschaft waren nicht alle gleichgestellt. Es wird vermutet (heute jedoch mit einigen Zweifeln), dass es Solon war, der 594-593 die Bürgerschaft in vier Zensusklassen unterteilte und die athenischen Institutionen reformierte.

Damit brach er mit dem oligarchischen Regime, in dem sich die großen aristokratischen Familien Athens bis dahin um die Macht gestritten hatten. Die Rechte der Staatsbürger richteten sich jedoch nach den Einkünften, die sie aus dem Land erzielten, was in den meisten Fällen mit ihrer Fähigkeit korrelierte, ihre Ausrüstung als Soldaten zur Verteidigung der Stadt zu finanzieren. Die ärmste Klasse, die Theten, zu denen Landarbeiter und Handwerker gehörten, durften nur in der Ekklesia, der Vollversammlung, in der über Gesetze und Krieg abgestimmt wurde, und in der Heliaia, dem Volksgericht der Stadt, sitzen. Die drei reichsten Klassen hatten darüber hinaus Zugang zur Vollversammlung, die die Gesetze vorbereitete, der Boule, sowie zu Magistraturen (Verwaltungs- und Militärkommandoposten), deren Prestige ihrem Rang entsprach. Die reichste Klasse umfasste die Aristokraten6 und war die einzige, die das wichtigste Amt der damaligen Zeit, das Archontat, ausüben durfte.

Das Jahrhundert des Perikles

Im Laufe des 6. Jahrhunderts, unter der Tyrannei der Pisistratiden und vor allem mit den Reformen des Kleisthenes (508-507), verbesserte sich das Schicksal der Staatsbürger. Allerdings betraf die Gleichheit in Athen nur den politischen Bereich. Wie heute in unseren modernen Demokratien garantierte der Status als Staatsbürger keine gleichen Lebensbedingungen, sondern nur eine theoretische Gleichheit vor dem Gesetz7. Die Boule, deren Mitglieder per Los bestimmt wurden8 – eine Art der Ernennung, die unsere heutigen Verfechter der athenischen Demokratie verurteilen –, hat dieses Prinzip offenbar nie in Frage gestellt. Die soziale Spaltung der bürgerlichen Gemeinschaft war sogar in der Ekklesia zu spüren. Dass ein Quorum von 6.000 Teilnehmern festgelegt werden musste, damit wichtige Abstimmungen als gültig galten, lag daran, dass von den fast 40.000 Bürgern, die das Recht hatten, dort zu sitzen, nur wenige dies tatsächlich taten. Die Ärmsten und diejenigen aus den entlegensten ländlichen Gebieten konnten sich die manchmal lange Reise nicht leisten, da sie dadurch Arbeitstage verloren hätten.

Zwar wurde Perikles ab den 450er Jahren für mehrere Jahre zum Strategen gewählt und bemühte sich, die Ungleichheiten zwischen den Staatsbürgerklassen zu verringern. Die Theten erhielten Zugang zur Boule und zum Archontat9. Er dehnte auch das Prinzip der Zahlung einer Entschädigung, des Misthos, auf die meisten öffentlichen Ämter aus und erleichterte so armen Staatsbürgern den Zugang zu diesen Ämtern. Man sollte jedoch nicht zu viel Lobeshymnen auf ihn singen. Diese Politik entsprach offenbar den Forderungen der Theten, die seit den Perserkriegen zu Beginn des 5. Jahrhunderts eine unverzichtbare Rolle als Ruderer auf den Trieren und damit bei der Verteidigung der Stadt gespielt hatten. Darüber hinaus sahen die antiken Autoren darin ein Mittel für Perikles, seinem Rivalen Kimon Konkurrenz zu machen, einem reichen Aristokraten, der sich durch klientelistische Praktiken die Unterstützung armer Staatsbürger sicherte.

Die Frage der Finanzierung des Misthos verdient es, gestellt zu werden. Dieses Entschädigungssystem wird heute oft als Paradebeispiel für eine egalitäre Maßnahme angeführt. Dabei wird jedoch leicht übersehen, dass das Geld aus der Herrschaft Athens über einen Teil der Städte der Ägäis stammte.

