Iran: Über den Bruch zwischen einem Teil der Gesellschaft und linken Kräften in einem revolutionären Moment

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Iran: Über den Bruch zwischen einem Teil der Gesellschaft und linken Kräften in einem revolutionären Moment

Von Anarchist Front

5. Januar 2026

Die Hinwendung eines Teils der Gesellschaft zu den als „links” oder „pluralistisch” bezeichneten Kräften lässt sich nicht einfach auf den medialen Erfolg rivalisierender Strömungen, darunter die Pahlavis, zurückführen. Diese Kräfte haben zwar bestehende Lücken effektiv ausnutzen können, doch diese Lücken waren bereits im sozialen Kontext und in der Beziehung zwischen einem Teil der Linken und der Lebenswelt der Gesellschaft entstanden. Das Hauptproblem ist nicht einfach ein Versagen im Bereich der Narrative, sondern eine Krise der sozialen und sprachlichen Verbindung.

Ein Teil der intellektuellen Elite, der gemeinhin der Linken zugerechnet wird, hat sich in Bezug auf Sprache, symbolische Position und Umgang mit der Gesellschaft in einer überlegenen Position definiert. Diese Überlegenheit ist nicht unbedingt auf bewusste Absicht oder Herrschaftsstreben zurückzuführen, wird aber in der sozialen Erfahrung der breiten Öffentlichkeit als eine Art Vormundschaft wahrgenommen. In dieser Situation spricht die politische Sprache nicht aus dem Herzen der gesellschaftlichen Erfahrung, sondern aus einer Position der moralischen und kulturellen Korrektur heraus, als ob die soziale Realität der Menschen reformiert, verfeinert oder im Bewusstsein angehoben werden müsste.

Diese Kluft wird in Krisen- und Revolutionszeiten noch größer. In solchen Momenten will die Gesellschaft eher Anerkennung für ihr Leiden, ihre Wut und ihre Unsicherheit, statt detaillierte strukturelle Analysen. Aber anstatt dieses Leiden direkt zu benennen, reduziert ein Teil der Linken es auf makroökonomische und abstrakte Konzepte und hält Abstand von der objektiven Erfahrung der Gesellschaft, indem er ständig auf globale Strukturen, globale und regionale politische Belange und komplexe theoretische Sprache verweist. Das Ergebnis ist, dass sich die Gesellschaft analysiert und beraten fühlt, aber nicht gehört.

Andererseits führt die ständige Kritik an den gemeinsamen identitätsstiftenden Elementen, insbesondere der nationalen Identität, ohne die Fähigkeit oder den Willen, eine alternative, kohärente Identität zu schaffen, zu einem Identitätsvakuum. Ohne ein minimales „Wir” kann die Gesellschaft in einem Zustand des Bruchs und der Krise keine nachhaltigen kollektiven Aktionen ergreifen. Pluralität, die nicht mit einer gemeinsamen und greifbaren Erzählung verbunden ist, führt zu Zerstreuung und Machtverlust. Genau in diesem Vakuum gewinnen konkurrierende Kräfte mit einfachen, emotionalen und entschiedenen Erzählungen – auch wenn sie reaktionär oder falsch sind – die Oberhand.

In diesem Sinne ist Elitismus mehr als ein Fehler, er ist eine soziale Situation: eine Situation, in der sich der intellektuelle oder politische Aktivist als Anführer der Gesellschaft und die Gesellschaft als Objekt seiner Führung sieht. Eine solche Sichtweise, selbst wenn sie von emanzipatorischen Absichten begleitet ist, setzt die Handlungsfähigkeit der Gesellschaft außer Kraft und führt zur Reproduktion einer Form des Elitismus. Die Gesellschaft spürt diese Aussetzung und leistet Widerstand, manchmal indem sie sich Kräften zuwendet, die zumindest ein Gefühl der Zugehörigkeit und des Gehörs verschaffen. Sie versucht, ihre Identität zu finden und zu verteidigen.

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