Der athenische Imperialismus

Nach den Perserkriegen von 490 und 480 und angesichts der persischen Gefahr beschlossen einige Städte der griechischen Welt, sich zum Delischen Bund (Attischer Bund) zusammenzuschließen. Anfangs nahmen alle diese Städte, darunter auch Athen, an einem Rat teil, der einmal im Jahr auf der Insel Delos zusammentrat und gemeinsam über die Maßnahmen gegen die Perser entschied. Um Teil des Bundes zu sein, mussten sie entweder ein Kontingent an Soldaten oder einen Geldbeitrag, den phoros, leisten. Die so gebildete Schatzkammer des Bundes wurde in Delos aufbewahrt. Um 450 gewann Athen innerhalb des Delischen Bundes zunehmend an Macht. Als es 454 aufgrund von Niederlagen in Ägypten zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Bundes kam, setzte Athen durch, dass die Schatzkammer in seiner Stadt, im Tempel der Athena auf der Akropolis, aufbewahrt werden sollte. Nach und nach übte die Stadt Druck aus, um sich das Recht zu sichern, einen Teil des Phoros zur Finanzierung ihrer Institutionen, insbesondere des Misthos, und bestimmter von Perikles in Auftrag gegebener öffentlicher Bauvorhaben zu verwenden.

Ab 448 war die Ägäis von der persischen Flotte befreit, was bedeutete, dass der Delische Bund theoretisch keinen Grund mehr hatte zu existieren. Aber die Athener setzten ihre Beibehaltung durch und unterdrückten die Aufstände der Städte, die aus ihr austreten wollten oder sich ihrer Herrschaft widersetzten. Ein berühmtes Beispiel für ihre demokratische Brutalität ist das von Thukydides im Dialog zwischen den Meliern und den Athenern berichtete. Im Jahr 416, während des Peloponnesischen Krieges, wurde die neutrale Stadt Melos von den Athenern belagert, die wollten, dass sie sich ihnen anschloss. Die Diskussion zwischen den Vertretern der beiden Städte ist von Thukydides erfunden, aber sie veranschaulicht die Herausforderungen der Situation.

Die Melier machten ihr gesetzliches Recht geltend, sich nicht zu unterwerfen. Die Athener entgegneten ihnen mit dem natürlichen Recht, das ihnen ihrer Meinung nach aufgrund ihrer Macht zustand, und antworteten wie folgt: „Wir wissen es, und ihr wisst es genauso gut wie wir, dass Gerechtigkeit in der Argumentation der Menschen nur dann eine Rolle spielt, wenn die Kräfte auf beiden Seiten gleich sind; andernfalls üben die Starken ihre Macht aus, und die Schwachen müssen sich ihnen unterwerfen.“10

Die Melier weigerten sich, sich zu beugen, und hofften auf spartanische Hilfe, die jedoch nie kam. Nach einer langen Belagerung ergaben sie sich schließlich. Alle Männer wurden getötet, die Frauen und Kinder versklavt und das Land an Kleruchen verteilt, eine Art athenischer Kolonisten, die in die eroberten Städte geschickt wurden. Die Kleruchen, die meist aus den Theten rekrutiert wurden, behielten ihre Bürgerrechte, obwohl sie sich außerhalb des athenischen Territoriums befanden, und dank der Einkünfte aus den Ländereien, die sie gerade erhalten hatten, konnten sie sich die teure Ausrüstung eines Hopliten (griechischer Fußsoldat) finanzieren. Dies vergrößerte den Soldatenpool Athens, das die unterworfenen Städte so besser überwachen konnte.

Der Fall von Melos ist kein Einzelfall, mehrere andere Städte erlitten mehr oder weniger das gleiche Schicksal. Interessant ist übrigens, dass Athen manchmal Tyrannen in widerspenstigen Städten einsetzte, um sich deren Gehorsam zu sichern. Diese Vorherrschaft Athens über die griechische Welt begann ab 415 zu bröckeln. Sparta übernahm die militärische Vorherrschaft, und die Demokratie wurde von aristokratischen Fraktionen bedroht, die versuchten, eine Oligarchie wiederherzustellen (die Vierhundert im Jahr 411, dann die Dreißig im Jahr 404). Im Jahr 404 musste Athen nach seiner Niederlage seine Befestigungsanlagen zerstören und seine Flotte auf zwölf Trieren reduzieren. Im Jahr 403 wurde die Demokratie wiederhergestellt, aber die Stadt hatte das Imperium verloren, das mehr als fünfzig Jahre lang ihren ökonomischen Wohlstand und die Vitalität ihres politischen Systems gesichert hatte.

Die Macht, seine großen Männer zu wählen

Dass die Vierhundert 411 eine Oligarchie durchsetzen konnten, lag vor allem daran, dass die Theten zu dieser Zeit im Krieg waren und weit weg von Athen auf den Trieren rudern mussten. Als sie zurückkehrten, stellten sie das demokratische Regime wieder her, das ihnen günstiger erschien. Diese Episode zeigt jedoch, dass die angebliche Aufhebung der sozialen Ungleichheiten durch die politische Gleichheit der Demokratie nur fiktiv war. Die armen Staatsbürger hatten zwar gewisse Vorteile gegenüber anderen sozialen Schichten, aber eindeutig nicht die gleiche Macht wie die Aristokratie, die trotz der Regierungswechsel weiterhin existierte und die athenische Gesellschaft dominierte. Man muss sich nur die soziale Herkunft der „großen Männer” der athenischen Demokratie ansehen, um sich davon zu überzeugen. Einige hatten sogar sehr lange Karrieren an der Macht, wie Perikles, der etwa zwanzig Jahre lang als Stratege im Amt blieb, während das demokratische Regime seinen Höhepunkt zu erreichen schien. Thukydides räumte in diesem Zusammenhang ein, dass „diese Regierung, die den Namen Demokratie trug, in Wirklichkeit die Regierung eines einzigen Mannes war”11.

Dies lässt sich insbesondere durch die Anziehungskraft erklären, die große Redner auf das Publikum einer Vollversammlung ausübten (und immer noch ausüben). Die Demokratie, ob in der Antike oder heute, ist ein System, das denjenigen einen Vorteil verschafft, die die Kunst der Rede beherrschen, unabhängig davon, welche Positionen sie vertreten. Nun konnte sich aber kein Landarbeiter Rhetorik- und Redekunstunterricht leisten. Sich in der Ekklesia zu äußern, war zudem nicht ohne Risiko. Zwar konnte jeder Staatsbürger dort einen Dekret vorschlagen, aber wenn dieser als Verstoß gegen bestehende Gesetze angesehen wurde, riskierte die Person eine strafrechtliche Verfolgung und möglicherweise einen Ostrazismus (Verbannt aus der Stadt für maximal zehn Jahre). Es war also besser, Jura studiert zu haben, bevor man sich daran wagte!

Die Illusion der „wahren” Demokratie

Oftmals gehen diejenigen, die die athenische Demokratie preisen, nicht auf historische Details oder Realitäten ein (die meist ignoriert werden), sondern beziehen sich auf ein angebliches Prinzip: „die Macht des Volkes”.

Das athenische System ist jedoch nicht von der Gesellschaft zu trennen, die es hervorgebracht hat, und es ist das Ergebnis von Machtverhältnissen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die Maßnahmen, die als grundlegend für die Demokratie angesehen wurden, waren vor allem empirisch und hatten zum Ziel, den sozialen Frieden zu wahren und gelegentlich die Macht eines Gesetzgebers zu festigen.

Angesichts der Aufstände des ländlichen Demos und des Aufstiegs einer städtischen Kleinbourgeoisei (Handwerker und Händler) gegen die Macht der Aristokraten versuchte Solon, den Status quo wiederherzustellen. Er erließ den armen Bauern ihre Schulden und verbot die Versklavung athenischer Staaatsbürger wegen Schulden, lehnte jedoch die Umverteilung von Land ab, die von denen gefordert wurde, die er als „die Bösen” (die armen Bauern) bezeichnete. Der Grundbesitz blieb somit in den Händen der Aristokratie, der „Guten”. Der Einsatz von Sklavenarbeitern wurde fortgesetzt, und die ländlichen Sklaven athenischer Herkunft wurden einfach durch Sklaven ersetzt, die in Kriegen gegen andere Städte gefangen genommen oder von Händlern gekauft worden waren.

Der Tyrann Pisistratos bietet uns ein weiteres Beispiel. Während seiner Herrschaft, die von 561 bis 527 dauerte, schuf er die Richter der Deme (Magistrate, die einem Wahlkreis zugeordnet waren und Streitigkeiten zwischen Bürgern beurteilten) und entzog damit seinen aristokratischen Konkurrenten eines ihrer traditionellen Vorrechte. Aber die abenteuerlichen Täuschungsmanöver, mit denen er dreimal die Macht ergriff (seine Herrschaft wurde durch zwei Exile unterbrochen), zeigen, dass er keine große Achtung vor dem demos12 hatte.

Was das Prinzip des demokratischen Systems anbelangt, so führte die schrittweise Einführung von Institutionen, die den Athenern immer mehr politische Gleichberechtigung verschafften, darunter auch das Losverfahren, lediglich zu einer virtuellen Gleichheit. Die Aristokraten blühten weiterhin auf und dominierten das politische Leben Athens, während die Theten sich kaum an den Institutionen beteiligten, da sie zu sehr damit beschäftigt waren, mit ihrer kleinen handwerklichen Produktion oder ihrer Lohnarbeit zu überleben. Die Perfektionierung des demokratischen Systems erforderte zudem die Ausbeutung schwächerer Städte und den umfangreichen Einsatz von Sklaven, insbesondere in den Silberminen.

Heutzutage könnte sich der Kapitalismus also sehr gut mit einer politischen Verwaltungsform arrangieren, die eine Boule und eine Ekklesia umfasst, da seine Grundlagen woanders liegen. Es ist verständlich, dass diese Art von politischem Ideal die Kleinbourgeoisie und die Arbeiter mit einem gewissen Bildungsniveau ansprechen kann. Angesichts des derzeitigen sozialen Abstiegs dieser Gruppen bietet es Hoffnung auf soziale Anerkennung und symbolische Befriedigung, ohne das Privateigentum zu gefährden und diejenigen zu begünstigen, die Zugang zu Bildung hatten. Problematischer wäre es hingegen, wenn die Masse der Ausgebeuteten, die nichts davon zu gewinnen hat, dieser Art von Diskurs erliegen würde.

M.

Dieser Text erschien erstmals 2017 im Fanzine Spasme, Nr. 13: https://spasme.noblogs.org/


1Die Gentils Virus sind all diejenigen, die glauben, dass: wir nicht in einer echten Demokratie leben, weil wir nur Herrscher wählen können, die alles für uns entscheiden; viele Probleme unserer Gesellschaft die Folge der politischen Ohnmacht der Staatsbürger sind und längst gelöst wären, wenn das Volk wirklich etwas dagegen unternehmen könnte; wir unbedingt eine echte Demokratie brauchen, um diese Probleme lösen zu können; wir darüber sprechen müssen, um die Staatsbürger in uns allen zu wecken, damit wir mit vielen Stimmen eine echte Demokratie fordern können; wir versuchen also, den Menschen den Virus der Demokratie zu vermitteln, daher der Name „Gentils Virus” (die guten Viren).

2Alle Daten, die sich auf die Antike beziehen, werden im weiteren Text als vor Christus betrachtet.

3Eine Vielzahl von Lehrbüchern zur Alten Geschichte ermöglichen dies. Wir haben uns auf das Lehrbuch von Claude Orrieux und Pauline Schmitt Pantel, Histoire grecque, Paris, PUF, 1995, gestützt.

4Perikles, der sich auf die armen Statsbürger stützte, wollte möglicherweise die Söhne seiner aristokratischen Rivalen, von denen einige dazu neigten, Frauen aus anderen Städten zu heiraten, aus der Staatsbürgerschaft ausschließen.

5Raymond Descat, Esclave en Grèce et à Rome, Hachette littératures, 2006, S. 67-71.

6Die Aristokraten waren die größten Grundbesitzer und möglicherweise auch die großen Kaufleute und Minenbesitzer.

7Das ist übrigens die Bedeutung der von Kleisthenes verkündeten Isonomie: die Gleichheit der Staatsbürger vor dem Gesetz (iso: „gleich“, nomos: „Gesetz“).

8Zunächst unter den drei oberen Klassen, dann, nach Perikles, unter allen Staatsbürgern.

9Ein Amt, das jedoch zugunsten des Amtes des Strategen an Bedeutung verloren hatte!

10Thukydides, V, lxxxix.

11Thukydides, II, lxv.

12Aristoteles berichtete 250 Jahre später von den, wie wir zugeben müssen, ziemlich unwahrscheinlichen Listigkeiten des Pisistratos. Das erste Mal behauptete Pisistratos vor der Vollversammlung, er sei Opfer eines Attentats geworden. Mit den dreihundert Leibwächtern, die ihm die Stadt zur Verfügung stellte, übernahm er die Macht. Beim zweiten Mal ließ er das Volk glauben, dass es die Göttin Athene selbst war, die ihn auf einem Wagen in die Stadt zurückbrachte. Beim dritten Mal, während er die Staatsbürger zu einer Rede einlud, stahlen seine Männer alle Waffen der Stadt und versteckten sie. (Aristoteles, Verfassung von Athen, XIII bis XIX).

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